Samstag, 5. Dezember 2009

Heute kommt der Nikolaus!

„Niklaus ist ein guter Mann, dem man nicht g’nug danken kann.“ Wer kennt diese Liedstrophe nicht seit den eigenen Kindertagen? Ein guter Mann, der Hungernden Brot besorgte, Verurteilte in Freiheit führte, Verzweifelten Mut schenkte. Nikolaus, Bischof von Myra – einer der volkstümlichsten Heiligen und zugleich eine der großen Lichtgestalten in der Zeit vor Weihnachten.

Nikolaus von Myra (Griechisch: »Der Sieger des Volkes«), ist wahrscheinlich in der 1. Hälfte des 4. Jh.s Bischof von Myra gewesen. Ein Kranz von Legenden überdeckt seinen Lebensweg. Sein Kult ist seit dem 6. Jh.s in Myra und Byzanz nachweisbar. Im 9. Jh. wurde Nikolaus auch in Unteritalien und Rom verehrt. Bald drang sein Kult, gefördert durch die Kaiserin Theophanu, im 10. Jh. auch nach Deutschland, Frankreich und England. Die Überführung seiner Gebeine 1087 von Myra nach Bari brachte eine Hochblüte des Kultes in ganz Europa. Da die Legende ihn als Retter in Schwierigkeiten vieler Art schilderte, wird er als Helfer in allen Nöten gerufen. Ganz besonders gilt Nikolaus als Freudenbringer für die Kinder



Nikolaus von Myra wird dargestellt in bischöflichem Ornat mit Anker oder Schiff, mit Bottich mit drei Knaben, mit Geldbeutel der Münzen, die er drei Mädchen in eine Hütte reicht, mit drei Broten oder Goldstücken oder Äpfeln.


Der Nikolaus ist nicht der Weihnachtsmann
Wer füllt am Vorabend des 6. Dezember die Schuhe der Kinder? Wer besucht sie am Nikolaustag und lobt und ermahnt sie? Der Weihnachtsmann oder Bischof Nikolaus? Schaut man in die Geschäfte, gibt es den Bischof Nikolaus aus Schokolade fast nicht mehr. Der Weihnachtsmann hat Konjunktur. Doch der Weihnachtsmann ist nicht der Nikolaus. Der eine steht für Konsum, der andere für Werte wie Helfen und Teilen.

Das Leben und die Botschaft des Bischofs Nikolaus wieder zur Sprache zu bringen, haben sich verschiedene Privatinitativen sowie das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken mit seiner Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ zum Ziel gesetzt. Mehr darüber erfahren Sie hier: weihnachtsmannfreie-zone.de



Donnerstag, 3. Dezember 2009

Die heilige Barbara: eine starke Frau!

Am 4. Dezember erinnert die Kirche in der Liturgie an die heilige Barbara. Barbara lebte im vierten Jahrhundert in Nikodemien, Kleinasien, heutige Türkei. Um 306 soll sie unter dem Christenhasser und Christenverfolger, dem Kaiser Maximinus Daia, hingerichtet worden sein. Sie ist Schutzpatronin der Bergleute. Überall in Zechengebieten finden sich die Bergleute, einer Jahrhunderte alten Tradition entsprechend, zu Umzügen und Prozessionen zusammen.

Noch heute ist es üblich, am Festtag der Bergmannspatronin unter Tag, in den Stollen, die sogenannten Barbaralichter anzuzünden: Kerzen und Laternen, die, einem alten Volksglauben zufolge, vor schlagenden Wettern und Einstürzen schützen sollen.



Zum traditionellen Brauchtum des Barbaratages gehört es auch, am 4. Dezember die sogenannten Barbarazweige zu brechen; meist sind es Kirchzweige, die ins Wasser gestellt werden und am Heiligen Abend zu blühen beginnen. Dieses Brauchtum ist auf eine Legende zurückzuführen. Barbara hörte von der neuen Botschaft des Christentums. Ihr Vater forderte sie voller Zorn auf, dem Glauben öffentlich abzuschwören. Sie weigerte sich und man brachte
sie ins Gefängnis. Auf dem Weg dorthin verfing sich ihr Kleid im Geäst eines Kirschbaumes, Barbara brach den Zweig ab und nahm ihn mit in die Zelle. Am Tag, wo man Barbara hinrichtete, stand der Zweig in voller Blüte. Das ist der Grund, warum am Barbaratag Zweige geschnitten werden


"Mitten im kalten Winter weiße Blüten? Undenkbar?

Nein, keineswegs! Proffessionelle Gärtner und Blumenzüchter machen es möglich, dass wir das ganze Jahr über fast alle Blumen zur Verfügung haben. Das gleiche gilt ja auch für Gemüse und Obst. Erdbeeren im Dezember, ich habe sie vor einigen Tagen im Geschäft gesehen!

Aber schon vor sehr langer Zeit, als es noch nicht die Möglichkeiten gab blühende Pflanzen das ganze Jahr über anzubauen wussten Menschen dass in den winterharten Zweigen des Kirschbaums mehr steckt, als der Augenschein verrät. Denn der lässt uns nur eine matte Kahlheit sehen, die traurige Stimmungslage, die von etwas Abgestorbenem ausgeht.`

Aber weit gefehlt! Mit ein bisschen Liebe und Fürsorge versprechen sie Leben. Leben wie das Immergrün des Adventskranzes und werden dadurch zu Hoffnungsträgern! In lauwarmem Wasser ins warme Zimmer gestellt, verheißen sie eine „weiße Weihnacht“ im Wohnzimmer:

‚Durch die Blume‘ erzählen diese Zweige von der unbekannten Schönen aus Nikomedien, von der wir mehr wenig als viel wissen, aber das mag uns geügen heute auf ihr Leben zu schauen und zu fragen: was ist ihre Botschaft für die Menschen unserer Zeit?


Barbara: eine ‘emanzipierte Frau‘

Die Legende erzählt vom Leben dieser zu früh Vollendeten in der schweren Blütezeit der frühen Kirche, der Epoche der Verfolgung und des Blutzeugnisses. Ausgerechnet in ihrem Vaterhaus verschafft sich diese junge Frau einen Todfeind, in Gestalt ihres heidnischen Vaters Dioskoros, eines reichen Kaufmanns, der wegen ihrer Schönheit um ihre Tugend besorgt ist und der sie mit einem reichen Heiden verheiraten will. Während heute oft Eltern und Großeltern händeringend die Entfremdung der Nachwachsenden von der Kirche beklagen, war die Situation in der jungen Kirche oft vertauscht. Da mussten sich Kinder den Freiraum des Glaubens hart erkämpfen, weil die Alten am Götterglauben der Vorfahren festhielten.

Ihr zähes Festhalten am Christusglauben setzt eine Familientragödie in Gang. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen". Dieser Wahlspruch durchzieht ihr Leben und verleiht der jungen Frau bis heute Faszinationskraft. In der oft allzu gemütlich-kitschigen Adventsstimmung erinnert sie an den heiligen Ernst des Glaubens: an den Mut zu Geradlinigkeit, zur Widerstandskraft gegen die Götzen und deren Verehrer.

Ihr Tod hätte nicht sein müssen, wäre der Vater väterlicher gewesen. Von einer Mutter lesen wir übrigens in keiner Lebensbeschreibung. War sie früh verstorben? Vielleicht bei der Geburt der kleinen Barbara? Ein alleinerziehender Vater also, der nur das Beste für seine Tochter will. Er ist ein reicher Geschäftsmann, erzählt die Legende und will sie mit einem jungen Mann seiner Wahl verheiraten. Doch sie bricht um des Glaubens willen mit ihm. Und setzt folglich einen Prozess des Hasses in Gang. Der Vater, der nur das Beste für seine Tochter will, mischt sich ein in ihr Leben. Doch sie setzt die Prioritäten anders; ihr ist der innere Ruf Christi wichtiger. Sie gehört zu den starken, selbstständigen Frauen der frühen Kirche, die die Courage besaßen, ‘Farbe zu bekennen‘ - Sozusagen eine Emanzipation der Frau in der frühen Kirche!


Sie hat den Mut zum Nein und darum umso klarer zum Ja

Ihre Widerstandskraft gegen den väterlichen Druck und die vorherrschende Volksmeinung ist stärker. Sie bleibt dem fremden und - damals wie heute! - nie selbstverständlichen Christusglauben treu bis in den Tod. Sie lässt sich das Bekenntnis nicht abgewöhnen. In ihrem Namen ‘Barbara‘ wird die Erinnerung an die bleibende Fremdheit heiliger Menschen wach gehalten. Heilige sind anders als andere Menschen, manchmal erscheinen sie uns ein wenig verrückt, sie wirken manchmal wie 'Außerirdische'.

Der Vater will seine Tochter nicht loslassen; er sperrt sie wegen ihrer Schönheit und ihrer Neigung zum Christentum in einen Turm. Eines Tages flieht sie vor ihrem Vater. Ein Hirte verrät ihren Aufenthaltsort. Der Vater lässt sie nun inm Gefängnis einsperren. Und in diesem Verlies soll sie, kurz vor ihrer Hinrichtung, den Zweig betrachtet haben, der sich auf dem Weg dorthin in ihrem Gewand verfangen hatte. Der Kirschbaumzweig wird ihr zu einem Wink des Himmels, sie bewahrt ihn auf. Während der 'Andacht' des Zweiges nahm sie das lautlose Wandlungswunder wahr und sagte staunend im Blick auf den poetischen Einfallsreichtum der Natur: "Du schienst tot, aber du bist aufgeblüht zu schönerem Leben. So wird es auch mit meinem Tod sein. Ich werde zu ewigem Leben aufblühen."

Kurz vor ihrem Tod wird ihr die Kommunion gereicht. Am Tag ihrer Hinrichtung - eigenhändig durch den Vater -, wie es die Legende berichtet sei das Zeichen des Lebens aufgeblüht, der Kirchbaumzweig.


Sich dem adventlichen Gott entgegenstrecken

Im Blick auf diesen Hoffnungsträger, den Kirchbaumzweig, wollen wir den Advent erwartungsvoll feiern und unter unter dem abgestorbenen Ast das blühende Leben, die kommenden weißen und gelben Blüten sehen. Wir erhoffen aber noch mehr nämlich: den neuen Himmel und die neue Erde. Der blühende Barbarazweig lässt das Weihnachtswunder erahnen. Im Wandlungswunder der Zweige wird uns plastisch vor Augen gestellt, was uns blüht!

Dass es dazu kommt, dazu bedarf es der geduldigen Wartezeit. Es liegt nicht in unserer Macht, dass die Zweige blühen! Wir müssen warten, geduldig sein mit einer gewissen Vorfreude auf den Tag warten wenn die ersten Knospen sich öffnen.

So ist es auch mit Weihnachten: Wir können das Ziel, die Menschwerdung unseres Herrn nicht ungeduldig vorwegnehmen, auch wenn beim weihnachtlichen Einkaufsbummel das Kind schon in der Krippe liegt, und wir mehr Weihnachtslieder als Adventlieder zu hören bekommen, darf das uns nicht darüber hinweg täuschen, dass noch nicht Weihnachten ist.

Das Christkind erhofft sich von uns, dass wir uns wie starre, dürre Zweige in das warme Licht Gottes halten, damit er uns auftaue, unsere eisigen Beziehungen verflüssige, unsere Talente zum Blühen bringe! Der Advent ist eine Zeit wie im Treibhaus Gottes, in dem unser Leben zum Blühen kommen darf. In dieser Zeit will der Herr unsere Sehnsucht nach dem wirklichen Leben neu wecken!

Dazu brauchen wir Rückzugsräume in denen wir uns konzentrieren auf den Kommenden. Dazu brauchen wir Frauen wie die heilige Barbara, Zeuginnen mit Rückgrat, erfüllt von heißer Leidenschaft für Christus, Lichtgestalten, die uns den Weg weisen und Geschmack auf die großere Hoffnung machen die in jedem Menschen steckt. Amen.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Trostworte die zu Herzen gehen - Wort Gottes für den Tag, Donnerstag, 3. Dezember 2009

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden. Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen. (Jes 40,1-5)

Trostlosigkeit
Da sind Menschen in trostloser Situation - das Volk Israel im Exil in Babylon. Alles hat es verloren, was das Leben bisher getragen hat: die Heimat, den überlieferten Glauben, die eigene Identität, Gott selbst. Als ausgebrannte Ruine fühlt es sich, von Gott und der Welt verlassen, müde, matt, ohne Schwung, ohne Lebenskraft, äußerlich und innerlich verwüstet, in lähmende Depression verfallen. Die trostlose, depressive Stimmungslage, die auch uns und unsere Zeit bisweilen befällt, entspricht ungefähr der des folgenden traurigen Märchens:

"Es war einmal ein armes Kind, das hatte keinen Vater und keine Mutter. War alles tot. Und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot. Und es ist hingegangen und hat gesucht, Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt's in den Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an. Und wie es endlich zum Mond kam, war's ein Stück faules Holz. Und da ist es zur Sonne gangen. Und wie es zur Sonne kam, war's eine verwelkte Sonnenblume. Und wie's zu den Sternen kam, waren's lauter kleine goldene Mücken ... Und wie's wieder auf die Erde wollte, war die Erde ein umgestürzter Hafen. Und es war ganz allein. Und da hat sich's hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und ist ganz allein."

Trösten oder vertrösten?

"Da sitzt es noch und ist ganz allein." - Vielleicht ist dieses depressive Gefühl der Verlassenheit und der inneren Leere die tiefste Trostlosigkeit, die Menschen befallen kann. Es läßt sie wie abgeschnitten vom Leben sein, beziehungslos, sprachlos, allein. Solche Menschen, die sich fühlen wie das arme Kind, will der Prophet trösten. Seine ganze Botschaft ist eine einzige Trostbotschaft.

"Tröstet, tröstet mein Volk", so beginnt deshalb seine Predigt. Doch was gibt Trost? Was ist Trost? Können wir trösten? Oder nur vertrösten, beschwichtigen? Was sagen wir Menschen, für die alles hohl und sinnlos geworden ist? Können wir deren Trostlosigkeit nur überspielen, weil wir sie selber nicht ertragen und den Schmerz zerbrochenen Lebens nicht aushalten können? Viele Menschen sind jedenfalls den üblichen Trostworten gegenüber skeptisch. Sie glauben diesen Worten nicht. Sie fühlen sich durch diesen Trost in ihrer Trostlosigkeit nicht ernstgenommen und nicht angenommen. "Kopf hoch! Es wird schon wieder gut!": Will sich der Sprecher solcher Worte den Schmerz nur vom Leibe halten? Geht er damit nicht ziemlich unverhohlen in Distanz zum trostlosen Menschen? Bedeuten seine Worte nicht im Klartext: "Laß mich mit deiner Trostlosigkeit in Ruhe; ich hab schon Mühe genug damit, meine eigene Trostlosigkeit zu kaschieren"?

Was ist Trost?

Was also ist Trost? Schauen wir uns ein alltägliches Beispiel an. Es ist eine Art Gegengeschichte zu der Geschichte vom armen Kind:

Es ist Nacht. Ein kleines Kind liegt in seinem Bett und schläft. Doch plötzlich erwacht es - vielleicht aus schweren Träumen - und findet sich allein, von nächtlicher Dunkelheit umgeben. Die vertrauten Umrisse des Zimmers sind verwischt, ja unsichtbar. Es ist, wie wenn die Welt in Finsternis und Chaos versunken wäre. Das Kind fühlt sich einer namenlosen Angst ausgeliefert. Es beginnt zu schreien. Voller Angst schreit es nach der Mutter. Die Mutter kommt, nimmt das Kind in den Arm und wiegt es. Sie zündet ein Licht an, und ein warmer, Sicherheit verheißender Schein umgibt sie und das Kind. Sie spricht zu ihrem Kind, sie singt ihm ein Schlummerlied. Und der Grundtenor ist auf der ganzen Welt immer und immer derselbe: "Hab keine Angst!", "alles ist in Ordnung! ", "alles ist gut! ", "ich bin ja da! ", "alles ist wieder gut! ". Das Kind schluchzt vielleicht noch ein paar Mal auf und gibt sich allmählich zufrieden. Es fühlt die Wärme der Mutter, es sieht ihr liebevoll lächelndes Gesicht über sich und ihre tröstenden Augen; und alles ist wieder gut. Wo es in der Finsternis und der Verlassenheit unterzugehen droht, dort stellt die Mutter wieder eine verläßliche Ordnung her. Ja, die Mutter verkörpert geradezu für das Kind diese verläßliche Ordnung. Sein Vertrauen zur Wirklichkeit ist zurückgewonnen. Und in diesem Vertrauen kann es wieder einschlafen, kann es leben und wachsen.


Was geschieht hier eigentlich? Woher nimmt die Mutter den Mut zu dem, was sie sagt? Die Welt, in der das Kind lebt, ist ja gar nicht in Ordnung; es ist hier ja gar nicht alles gut. Vielleicht ist das Kind krank. Vielleicht ist am Tag vor dem Haus ein schlimmer Unfall passiert. Vielleicht ist der Vater arbeitslos geworden. Aber gerade dann sagt die Mutter zu ihrem Kind: Hab keine Angst; ich bin da; alles ist gut.

Und auch dort, wo gerade Krieg ist, tröstet eine Mutter ihr Kind mit den gleichen Worten: Hab keine Angst, ich bin da, alles ist gut. Wie kann sie das tun? Wie kann sie sagen, alles sei gut, alles sei in Ordnung, obwohl doch so viel nicht in Ordnung ist? Vertröstet die Mutter ihr Kind? Beschwichtigt sie es? Überspielt sie die Trostlosigkeit? Macht sie sich und dem Kind etwas vor?

Wir merken, dass die Mutter hier mehr sagt, als sie vielleicht selber ahnt, mehr vielleicht auch, als sie selber glaubt oder zu glauben vermag. Sie sagt etwas, was weit über die Situation, in der sie ihr Kind tröstet, hinausgeht. Sie sagt etwas über die Welt im Ganzen. Sie sagt, was uns durch die biblische Schöpfungsgeschichte Gott selber sagt: "Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut." Der Trost, mit dem die Mutter ihr Kind tröstet, ist also Ausdruck eines ganz großen Vertrauens, Ausdruck des Glaubens, dass alles, auch das Dunkle, in Gottes guter Hand ist und deshalb am Ende alles gut ist. Und es wird deutlich, dass Trost mehr als Oberflächenkosmetik sein muß.

Der Prophet Jesaja will für das trostlose Israel im Exil und für uns so etwas wie diese Mutter für das Kind sein. Er will sie und uns erinnern an den mütterlichen Gott, dessen Bild ihnen und uns wie ein Versprechen in die Wiege gelegt wurde. Er will sie und uns die Gegenwart dieses Gottes neu spüren lassen, die allein ihre und unsere Trostlosigkeit von innen her aufbrechen und uns für neues Leben öffnen kann. Und er tut es auch so ähnlich wie die Mutter: Mit Worten, die "zu Herzen reden", nicht mit Argumenten, die den Verstand überzeugen.

Rührt dieses Bild nicht auch bei uns in der Tiefe unserer Seele etwas an? Ist es nicht so, habe ich es nicht erfahren, dass meine dunklen und krummen Wege Wege zum Leben waren, dass mich Gott auch da und durch all das hindurch getragen hat? So wie eine Mutter ihr Kind auf den Arm nimmt und tröstet?

Dienstag, 1. Dezember 2009

Wachet auf, ruft uns die Stimme - Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 02. Dezember 2009


Wirtschaftsfachleute sagen: Ein Betrieb, der keine „Vision“ hat, mit dem geht es abwärts. Das will sagen:wer nicht auf etwas zugeht, wer kein Ziel vor Augen hat, der stagniert, der tritt auf der Stelle.

Worauf gehen wir zu, als Christen, als Kirche? Auch wir sind immer wieder in Gefahr, im Alltag unseres Lebens zu stagnieren und unser Ziel aus den Augen zu verlieren. Darum schenkt uns die Kirche jedes Jahr die Adventzeit, damit wir uns neu orientieren, unseren Kompass neu ausrichten.

Jedes Messgerät muss immer wieder neu geeicht werden; jeder Seefahrer überprüft seine Position immer wieder neu am Polarstern. Advent ist dieses Innehalten und sich wieder neu orientieren: Aufzuwachen aus dem Schlaf der Sicherheit und wieder bewusst zu leben.

"Wachet und betet allezeit" kann so ein Aufruf zu bewusstem Leben sein: in der Überfülle der Angebote bewusste Entscheidungen zu treffen; das eigene Leben mit den Augen Jesu, mit den Augen Gottes anzusehen versuchen. Vielleicht muss aber erst ein Donnerwetter über uns hereinbrechen, damit wir uns neu ausrichten können.

Die Lichter des Advent können ein Wink Gottes werden, der uns daran erinnert, wach zu werden, aus dem Schlaf und der Nacht herauszutreten. Der heilige Paulus schreibt diesbezüglich an die Christen in Rom: "Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf, die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, nicht mit Gelagen, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt also als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an."

Wenn das uns gelingt, ein neues Gewand - Jesus Christus - anzulegen, wird die Vision des Propheten Jesaja wahr: „ Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.“ (Jes 11,6-10)
Der Prophet spricht hier nicht von einem widererstandenen Tierparadies, sondern von Menschen und Völkern ist hier die Rede, die mit (wilden) und (zahmen) Tieren verglichen werden.Wenn die Menschen Gott erkennen und Gott suchen, werden sie auch den Weg zueinander finden.

Die Tage bis Weihnachten zählen


Wie der Adventskalender erfunden wurde

"Wann ist endlich Weihnachten?" - So fragen Kinder, seit das Weihnachtsfest nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Familie als "Geschenkefest" ge- feiert wird. Das ungeduldige Fragen der Kinder führte im 19. Jahrhundert zu den ersten Adventskalendern. Der Begründer des Kinderheims "Das Rauhe Haus" in Hamburg, Johann Heinrich Wiehern, stellte 1839 einen Holzreif mit 24 Kerzen auf; jeden Tag wurde eine weitere Kerze angezündet.

Und eine geplagte Mutter nahm ein großes Stück Karton, malte 24 Felder darauf und spießte in jedes Feld ein Gebäckstück. Jeden Tag durfte der Junge ein Feld abräumen und dabei selbst die Tage bis Weihnachten zählen. Dieser Junge hieß Gerhard Lang . Er hat 1903 den ersten gedruckten Adventskalender veröffentlicht. Die Idee wurde ein großer Erfolg der Firma Reichhold & Lang in München, die um 1920 übrigens auch den ersten Türchenkalender herausbrachte. Inzwischen gibt es auch Adventskalender im Internet. Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund könnt ihr viele historische Adventskalender bestaunen.

Sonntag, 29. November 2009

Der neue Pfarrbrief "Dezember" ist da


Heiliger Andreas, der Erstberufene Jünger


Heute am 30. November feiert die Kirche den heiligen Apostel Andreas. Der heilige Andreas war aus Bethsaida in der Provinz Galiläa gebürtig, ein leiblicher Bruder des heiligen Petrus und ein Jünger des heiligen Johannes des Täufers. Seines Handwerks war er ein Fischer, wie sein Vater Jonas. Als er eines Tages bei Johannes am Jordan weilte, und diesen auf Jesus, den er Tags zuvor getauft hatte und der so eben vorüber ging, hindeuten sah mit den Worten:



„Sehet das Lamm Gottes!”


da verließ er unverzüglich seinen ersten Lehrer und ging dem Heiland mit noch einem Schüler nach. Jesus bemerkte sie, wandte sich um und fragte, was sie suchten? Sie antworteten, sie möchten wissen wo er wohne. Jesus erwiderte freundlich:

„Kommt und sehet,”
und nahm sie mit sich. Es war schon abend, als sie das Glück hatten, den Heiland zu sehen und zu sprechen. Sie blieben daher die ganze Nacht bei ihm. Andreas entschloß sich, fortan bei Jesus zu bleiben und sein Jünger zu sein. Die Freude aber, den Heiland gefunden zu haben, konnte er nicht in seinem Herzen behalten. Früh morgens eilte er zu seinem Bruder Simon und rief ihm schon von weitem zu:

„Wir haben den Messias gefunden,”

und führte ihn zu Jesus, der ihn ebenfalls unter die Zahl seiner Jünger aufnahm und ihm den Namen "Petrus" gab. Die beiden Brüder, Andreas und Petrus, blieben aber noch nicht für immer bei Jesus. Sie hörten ihn von Zeit zu Zeit und trieben dabei ihr Gewerbe als Fischer. Auch bei der Hochzeit zu Kana, wo Jesus sein erstes Wunder wirkte, waren sie gegenwärtig. Erst gegen Ende des Jahres rief Jesus, als sie am Ufer des Sees Genesareth fischten und ihre Netze aus besserten, für immer zu sich mit den Worten:

„Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen”
Von nun an verließen sie ihn nicht mehr; er nahm sie unter die Zahl seiner Apostel auf und ließ sie Zeugen seines Lebens, seiner Worte und Taten, seines Leidens, seiner Auferstehung und Himmelfahrt werden.

Als nach Ausgießung des heiligen Geistes die Apostel in alle Welt ausgingen, das Evangelium zu verkünden, begab sich Andreas in das wilde Seythien, wo er durch die Kraft seiner Worte viele Tausende zum Glauben an Christus brachte. Zuletzt begab er sich nach Achaja in Griechenland und schlug seine Wohnung in der Hauptstadt des Landes, zu Patras, auf. Von hier aus verkündete er in der Umgegend die Lehre Jesus mit apostolischen Mut, wirkte viele Wunder und gewann eine große Zahl für den Glauben an Christus.


Das Martyrium des hl. Andreas

Übereinstimmend wird berichtet, dass Andreas zur Zeit Neros vom Statthalter Aegeas bzw. Aegeates in Patras, dem Sitz des Statthalters in der griechischen Präfektur Achaia, gekreuzigt wurde. Dies geschah der Legende nach an einem Kreuz mit schrägen Balken, dem sog. Andreaskreuz, dessen Reliquien in der Kirche des Heiligen Andreas in Patras aufbewahrt werden. Als Todestag wird der 30. November überliefert, der sowohl in der römisch-katholischen, als auch in der orthodoxen Kirche der Tag des Heiligen Andreas ist.

Der Andreastag und sein Vorabend (Andreasnacht) leiten die Bräuche der Adventszeit ein.

Andreas gilt als der Apostel Kleinasiens, Konstantinopels und der Russen und ist der Nationalheilige von Russland und Schottland (die Flagge Schottlands symbolisiert das Andreaskreuz). Seine Bedeutung für die orthodoxe Kirche ist vergleichbar - wenn auch nicht ganz so herausragend - mit der seines Bruders Petrus für die römisch-katholische Kirche. Bartholomäus I., der heutige Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch, gilt als 270. Nachfolger des Apostels Andreas.



Andreasreliquien


Die Gebeine des Apostels Andreas wurden aufgrund eines kaiserlichen Dekretes in einem großen Triumphzug von Patras nach Konstantinopel überführt, der am 3. März 357 die oströmische Hauptstadt erreichte. Die Reliquien fanden ihre Ruhestätte in der Apostelkirche von Konstantinopel. Während des Vierten Kreuzzuges 1203/1204 wurden sie dort entwendet, offiziell um sie vor den Türken zu schützen, und von Kardinal Petrus von Capua in die seinerzeit bedeutende Seerepublik Amalfi am Golf von Salerno gebracht. Seit dem 8. Mai 1208 ruhen sie dort in der Krypta des zu Ehren des heiligen Andreas erbauten Domes „San Andrea“.

Ein Teil dieser Reliquien wurde am 21. Oktober 2007 am Rande des interreligiösen Friedenstreffens von Neapel dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I. bei einem Festakt in der Kathedrale von Amalfi zurückgegeben.