Mittwoch, 4. November 2009

Wort Gottes für den Tag, 05.November 2009

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld.

Seht, es kommen Tage - Spruch Gottes, des Herrn -, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn. (Am 8,4-7 f)
Stellt euch vor, ein Pfarrer würde so von der Kanzel reden, wie wir es vom Propheten Amos gehört haben. Einige würden wahrscheinlich unter Protest die Kirche verlassen, andere würden sich nach der Messe per Telefon beschweren. Andere würden sagen, ich gehe nicht zur Kirche, um eine Drohbotschaft zu hören, sondern eine frohe Botschaft. Was ist also dran an der Botschaft des Amos?
Um sie zu verstehen müssen wir uns zurückversetzen etwa um das Jahr 760 v. Christus. Vor dem Tempelportal von Bet-El hatte sich der Prophet Amos postiert. Viele Pilger kamen dorthin, um mit großem Aufwand ihre festlichen Gottesdienste zu feiern. Damals erlebte die Wirtschaft des Landes einen mächtigen Aufschwung, weil seit vierzig Jahren Friede im Land herrschte, und das war für damalige Verhältnisse eine Seltenheit. Handel und Verkehr blühten auf. Dementsprechend ist auch die Lebensweise der Menschen. Berauschende Feste werden gefeiert, mit allem was dazugehört. Kurzum, es waren vierzig Jahre schönes Leben.
In diese Welt hinein spricht nun die Stimme des Propheten Amos. Er spricht die wirtschaftlichen und religiösen Missstände im Land an, denn bei allem Reichtum: dieser Reichtum beschränkte sich auf eine gewisse Oberschicht im Lande. Die kleinen Leute haben davon kaum etwas abbekommen. Im Gegenteil: Die Reichen wurden immer reicher und die Armen immer ärmer. Und das breite Volk gehörte eben zu den Armen. Eine richtige Ellenbogengesellschaft hatte sich herausgebildet. Jeder dachte nur an sich. Für gegenseitige Unterstützung blieb wenig Sinn. "Eine böse Zeit", sagt Amos .

Ich will nicht dramatisieren, aber ich sehe durchaus Parallelen in
unserer Zeit. Übertragen wir diese Rede des Amos ins Heute, dann müssen wir allerdings auch sozusagen international denken, dann ist mit den üblen Geschäftemachern, die ihre Waage manipulieren, das Maß kleiner und den Preis größer machen, nicht der Laden um die Ecke gemeint, oder der Händler vom Wochenmarkt, nein, dann sind die Multis gemeint, die weltweit agieren, und deren Geschäftspraktiken für den Durchschnittsverbraucher immer undurchsichtiger werden.
Großkonzerne jonglieren regelrecht mit ihren Mitarbeitern. Wer bereits Geld hat, verdient leichter weiteres hinzu als jener, der nur auf seine Arbeit angewiesen ist. Die Schere von Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Verdienen die Konzerne nicht mehr genug, dann wird kurzerhand ein ganzer Betrieb geschlossen und nach Thailand oder in ein anderes Billigland verlegt und die Ware dort produziert, notfalls sogar durch Kinderarbeit.

Amos sagt: “Wann ist das Neumondfest vorbei, wir wollen Getreide verkaufen. - Das Neumondfest war ursprünglich ein Dankfest, ähnlich unserem Erntedankfest. Heute ist es ähnlich. Wie damals, wird jeder Tag an dem die Geschäfte geschlossen sind und die Maschinen stillstehen, geheim oder offen beklag: "Der Sonntag muss weg, sonst können wir nicht mehr mithalten und konkurrieren. Unsere Maschienen sind so schnell und so modern, dass wir sie unmöglich sonntags ausschalten können, sonst fahren wir Verluste ein." Dass dadurch immer mehr Menschen gezwungen werden, an einem seit tausenden von Jahren bestehenden Ruhetag arbeiten zu müssen, interessiert nicht, Hauptsache die Kasse stimmt.

Die Marktriesen diktieren den Preis und machen die Kleinen kaputt. Wir lesen täglich davon in der Zeitung. Und dass selbst mit Müll noch satte Gewinne zu machen sind, das war schon zur Zeit des Amos so.
Wir kommen nicht darum herum, gewisse Ähnlichkeiten zur damaligen Zeit zuzugeben. Die Rede des Amos ist sehr hart. Er sagt am Schluss, im Namen seines Gottes, der ihn als Prophet gesandt hat “Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen“. Nicht umsonst wurde dieser Prophet als Aufrührer verfolgt. Er hätte es sicher leichter gehabt, wenn er gesagt hätte: "Natürlich gibt es manche Missstände, aber irgendwie haben wir doch alle unsere Fehler."

Ich weiß, wie schwer es ist, sich gegen die Praktiken dieser Geschäftemacher von denen ich eben sprach, zu wehren. Aber wenn viele kleine Leute zusammenhalten, dann kann das eine große Wirkung haben. Versuchen wir das Ganze zu durchschauen. Seien wir kritisch und glauben wir nicht alles. Wir können auch mit unserer Stimme die Politik beeinflussen, wir können an einem anderen Tag, als am Sonntag einkaufen, wir können versuchen herauszufinden, ob der Teppich den wir uns ins Wohnzimmer legen aus
einem Land kommt, wo Kinderarbeit an der Tagesordnung ist, oder nicht, usw...

Betrügen wir uns nicht selbst. Jedes Unrecht entwickelt eine Eigendynamik, die sich letztlich gegen den richtet, der das Unrecht tut. Vergessen wir den Schwur Gottes nicht, den Amos ausspricht: "Ich werde ihre Taten nicht vergessen." Wer sich auf Kosten der Armen bereichert, lebt im Widerspruch zu Gott. Denn er steht auf der Seite der Schwachen. Tun wir was uns möglich ist.

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