Freitag, 14. August 2009

Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt - Ein fast vergessener Brauch ist wieder aktuell

Das Fest Mariä Himmelfahrt und der Brauch der Kräutersegnung wurden durch fromme Legenden miteinander verbunden. So erzählte man sich, dass, als die Gottesmutter gestorben war und die Apostel das Grab drei Tage später besuchten, sie das Grab leer auffanden - Maria war mit Seele und Leib in den Himmel aufgenommen worden -, aber doch angefüllt mit Rosen und Lilien, und dass die Umgebung erfüllt war mit dem Duft von vielen dort wachsenden Heilkräutern.

Dass der Brauch der Kräutersegnung bei uns in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden war, dürfte vor allem daran liegen, dass für die modernen Menschen die Heilkräuter nicht mehr so wichtig waren, wie für ihre Vorfahren. Immerhin hat die Medizin uns eine Fülle von wirkungsvollen Medikamenten beschert, die die Heilkräuter überflüssig zu machen schienen. In den letzten Jahren jedoch war der Glaube an die Überlegenheit der modernen Medikamente in mehr und mehr ins Wanken geraten, ebenso wie der gesamte Glaube daran, dass mit Naturwissenschaft und Technik alle Probleme der Menschheit in den Griff zu bekommen seien. Zunehmend erkennen wir die Grenzen, die der menschlichen Wissenschaft gesetzt sind.

Dies hat zu einer Rückbesinnung auch auf die Kräfte der Heilkräuter geführt. Man bevorzugt bei Medikamenten solche Präparate, die natürliche Substanzen, wie sie auch in Heilkräutern vorkommen, enthalten. Bücher, die sich mit Heilkräutern und ihrer Anwendung beschäftigen, finden regen Absatz. Allenthalben werden von Bildungseinrichtungen Kurse über das Heilen mit Kräutern angeboten. Natürlich sollte man nun nicht in das Gegenteil dessen verfallen, was man in den vergangenen Jahrzehnten geglaubt hat, und sich nur noch auf Kräuter zu verlassen. Dies könnte böse Folgen für die Gesundheit haben. Doch ist es sicherlich sinnvoll, die modernen Medikamente durch Heilkräuter zu ergänzen und zu unterstützen.

Welche Pflanzen und Blumen man für das Kräuterbündel zum Hochfest Mariä Himmelfahrt verwendet, ist in den einzelnen Regionen ganz unterschiedlich. Hier spielen naturgemäß die jeweiligen klimatischen bzw. landschaftlichen Verhältnisse eine große Rolle. Aber auch von Ort zu Ort kann dies traditionell stark differieren, so dass es nicht möglich ist, allgemein verbindliche Regeln zu anzugeben.

Grundsätzlich kann alles genommen werden, was man an Heilendem und Schmückendem in Wald und Flur oder auch im heimischen Garten findet, und was einen Bezug zu der Gottesmutter Maria, die als "Heil der Kranken" verehrt wird, herstellen kann.

Es müssen immer sieben Kräuter sein, aber man kennt auch die 9er, 12er, 15 er und 19er Buschen, sogar den Buschen mit 77 verschiedenen Kräutern!

Der 9er Buschen besteht z. B. aus Johanniskraut, Schafgarbe, Baldrian, Arnika, Königskerze (immer in die Mitte binden), Kamille, Wermut, Pfefferminze und Tausendgüldenkraut.

Der 15er Buschen besteht z.B. aus Fünffingerkraut, Glockenblume, Kümmel, Margerite, Eberwurz, Bibernelle, Wermut, Königskerze (immer in die Mitte binden), Pfefferminze, Weinraute, Liebstöckel, Teufelsabbiß (Tormentil), Mooskolben, Bittersüßer Nachtschatten und Johanniskraut.

Diese Kräuter werden zu einem dicken Busch gebunden, in der Kirche geweiht und mit nach unten hängenden Blüten zum Trocknen aufgehängt. Ist der Kräuterbusch schön trocken, zupft man einige Kräuter ab, zerreibt sie und vermischt sie evtl. mit Weihrauch und räuchert alles zusammen.







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