Samstag, 19. September 2009

Wort Gottes für den Tag - Sonntag, 20. September 2009

Jesus ging mit den Jüngern von dort weg und sie zogen durch Galiläa.
Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.(Lk 9,35-37)

Die Worte „Dienen“ und „Hingabe“ haben bei uns keinen guten Klang. Dennoch spielen sie in unserem Alltag eine wichtige Rolle und werden mit großer Selbstverständlichkeit gelebt.

Denken wir nur an den Dienst, den viele Eheleute einander im Alter erweisen. Vergessen wir die nicht, die ihre pflegebedürftigen Eltern betreuen. Einander tragen, er-tragen und durch-tragen sind wichtige Formen des liebenden Dienens. Unsere Gesellschaft könnte diese Dienste gar nicht leisten. Ohne sie würde das menschliche Zusammenleben keine Qualität und keine Würde haben.

Hier ist eine Diskussion um Rangfolge, um Hackordnung etc. unangebracht. Diese Dienste werden ausgeübt, weil sie notwendig sind. Sie bedeuten, dass die Betroffenen viel auf sich nehmen, z. B. die Einschränkung der persönlichen Freiheit, finanzielle Belastungen bis hin zur Gefährdung der eigenen Gesundheit. Wir können unsere Gedanken noch ausweiten auf den freiwilligen Einsatz im sozialen und caritativen Bereich. Wie viele öffentliche Institutionen und private Initiativen könnten ihre Ziele kaum verwirklichen, wenn nicht so viele Ehrenamtliche und Engagierte tatkräftig mittragen würden.

Dienen, sich Hingeben heißt, von dem geben, was ich habe, was ich kann oder was ich bin. Wer vom Eigenen gibt, wer sich selber gibt, zeigt dem anderen, der andern, dass sie wertvoll und wichtig sind. Wahre Größe zeigt, wer dem Bedürftigen auf Augenhöhe begegnet. Wer dem Menschen dient, lässt sie letztlich die Liebe Gottes erfahren.

Freitag, 18. September 2009

Wort Gottes für den Tag - Samstag, 19. September 2009

Der Apostel Paulus an seinen Schüler Timotheus: ... Wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen

.../...
Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet.
Du aber, ein Mann Gottes, flieh vor all dem. Strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut. (1 Tim 6,3ff)

Das Habenwollen hat seinen Ursprung im Absichern der eigenen Existenz und der Fürsorge für die eigene Familie und das ist an und für sich nicht schlecht.

Wenn aber Eifer und die Freude an der Arbeit zur Sucht wird, dann fangen die Probleme an. Immer, wenn etwas in die Sucht umkippt, wird es selbstzerstörend und gemeinschaftsschädigend:
Die Habsucht ist gierig und alle Mittel sind recht, um den eigenen Besitz und die eigene Macht zu vermehren. Der Kapitalismus, der nur noch von der Gier nach mehr gesteuert ist verliert die soziale Verantwortung aus dem Auge. Alle Mittel sind recht, um das eigene Ziel durchzusetzen. Diese Formen der Selbstsucht verengen den Blick und machen ein Leben in Frieden unmöglich.

All das ist mit der Botschaft Jesu nicht zu vereinbaren. Paulus beschreibt in seinem Brief ein Art Kontrastprogramm, wie wir leben sollen. Er nennt das die Weisheit von oben und beschreibt, wie das Leben gelingen kann, wenn wir uns vom Beispiel Jesu leiten lassen: Das unermüdliche Streben nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut.

Wenn wir die Weisheit von oben beherzigen, die Art zu leben, wie Jesus sie uns vorgelebt hat,
dann entsteht ein Klima, in dem alle Menschen in Frieden und Gerechtigkeit leben können. Die Weisheit von oben wirkt sich positiv auf unser Zusammenleben aus. Eifersucht, Streitsucht, Habsucht sind überflüssig, weil sie die falschen Ziele im Auge haben. Wer versucht, die Weisheit Gottes umzusetzen, für den ist es nicht mehr wichtig, wer der Größte, der Reichste, der Mächtigste ist. Denn er weiß: Vor Gott zählt, ob wir gütig, wohlwollend und aufrichtig mit unseren Mitmenschen umgehen.

Versuchen wir, die Welt mit Gottes Augen zu sehen.

Donnerstag, 17. September 2009

Lambertusfest in der Lütticher St. Pauls-Kathedrale



Lambertusfest zeigte die Vielfalt der Diözesankirche
Von Lothar Klinges

Das Fest des hl. Lambertus ist für das Bistum Lüttich und seinen Oberhirten ein besonderes Ereignis. Für Bischof Aloys Jousten bietet es jedes Jahr die Gelegenheit, allen „Überbringern der frohen Botschaft“, die im Dienst der Glaubensverkündigung und des Evangeliums stehen, seine Anerkennung und seinen Dank auszudrücken.

So sah man in der Lütticher St. Pauls-Kathedrale Vertreter der Pfarren, des Unterrichtswesens, des Gesundheitssektors, sowie Vertreter von Bewegungen und Verbänden, von Wallfahrtsorten, Besinnungsstätten und von Weiterbildungsinstituten.


Hl. Lambertus

Traditionell wird das Fest des Diözesanpatrons an seinem Todestag, dem 17. September, in der Lütticher St. Pauls-Kathedrale gefeiert, die nach der Zerstörung der St. Lambertus-Kirche an der Place St-Lambert zur Bischofskirche erwählt wurde. Erstmals wurde zum Lambertusfest die Reliquiarbüste des Heiligen, die von Hans von Reutlingen 1512 in Aachen angefertigt wurde und rund 90 Kilogramm wiegt, im Chorraum der Kathedrale aufgestellt. In der Reliquie befindet sich der Schädel des hl. Lambertus, der um 700 Bischof von Maastricht war und auf seinem Hofgut in Lüttich ermordet wurde.


Der zweisprachige Festgottesdienst, der von Bischof Aloys Jousten und rund 120 Priestern, Diakonen und Mitgliedern der Dominikanerbrüder, vom Chor der Kathedrale unter der Leitung von Stephan Junker mit Unterstützung von Joelle Sauvenière an der Kathedralorgel und von einem afrikanischen Chor gestaltet wurde, war auch in diesem Jahr wieder die Gelegenheit zu einem großen Diözesantreffen. So waren am Donnerstagabend etwa fünfhundert Christen, darunter zahlreiche Gläubige aus Ostbelgien, in einer Eucharistiefeier um ihren Bischof versammelt. Hinzu kam, dass die Lambertus-Kompagnie aus Mettmann (Erzbistum Köln) und Pilgergruppen aus Ense-Bremen (Arnsberg), Erftstadt und Drolshagen (Sauerland) angereist waren. Am Ende des Gottesdienstes erhielt Manfred H. Müller aus Mettmann von Bischof Jousten die silberne Lambertusmedaille überreicht. Für den pensionierten Bankdirektor war es die dreißigste Pilgerfahrt, die ihn mit seiner Schützengesellschaft nach Lüttich geführt hat.

Unser Bistum: Ein bunter Blumenstrauß

In diesem Jahr zollte der Lütticher Bischof den „ausländischen Gemeinschaften“ besondere Anerkennung, da sie dem Leben im Bistum eine „eigene Note“ gäben. Für ein zweisprachiges Bistum sei es geradezu „selbstverständlich“, offen für ausländische Mitbürger zu sein und ihnen einen besonderen Platz einzuräumen. „Alle zusammen sind wir wie ein Strauß bunter Blumen“, sagte der Bischof mit Blick auf die Vielfalt der Kirche in seinem Bistum. „Ihr Christen fremder Herkunft seid frischer Wind in unsere Segel“, betonte Bischof Aloys Jousten zum Lambertusfest, dem diözesanen Patronatsfest, das zugleich den Start in das neue Pastoraljahr markiert.

Damit griff der 71-jährige Diözesanbischof das Jahresthema auf, das die belgischen Bischöfe im Rahmen des allgemeinen Themas „Im Glauben wachsen“ ausgewählt haben. Das Credo soll in diesem Jahr in besonderer Weise vertieft werden, nachdem es im vergangenen Jahr darum ging, wie der Christ Gott in seinem Wort begegnen kann, wobei das Paulus-Jahr auf Ebene der Weltkirche bei dieser Entdeckung geholfen hat, so Bischof Aloys Jousten. Abschließend ging der Bischof auf das soeben begonnene Priesterjahr ein.


Ein Bischof zum anfassen

So kennen ihn wohl die meisten Menschen im Bistum Lüttich. Unermüdlich ist Diözesanbischof Aloys Jousten, der am 8. Mai 2001 von Papst Johannes Paul II. zum neuen (91.) Bischof von Lüttich ernannt wurde, unterwegs und sucht die Begegnung mit vielen jungen und älteren Christen in seinem Bistum. Bei Firmfeiern, Regionaltreffen und Konferenzen, bei vielen Ereignissen und nicht zuletzt bei den zahlreichen persönlichen Begegnungen geht er mit der Bevölkerung auf Tuchfühlung.


Abschließend richtete sich Bischof Aloys Jousten mit grundsätzlichen Gedanken an seine Mitarbeiter(innen). Bei alldem kam die Sorge des Bischofs zum Ausdruck, aber auch sein Wille, zielorientiert vorzugehen und sein Bistum auf die Herausforderungen von heute und morgen vorzubereiten.

Mittwoch, 16. September 2009

Heiligengedenktag: Hildegard von Bingen


Wenn eine Frau in verworrenen Zeiten der Kirche mit „Feuereifer“ gepredigt, geforscht, gebetet hat und mit Gottes visionärem Geist gefüllt worden ist, dann diese große, vielleicht größte deutsche Ordensfrau: Hildegard von Bingen. Ihre momentane Popularität verdankt sie vermutlich weniger ihren Visionen, politischen Briefen und zeitkritischen Bußpredigten als vielmehr ihrem uralten und hochaktuellen Wissen über Anbau und Wirkung der Kräuter aus dem Klostergarten. Bei Hildegard von Bingen denken Menschen heute eher an warme Dinkelkissen als an dunkle Visionen, die sie „umbra lucis viventis - Schatten des lebendigen Lichtes“ nennt.

Von Kind auf ist sie visionär begabt. Aber keine weltfremde Mystikerin, sondern starke, herbe, fast harte Persönlichkeit, die weiß, was und wie sie es will. Sie stirbt am 17. September des Jahres 1179 in Rupertsberg, doch lebendig lebt sie mitten unter uns wie eh und je.

Im Einsatz für das Evangelium brennt sie in Liebe. Im mystischen Blick schaut sie das wirksame Feuer Gottes. Im Dienst an der Kirche predigt sie den hohen Herren lodernd den einen und einzigen Herrn der Kirche. Ihr Wissen um die Heilkraft der Kräuter ist heiß begehrt. Den Mitschwestern ist sie eine warmherzige und aufrechte Äbtissin. In der Politik mischt sie sich mit Feuer und Flamme ein. Ihr Leben war ein Sein im Schatten des lebendigen Lichtes. Kein Wunder also, dass sie leuchtet bis in unsere Zeit.



Interessante Links zu Leben und Werk der hl. Hildegard:
www.abtei-st-hildegard.de

Dienstag, 15. September 2009

Glaubenskurs in St. Vith

Das Feuer neu entfachen! Glaubenskurs im Dekanat St. Vith

Wünschen Sie sich auch manchmal …

* eine persönlichere Beziehung zu Gott,
* Menschen, mit denen Sie über Ihren Glauben und Ihre Zweifel sprechen können,
* Anstöße zum Beten und Bibellesen

… dann ist der Glaubenskurs „Das Feuer neu entfachen“
genau das Richtige für Sie!

* Zündende Impulse, Gespräche, Gebet und mehr
* Unverbindlicher „Schnupperabend“ am Mittwoch, 23. September 2009 um 20,00 Uhr
* Ab 30. September 2009 bis 18. November 2009
acht wöchentliche Treffen
* immer mittwochs von 20,00 – 22,00 Uhr


Info + Anmeldung:
bei Clemens Peters - Amel
Tel. 080/ 349601
Vorkenntnisse werden nicht erwartet
Treffpunkt: Pfarrheim in St. Vith

Veranstalter:
Dekanat St. Vith





Warum ein Glaubenskurs?

Der Kurs "Das Feuer neu entfachen" möchte - ebenso wie andere, ähnliche Kurse - zur Erneuerung und Vertiefung des Glaubens beitragen. Jesu Einladung "Das Reich Gottes ist nahe" entsprechend, soll bei den ersten vier der insgesamt acht Treffen das großartige Freundschafts-Angebot Gottes vergegenwärtigt werden. Vordringliches Ziel dieser ersten Treffen ist es deshalb, erstmals oder neu zur oft verblassten bzw. verschütteten Realität der Gegenwart und Liebe Gottes im eigenen Leben "vorzustoßen" und im eigenen Leben (erneut) mit Gott zu rechnen.

„Das Feuer neu entfachen“ deutet an, dass Gott jeden Menschen ganz persönlich anspricht. Wie ist das mit meinem Glauben? Kann ich auf Gott vertrauen? Von welchen Sinn-Fragen werde ich in meinem Leben herausgefordert? Um diesen und ähnlichen Fragen nachzugehen, findet in unserem Dekanat der Glaubenskurs statt.

Älter werden - Alt sein

Ältere Menschen sind jünger geworden. Finden Sie nicht auch? Sie kleiden sich anders und haben andere Einstellungen als ihre Altersgenossen von vor 30 Jahren, sie stehen noch mitten im Leben und packen mit an. Sie selbst würden sich nicht als alt bezeichnen, sie erschrecken vielleicht sogar ein bißchen vor dieser Bezeichnung. Wie ist das so mit dem Älterwerden? Und mit dem Altsein? Nachfolgend finden Sie hier einige Texte und Gestaltungsbausteine, die Mut machen möchten, diesen Teil des Lebens aktiv anzunehmen.

Was mir im Alter wertvoll ist.
Von Bischof Joachim Wanke

1. Unterbrechen können

Wa mir als älterem Menschen mehr und mehr widerwärtig wird: die Überflutung mit Nachrichten, mit Unterhaltung, mit nutzlosen Informationen. Gerade das, was sich laut aufdrängt, wovon es heißt: "Das ist wichtig!" "Das musst Du mitbekommen!" "Hast du das schon gesehen?" – das macht mich zunehmend skeptisch.

Ich merke, dass ich Freude daran gewinne, Zeit zu haben, mich von aufdringlicher Kommunikation zu "entkabeln". Es ist für mich ein Geschenk, Zeit für mich und Zeit für Menschen an meiner Seite zu gewinnen. Hören, Zuhören und Nachdenken können werden mir wichtiger als früher. Vielleicht hängt das auch mit meinem Beruf zusammen. Anderen, die in öffentlicher Verantwortung stehen, mag es ähnlich ergehen.

Was mir wertvoll ist: Ganz bei mir sein zu können, einen Raum der Stille zu haben, mich "entkabeln" zu können.

2. Beleuchten können

Ich frage mich jetzt häufiger als früher: Brauchst Du das wirklich? Ist das sinnvoll (noch) zu kaufen? Ab und zu kommt mir die Frage in den Sinn: "Steht dir das?" Das hängt mit einer Erinnerung an eine kleine Begebenheit in einem Warenhaus zusammen. Die Frau, die sich ein Kostüm ausgesucht hatte, verschwand plötzlich damit, freilich nur um ihr Kostüm vor der Tür im Tageslicht anzuschauen. "Was kleidet mich?" - Das ist für mich eine "Wurm-Frage" geworden. Die Antwort gibt es nur bei der richtigen Beleuchtung. Im Alter merke ich, wie entscheidend es ist, das eigene Leben "von oben" beleuchten zu können.


Die Vergangenheit wird im Alter wichtiger. Das mag für das Älter-Werden typisch sein. "Weißt Du noch... damals?" Man muss aufpassen, damit anderen nicht lästig zu werden. Aber was auch als Fähigkeit wächst: Tiefenbohrungen "an Ort und Stelle" machen zu können. Das Geschenk eines guten Gesprächs, die Erfahrung von Schönheit in der Natur, Situationen, Augenblicke, die eine tiefe Glückserfahrung schenken, obwohl scheinbar nicht viel passiert, das häuft sich im Alter. Oder ist man nur aufmerksamer als früher? ... Die Wirklichkeit wird weiter, obwohl man im räumlichen Sinn weniger beweglich ist.

Was mir wertvoll ist: Etwas langsamer, dafür aber nachhaltiger "genießen" zu können; die Freude, wenn sich etwas scheinbar Bekanntes neu bzw. tiefer erschließt. Der Geschmack an einer Qualität, die von innen (oder wenn man will: von oben) kommt.

3. Anknüpfen können

Was ich wohl wie alle älteren Menschen erfahre: Das Nachlassen der leiblichen Kräfte. Es ist ein bleibendes metaphysisches Ärgernis, von Materie abhängig zu sein. Dazu kommt die Erfahrung, gezeigt zu bekommen, weniger wichtig zu sein. Gefragt sind die Jungen, die Dynamischen, die Macher. Auch steigt hie und da schon einmal die Angst auf, in Krankheit und Sterben allein bleiben zu müssen. Die innere Anfechtung "Das soll alles gewesen sein?" bleibt auch den Frommen nicht erspart.

Solche Bitterkeiten und Ängste gehören wohl zu den Gefahren des Alters. Ich mache die Erfahrung, dass mir die Wiederholung hilft und Sicherheit gibt. Damit meine ich die Alltagsrituale (des geregelten Tages) bis hin zu den liturgischen Ritualen, in denen die Seele sich festmachen kann. Dort kann ich immer neu anknüpfen und innerlich dankbar bleiben. Mir ist die Gabe, an Alltägliches, Wiederholbares anknüpfen zu können, wichtig geworden. Den Rosenkranz habe ich wieder im Alter entdeckt. Manchmal bekomme ich beim Halten vor einer Verkehrsampel Gott in den Blick: Herr, du zeigst mir jetzt Rot, aber das Gelb wird folgen und dann wieder Grün. Die Alltagserfahrungen fangen manchmal zu sprechen an. Wenn ich im Dunklen in den Städten und Dörfern an beleuchteten Wohnungen vorbeifahre, gehen meine Gedanken und Gebete hin zu den Menschen in ihren unterschiedlichen Schicksalen. Ich möchte dieses Gebet nennen: das Gebet des Schauens und des Sich-Anschauen-Lassens. Der Pfarrer von Ars hat diese Gabe bei einem einfachen Landmann entdeckt, der lange in der Kirche vor dem Gekreuzigten verweilte. Auf die Frage, was er da so lange tue, habe dieser geantwortet: "Er schaut mich an und ich schaue ihn an!"

Was mir wertvoll ist: Das Leben selbst meditieren zu können. Die Fähigkeit, versteckte Hinweisschilder auf die Gottesgegenwart zu entdecken. Die Gabe, die Vorläufigkeit als Verheißung erkennen, nicht nur als Mangel. Die Freude an einer Einfachheit, die ihre eigene Schönheit hat.

4. Loslassen können

Was im Leben an Faszination verliert: viele Dinge zu haben. Das ist wohl der ausgeprägteste Trieb im Menschen, haben und festhalten zu wollen. Es gehört zur Gnade des Alters, nichts unbedingt und um jeden Preis festhalten zu müssen, etwa auch gefragter Star sein zu wollen oder von anderen für wichtig gehalten zu werden.

Irgendwie wächst bei mir die Neugier, wie ich von Gott geführt werde. Es fällt einem als älterem Menschen leichter, von Podesten herabzusteigen. Ich möchte den Humor und die Selbstironie haben und festhalten können, die Thomas Morus noch auf dem Schafott hatte, als er seinen Bart vor dem Schwertstreich des Henkers mit der Bemerkung schützte: "Der hat ja keinen Hochverrat begangen!"

Es ist sicher eine Gnadengabe, innerlich die Sehnsucht nach dem "Mehr", dem magis zu behalten. Ich kenne ältere Menschen, in deren Nähe man aufatmen kann, denen man nichts bringen muss, sondern von denen man beschenkt weggeht. Vielleicht fällt es im Alter auch leichter, nicht auf Begeisterung angewiesen zu sein. Natürlich gibt es auch den Zweifel, die Anfechtung. Der Glaube an Gott und seine Verheißungen wird "winterlicher" (wie einmal Reinhold Schneider formulierte). Aber es gibt auch ab und zu die Gnade zu erkennen, dass man durch Leiden wachsen kann. Aber vielleicht kann man das erst im Alter begreifen.

Was mir wertvoll ist: Das Vertrauen auf das Gelingen des Lebens festzuhalten und gelassen bleiben zu können, nicht zuletzt durch die Erfahrung, loslassen zu können (manchmal auch zu müssen).

5. Bejahen können

Im Alter entdecke ich mehr als früher, dass es im Leben auf nur Weniges ankommt. Man kann das verschieden ausdrücken. Ich spüre: Die größte Tat des Menschen ist es, sich selbst zu bejahen, sein Leben – so wie es ist, so wie es war. Ein Mediziner berichtete, wie er einmal bei einem Gespräch einer sterbenden Frau mit ihrem untröstlichen Ehemann, der Gott und die Welt anklagte, die Antwort der Sterbenden hörte: "Ich verstehe Gott auch nicht, aber ich stimme ihm zu." Diese Kraft der Zustimmung ist in mir am Wachsen. Aber es gibt da wohl auch bis zuletzt ein Auf und Ab. Gott ist ein geduldiger Lehrer. Ich erinnere mich: Bei unserem älter gewordenen Dogmatiker in der Zeit der theologischen Ausbildung wurde der liebe Gott immer gütiger. Vielleicht versteht man erst im Alter voll und ganz das Geheimnis der Menschwerdung Gottes.

Ich entdecke als mir wertvoll die wachsende Fähigkeit, sich am Konkreten zu freuen, das kleine Licht anzuzünden und sich an ihm auf zu erbauen, statt über die große Dunkelheit zu jammern. Im Alter fällt es leichter, kritisch gegenüber allem Ideologischen zu sein (nicht nur in der Welt, auch in der Kirche). Irgendwie kommen einem die "großen Worte" nicht mehr so schnell über die Lippen. Das Alter schenkt mir Luft, mir Zeit zu lassen und anderen Zeit zu geben, diese Kraft zur "Zustimmung" aufzubringen. Vielleicht ist das ganze geistliche Leben als Christ am besten als Bild einer sich wandelnden, aber reifenden Freundschaft zu verstehen. Ein Freund sagte mir nach seiner Silberhochzeit: Ich merke immer mehr, dass nicht ich geheiratet habe, sondern dass ich geheiratet wurde.

Was mir wertvoll ist: Im Glauben das Ja und das Amen zu meinem Leben sagen zu können; die Erfahrung, nicht immer nur tragen zu müssen, sondern getragen und angenommen zu sein.

Statement von Bischof Wanke anlässlich des Katholischen Senioren-Forums der Diözese Würzburg am 16. Februar 2008. Quelle: www.bistum-erfurt.de



Gebet über das älter werden


Herr, Du weißt es besser als ich, dass ich von zu Tag zu Tag älter,
und eines Tages alt sein werde.


Bewahre mich vor der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit
und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch,
hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung an Weisheit tut es mir ja leid,

sie nicht weiterzugeben, aber Du verstehst, Herr,

dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Lehr mich zu schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden,

sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
mir die Krankheitsschilderungen
anderer mit Freude anzuhören,
aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.


Ich wage es auch nicht, um ein besseres Gedächtnis zu bitten –
nur um
etwas mehr Bescheidenheit und etwas weniger Bestimmtheit,
wenn mein Gedächtnis nicht mit dem der anderen übereinstimmt.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Ich weiß, dass ich nicht unbedingt ein Heiliger bin,

aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.


Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken,

und verleihe mir, Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.


Teresa von Avila
(1515-1582, Gründerin der Karmelitinnen)