Montag, 28. September 2009

Fest der Erzengel Michael, Raphael und Gabriel

Einmal im Jahr erinnert uns die Kirche an jene himmlischen Wesen, die wir Engel nennen. In der Bibel werden nur drei Engel mit Namen genannt: Michael, Gabriel und Raphael. Aber gerade diese drei – und gerade weil sie so unterschiedlich sind – zeigen uns ganz deutlich, auf welche Weise wir Gottes Kraft erfahren können: In ihrem Namen verbirgt sich ein Programm.


Rafael - Sein Name = übersetzt: "Gott heilt"
Gott will für unser Leben Heil in einem umfassenden Sinn, Er möchte, dass wir heil sind an Leib und Seele. Da hören wir im alttestamentlichen Buch Tobit von einem jungen Mann namens Tobias - der sein Elternhaus verläßt, um nach langer, gefahrvoller Reise wieder dorthin zurückzukehren. Auf dieser langen Reise, lernt er eine Frau kennen und lieben. Es ist die Geschichte vom Erwachsen werden. Zu diesem Erwachsen werden gehört, wie so oft im Leben von jungen Menschen: das Lösen von den Eltern; die Erfahrung auf eigenen Beinen zu stehen um so zum gereiften Menschen zu werden. Dieser junge Mann Tobias hat auf seinem Weg einen Wegbegleiter, der ihm immer wieder die entscheidenden Hinweise für sein Leben und Überleben gibt, der also heilvoll in sein Leben eingreif; der ihm hilft sein Leben auf Gott hin zu deuten, der durch seinen Rat und seine Nähe die Wunden und die Angst, die ein Mensch auf dem Weg des Erwachsen-werdens erleidet, heilt. Die Bibel nennt diesen Begleiter Rafael = übersetzt "Gott heilt".


Gabriel - Sein Name = übersetzt: " Gott ist meine Kraft," oder auch „Held Gottes“

Da berichtet das Neue Testament von einem jungen Mädchen mit Namen Maria, die erfährt, dass sie den Sohn Gottes gebären soll. Diese Wirklichkeit ihres Lebens zu bejahen und anzunehmen, bedarf der Unterstützung, bedarf eines Gesprächspartners. Die Bibel nennt diesen Gesprächspartner Gabriel - „Held Gottes“ - und sagt, er sei ein Engel.

Dieser „Held Gottes“ macht Maria deutlich, dass Gott, ihre Entscheidung respektiert. Dass er keinen Menschen zwingt, sondern wartet auf unser "Ja" zu ihm. In einer Welt, in der Menschen immer wieder ihre Macht über andere mißbrauchen, in der sie aus Engstirnigkeit und Fanatismus keinen Widerspruch dulden und die Freiheit beugen, hören wir von einem Gott, der unsere Entscheidungen respektiert.



Michael - Sein Name = übersetzt: "Wer ist wie Gott?"

Da ist ein Alter Mann namens Johannes, der in einer geistigen Schau ein großes Bild von der Welt sieht. Wir nennen es die Offenbarung des Johannes. In dieser Schau sieht er den großen Kampf zwischen Gut und Böse, dieser Kampf, der sich im Herzen eines jeden Menschen immewieder ereignet. Denn immer wieder ist der Mensch versucht, sich selbst zum Mittelpunkt der Welt zu machen, sich über Gott zu stellen. In diesem Kampf, den Johannes auch in sich spürte, erfährt er, dass Gott ihn nicht allein lässt, sondern ihm für das Gute einen Streiter zur Seite gibt. Es ist Michael, dessen Name eine Anfrage an die Menschen ist, ein In-Frage-Stellen des menschlichen Größenwahnes: Michael = "Wer ist wie Gott?"

Auch hier wird Gottes Botschaft an alle Menschen deutlich: Wenn Menschen sich zum Mittelpunkt der Welt erheben, dann gibt es Zerstörung, Unterdrückung, Leid und Krieg. Die Geschichte der Menschheit ist voll davon. So sollte der Name "Michael" uns allen immer vor Augen stehen als Mahnung und Anfrage: "Wer ist wie Gott?" Denn die Antwort ist klar: Niemand ist wie Gott! Niemand kennt Gott ganz und gar, und Herr über Leben und Tod ist darum nicht König noch Kaiser, noch Präsident. Der Herr des Lebens ist nur der Schöpfer selbst.

Viele schlaue Köpfe haben sich über Engel die Köpfe heiß gedacht und ganz viele, sehr scharfsinnige Antworten gefunden. Aber bei all dem Denken und Fragen: Engel? Ja? Nein? Welche Gestalt? Wo? Wie? Wann?

Bei all dem Fragen und Nachdenken kommt immer wieder eine wunderbare Antwort ans Licht. Und diese Antwort ist gleichzeitig ein großer Zuspruch an uns. Nämlich: Gott will uns begleiten und er will uns schützen. - Und das tut er auf verschiedene Arten und Weisen. Gott hat viele Möglichkeiten, uns nahe zu sein.

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