Dienstag, 20. Oktober 2009

„Wer liebt, läuft nicht weg.“

Dankgottesdienst zur Heiligsprechung von Pater Damian in der Herz-Jesu-Basilika von Koekelberg

von Lothar Klinges

„Wie jeder Tautropfen das Firmament auf seine eigene Weise widerspiegelt, so zeigt auch jeder Heilige eine Facette von Gottes unendlicher Allmacht.“, mit dieser Äußerung brachte Kardinal Godfried Danneels beim Dankgottesdienst am Sonntag in der Basilika Koekelberg in bildhafter Sprache seine tiefe Anerkennung für Pater Damian zum Ausdruck. Wer auf die Heiligen schaut, erkennt in ihnen etwas von Gottes eigenen Qualitäten.

Mit einem frohen Lobgesang, der vom Chor der St Michael- und St. Gudula-Kathedrale gestaltet wurde, zogen die Bischöfe Belgiens und hunderte Priester in das weltweit viertgrößte Gotteshaus ein. Auch Vertreter anderer Konfessionen, und des öffentlichen Lebens waren in der Kirche vereint, um eine Person zu ehren, die nicht nur Gläubige, sondern auch Nicht-Gläubige inspiriert, beseelt und begeistert.

Der Erzbischof von Mecheln-Brüssel ging in seiner Ansprache auf einige ihm wichtige Elemente im Leben des neuen Heiligen ein. Damians Leben sei voll unerwarteter Dinge gewesen, die er nicht vorhersehen konnte. Sein ältester Bruder Pamfiel, der für die Mission auf Hawaii bestimmt war, wurde krank, und Damian antwortete: „Nun bin ich an der Reihe. Ich gehe.“ In einer Predigt hörte er alsdann zufällig die Anfrage des Bischofs, der jemanden suchte, um nach Molokai zu gehen. „Nur für eine bestimmte Zeit“, sagte der Bischof, und Damian ging und blieb. Auch in unserem Leben gebe es unvorhergesehene Fragen, die das Leben mit sich bringt. „Es sind Gottes eigene Fragen an uns“, sagte der Kardinal. „Damian würde uns sagen, dass wir ‚Ja‘ sagen sollen, denn es ist Gott, der spricht.“

Damian, der selbst von der Lepra-Krankheit befallen wurde, konnte die Aussätzigen nicht heilen, denn es fehlten ihm jegliche Medikamente. Aber was er machen konnte, das tat er: „Bei ihnen bleiben.“ Auch dann wenn wir nichts mehr machen können, bleibe uns immer noch die Anwesenheit in Liebe, betonte der Kardinal. „Wer liebt, läuft nicht weg“ Bei einem Kranken bleiben, der keine Hoffnung mehr hat, sei die „reinste Form von Liebe“. Damian würde heute den Menschen sagen: „Lauft niemals weg, auch wenn es keine Hoffnung gibt.“

Dass sich der Glaube gerade auch im Handeln zeigt, habe Pater Damian wohl in seiner bodenständigen Heimat gelernt, denn in unseren Regionen sei der Glaube stets in unzähligen Aktionen umgesetzt worden. Damian würde somit den Menschen heute sagen, dass der Glaube ohne Werke tot ist.

Wenn Damian auch nie die Aussicht hatte, die Früchte seiner Arbeit zu erleben, so habe er doch nie gesagt, dass nichts mehr zu machen ist. „Wer glaubt, bewahrt sich die Hoffnung, und es gibt keine unmöglichen Fälle“, wird er gedacht haben, denn er wusste: „Bei Gott ist nichts unmöglich.“ Jede Zeit habe ihre unheilbaren Krankheiten und unlösbaren Probleme. Wenn eine Krankheit besiegt werde, stehe bereits die nächste vor der Tür. Jede Zeit kenne ihre Ausgestoßenen und an den Rand gedrängten Menschen. Viele Menschen würden durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. „Wer glaubt, bewahrt sich die Hoffnung, denn es ist die Liebe“, sagte der Kardinal.

Die Christen setzten sich in vielfältiger Weise für ihre Mitmenschen ein. Aber vielfach fehle ihnen der Mut, öffentlich zu sagen, wo sie die Kraft für ihr Tun finden. Ohne Komplexe und Stolz sollten daher die Christen es wagen, auf Gott als Quelle ihres Lebens hinzuweisen. So habe sich Damian nicht gescheut, seine Quelle in Gott offenzulegen.

Kardinal Godfried Danneels schloss mit dem Aufruf, „Ja“ zu sagen zu unvorhergesehen Fragen, zu bleiben, ohne wegzulaufen, zu glauben und zu handeln, niemals zu sagen, man könne doch nichts tun, und Gott nicht totzuschweigen. „Das bedeutet Damian nachzufolgen. Dafür wurde er heiliggesprochen.“ Damian sei nicht nur ein Held zum Bewundern, sondern auch ein Heiliger, zu dem wir beten können.




Grußwort von Papst Benedikt XVI.

Wie Nächstenliebe ein ganzes Leben ausfüllt

In der Herz-Jesu-Basilika von Koekelberg wurde ebenfalls eine Botschaft des Papstes verlesen, die von Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone gezeichnet war.

Darin heißt es, Pater Damian, dessen Gedenktag jeweils am 10. Mai stattfindet, dem Tag, an dem er 1873 auf Molokai landete, habe sich von der Nächstenliebe für die Leprakranken antreiben lassen, nicht nur um ihnen zu helfen, sondern um ihnen ihre menschliche Würde zurückzugeben. In dieser Dynamik sei es auch zu ökumenischen Freundschaften und zu mehr Aufmerksamkeit im Fortschritt der Medizin gekommen. An ihm könnten die Menschen erkennen, wie sehr die Nächstenliebe ein ganzes Leben ausfüllt.

In seiner kürzlich erschienenen Enzyklika „Caritas in Veritate“, hat Papst Benedikt unterstreichen wollen, dass die großen Probleme der Menschheit nicht allein technischer Lösungen bedürfen, sondern dass diese mit einer „Bekehrung der Herzen“ einhergehen muss. Dies zeigt sich an Pater Damian, der Opferbereitschaft und Großmut mit der Hingabe seines Lebens verband. Der Papst hofft, dass die Kanonisierung eine Ermutigung für all jene sein wird, die sich heute für die Bekämpfung der Lepra und alle Krankheiten, die den Menschen entstellen. „Möge ihr Einsatz das Leiden zahlloser Kranken erleichtern und eine Hilfe sein, ihre Herzen mehr für Gott in ihrem Leben zu öffnen.“

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