Freitag, 25. Dezember 2009

Stephanus - der erste Zeuge Christi

Gestern hörten wir das Weihnachtsevangelium, heute hören wir von der Ermordung des ersten christlichen Märtyrers, des heiligen Stephanus, der zugleich der erste Diakon der Kirche war. Ein Kontrast, wie er schärfer nicht sein könnte. Man könnte fast sagen: Der Alltag hat uns weder.

Wir können diesen Abschnitt des Evangeliums nicht lesen, ohne von Jesu Aufrichtigkeit tief beeindruckt zu sein. Er scheute sich nicht, den Menschen zu sagen, was sie erwartet, wenn sie ihm folgten. In den heutigen Lesungstexten wird uns ein deutlicher Hinweis darauf gegeben, dass jeder, der sich zu Christus bekennt, sebst damit rechnen muss, das Schicksal seines Meisters zu teilen.


Wir leben in einer Zeit, wo sich das Christentum aufzulösen scheint und es wird in Zukunft nicht auszuschließen sein, dass Christen wegen ihrem Bekenntnis verfolgt, oder zumindest ausgegrenzt werden. Zwar wird niemand vor Gericht geführt und auch nicht einen Felsen hinuntergestürzt und gesteinigt, bis er tot ist. Die Steinigung, heute, erfolgt auf psychologische Art und Weise. Man hat sogar ein eigenes Wort dafür gefunden: Psychoterror nennt man so etwas.

Die Steine die heute fliegen sind Verhöhnen, verlachen, ausgrenzen aus der Gruppe usw. Wer seinen Glauben bekennt, wird schnell zum Außenseiter und Spielverderber abgestempelt. Das Schlimme an dem Ganzen ist, dass es keine Juden oder römische Kaiser sind, die gegen die Christen zu Felde ziehen, sondern es sind in der Mehrzahl getaufte Christen.

Woran liegt es, dass die Botschaft der Liebe, für die Christus Mensch geworden ist, nicht zu allererst auf Zustimmung, sondern Ablehnung stößt? Warum ruft seine Botschaft der Freiheit nicht Anerkennung, sondern Unterdrückung hervor? Warum wurde Stephanus gesteinigt, warum werden heute bei uns Menschen ausgelacht und ausgegrenzt, die sich zu Christus bekennen?

Das scheint das Schicksal der Christen zu sein, dass sie den selben Weg gehen müssen wie ihr Herr. Darin scheint ein tiefes Geheimnis unseres Glaubens zu liegen: Es muss immer wieder Menschen geben, die zum Zeichen, zum Samenkorn werden, sonst wird unser Glaube schal und ungenießbar. Wenn die Christen sich selbstzufrieden in ihren Sesseln zurücklehnen, dann wir es bald aus sein mit unserem christlichen Glauben. Wenn sie aber bereit sind anzuecken und gegebenenfalls gegen den Strom zu schwimmen, werden sie zu wichtigen Zeugen, so wie Stephanus, der auf seine Weise der beste Prediger der Weihnachtsbotschaft wurde.



Wenn ich Stephanus hieße

Wenn ich Stephanus hieße, würde ich meinem Namenspatron alle Ehre machen.
Dann würde ich mich - wie er - sozial engagieren.
Richtig, nicht bloß so ein bisschen sozialen Touch. Nein, ganz praktisch.
Wenn ich Stephanus hieße, dann wäre ich Diakon.
Nicht mit Weihe, aber der Haltung nach.
Wenn ich Stephanus hieße, wäre ich Zeuge.
Dann kriegte ich Ärger, weil ich Christ bin. Im Betrieb etwa.
Dann würden die Leute merken, dass ich Profil habe und Biss.
Dass ich nicht alles mitmache, dass es irgendwo Grenzen gibt für mich.
Von meinen Werten her. Und ich würde kein Hehl daraus machen, warum.
„Weil ich Christ bin", würde ich sagen.
Auch wenn sie mich dann mitleidig belächeln
und mich nicht mehr einladen zu ihrer Sylvesterparty.
Oder wenn sie mich bei der Beförderung übergehen.
Das nähme ich in Kauf. Da hätte ich meinen Stolz.
Auch wenn sie Steine werfen würden. Dann erst recht.
Ich würde nicht umfallen. Ich bliebe ein Zeuge.
Ich bliebe konsequent. Wenn ich Stephanus hieße.
„Ach wie gut, dass jeder weiß, dass ich nicht Stephanus heiß!"
(nach: Hermann Josef Coenen, Und dennoch bleibe ich, Patmos Verlag, Düsseldorf 1993)

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