Freitag, 20. November 2009

Christkönigssonntag am letzten Sonntag des Kirchenjahres

Eine Woche bevor wir mit dem ersten Advent das neue Kirchenjahr beginnen, feiern wir am Sonntag noch einmal ganz besonders den, um den sich unser ganzes Kirchenjahr dreht: Jesus Christus, unseren Herrn, unseren Erlöser.

Wir nennen ihn unseren König, weil wir mit ihm all das verbinden, was wir mit einem guten König in Bezug bringen. Nicht das Äußere meinen wir, wie Palast Herrschaft und schöne Kleider, sondern das, was ein König für sein Volk tut. Etwa Hingabe und Sorge um den Einzelnen Menschen.

Unser König Jesus Christus zieht auch nicht, wie in den Märchen mit seiner Truppe in den Krieg, sondern er lehrt uns Barmherzigkeit, Versöhnung und Gerechtigkeit. Er verlangt von uns keine Steuerabgaben, sondern wünscht sich von uns Nachfolge ganz nach seinem eigenen Vorbild.

Welche Bedeutung kann solch ein Fest für uns heute haben? Christus, unser König: Dieser Gedanke taucht in unserem Alltag selten auf. Wir begegnen "echten" Königen meist auf den bunten Seiten der Illustrierten. Jesus ist kein Machthaber, wie wir sie im öffentlichen Leben oft kennenlernen. Das heisst: Er bevormundet uns nicht, er unterdrückt und zerstört uns nicht, im Gegenteil, er baut uns auf, er heilt und befreit uns.

Erst im vergangenen Jahrhundert wurde das Christkönigsfest eingeführt; doch die Christenheit hat Jesus schon immer als König bezeichnet und verehrt. Dabei hat Jesus von Nazareth es seinerzeit vermieden, sich König nennen zu lassen. Nur ein einziges Mal nennt er sich selbst so - als er gefesselt und angeklagt vor Pilatus steht. Dies sei für uns ein Wink, behutsam mit dem Titel „Christkönig“ umzugehen, und mache uns hellhörig für das Bild, welches die heutige Liturgie von Christus, dem König, zeichnet.

Wir müssen ein wenig zurückschauen, in die Geschichte.
Bei der Einführung im Jahre 1925 hat Papst Pius XI. die Bedeutung dieses Festes in einer Enzyklika besonders angesprochen. Er sagt: „Die Anerkennung der Königsherrschaft Christi“ sei das wirksamste Heilmittel gegen die „zerstörerischen Kräfte der Zeit“.

Damals lag der Erste Weltkrieg erst wenige Jahre zurück. Anstelle von Zerrissenheit und Hass sollte nun die Idee der Gemeinschaft der Völker unter der milden Herrschaft Christi treten.

Aber fast zur gleichen Zeit erhoben verschiedene Diktaturen ihr Haupt im Faschismus und Bolschewismus. Sie boten dem Volk ihre Ideologien als die neuen Heilsbringer an und kamen auch gut beim Volke an. Wir wissen aber auch was daraus geworden ist und wissen auch, dass sie nicht Heil, sondern Unheil über die Menschen gebracht haben.

In diese Zeit hinein wurde dieses Fest also eingeführt, weil man seitens der katholischen Kirche damals überzeugt war: Die Völker können in sich und untereinander nur Frieden finden, wenn sie sich unter Christi Herrschaft begeben, wenn sie ihn als den Herrn und den wirklichen Heilsbringer anerkennen.

Heute, mehr als 80 Jahre nach Einführung des Festes hat eine Annäherung der Völker stattgefunden, wie wie sie damals kaum vorstellbar war - zumindest hier in Europa. Das heißt noch nicht, dass dieses Zusammenleben ohne Probleme vonstatten geht. Aber immerhin, noch nie in der Geschichte des europäischen Kontinentes hat es eine so lange Zeit des Friedens gegeben, wie wir sie zur Zeit kennen. Wenn das Fest seinen ursprünglichen Sinn behalten soll, dann müssten wir also fragen: Wie kann unser Glaube an Jesus Christus weiter dazu beitragen, das Zusammenleben der Völker geistig zu befruchten?

Um diese Frage zu beantworten müssen wir auf den schauen, den wir heute feiern, ja, den wir eigentlich das ganze Jahr über feiern:Christus der König herrscht aus Liebe. Er trägt vor allem die Züge eines Hirten, der sein Leben hingibt für seine Herde. Seine Schafe kennen ihn und hören seinen Ruf. Wenn einer sich verirrt, lässt er die 99 in der Wüste zurück und sucht das eine, bis er es findet. Er ist die einzige Tür für seine Schafe: Nur wer durch ihn hineingeht, wird gerettet. Und jeder von den Seinen weiss: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Es ist bezeichnend, dass das älteste uns bekannte Christusbild das Bild vom Guten Hirten gewesen ist, nicht vom König. Anderen helfen: darin besteht die Königswürde und Königsmacht Jesu.

Das ist die Botschaft, das sind die Impulse, die Christen einzubringen haben, wenn es um die Frage der Zukunft unseres Zusammenlebens auf der Welt geht. Eine friedliche Welt wird es nicht durch Waffen geben. Denn wer Hass sät, wird Hass ernten!

Eine Veränderung der Welt im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens wird es nur geben, wenn Menschen bereit sind sich zu verändern. Jesus schaut uns am Christkönigssonntag an und lädt uns ein, in seine Gefolgschaft zu treten, damit sein Königreich wächst. Das geht aber nur mit den Methoden Jesu; das geht nur auf die Weise, wie er es uns vorgemacht hat.

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