Sonntag, 25. Oktober 2009

Erste umfassende Biografie von Freddy Derwahl über Pater Anselm Grün erschienen

Wer ist Pater Anselm Grün wirklich?

Von Lothar Klinges

Wer in Ostbelgien kennt nicht Pater Anselm Grün, Benediktinermönch und einer der bedeutendsten christlichen Schriftsteller der Gegenwart. Von vielen fast wie ein „Popstar in Mönchskutte“ verehrt.

Viele seiner 300 Bücher mit einer weltweiten Auflage von 14 Millionen (in 32 Sprachen) liegen auch auf ostbelgischen Tischen und werden immer wieder gerne gelesen. Vor einigen Jahren war er auf Einladung des Landfrauenverbandes „Frauen in Bewegung“ im Pfarrheim Weywertz und im Elsenborner Kulturzentrum „Herzebösch“, das aus allen Nähten zu platzen drohte.

Am 14. Januar 2010 wird der populäre Zeitgenosse 65 Jahre alt. Obschon Anselm Grün seit Jahrzehnten im Licht der Öffentlichkeit steht, weiß man über die Privatperson eher wenig. Diese Lücke schließt Freddy Derwahl mit der ersten ausführlichen Biografie „Anselm Grün. Sein Leben“, die anlässlich des 65. Geburtstages erscheint.

Sie erzählt auf mitreißende Weise das Leben des Benediktinermönchs aus Münsterschwarzach in der Nähe von Würzburg, von seiner Kindheit in einem Münchener Vorort, von der Suche nach Gott, die ihn sein Leben lang begleitet, um die Atmosphäre im Kloster bis zu seinem Wirken als weltbekannter Autor. Dem Autor ist wahrhaftig nichts Wichtiges verborgen geblieben.

„Es soll aber keine Lobeshymne werden“, sagte das bald 65-jährige Geburtstagskind seinem Gesprächspartner Freddy Derwahl, der am Fest Mariä Lichtmess, am 2. Februar dieses Jahres, mit dem Schreiben der Biografie begann. Pater Anselm Grün kannte die Bücher des Eupener Autors über Papst Benedikt XVI. und Hans Küng sowie die „Eremiten“. Deshalb hatte er ihn als Autor vorgeschlagen. Auf der Grundlage vieler Gespräche, die der Biograf mit Personen aus dem nahen Umfeld Grüns führte, erlebt der Leser den Menschen Anselm hautnah. Täglich führte

Als ein nachhaltiges Erlebnis für den Autor war die Begegnung mit Anselms Schwester, der Schriftstellerin Linda Jarosch. „Sie machte nach all den Kontakten und Recherchen den Blick frei auf einen neuen Anselm.“, schreibt Freddy Derwahl, der stets „tiefere Facetten einer Lebensgeschichte entdeckte, die stark und schön ist.“ Es ist ihm nichts Wichtiges verborgen geblieben.

So ist ein fundiertes, lebensnahes und authentisches Buch über einen geistlichen Schriftsteller entstanden, das in hervorragender Weise die geistlichen Wurzeln seiner Spiritualität erschließt. Ob Karl Rahner, C.G. Jung oder der Trappistenmönch Thomas Merton – es waren vielfach Querdenker, die den Benediktiner auf seiner Suche nach der ureigenen Sendung inspirierten. Der Autor zeichnet nicht nur den Lebensweg Anselm Grüns nach, sondern ergründet das gesamte Umfeld. Auch die Einsamkeit und die Stundengebete in der Abteikirche, die Krypta, die Klausur und der Kreuzgang und vieles mehr hat er auf sich wirken lassen.

Das dabei gewonnene Profil wird für den einen oder anderen
Leser sicherlich ein ungewohntes Licht auf den geschätzten Mönch werfen, aber dadurch kommt eine echte Begegnung mit seiner Persönlichkeit zustande. Die Biografie will keine „Erfolgsstory" sein, sondern die sehr private Geschichte des Paters aufzeigen, mit seiner Berufungsgeschichte, die von vielen Zweifeln und von Durchhalten geprägt war und den außergewöhnlichen Menschen hinter dem Mönch durchscheinen lassen, der als Cellerar, als Verwalter der Großabtei, dafür verantwortlich ist, dass die 90 Mönche und rund 250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht von der Hand in den Mund leben. Freddy Derwahl ein- bis zweistündige Begegnungen mit dem Pater in einem Sprechzimmer des Gästehauses der Abtei. Das Frage- und Antwortspiel mit dem verschwiegenen Mönch musste Freddy Derwahl noch erlernen, denn „Anselm ist ein scheuer Mensch, er blinzelt lieber mit den Augen, als lange Erläuterungen zu verbreiten.“ Dennoch ist es ihm gelungen, einem öffentlich zwar sehr bekannten, aber dennoch äußerst bescheidenen Mönch nahezukommen.

Aus den wochenlangen Begegnungen und
„Nachtgesprächen“ bei den langen Autobahnfahrten mit seinem „klapprigen Golf“ zu seinen Vorträgen entwickelte sich ein nahezu vertrauliches Verhältnis, das von großem Respekt und Sympathie getragen ist. Anselm Grün überließ ihm eine Kiste mit persönlichen Briefen und Notizen. „Das empfand ich als besonderen Vertrauensbeweis“, schreibt Freddy Derwahl zur Entstehungsgeschichte des Buches.

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