Samstag, 25. Juli 2009

"Ich bin das Brot des Lebens"

Vom Hunger, vom Hunger und vom Sattwerden ist an diesem Wochenende in den Gottesdiensten die Rede - sowohl in der ersten Lesung aus dem Alten Testament als auch im Evangelium (vgl. Lesung: 2 Kön 4,42-44; Evangelium: Joh 6,1-15). Dass Hunger mehr sein kann als ein knurrender Magen, das wissen wir. Menschen hungern nach Frieden, nach Liebe, nach Anerkennung nach Gerechtigkeit. Diesen Hunger nach mehr als Brot will der Herr stillen.

»Ich muss hungern, ich kann nicht anders«, sagt der Hungerkünstler in der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka. »Warum kannst du denn nicht anders?«,wird er gefragt, und der Hungerkünstler flüstert dem Fragenden ins Ohr: »Weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich voll gegessen wie du und alle.« -

Kafkas Hungerkünstler hat die Nahrung verweigert, weil sie seinen Hunger nach Leben nicht gestillt hat.Wie steht es um unseren Hunger? Haben wir Hunger nach einer Speise mit dem »Geschmack fürs Unendliche« oder sind wir so selbstzufrieden, dass wir diesen Hunger nicht mehr empfinden?

Jesus bietet uns ein »Lebensmittel« an, das nicht nur den Hungrigen Sättigung, sondern auch den Satten einen ganz neuen Hunger verspricht. Dieses Lebensmittel ist ER selbst: Er ist das Brot für unseren Lebenshunger.

Den Reichtum, den wir in Jesus haben, zeigen uns auch die beiden Bilder, die Jesus für sich beansprucht: "Ich bin das Brot des Lebens" und "Ich bin das Licht der Welt". Es ist verständlich, dass die Sorge ums tägliche Brot eine zentrale Rolle spielt. Die Menschen hätten Jesus am liebsten zum "Brotkönig" gemacht, aber er entzog sich ihnen (Joh.6,11-15). Im folgenden Gespräch baten sie ihn: "Herr, gib uns allezeit dieses Brot", weil sie wohl an die unerschöpfliche Brotquelle dachten, von der ihre Vorfahren in der Wüste gelebt hatten. Aber Jesus erklärt ihnen: "Ich bin das Brot des Lebens" und lenkt ihre Aufmerksamkeit von der Vergangenheit weg hin zu seiner Person. Denn es geht nicht um das irdische Brot, sondern um Gottes Brot, und das ist Jesus. Von unserem Verhältnis zu ihm hängt es ab, ob unser Lebenshunger gestillt wird.

"Wenn Jesus sagt: Ich bin das Brot, das ihr zum Leben braucht, so ruft er uns damit zu: Ich allein mache euch wirklich satt: 'Wer zu mir kommt, wird nie wieder Hunger leiden!' ... Das sind keine leeren Worte! Jesus hält, was er verspricht. Er lässt uns seine Liebe spüren, unterweist und erquickt uns durch sein Wort. Er lädt uns ein an seinen Tisch, beschenkt uns mit seinem Heiligen Geist, der uns bezeugt, dass wir für Zeit und Ewigkeit Gottes geliebte Kinder sind"

"Ich bin das Licht der Welt", das ist das andere Bild, das Jesus für sich nimmt. Ohne Licht kein Leben! Es ist immer das Licht, das die Finsternis vertreibt. Dabei ist es kein hartes Licht, das von Jesus ausgeht, denn es ist das warme göttliche Licht, das Licht der Liebe, des Friedens, der Hoffnung und des Trostes. Es ist das Licht der Wahrheit und der Unterweisung. Wenn wir von Jesu Licht getroffen und erleuchtet sind, können wir zum Licht für andere werden, die noch in der Finsternis leben.

»Der ewige Gott lässt sich genießen und verzehren wie das tägliche Brot. Also wie das, was man zum Leben unbedingt braucht«. Greifen wir zu! Denn dieses Brot nährt nicht nur, es schmeckt auch, es schmeckt nach Ewigkeit und es gibt Ewigkeit.

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