Donnerstag, 26. November 2009

Gottes Spuren in der Natur entdecken

„Ich weiss, dass ich nichts weiss“, bekannte einst der griechiche Denker Platon. Und vom heiligen Apostel Paulus kennen wir sein freimütiges Bekenntnis: „Soviel ich auch darüber nachdenke, ich vermag den Grund nicht zu erkennen; ich vermag Gottes Geist nicht zu begreifen.“

Und wir? Geht es uns nicht genau so? Wie oft im Leben bleibt uns nichts anders übrig, als zu staunen, weil wir nicht begreifen und nur staunen können, angesichts der Zusammenhänge iin der Natur. Wir begreifen schon, was da vor sich geht, aber immer wieder müssen wir bekennen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Ich weiß, dass, wenn ich ein Geheimnis gelüftet habe, sich dahinter ein neues versteckt und darauf wartet von uns Menschen erforscht zu werden.

Im Buch der Weisheit wird uns gesagt: „Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht, sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter.“ (Weish 13,1-2)

Ja, so ist es noch heute. Nicht jeder Mensch kann oder will Gottes Wirken in der Natur erkennen. Das Problem ist so alt wie die Menschen. Jahrhunderte lang haben Menschen versucht, Gottes Existenz - oder auch seine Nicht-Existenz zu beweisen.

Sie haben nicht viel Erfolg damit gehabt! Zumindest gelten alle Gottesbeweise heute als widerlegt. Und Wissenschaftler können keine Experimente angeben, mit denen Gottes Existenz oder Gottes Nicht-Existenz nachgewisesen werden könnte!

Die Frage nach Beweisen ist aber eine sehr wichtige Frage! Denn, wir Menschen wollen Gewißheit! Viele von uns leben heute mit einer großen Skepsis gegenüber dem traditionellen Glauben. Sie sagen: "Angesichts der wissenschaftlichen Ergebnisse kann ich nicht mehr glauben!"

Auch ich kann und will Gott nicht beweisen, aber ich kann und möchte auf die Möglichkeit hinweisen zumindest seine Handschrift zu erkennen, oder seine Spuren zu entdecken, indem wir die Schönheit und die manchmal fast unglaublichen Zusammenhänge in der Natur entdecken.

Es braucht für diese Art Gotteserfahrung allerdings Achtsamkeit und Langsamkeit. Und es braucht das Überschreiten einer Schwelle. Ich muss still werden, den Atem anhalten, mir Zeit nehmen, denn Ich kann Gott nicht im Vorbeigehen erfahren. Ich muss sozusagen in den Raum des Heiligen hineinschreiten. Dort kann ich Gott zwar nicht mit den Händen greifen und nicht mit den Augen sehen. Aber es können sich in meiner Seele Räume öffnen, die mich zum Staunen bringen und mir ein Gespür für Gott ermöglichen. Diese Erkenntnis führt mich dann zur Dankbarkei und zum Loben.

Die Natur kann für uns zum Evangelium werden. Zu einem Buch, das von Gott erzählt. Denn, wie wir aus dem Buch der Weisheit hörten: »von der Größe und Schönheit der Geschöpfe läßt sich auf ihren Schöpfer schließen« (Weish 13,5). Aber diese Fähigkeit zum Betrachten und Kennenlernen, dieses Entdecken einer transzendenten Präsenz in der Schöpfung muß uns auch zum Wiederentdecken unserer geschwisterlichen Beziehung zur Erde führen, mit der wir seit unserer Geburt verbunden sind.

Die Erde ist uns Menschen, anvertraut. Nicht nur, damit wir sie bebauen und unseren Lebensunterhalt sichern, sonderen damit wir sie für spätere Generationen bewahren und nicht zuletzt, damit wir auch in Zukunft in der Schönheit der Natur Gottes Wirken und Gottes Spuren entdecken können.

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