Freitag, 25. Dezember 2009

Und das Wort ist Fleisch geworden

Gestern am Hl. Abend haben wir uns gegenseitig beschenkt, um einander Freude zu machen. Weihnachten spricht uns alle an und weckt Gedanken des Friedens und der Liebe. Familiäre Beziehungen werden gepflegt wie zu keiner anderen Zeit des Jahres.

Wir dürfen es aber nicht beim Geschenketausch belassen und wir dürfen auch nicht bei der Krippe stehen bleiben, denn dann gestalten wir Weihnachten zu einer rührseligen Idylle. Wer heute am eigentlichen Weihnachtsfest die Eucharistie mitgefeiert hat mag deshalb auch ein wenig überrascht gewesen sein von der Nüchternheit der Texte, die so gar nicht unser Gemüt ansprechen: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.(Joh 1,1-5)
Dieses Weihnachtsevangelium, das der Evangelist Johannes uns heute vorlegt, ist eine nüchterne Botschaft. Er spricht sie zu uns inmitten der weihnachtlichen Idylle, die wir so gerne haben und die zu unserer weihnachtlichen Stimmung dazugehört. Wir spüren, dass diese Botschaft sich von der Botschaft der Heiligen Nacht unterscheidet, weil hier keine Rede ist von der Krippe, nicht von dem Stern, nicht von den Hirten und schon gar nicht von Maria, Josef und dem Kind. Dennoch ist es die Weihnachtsbotschaft, die uns in dieser Stunde verkündet wird als eine Frohe Botschaft für unser Leben

Krippenspiel in Steffeshausen

In Steffeshausen erzählten die Kinder aus Auel und Steffeshausen den anwesenden Gläubigen von der Geburt Jesu. Was sich in Betlehem ereignet hatte, unter welch schwierigen Bedingungen das 'Wort Fleisch wurde', führten sie auf sehr verständliche Art in einen Krippenspiel auf.

Es fing an mit der Verkündigung des Engels an Maria. Die junge Maria wusste zwar nicht wie das alles geschehen sollte, aber sie traute Gott und sprach ihr Ja zum Willen Gottes. Durch sie sollte sich erfüllen was der Evangelist Johannes später so ausdrücken wird: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Joh 1, 14)

Die Botschaft des heutigen Tages ließe sich in einem Satz so formulieren: „Gott hat ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlalgen.“ Schon die erste Lesung macht uns aufmerksam auf dieses Neue: Hatte Gott bisher durch verschiedene Prophetinnen und Propheten zu den Menschen gesprochen, spricht er nun durch den Sohn. Dieser ist gesandt um Zeugnis abzulegen für Gott und um die Menschen hinzuführen zu Gott, durch den Glauben.

Gott ist also nicht in einer unerreichbaren Ferne geblieben, sondern er ist in unsere unmittelbare Nähe gerückt. Gott zieht aus dem Himmel aus und kommt in unsere Welt. Dort aber ist kein Platz für ihn. Wir haben es im Weihnachtsevangelium letzte Nacht gehört. Der Evangelist Lukas schreibt: “In der Herberge war kein Platz für sie.“

Was ist das für eine Herberge, in der für eine hochschwangere Frau und ihr Kind kein Platz ist? Was ist das für eine Welt, die Gott nicht aufnimmt?

Der Evangelist Johannes hat es so formuliert: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Und im Matthäus-
evangelium lesen wir: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“

Das ist der Platz Gottes in der Welt: die Krippe im Stall, draußen vor der Stadt. Es ist der letzte Platz, Diesen Platz hat er angenommen, damit er all denen nahe ist, die ebenfalls draußen sind und in der Gesellschaft keinen angemessenen Platz haben: die Hirten, die Zöllner, die Dirnen, die Aussätzigen, die Geistesgestörten ... Er verwandelt ihr Draußen in ein Drinnen. Das ist eine Hoffnung für alle Randexistenzen für alle Abgeschrieben und für alle, die von der Gesellschaft Abgestempelt sind, weil sie nicht in das gängige Bild hinein passen.

Weihnachten ist jedes Jahr neu die Einladung, sich von Gott berühren und sich durch sein Wort verändern zu lassen. Wer Gottes Wort tatsächlich verstehen will, wer das Geheimnis der Weihnacht für sich verstehen und aufblättern will, der muss sich an die Krippe stellen und einmal schweigen . Gottes Wort hat der verstanden, der vor der Krippe niederkniet, der vor Gott in die Knie geht anbetet und sich klein machet, wie er.

In der Anbetung verändert sich dann auch unsere kleine Welt, weil Gottes Wort die Kraft und die Macht hat uns zu verändern und durch uns unsere Welt.









Keine Kommentare: