Samstag, 22. August 2009

Wort Gottes für den Tag - Sonntag, 23. August 2009

»Es ist nicht zu glauben, wie schlau und erfinderisch,die Menschen sind, um Entscheidungen aus dem Weg zu gehen«, hat der dänische Philosoph Kierkegaard einmal festgestellt. Vielleicht tun sich deswegen auch viele Menschen mit der jüdisch-christlichen Tradition so schwer. Denn der Gott der Bibel fordert nicht eine Nische, die man für ihn einrichtet. Er will den ganzen Menschen. Er fordert eine klare Entscheidung, die auch mit Konsequenzen verbunden ist. Die Schriftlesungen dieses Sonntags machen auf unterschiedliche Weise deutlich: Wer sich für den Gott der Befreiung entscheidet, kann sich nicht zugleich anderen Götzen zuwenden.

Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen und sie traten vor Gott hin. Josua sagte zum ganzen Volk: „Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.“

Das Volk antwortete: „Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen. Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind. Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.“ (Jos 24,1-2.15-17)


Der Gott Israels ist ein »eifersüchtiger«Gott. Wer sich für ihn entscheidet, kann sich nicht mehr mit anderen Göttern arrangieren, er kann nicht zwei Herren dienen. Diese Erkenntnis hat einen historischen Hintergrund. Immer wieder musste das Volk Israel die bittere Erfahrung machen, dass Götzen mächtig wurden, sobald die Entscheidung für den Gott der Befreiung nicht konsequent genug gelebt wurde. Da wurde das Goldene Kalb wichtiger als der Gott, der den Schrei der Unterdrückten hört. Da wurde der Glaube an die eigene militärische Stärke wichtiger als das Vertrauen auf den Gott, der das Leben aller Menschen will.

Aufgrund solcher Erfahrungen formulieren biblische Texte immer wieder ein hartes Entweder-oder, das gar nicht in unsere pluralistische Zeit zu passen scheint.

Freitag, 21. August 2009

Ludwig II - König von Bayern




Biographie
Geboren am 25. August 1845 in Schloss Nymphenburg
König von Bayern 1864–1886
Gestorben am 13. Juni 1886 im Starnberger See


"Ein ewiges Rätsel will ich bleiben mir und anderen."


Diesem von Ludwig selber in einem Brief an eine Erzieherin festgelegten Ziel ist der junge König Zeit seines Lebens und sogar darüber hinaus treu geblieben. Weder der charismatische Kronprinz, noch der glücklose, aber von seinem Volk verehrte König, konnte mit seinem starken Hang für das Legendäre und Mystische, seiner Sehnsucht nach einer anderen Identität und seinem Wunsch nach einer phantastischeren Welt wirklich verstanden werden.


Ludwig II
Ludwig II hatte die Möglichkeiten, seine Visionen umzusetzen und hinterließ nach seinem rätselhaften, frühen Tode als Manifestation dieser Träume die heute von Touristen aus aller Welt besichtigten Märchenschlösser Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein. Seine Schlösser, die nie ein Fremder betreten sollte, wurden seit dem Tode Ludwigs II. von mehr als 50 Millionen Menschen besucht. Sie sind steinerne Zeugen der idealen Gegenwelt, die der König sich in Abwendung von der Gegenwart errichtete.

Ihm und seiner Unterstützung des Komponisten Richard Wagner verdanken wir Opern wie die berühmte "Der Ring des Niebelungen" und die Errichtung des Festspielhauses in Bayreuth - Ludwigs Einfluss auf die deutsche Musikgeschichte ist somit vermutlich stärker, als seine politischen Aktionen es je waren.

Als Märchenkönig bleibt Ludwig II den meisten Menschen in Erinnerung, als ein Sinnbild für eine vergangene, gute Zeit, und wird heute noch in Bayern ehrenvoll "der Kini" genannt.


Der junge Ludwig
Ludwig Friedrich Wilhelm von Wittelsbach wird am 25. August 1845 als ältester Sohn des Kronprinzen Maximilian II von Bayern und der Kronprinzessin Marie auf Schloss Nymphenberg geboren. 1848 dankt sein Großvater, Ludwig I. ab, wodurch Maximilian König und sein Sohn zum Kronprinzen wird.

Ludwigs Kindheit verläuft in geordneten Bahnen - er und sein Bruder Otto erhalten eine strenge, pflichtbetonte Erziehung ohne große emotionale Anteilnahme der Eltern. Seine Mutter, Marie von Preußen, belegt schon zu dieser Zeit die Neigung des Jungen zum Theaterspiel, zur Verkleidung sowie seine starke Phantasie und Freigiebigkeit.

Ludwig als Knabe
Somit hat es für den jungen Prinzen eine besondere Bedeutung, als er 1861 zum ersten Mal die Opern "Tannhäuser" und "Lohengrin" von Richard Wagner erlebt - sie sind einer der Grundsteine für seine Liebe zu den darin verarbeiteten Sagen und Märchen und der Freundschaft zu dem Komponisten, den er, als Ludwigs Vater 1864 stirbt und sein Sohn zu Ludwig II von Bayern proklamiert wird, als König finanziell unterstützt. 1865 muss Richard Wagner jedoch den Königshof verlassen, da er damit beginnt, sich in die Regierungsgeschäfte einzumischen.

Ludwig selber sagt später, dass er zu früh und unvorbereitet auf den Thron gekommen ist, noch bevor er die Aufgaben eines Regenten wirklich beherrschte. Er ist erst 18 Jahre alt und hat wenig Lebens- und Politikerfahrung. Trotzdem wird der junge König von seinem Volk geliebt und vor allem von den Frauen schwärmerisch bewundert.


Regent und Träumer
Ein Beweis für seine Unerfahrenheit mag sein, dass er sich 1866 an der Seite des Deutschen Bundes und Österreichs in den Krieg mit Preußen einschaltet, wobei er die Kriegsführung selber seinen Ministern überlässt. Er unterliegt und Bayern muss im Friedensvertrag seine Truppen dem preußischen Oberbefehl unterstellen sowie 30 Millionen Gulden an Kriegsentschädigung zahlen.

Bereits 1870 führt Ludwig erneut Krieg, diesmal an der Seite Preußens gegen Frankreich, und der preußische König wird zum Kaiser gekrönt - Ludwig erhält zum Ausgleich Zahlungen aus dem Welfenfond. Der junge König selber zieht sich immer mehr von der Außenwelt zurück, obwohl er weiter die Regierungsgeschäfte führt.


Schlittenfahrt
Nach der einzigen Bereisung seines Landes werden Ludwigs Schlösser für ihn zu der wirklichen Welt - er widmet sich zunehmend seinen Phantasien und deren Verwirklichung. Der Versuch, sich eine prallele Idealwelt aufzubauen, in der er selber dem verklärten mittelalterlichen Bild des von Gott berufenen, reinen Königs entsprechen kann, nimmt exzentrische Züge an. So lebt Ludwig II ab 1875 fast nur nachts und schläft am Tage. Auf nächtliche Schlittenfahrten geht er kostümiert in mittelalterlicher Gewandung.


Neuschwanstein
Bereits 1869 hat Ludwig nach Plänen von Eduard Riedels den Grundstein für die Burg Hohenschwangau, das heutige Neuschwanstein, gelegt - es soll später eines der berühmtesten und märchenhaftesten Schlösser Deutschlands werden und weit über die Grenzen Europas hinaus berühmt. Ludwigs Ziel war es, das von ihm bewunderte Mittelalter durch dieses Bauwerk neu zu beleben. 1873 erwirbt Ludwig II die Herreninsel im Chiemsee und errichtet dort das Schloss Herrenchiemsee als ein neues Versaille.

1880 wird der Rohbau von Neuschwanstein fertig gestellt und Ludwig II kann es am 12. Dezember zum ersten Mal besuchen. Erst 1884 wird dann der Palas vollendet, so dass der König Mitte des Jahres dort eine Wohnung bezieht.


Das Ende des Königs
Die enormen Bauprojekte finanziert Ludwig aus seiner Privatschatulle, die die entstehenden Kosten jedoch nicht decken kann. Jeden Kredit, der ihm gewährt wird, setzt Ludwig sofort in neue Bauvorhaben um. Als er 1886 beim Kabinett erneut die Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von sechs Millionen Mark beantragt und dieser abgelehnt wird, beginnt der Stern des jungen Königs zu sinken.

Ludwigs Ministern gelingt es, den König durch Professor Bernhard von Gudden und drei weitere Ärzte ohne weitere Untersuchungen als "seelengestört" und "unheilbar" erklären zu lassen, obschon er als Regent weiter seine Pflichten erfüllt.

Die enorme Leidenschaft für seine Bauvorhaben - Ludwig drohte an, das Land zu verlassen oder sich zu töten, sollten die Schlösser zur Begleichung von Schulden gepfändet werden -, und seine exzentrische Lebensweise warfen andererseits ein zweifelhaftes Licht auf den König. Somit bleibt die Frage, inwieweit Ludwig II geistig zurechnungsfähig war, eines der vielen Rätsel.

Die Entmündigung erfolgt am 9. Juni 1886. Ludwig nimmt die Einsetzung seines Onkels Luitpold (sein eigener Bruder Otto wurde bereits 1875 als geisteskrank diagnostiziert und stand somit ohnehin nicht zur Wahl) als neues Staatsoberhaupt nicht widerspruchslos hin, zumal die bayerische Verfassung ein solches Vorgehen nicht vorsieht. Er wendet sich in einem Schreiben an sein Volk und fordert es auf, den geplanten Verrat an König und Vaterland zu vereiteln. Doch er hat damit keinen Erfolg. Zwar lässt Ludwig die Staatskommission, die ihn abholen will, am 10. Juni 1886 verhaften, bereits am 12. Juni wird er jedoch trotzdem von einer weiteren Staatskomission auf das Schloss Berg gebracht.


Ludwigs Tod
Am 13. Juni stirbt Ludwig unter mysteriösen Umständen zusammen mit Professor Bernhard von Gudden im seichten Uferwasser des Starnberger Sees. Wie diese Todesfälle passieren konnten, ist nie aufgeklärt worden. Der König galt als ein guter Schwimmer, somit liegt die Vermutung nahe, dass es sich nicht um einen Unfall handelte. Da es jedoch keine Zeugen gab und die beiden Ertrunkenen erst kurz vor Mitternacht von dem Schlossverwaltern Bernhard Huber gefunden wurden, wurde das Ableben König Ludwigs zu einer Art Mythos.

Am 19. Juni führt der Leichenzug König Ludwigs II durch München, die Beisetzung erfolgt in der Gruft der Michaelskirche, wobei eine Urne mit dem Herzen des Königs am 16. August in die Gnadenkapelle nach Altötting gebracht wird.

Da Ludwig II nie verheirat war - seine Verlobung mit Sophie, der Tochter des Erzherzogs Max, wurde 1867 geschlossen und noch im gleichen Jahr wieder gelöst -, hinterließ er keine Kinder. Sein wichtigstes Erbe sind - neben der Förderung für Richard Wagner - die Schlösser, allen voran Neuschwanstein. Er wünschte sich, dass nie eines Fremden Auge die Schönheiten seines Refugiums betrachten sollte, doch nicht einmal zwei Monate nach seinem Tode wurde es für den öffentlichen Besucherverkehr geöffnet. Seitdem sind die Schlösser eine wichtige Touristenattraktion, die seit Ludwigs Tode mehr als 50 Millionen Menschen besucht haben.
© Bayerische Schlösserverwaltung


Sonntag, 16. August 2009

Wort Gottes für den Tag - Montag, 17. August 2009

Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.
Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich gütig bin?
So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten. (Mt 20,1-16)Gottes Gerechtigkeit ist nicht die der Menschen. Kardinal Josef Ratzinger sagte zu seinem 75. Geburtstag, dass er mit einem gerechten Gott rechne, aber auf einen gütigen Gott vertraue. Diese Einstellung legt uns auch das heutige Evangelium nahe. Gott schenkt Leben, jedem Menschen schenkt er Leben. Ich darf mich freuen, wenn der Andere auch den Weg zum Leben findet, vielleicht auf einem anderen Weg. Vielleicht hat er sich nicht in der gleichen Weise wie ich mich gemüht um diesen Weg. Vielleicht kenne ich aber auch einfach seinen Weg nicht so genau, um das zu beurteilen. In jedem Fall schenkt Gott einem jeden Leben in Fülle, damit wir alle das Leben haben in ihm.

Wir können auf die eigene Leistung vertrauen, unseren Einsatz für Gottes Reich in der Welt jeden Tag bringen und gleichzeitig darauf vertrauen, dass es im Letzten immer Gott selber ist, der Erfüllung und Gnade schenkt.