Dienstag, 27. Oktober 2009

Wenn Kinder trauern

Kinder sind offen. Sie sind neugierig. Sie fragen nach allem. Die wohl am schwersten zu beantwortenden Kinderfragen sind die über den Tod. Und gerade diese lösen bei den Erwachsenen Befangenheit aus. Wie sollen sie das erklären, was sie selbst nicht verstehen? Wie Kindern beistehen, wenn sie selbst unsicher sind im Umgang mit Tod und Trauer? Das Werkblatt der Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands „Wenn Kinder trauern“ will Eltern Sicherheit, Mut und konkrete Tipps geben, mit Tod und Trauer so umzugehen, dass sie den Verlust für sich und gemeinsam mit ihren Kindern aushalten. Norbert Kugler, Leiter der Kontaktstelle Trauerbegleitung der Diözese Augsburg hat in Zusammenarbeit mit dem „Bunten Kreis“ Augsburg, Kontaktstelle für trauernde Eltern und Geschwister, diese Hilfe geschrieben für alle, die mit ihren Kindern um den Verlust eines geliebten Menschen trauern. Die Broschüre kann online bestellt werden unter http://www.werkblaetter.de oder telefonisch unter Tel. 02224/71031.


Zehn Verhaltenshilfen für Eltern im Umgang mit trauernden Kindern

1. Geben Sie Kindern die Chance zu lernen, wie man trauert.
Zeigen Sie Ihre Trauer. Überspielen Sie nichts. Geben Sie ihren Kindern die Möglichkeit, Trauer an anderen und die eigene Trauer zu erleben.

2. Lassen Sie Kinder auch über die kleinen Verluste im Leben trauern.
Die Katze stirbt, ein Freund zieht in eine andere Stadt, das Lieblingsstofftier ging verloren. Das sind Gelegenheiten für Kinder, das Abschiednehmen zu lernen.

3. Informieren Sie Kinder über Todesfälle im Umfeld.
Wenn Kinder nur die Verhaltensänderung der Erwachsenen wahrnehmen, aber keine Erklärung dafür bekommen, entwickeln sie eigene Fantasien.

4. Vermitteln Sie Kindern die Endgültigkeit des Todes.
Umschreibende, verharmlosende Bezeichnungen des Todes nähren nur Hoffnungen, die zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

5. Geben Sie Kindern Gelegenheit zum Abschied nehmen. Kinder nehmen keinerlei Schaden, wenn sie den Toten/die Tote sehen, sie/ihn berühren, sich verabschieden, im Gegenteil: Kleine Kinder sind sehr unbefangen, für größere ist ebenso wichtig wie für Erwachsene, den Tod zu begreifen. Nehmen Sie die Kinder mit zu allen Trauer-
feierlichkeiten, schließen Sie sie nicht aus.

6. Geben Sie dem Kind Gelegenheit, mit seinen Gefühlen umzugehen.
Vermitteln Sie dem Kind, dass es mit allen seinen Fragen kommen kann. Nehmen Sie sich Zeit, wenn es weint oder Angst hat. Sprechen, weinen, malen, lesen, basteln Sie mit ihm.

7. Geben Sie dem Kind die Sicherheit, dass Sie für Ihr Kind noch lange da sind.
Der Verlust einer geliebten Person weckt in Kindern die Angst, auch andere könnten plötzlich sterben. Versichern Sie, dass Sie noch lange leben werden - aber auch, dass alle Menschen irgendwann sterben müssen.

8. Kinder sollten wissen: Auch Kinder können sterben.
Aber machen Sie deutlich, dass das selten passiert: zum Beispiel bei sehr schweren Krankheiten oder bei Unfällen.

9. Ermuntern Sie Kinder, ihre Gefühle zu zeigen.
Kinder schonen ihre Eltern oft, weil sie nicht wollen, dass diese noch trauriger werden. Sie weinen heimlich oder nehmen vor der traurigen Stimmung zuhause Reißaus.

10. Seien Sie ehrlich.
Kinder brauchen die Sicherheit, dass ihre Fragen ehrlich beantwortet werden.

Norbert Kugler aus: Wenn Kinder trauern. Werkblatt der Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands, 6/2003. www.werkblaetter.de

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