Dienstag, 4. August 2009

Ich will mein Elend nicht mehr ansehen

Die Israeliten begannen wieder zu weinen und sagten: Wenn uns doch jemand Fleisch zu essen gäbe! Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst zu essen bekamen, an die Gurken und Melonen, an den Lauch, an die Zwiebeln und an den Knoblauch. Doch jetzt vertrocknet uns die Kehle, nichts bekommen wir zu sehen als immer nur Manna.

Mose hörte die Leute weinen, eine Sippe wie die andere; jeder weinte am Eingang seines Zeltes. Da entbrannte der Zorn des Herrn; Mose aber war verstimmt und sagte zum Herrn: Warum hast du deinen Knecht so schlecht behandelt und warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, dass du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst? Habe denn ich dieses ganze Volk in meinem Schoß getragen oder habe ich es geboren, dass du zu mir sagen kannst: Nimm es an deine Brust, wie der Wärter den Säugling, und trag es in das Land, das ich seinen Vätern mit einem Eid zugesichert habe? Woher soll ich für dieses ganze Volk Fleisch nehmen? Sie weinen vor mir und sagen zu mir: Gib uns Fleisch zu essen! Ich kann dieses ganze Volk nicht allein tragen, es ist mir zu schwer. Wenn du mich so behandelst, dann bring mich lieber gleich um, wenn ich überhaupt deine Gnade gefunden habe. Ich will mein Elend nicht mehr ansehen. (Num 11,4-15)


Was mutet Gott manchen Menschen zu? Das frage ich mich als Seelsorger manchmal, wenn Menschen mir im Gespräch ihr Leid klagen. Mose und dem Volk Israel geht es nicht anders. Sie empfinden ihr Leben, ihren Weg ins gelobte Land als Zumutung und sehnen vergangene Zeiten herbei. Sie klagen, murren und begehren auf.

Mose wird zum Sprachrohr der Unzufriedenen. Er wendet sich an den Herrn und klagt ihm das Leid der Israeliten und seine eigene Last. Er fühlt sich von Gott im Stich gelassen.

Ähnlich empfinden heute Menschen manchmal ihre Situation. In ihrem Leiden vermissen sie die Fürsorge und Nähe Gottes. Manche verwehren sich aus Furcht vor Gott die offene Klage, andere schreien laut auf, fragen Gott nach dem Warum und kommen sogar ins Zweifeln.

Mose und auch Jesus zeigen uns: Wir dürfen in Situationen des Leidens uns an Gott wenden, wir dürfen hadern, klagen und fragen. Das Fragen und Zweifeln gehört zum Glauben dazu. Erst wenn wir ganz verstummen, haben wir uns und Gott aufgegeben.





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