Montag, 23. November 2009

Weihnachtsbaum aus Spa unterwegs zum Vatikan

Im Beisein vieler Reporter der verschiedensten Zeitungen und der RTBF und BRF Radio- und Fernsehanstalten sowie der Forstverwaltung und Vertreter der Wallonischen Region wurde die 30 m hohe Fichte gefällt, die demnächst als Weihnachtsbaum den Petersplatz schmücken soll.

(Fotos Lothar Klinges)

Zur Geschichte

Die wallonische Export- und Auslands-Investitionsbehörde Awex hatte die Tanne aus der Gegend von Spa in den belgischen Ardennen an den Vatikan vermittelt. Seit Papst Johannes Paul II ist es üblich, dass der Weihnachtsbaum auf dem Platz vor dem Petersdom aus einer europäischen Region stammt.


Am 23. November war es nun soweit

Die rund 30 Meter hohe Fichte wurde im strömenden Regen und bei starkem Wind geschlagen. Ein 70 Meter hoher Kran hob sie anschließend auf einen Tieflader. Nachdem die Äste in Netze verpackt wurden, brach der Transport nach Rom auf. Nach rund 1.500 Kilometern Fahrt wird der Baum spätestens am 4. Dezember von den technischen Diensten des Vatikan in Empfang genommen und dann für die Weihnachtsfeierlichkeiten vorbereitet.

Wegen des starken Regens und extremen Windböen, die in verschiedenen Landesteilen Belgiens für Schäden sorgten, musste das Schlagen des nach Schätzungen bis zu 14 Tonnen schweren Baumes um rund eine Stunde verschoben werden. Die Fällarbeiten gestalteten sich vor allem wegen der Witterungsverhältnisse schwierig.

Offizielle Übergabe am 18. Dezember

Die offizielle Übergabe der vermutlich rund 90 Jahre alten Fichte ist für den 18. Dezember geplant. Es ist das erste Mal, dass der Weihnachtsbaum für den Papst aus Belgien kommt. Seit Johannes Paul II. 1982 die Tradition eines Weihnachtsbaums auf dem Petersplatz einführte, wurde noch nie ein Baum über eine so weite Strecke transportiert.

Am Sonntag hatten laut belgischen Medienberichten mehrere Dutzend Demonstranten gegen das Geschenk der wallonischen Exportförder-
organisation AWEX protestiert. Sie kritisierten, mit den Kosten in Höhe von 30.000 Euro hätte Bedürftigen geholfen werden können. Die AWEX wies die Kritik zurück. Das enorme Medieninteresse wecke das Interesse an der belgischen Region und helfe damit der Wirtschaft des Landesteils. Mehrere Kamerateams und Fotografen aus Belgien, Deutschland und Italien verfolgten die Baumfällaktion.

Als Weihnachtsbaum besonders geeignet

Nach AWEX-Angaben wurde der Baum gewählt, weil er als Solitär in einer Umgebung von Laubbäumen ungehindert und mit bis zum Boden reichenden Ästen gleichmäßig wachsen konnte. Nach Abschluss der Weihnachtsfeierlichkeiten wird das Holz des Baumes wiederverwendet: Es soll zu Spielzeug verarbeitet werden. Vorgesorgt haben die Organisatoren auch für die Möglichkeit eines Zwischenfalls auf dem Weg nach Rom. Zur Sicherheit wird außer dem Baum für den Petersplatz eine etwas kleinere Fichte gefällt, die im Notfall als Ersatz dienen könnte. © KNA




NACHGEFRAGT

Interwiew mit Bischof Aloys Jousten (Lüttich)
(von Lothar Klinges)

Es ist für Sie ein besonderes Erlebnis, dass der diesjährige Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz aus Ihrem Bistum kommt. Warum?

Die Meldung war zunächst eine Überraschung, da wir nicht unmittelbar betroffen waren, und die Initiative von der AWEX kam. Natürlich freue ich mich, dass ein Weihnachtsbaum aus der Provinz Lüttich den Weg nach Rom antritt – waagegerecht – und dort auf dem Petersplatz seine Pracht – senkrecht – entfalten wird. Der Baum ist ein Gruß der Wallonischen Region, also kein rein katholischer Gruß. Aber ich bin froh, dass die AWEX sich darauf eingelassen hat.

Seit 25 Jahren bekommt der Vatikan jedes Jahr einen Weihnachtsbaum geschenkt. Warum hat Papst Johannes Paul II. diese Aktion eingeführt?

Über den Sinn dieser Aktion, die Papst Johannes Paul II. hat anlaufen lassen, weiß ich nichts Besonderes zu sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass er darin eine völkerverbindende Geste gesehen hat.

Sie werden mit einer Delegation der belgischen Kirche bei der Einweihung des Weihnachtsbaumes in Rom dabei sein. Wie lautet Ihre Botschaft, die von diesem Weihnachtsbaum ausgehen soll?

Wir fahren zu fünfzehn Personen aus dem Bistum Lüttich nach Rom. Das ist eine bescheidende Delegation. Wir bezahlen übrigens Reise und Aufenthalt selbst. Der Abflug erfolgt am Donnerstagabend und die Rückkehr ist am Samstagmorgen vorgesehen. Ich möchte betonen, dass der Baum ein stiller Zeuge von den verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges gewesen ist. Ein stiller Bote des Friedens an Weihnachten. Er ist ein Zeichen der Hoffnung in seinem immerwährenden Grün.

Das Fällen des Weihnachtsbaumes hat nicht nur Freude ausgelöst? Was sagen Sie zu den Argumenten der Gegner?

Die Kritik kann ich nicht gut nachvollziehen. Die AWEX erhofft sich eine nachhaltige wirtschaftliche Auswirkung. Ich vermag das nicht zu beurteilen. Dass man vom „reichen Vatikan“ spricht und dass man das Geld den Armen geben soll, ist eine oft gehörte Kritik. Ich finde sie in diesem Fall verfehlt. Aber jeder darf seine Meinung haben.

Welche Bedeutung hat für Sie persönlich der Christbaum zu Weihnachten?

Ein Weihnachtsbaum ist für mich in der Tat ein Christbaum. Seit meiner Kindheit gehört er zum Fest. Die Deutschsprachigen verbinden damit noch mehr als viele andere. Ich hoffe, dass er in der Tat ein Christbaum bleibt – Zeuge der Hoffnung auf Frieden, die Gott uns in einem Kind schenkt.

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