Sonntag, 9. August 2009

Johann Schorkops aus Espeler: 68 Jahre im Dienst der Kirche als Organist


Von Lothar Klinges

Mit der Königin der Instrumente ist Johann Schorkops seit 70 Jahren vertraut. „Wenn einer sich freiwillig zum Organistendienst in Espeler meldet, höre ich aber gleich auf, ansonsten mache ich noch gerne weiter“, sagt Johann Schorkops, Ostbelgiens dienstältester Organist, „denn ich habe sehr viel Freude am Gesang und am Orgelspiel.“ Nach so vielen Jahren ist er kaum mehr von der Orgel wegzudenken. Ohne das Orgelspiel würde ihm sicherlich etwas ganz Wichtiges fehlen, räumt er ein. Die Musik hat einen großen Raum in seinem Leben eingenommen.

Wer das Wohnzimmer von Johann Schorkops betritt, merkt sofort, welches sein Lieblingsinstrument ist. An der Wand hängt ein Gemälde von Helmuth Hahn, das die drei Orgeln der Pfarre zeigt und das er zu seinem 60-jährigen Jubiläum als Dankeschön für seine Verlässlichkeit und sein Engagement in den vielen Jahren von der Pfarre überreicht bekam. Daneben hängt der päpstliche Orden „Bene Merenti“, und natürlich steht im Zimmer eine Orgel, an die er übt und sich auf die Gottesdienste vorbereitet.

„Er ist noch fit und solange er noch kann, hilft er gerne aus“, ergänzt seine Frau Goara Berens, mit der er seit 53 Jahren verheiratet ist. Bei ihr fand er für seine Passion und die damit verbundene geringe Freizeit viel Verständnis. „Ich verstehe meinen Einsatz an der Orgel unserer Kirche als einen Dienst an unserer Dorfgemeinschaft“, erklärt der 83-jährige Kirchenmusiker seine Motivation. „Ich freue mich, dass ich mich in meinem Alter noch für unsere Dorfkirche einsetzen kann“.

„Natürlich ist man gebunden“, erklärt Johann Schorkops. Aber mit früher sei dies nicht mehr zu vergleichen, da hätten noch viel mehr Gottesdienste als heute stattgefunden. Jahrzehntelang spielte er die Frühmesse in Espeler, anschließend das Hochamt in der Pfarrkirche Dürler und am Nachmittag, nach der Christenlehre, die Andacht. Er erinnert sich an das 40-stündige-Gebet, als an drei Tagen neben den Gottesdiensten auch noch verschiedene Gebetsstunden, die Vesper und die Komplet an der Orgel begleitet wurden. „Damals war man noch jung und voller Tatendrang, und die Arbeit war mir nie zuviel“, bekräftigt der auch heute noch aktive Sänger im Kirchenchor St. Mathias Dürler-Espeler.

„Meine Finger sind Gottseidank noch immer sehr beweglich“, freut sich Johann Schorkops. „Dafür bin ich dem Herrgott sehr dankbar, der mir die Gesundheit gegeben hat.“ Leider machen die Füße nicht mehr so mit, so dass er auf das Pedalspiel an der Orgel verzichten muss. Aus Gesundheitsgründen möchte er sich aber doch langsam zurückziehen, sagt er. „Das können Sie ruhig schreiben“, meint Johann Schorkops und schaut dabei etwas gedankenverloren in sein Album, das wichtige Etappen seines Kirchendienstes festhält. Und gleich fällt sein Blick auf eine Glückwunschkarte von Bischof Aloys Jousten, der kurz nach seiner Bischofsweihe über die Zeitung von seinem 60. Dienstjubiläum erfuhr. „Das hat mich besonders gefreut, dass der Bischof an mich gedacht hat.“, freut er sich noch heute. „Und dieses Foto hier muss noch eingeklebt werden.“ Es zeigt ihn und die anderen Kirchenbediensteten von Espeler zusammen mit Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz. „Er hat mich gefragt, wie lange ich schon als Organist tätig bin?“

Ein Hauptgedanke bleibt ihm während der vielen Jahre immer vor Augen: „Das Spielen im Gottesdienst macht mir immer viel Freude und hat seinen besonderen Wert, denn es ist ein Dienst an Gott und der Christengemeinde.“ Als Organist möchte er so spielen, dass die Gläubigen gerne mitsingen und so den Gottesdienst zu einem echten Fest werden lassen. Musik sagt eben mehr als tausend Worte. Das ist auch in der Kirche so.

„Als Organist spiele ich alles“, und auch die Umstellung bei der Liturgiereform von den lateinischen Gesängen auf deutsche Lieder „habe ich gut geschafft“. Lieder gehören zum Gottesdienst wie Kerzen oder Blumen. Sie verleihen einer Messe die Festlichkeit. Gerade durch die Lieder können die Menschen den Glauben auf intensive Weise erfahren.

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