Samstag, 28. November 2009

In der Liebe wachsen und reich werden - Wort Gottes für den 1. Adventsonntag, 29. November 2009

Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt. Im Übrigen, Brüder, bitten und ermahnen wir euch im Namen Jesu, des Herrn: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben. (1 Tess 3,12-4,2)

Wenn an den Adventsonntagen eine Kerze nach der anderen angezündet wird und es von Woche zu Woche in den Wohnungen heller wird, dann soll in den Menschen die Vorfreude auf die Ankunft Jesu Christi wachsen. Der Adventkranz, aus grünen Zweigen gesteckt oder geflochten, und mit Kerzen und Bändern geschmückt, will uns den Sinn der Adventszeit erschließen helfen.

Die grünen Zweige sind ein Symbol für Leben - gerade in einer Jahreszeit, wo alles abstirbt, den Winterschlaf hält. Dieser Kranz besteht aus vielen Zweigen. Diese Zweige sind zum Kranz gewunden: der Kranz steht für die Christengemeinde, für unsere Kirche. Er symbolisiert : Jeder und jede von uns ist in der Gemeinde ist ein Zweig am Kranz. Wir sind der Kranz, der das Licht hochhalten muss: das Licht der Botschaft Jesu - der Botschaft von Befreiung, Erlösung und Hoffnung. Und gleichzeitig drückt die runde Form aus, dass es um Vollendung geht. Denn jeder Kreis vermittelt Unendlichkeit, Ewigkeit.

In dem Text aus dem Brief des Apostels Paulus an die Tessalonicher hörten wir, wie er sich das Warten seiner Gemeinde auf das Kommen Christi vorstellt: Sie sollen wachsen und reich werden in der Liebe zueinander, damit sie ohne Tadel sind, wenn der Herr kommt. Damit unterscheidet er sich sehr deutlich von den Versuchen unserer Konsumgesellschaft das Weihnachtsfest ausschließlich mit dem gegenseitigen Austausch von Geschenken in Verbindung zu bringen.

Den Christen seiner Gemeinde kann Paulus dabei ein gutes Zeugnis ausstellen. Sie haben von ihm viel gelernt, was zum Leben im Advent gehört. Sie sollen aber mit dem erreichten Stand nicht zufrieden sein. „Werdet darin noch vollkommener“ sagt er!

Das wäre doch auch für uns eine gute Möglichkeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Im Advent da fragen wir uns manchmal, was wir dem einen oder anderen zu Weihnachten schenken sollen. Warum sparen wir uns nicht das Geld für teuere Geschenke, oder führen das gesparte Geld einem guten Zweck zu und wenden uns stattdessen unseren Mitmenschen mehr auf der Gefühlsebene zu?

In der Familie oder in unserem Lebensumfeld gibt es viele Möglichkeiten diesen Vorschlag umzusetzen. Wir selbst wachsen in der Liebe und der Familie oder unseren Freunden und Bekannten, Arbeiskollegen ... tut es gut, wenn statt teueren Geschenken mehr Liebe, mehr Friede herrscht. Auch die Kinder können sich daran beteiligen. Sie selber wünschen sich ja so vieles und bekommen es auch. Aber wie ist es mit der Liebe untereinander bestellt? In der Schule wird gestritten und gezankt wegen Kleinigkeiten. Da werden Kinder ausgegrenzt und ausgelacht, wenn sie nicht alles haben, was andere haben. Alle diese scheinbar kleinen Dinge sind große Hindernisse auf dem Weg nach Weihnachten.

Wer aufmerksam die liturgischen Texte der Adventszeit hört, merkt dass da noch von einem anderen Advent die Rede ist. Es geht um die Ankunft Christi zum Ende der Welt. Dazu kann man ähnliches sagen, wie zur jährlichen Adventszeit: Unser ganzes Leben soll geprägt sein von der Gewissheit, dass wir Gott einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Das Evangelium malt dieses Ereignis mit großartigen, aber auch furchtbaren, angsterregenden Bildern aus:

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt. (Lk 21,25-28.34-36)

Für Christen bedeutet das: Jeder Tag unseres Lebens ist eigentlich Advent. Jeder neue Tag gibt uns die Möglichkeit als Mensch zu wachsen und zu reifen. Und wenn solche Dinge dann geschehen brauchen wir keine Angst zu haben, sondern können uns sagen: Der Herr wird nun kommen, um all das zu vollenden, was ich selbst nur Bruchstückhaft und unvollendet angefangen habe.

So verweist uns der jährlich wiederkehrende Advent zurück in den Alltag. Adventskranz und Kerzen sind mehr als nur ein Hinweis auf Weihnachten. Sie weisen uns zusätzlich darauf hin, dass wir immer im Advent leben, und deshalb ist der Alltag, jeder Tag unseres Lebens ein Tag wie im Advent.


Keine Kommentare: