Samstag, 5. September 2009

Am Anfang -

Die Schöpfungsgeschichte etwas anders erzählt
Am Anfang
schuf Gott eine Welt,
wo Leben, Liebe und Glück
den Menschen ein Zuhause sein sollten.
Gott segnete diese Welt,
denn er glaubte an den Menschen.

Und Gott sprach:
Das Kind soll von Anfang an Wärme
und Geborgenheit erhalten!
Und er schuf den Mutterschoß,
der das Kind während neun Monaten
umhüllen sollte.
Das war der erste Tag.
Und Gott sah, dass es gut war.

Das Kind aber sollte
in diese Welt geboren werden,
damit sie reicher werde an Liebe.
Und Gott sprach:
Geben wir ihm nach der Geburt
Hände, die das Kind umschließen
und es an den wärmenden Körper legen!
So schuf Gott die liebenden Arme der Mutter.
Das war der zweite Tag.
Und Gott sah, dass es gut war.

Hunger und Durst
überkamen das junge Geschöpf.
Es begehrte nach Nahrung.
Und Gott sprach:
Gebt ihm, nach dem sein Körper verlangt!
Und die Mutter nahm das Kind an ihre Brüste.
Das Kind stillte seinen Hunger und Durst
und lernte vertrauen.
Das war der dritte Tag.
Und Gott sah, dass es gut war.


Das Kind begehrte aber nach mehr
als nur nach Essen und Trinken.
Es sehnte sich nach Nähe.
Und Gott sprach:
Das Kind soll erfahren, dass es angenommen ist!
Und die Mutter sagte Ja zu ihm
und schaute ihm beim Stillen liebend in die Augen.
Das war der vierte Tag.
Und Gott sah, dass es gut war.


Das Kind öffnete immer mehr seine Augen.
Es sah viele Gesichter, dunkle und helle.
Und Gott sprach:
Schenken wir dem Kind Freude und Glück!
Und die Mutter lachte das Kind an, es lächelte zurück.
Und auf der Welt gab es von da an mehr Glück.
Das war der fünfte Tag.
Und Gott sah, dass es gut war.


Immer mehr fragte das Kind
nach dem Du, das ihm Nahrung gab,
es anschaute und anlachte.
Und Gott sprach:
Das Kind soll dem Du Du sagen können,
geben wir ihm die Kraft der Worte!
Und die Eltern redeten mit dem Kind.
Das Kind sagte Mama, Papa.
Eltern und Kind verstanden einander.
Das war der sechste Tag.
Und Gott sah, dass es gut war.

Am siebenten Tag sprach Gott:
Lassen wir das Kind immer mehr auf eigenen Füßen stehen!
Lassen wir es gehen, Schritt um Schritt,
damit es einmal - nach Jahren -
seinen eigenen Weg gehen kann!
Und die Eltern ließen es kriechen,
reichten ihm bald die Hand,
hielten es und ließen es los.
Das Kind lernte gehen.
Eltern und Kind waren glücklich.
Alle freuten sich über das gemeinsame Unterwegs.
Das war der siebente Tag.
Und Gott sah, dass der Anfang sehr gut war. (Hans Kuhn-Schädler)

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