Samstag, 3. Oktober 2009

Erntedankfest in Maldingen

Altes Brauchtum

Die Idee des Erntedankfestes geht wahrscheinlich auf vorchristliche Religionen zurück. Schon im Judentum und in römischen Religionen feierte man im Herbst die reichen Gaben der Erde. Das Erntedankfest ist eines der ältesten Feste überhaupt. Früher lebten über 80 Prozent aller Menschen auf und vom Land. Im Winter waren sie von der eingebrachten Ernte abhängig. Deshalb dankten sie Gott am Ende der Erntezeit für das Gedeihenlassen der Früchte. Das Erntedankfest zeigt, dass das "täglich Brot" nicht so alltäglich ist, sondern hart erarbeitet werden muss.

Dieses Jahr hatten die Frauen der Ländlichen Bewegung einen Gottesdienst vorbereitet in welchem das Augenmerk vor allem auf die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Wind gerichtet war. Diese vier Elemente sind unverzichtbar für das Wachsen unserer Lebensmittel.

Stellvertretend für viele anderen Pfarrgemeinden in denen das Erntedankfest gefeiert wurde, veröffentliche ich nachfolgend einige Fotos aus der Kirche in Maldingen. Dort hatte die örtliche Landfrauengruppe den Gottesdienst am Samstagabend vorbereitet. Die Maldinger kamen zahlreich zur Kirche, um für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit zu danken. Danach hatten die Landfrauen ins Vereinslokal eingeladen und gaben kleine Leckereien zum Besten. Eine schöne Geste, die bei den Anwesenden gut ankam.

Vergiss nicht zu danken

Danken ist nicht die Stärke vieler Menschen. Sie sagen: das habe ich mir selbst erarbeitet, das war mein eigener Fleiß, meine Ausdauer. Ich bin selber im Stande für mich zu sorgen, ich brauche niemand anders. Wir sind es gewohnt, aus dem Vollen zu schöpfen. Die Regale in den Geschäften sind übervoll. Es soll der Eindruck entstehen: Du kannst aus dem Vollen schöpfen, du hast alle Möglichkeiten, du brauchst dich nicht einzuschränken. Du kannst dich wie im gelobten Land fühlen.


Der Mensch vergisst leicht über den Gaben den Geber.

Schon im Buch Deuteronomium steht die Mahnung: "Wenn du ins gelobte Land hineingezogen bist und isst und satt wirst und den Herrn, deinen Gott, für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist, dann nimm dich in acht und vergiss, den Herrn, deinen Gott, nicht." (Dtn 8, 10f) Ja, die Gefahr ist groß Gott zu vergessen. Die Gefahr ist groß, dass wir Menschen uns übernehmen. Wir glauben alles im Griff zu haben, alles selber zu können. Dabei vergessen wir wie empfindlich unsere Mutter Erde ist und wie sie auf unser Verhalten reagiert.

Seit einigen Jahren häufen sich die Meldungen über zunehmende Wetterkapriolen, Wirbelstürme, Unwetter oder schmelzende Polarkappen. Wir rütteln mit unserer komfortablen Lebensweise an den Grundfesten der Erde. Die Zeichen der Zeit deuten darauf hin, dass der Traum vom zivilisierten Leben umschlagen kann ins Gegenteil. Der Traum vom guten Leben droht zum Albtraum zu werden.Es ist Zeit, dass immer mehr Menschen begreifen: Wenn wir so weiterleben wie bisher gehen wir der Klimakatastrophe entgegen.

Was hat das mit Erntedank zu tun? Nun, traditionell richtet sich der Blick am Erntedankfest auf das, was auf den Feldern gewachsen ist. Aber es ist meines Erachtens höchste Zeit, an einem solchen Tag die Erde selber in den Blick zu nehmen. Die Erde, die uns Menschen als Lebensraum von Gott zur Verfügung gestellt wurde. Und nicht nur einigen wenigen, die sie für ihre Zwecke ausbeuten, sondern sie steht allen Menschen zur Verfügung, damit jeder einen Platz zum Leben hat und genug zu essen.


Wir sind reich Beschenkte

Die Heilige Schrift erinnert uns daran, nicht zu vergessen, dass wir viele Dinge Gott und nicht der eigenen Tüchtigkeit verdanken. Wir sind mit so vielem reich beschenkt. Reichtum besteht ja nicht nur aus einem satten Bankkonto, sondern auch aus so simpelen Dingen wie Schwarzbrot und sauberes Wasser. Oder aus der Tatsache, dass ich eine Arbeitsstelle habe, eine Familie, gesunde Kinder. Als Reichtum sehe ich es auch an, dass wir Frieden in Europa haben.

Heute wollen wir uns erinnern und bewusst machen, dass wir die vielen Dinge die wir für ein würdiges Leben brauchen, nicht allein unserer Leistung verdanken, sondern dass sie Geschenk Gottes sind. Dieses Wissen, wie sehr wir Beschenkte, Empfangende sind, bleibt vielen verborgen oder wird verdrängt.

Aber erst dieses Wissen, dieses sich uns bewusst machen, dass wir Beschenkte sind, befähigt zu feiern und Gott für alle Gaben zu preisen und zu danken. -- Vergessen wir also nicht zu danken.

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