Dienstag, 13. Oktober 2009

Wort Gottes für den Tag - Mittwoch, 14. Oktober 2009

Ein Pharisäer lud Jesus zum Essen ein. Jesus ging zu ihm und setzte sich zu Tisch. Als der Pharisäer sah, dass er sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert.

Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein. (Lk 11,37-41)

Nicht nur mit Zöllnern und Sündern hält Jesus Mahl, er isst auch mit Pharisäern, die in der Heiligen Schrift oft als seine Gegner dargestellt werden. Jesus sucht Gemeinschaft mit den Gestrandeten, Armen und Ausgestoßenen, aber auch die Etablierten, Besserwisser und Wohlhabenden haben eine Chance bei ihm; er lehnt sie nicht von vorneherein ab. Alle ruft er in seine Gemeinschaft, auch dich und mich.

In unserem heutigen Evangelientext geht es um das Reinheitsgebot. Die Juden mussten verschiedene Regeln beim Essen-Zubereiten beachten (Siehe unten: Koscher und trefe).Warum hält er sich nicht an die alterwürdigen Regeln? Der Gastgeber wundert sich. Die Reinheit vor Gott ist dem Pharisäer wichtig; warum wäscht sich Jesus nicht die Hände vor dem Essen, wie es die Tradition vorschreibt?

Jesus provoziert.

Er macht deutlich, um was es bei der Tradition geht, worauf es ankommt, wenn man vor Gott rein sein will. Die innere Einstellung ist wichtig: Demut, Bescheidenheit, Güte, Toleranz – das Herz des Menschen muss in erster Linie rein sein, sich für die Mitmenschen einsetzen, den Notleidenden helfen, die Gefallenen aufrichten, die Verzweifelten trösten – das ist eine Frömmigkeit, eine Reinheit, die vor Gott zählt.

Wer seine Frömmigkeit zur Schau stellt, wer sich zwar die Hände wäscht, die Liturgie äußerlich mitfeiert, aber sich nicht wirklich berühren lässt, weil sein Herz an anderen Dingen hängt, weil sein Herz von Raubgier und Bosheit beschmutzt ist, und wem die Mitmenschen egal sind, der verrät die Tradition.

Das haben die Propheten des Ersten Bundes deutlich gemacht, und dafür tritt auch Jesus ein: Rituelle Reinheit ist ohne der Reinheit des Herzens nutzlos. – Das ist die befreiende Botschaft der Worte Jesu! Und nicht nur für Pharisäer.

Koscher und trefe

Lebensmittel und die aus ihnen hergestellten Speisen sind nach den Regeln entweder „koscher“ (כשר, hebräisch für „rein“, „tauglich“ oder auch „geeignet“) – somit rein im Sinne der Tora (nicht im biologischen bzw. hygienischen Sinne) und damit essbar – oder „trefe“ (auch „tame“) und damit unrein. Von den Säugetieren sind nur solche als koscher zu betrachten, die zweigespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sind (zum Beispiel Kühe). Damit ist beispielsweise Schweinefleisch als „trefe“, das heißt als nicht koscher einzustufen, da Schweine zwar gespaltene Hufen haben, aber nicht wiederkäuen. Ein anderes Beispiel für nicht koschere Tiere sind Kamele, die zwar wiederkäuen, aber keine (vollständig) gespaltenen Hufe haben.
Von den übrigen Tieren sind ferner Greifvögel und im Wasser lebende Tiere ohne Flossen und Schuppen verboten (zum Beispiel der Aal). Unter das Verbot fallen damit beispielsweise der Stör, der keine Schuppen, sondern Platten hat, und damit auch der vom Stör stammende echte Kaviar; sowie sämtliche Wassertiere, die keine Fische sind, wie Hummer, Langusten, Muscheln, Tintenfische und Schnecken. Ebenfalls als „trefe“ gelten sämtliche Reptilien, Frösche, Würmer, Schnecken, Spinnen, Insekten und Ähnliches – von vier in der Tora ausdrücklich als koscher genannten Heuschreckenarten abgesehen. Da sich nicht mehr feststellen lässt, welche Heuschreckenarten gemeint waren, gelten heute sicherheitshalber alle Heuschrecken als trefe.
Pflanzliche Lebensmittel gelten meist als koscher.

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