Samstag, 26. Dezember 2009

Gedanken zum Fest der Heiligen Familie

Zur Menschwerdung des ewigen Wortes gehört die Realität einer menschlichen Familie. Zur Menschheit Jesu gehört die Erfahrung von Geborgenheit und Annahme. Zu ihr gehört die Erfahrung, lernen zu müssen, was Zusammenleben auf engstem Raum vom Einzelnen verlangt. Zu ihr gehört auch das Aushalten von Not und Mangel bis hin zu der Erfahrung, wie kostbar Solidarität und menschliche Anteilnahme in schweren Stunden sein können.

So meine ich: Wir sollten mit diesem Fest der Heiligen Familie von damals den Dank an Gott verbinden für alle heiligen und weniger heiligen Alltagsfamilien heute. Behalten wir uns angesichts des Geredes über kaputte Ehen und Familien den Blick für die Wirklichkeit der vielen gelingenden Ehen und Familien, von denen unsere Gesellschaft lebt. Und auch dort, wo menschliche Schuld, manchmal auch ein unverschuldetes Geschick Ehen zerstört und Familien ins Schleudern bringt: Wir haben kein Recht, ausschließlich auf das Kaputte und das Misslingen von Beziehungen zu schauen.

Wir dürfen feiern, was Gott auch heute schenkt: dass ein Mann und eine Frau in Treue zueinander stehen, dass sie Kindern das Leben schenken und ihnen helfen, ins Leben hineinzuwachsen, dass jüngere für ältere Familienmitglieder sorgen, manchmal bis hin zu einem heroischen Durchhalten von Dienstleistungen über Jahre hinweg, etwa bei Pflege und Krankheit. Wir dürfen feiern, dass Gott in sakramentalen Ehen Menschen die Gnade schenkt, durch diese Verbindung die Treue Christi zu seiner Kirche für uns alle aufleuchten zu lassen.

Es ist ein Segen, dass es Familie gibt. Und dass es dort auch chaotisch zugehen kann, dass es dort auch Neurotisches und Krankhaftes, ja sogar Verbrechen geben kann – das alles darf uns nicht abhalten, die Familie zunächst einmal als ein Geschenk Gottes für uns Menschen anzusehen, geheiligt durch das Leben des Gottessohnes in einer menschlichen Familie zu Nazareth, geheiligt durch den Glauben und die Geduld und die Alltagsliebe so vieler christlicher und auch nichtchristlicher Menschen. Auch heute noch finden unzählige Menschen in Ehe und Familie ihr eigenes Glück und auch heute noch werden unzählige Menschen in ihren Familien zum Segen für ihre Angehörigen. Heute – am letzten Sonntag des Jahres ist eine gute Gelegenheit, dafür einmal bewusst Gott zu danken.

Bischof Joachim Wanke, Erfurt
Aus der Predigt am Fest der hl. Familie am Silvestertag 2006 im Erfurter Dom
Quelle: www.bistum-erfurt.de/aktuell

Freitag, 25. Dezember 2009

Stephanus - der erste Zeuge Christi

Gestern hörten wir das Weihnachtsevangelium, heute hören wir von der Ermordung des ersten christlichen Märtyrers, des heiligen Stephanus, der zugleich der erste Diakon der Kirche war. Ein Kontrast, wie er schärfer nicht sein könnte. Man könnte fast sagen: Der Alltag hat uns weder.

Wir können diesen Abschnitt des Evangeliums nicht lesen, ohne von Jesu Aufrichtigkeit tief beeindruckt zu sein. Er scheute sich nicht, den Menschen zu sagen, was sie erwartet, wenn sie ihm folgten. In den heutigen Lesungstexten wird uns ein deutlicher Hinweis darauf gegeben, dass jeder, der sich zu Christus bekennt, sebst damit rechnen muss, das Schicksal seines Meisters zu teilen.


Wir leben in einer Zeit, wo sich das Christentum aufzulösen scheint und es wird in Zukunft nicht auszuschließen sein, dass Christen wegen ihrem Bekenntnis verfolgt, oder zumindest ausgegrenzt werden. Zwar wird niemand vor Gericht geführt und auch nicht einen Felsen hinuntergestürzt und gesteinigt, bis er tot ist. Die Steinigung, heute, erfolgt auf psychologische Art und Weise. Man hat sogar ein eigenes Wort dafür gefunden: Psychoterror nennt man so etwas.

Die Steine die heute fliegen sind Verhöhnen, verlachen, ausgrenzen aus der Gruppe usw. Wer seinen Glauben bekennt, wird schnell zum Außenseiter und Spielverderber abgestempelt. Das Schlimme an dem Ganzen ist, dass es keine Juden oder römische Kaiser sind, die gegen die Christen zu Felde ziehen, sondern es sind in der Mehrzahl getaufte Christen.

Woran liegt es, dass die Botschaft der Liebe, für die Christus Mensch geworden ist, nicht zu allererst auf Zustimmung, sondern Ablehnung stößt? Warum ruft seine Botschaft der Freiheit nicht Anerkennung, sondern Unterdrückung hervor? Warum wurde Stephanus gesteinigt, warum werden heute bei uns Menschen ausgelacht und ausgegrenzt, die sich zu Christus bekennen?

Das scheint das Schicksal der Christen zu sein, dass sie den selben Weg gehen müssen wie ihr Herr. Darin scheint ein tiefes Geheimnis unseres Glaubens zu liegen: Es muss immer wieder Menschen geben, die zum Zeichen, zum Samenkorn werden, sonst wird unser Glaube schal und ungenießbar. Wenn die Christen sich selbstzufrieden in ihren Sesseln zurücklehnen, dann wir es bald aus sein mit unserem christlichen Glauben. Wenn sie aber bereit sind anzuecken und gegebenenfalls gegen den Strom zu schwimmen, werden sie zu wichtigen Zeugen, so wie Stephanus, der auf seine Weise der beste Prediger der Weihnachtsbotschaft wurde.



Wenn ich Stephanus hieße

Wenn ich Stephanus hieße, würde ich meinem Namenspatron alle Ehre machen.
Dann würde ich mich - wie er - sozial engagieren.
Richtig, nicht bloß so ein bisschen sozialen Touch. Nein, ganz praktisch.
Wenn ich Stephanus hieße, dann wäre ich Diakon.
Nicht mit Weihe, aber der Haltung nach.
Wenn ich Stephanus hieße, wäre ich Zeuge.
Dann kriegte ich Ärger, weil ich Christ bin. Im Betrieb etwa.
Dann würden die Leute merken, dass ich Profil habe und Biss.
Dass ich nicht alles mitmache, dass es irgendwo Grenzen gibt für mich.
Von meinen Werten her. Und ich würde kein Hehl daraus machen, warum.
„Weil ich Christ bin", würde ich sagen.
Auch wenn sie mich dann mitleidig belächeln
und mich nicht mehr einladen zu ihrer Sylvesterparty.
Oder wenn sie mich bei der Beförderung übergehen.
Das nähme ich in Kauf. Da hätte ich meinen Stolz.
Auch wenn sie Steine werfen würden. Dann erst recht.
Ich würde nicht umfallen. Ich bliebe ein Zeuge.
Ich bliebe konsequent. Wenn ich Stephanus hieße.
„Ach wie gut, dass jeder weiß, dass ich nicht Stephanus heiß!"
(nach: Hermann Josef Coenen, Und dennoch bleibe ich, Patmos Verlag, Düsseldorf 1993)

Und das Wort ist Fleisch geworden

Gestern am Hl. Abend haben wir uns gegenseitig beschenkt, um einander Freude zu machen. Weihnachten spricht uns alle an und weckt Gedanken des Friedens und der Liebe. Familiäre Beziehungen werden gepflegt wie zu keiner anderen Zeit des Jahres.

Wir dürfen es aber nicht beim Geschenketausch belassen und wir dürfen auch nicht bei der Krippe stehen bleiben, denn dann gestalten wir Weihnachten zu einer rührseligen Idylle. Wer heute am eigentlichen Weihnachtsfest die Eucharistie mitgefeiert hat mag deshalb auch ein wenig überrascht gewesen sein von der Nüchternheit der Texte, die so gar nicht unser Gemüt ansprechen: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.(Joh 1,1-5)
Dieses Weihnachtsevangelium, das der Evangelist Johannes uns heute vorlegt, ist eine nüchterne Botschaft. Er spricht sie zu uns inmitten der weihnachtlichen Idylle, die wir so gerne haben und die zu unserer weihnachtlichen Stimmung dazugehört. Wir spüren, dass diese Botschaft sich von der Botschaft der Heiligen Nacht unterscheidet, weil hier keine Rede ist von der Krippe, nicht von dem Stern, nicht von den Hirten und schon gar nicht von Maria, Josef und dem Kind. Dennoch ist es die Weihnachtsbotschaft, die uns in dieser Stunde verkündet wird als eine Frohe Botschaft für unser Leben

Krippenspiel in Steffeshausen

In Steffeshausen erzählten die Kinder aus Auel und Steffeshausen den anwesenden Gläubigen von der Geburt Jesu. Was sich in Betlehem ereignet hatte, unter welch schwierigen Bedingungen das 'Wort Fleisch wurde', führten sie auf sehr verständliche Art in einen Krippenspiel auf.

Es fing an mit der Verkündigung des Engels an Maria. Die junge Maria wusste zwar nicht wie das alles geschehen sollte, aber sie traute Gott und sprach ihr Ja zum Willen Gottes. Durch sie sollte sich erfüllen was der Evangelist Johannes später so ausdrücken wird: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Joh 1, 14)

Die Botschaft des heutigen Tages ließe sich in einem Satz so formulieren: „Gott hat ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlalgen.“ Schon die erste Lesung macht uns aufmerksam auf dieses Neue: Hatte Gott bisher durch verschiedene Prophetinnen und Propheten zu den Menschen gesprochen, spricht er nun durch den Sohn. Dieser ist gesandt um Zeugnis abzulegen für Gott und um die Menschen hinzuführen zu Gott, durch den Glauben.

Gott ist also nicht in einer unerreichbaren Ferne geblieben, sondern er ist in unsere unmittelbare Nähe gerückt. Gott zieht aus dem Himmel aus und kommt in unsere Welt. Dort aber ist kein Platz für ihn. Wir haben es im Weihnachtsevangelium letzte Nacht gehört. Der Evangelist Lukas schreibt: “In der Herberge war kein Platz für sie.“

Was ist das für eine Herberge, in der für eine hochschwangere Frau und ihr Kind kein Platz ist? Was ist das für eine Welt, die Gott nicht aufnimmt?

Der Evangelist Johannes hat es so formuliert: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Und im Matthäus-
evangelium lesen wir: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“

Das ist der Platz Gottes in der Welt: die Krippe im Stall, draußen vor der Stadt. Es ist der letzte Platz, Diesen Platz hat er angenommen, damit er all denen nahe ist, die ebenfalls draußen sind und in der Gesellschaft keinen angemessenen Platz haben: die Hirten, die Zöllner, die Dirnen, die Aussätzigen, die Geistesgestörten ... Er verwandelt ihr Draußen in ein Drinnen. Das ist eine Hoffnung für alle Randexistenzen für alle Abgeschrieben und für alle, die von der Gesellschaft Abgestempelt sind, weil sie nicht in das gängige Bild hinein passen.

Weihnachten ist jedes Jahr neu die Einladung, sich von Gott berühren und sich durch sein Wort verändern zu lassen. Wer Gottes Wort tatsächlich verstehen will, wer das Geheimnis der Weihnacht für sich verstehen und aufblättern will, der muss sich an die Krippe stellen und einmal schweigen . Gottes Wort hat der verstanden, der vor der Krippe niederkniet, der vor Gott in die Knie geht anbetet und sich klein machet, wie er.

In der Anbetung verändert sich dann auch unsere kleine Welt, weil Gottes Wort die Kraft und die Macht hat uns zu verändern und durch uns unsere Welt.









Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frohe Weihnachten



Weihnachten - das ist eine schöne Bescherung!

Und zwar durchaus im der doppelten Bedeutung des Wortes ... Das ist ein wunderschönes Fest - wir feiern, dass Gott sich uns schenkt, dass er in unser Leben hineinkommt, dass er unsere Menschenwege mitgeht. Aber: Weihnachten ist auch eine "schöne Bescherung"! Da warten Menschen auf einen großen und starken Gott - und da kommt in einem Stall ein Kind zur Weit. Kein Wunder, dass sogar die drei Weisen aus dem Morgenland erst mal die falsche Adresse angelaufen haben. Und die meisten Menschen in Betlehem verschlafen das Ereignis sogar. Nur die Ärmsten der Armen, die bei ihren Herden Nachtwache halten, hören den Chor der Engel - und so besonders laut kann der ja dann wohl auch nicht gesungen haben!

Und die Flucht nach Ägypten! Gott kommt zur Welt - und muss flüchten, damit ihn nicht irgendwelche machtgierigen Herrscher kaltblütig ermorden! Schöne Bescherung ...

Könnte es sein, dass da was gründlich schief gegangen ist? Mag sein, dass da nach menschlichem Denken wirklich was schief gelaufen ist.

Wir wollen gerne einen großen und mächtigen Gott - wenn wir an den glauben, dann haben wir vielleicht ein wenig teil an dessen Größe und Macht und Herrlichkeit! Deshalb möge dieser Gott bitte auch unserem Bild von ihm entsprechen, Weihnachten aber ist die Einladung zu einem anderen Weg. Er mag unseren Vorstellungen nicht entsprechen - aber vielleicht einer tiefen, inneren Sehnsucht. Er mag manche gesellschaftlichen Erwartungen nicht erfüllen, aber vielleicht einen leisen Traum. Es geht nicht um Macht, sondern um Dienen, es geht nicht um Ansehen und Ehre, sondern um Hingabe, es geht nicht um Paläste, sondern um den Stall, die Krippe, die armselige Hütte. Das ist nun wirklich eine schöne Bekehrung


Andrea Schwarz, in: „Und jeden Tag mehr leben.“

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Die Fülle der Zeit ist gekommen


Noch einmal schlafen? Nein, für die meisten Menschen ist heute, am 24. Dezembers schon Weihnachten. Mit dem Heiligen Abend steigen wir ein in die Feier jener Nacht, die den Wendepunkt der Heilsgeschichte darstellt. Die Kirche feiert in einigen Stunden, was der Lobgesang des Zacharias bereits jetzt in der Lesung andeutet: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe.“ Die Fülle der Zeit ist gekommen. Gott sendet seinen Sohn in die Welt.

Ein Silberstreifen am begrenzten Horizont unseres Lebens: Gott sendet seinen Sohn. Und das Ziel dieser Sendung, sein einziger Zweck: um uns – um mich – aus den Schatten des Todes zu befreien. Auch wenn heute noch einiges vorzubereiten ist – gönnen wir uns noch einige Minuten der Stille, um uns über den Besuch unseres Herrn und Heilandes aus ganzem Herzen freuen zu können.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wie wird Weihnachten?

In den zurückliegenden Wochen haben wir, ähnlich einer Pilgergruppe, wie die drei "Weisen aus dem Morgenland" den Weg auf Weihnachten hin beschritten. Zu einem Pilgerweg gehört das wiederholte Innehalten, das gemeinsame Sich-Sammeln und Bedenken des Zieles. Oft halten Pilgergruppen noch einmal inne, wenn das Ziel schon in Sicht ist. Sie blicken dankbar auf den zurückgelegten Weg, mehr noch aber werden sie bewegt von einem ersten Staunen und einer ersten Freude über das erreichte Ziel.

In dieser Haltung befinden wir uns zur Zeit. Wir haben die Heilige Nacht schon fest im Blick, nur wenige Tage noch trennen uns von ihr und so halten wir in dieser Stunde inne, um das letzte Stück Weg zurück zu legen.

Wie aber wird Weihnachten? Das ist eine dumme Frage, werden Sie sagen. Wir wissen, dass Weihnachten kommt, so oder so. Wir haben dafür im wesentlichen die nötigen Vorbereitungen getroffen. Aber: Wie wird es wirkliche Weihnachten? Zu welchem Zeitpunkt werden wir aufs Neue wissen, dass nun das heilige Christfest wieder da ist. Durch welche Geschehnisse werden wir es erspüren?

Erkennen wir es am Kalender, der den 25. Dezember anzeigt? Erkennen wir es daran, dass wir gemeinsam um den geschmückten Tannenbaum stehen? Ist es vielleicht die Ruhe, die sich bereits ab dem späten Nachmittag ausbreitet? Ist es das Singen eines bestimmten Weihnachtsliedes oder das Hören des Weihnachtsevangeliums? Ist es die Christmette in der Kirche? Ja, wie wird Weihnachten?

Aus unserem persönlichen Leben steht uns ein reicher Erfahrungsschatz zur Verfügung, auf welche Momente es bei diesem Fest ankommt, welche Augenblicke das Geheimnis der heiligen Weihnacht gewissermaßen aufschließen. Jeder und jede von uns hat seine eigenen Schwerpunkte und Vorstellungen von Weihnachten. Sie rühren oft noch aus der Kindheit her. So ist es vielleicht seit vielen Jahren üblich in der Adventszeit eben genau diese Plätzchen zu backen und ja keine anderen, sonst kann es nicht richtig Weihnachten werden. Und es gibt zu Weihnachten seit Jahren genau das selbe Festmenü, sonst sind wir in unserem Trott gestört und es fehlt etwas zu Weihnachten. Mit großer Sensibilität bemühen wir uns, darauf zu achten dass etwas das wir bisher, vielleicht seit unserer Kindheit, für das innere Erleben des Weihnachtsfestes als wesentlich empfunden haben, nicht verloren geht. Aber ist damit wirklich Weihnachten?

Wie Weihnachten wird, dazu legt uns das Evangelium von der Begegnung Marias mit ihrer Cousine Elisabeth eine Fährte: Maria machte sich auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lk 1,39-45)

Zwischen den beiden Frauen herrscht ein Einklang, den wir uns für unsere Begegnungen rund um Weihnachten gerne wünschen. Beide Frauen begegnen einander ganz offen. Sie haben keine Vorbehalte gegeneinander, sondern freuen sich über das Zusammentreffen aus tiefstem Herzen.

Das ist eine ganz wichtige Spur für uns, denn so kann Weihnachten werden. Versuchen wir in diesen Tagen, das Herz unserer Mitmenschen zu erreichen, auf andere zuzugehen, ihnen liebevolle Zuneigung zu schenken! Stellen wir das Gemeinsame mehr in den Vordergrund als das Trennende! Interessieren wir uns füreinander! Die Feiertage bieten dafür Zeit, mehr als wir sonst während des Jahres oft haben. Bereiten wir einem Menschen Freude durch ein Telefonat, einen Brief, einen Besuch, eine Mail, ein Lob, ein Kompliment. Weihnachten lebt von mitmenschlichen Beziehungen. Seien wir dafür offen und verschließen wir uns nicht, dann wird Weihnachten!

Wort Gottes für den Tag - Mittwoh, 23. Dezember 2009


Himmel und Erde werden vergehen

Besonders in der Adventszeit, die in wenigen Tagen zu Ende geht, erinnern wir uns daran, dass das ganze Leben ein Werden und Vergehen ist. Unser Dasein ist von Werden und Vergehen geprägt. Wir kommen auf diese Welt, bevölkern sie für ein paar Jahre und entwickeln uns weiter. Dann gehen wir wieder. Und es ist so, als ob wir nie da gewesen wären. Unsere Namen und Taten werden in Vergessenheit geraten. Unsere Enkel kennen uns noch, vielleicht sogar unsere Urenkel, aber dann verblasst die Erinnerung. für die nachfolgenden Generationen sind wir nur noch Schatten. Kein Wunder, dass Menschen nach dem Streben, was unvergänglich ist. Aber Jesus sagt: Das ist der Lauf der ganzen Welt. Auch wenn du es schaffst, dir einen Namen zu machen, die Geschichte zu prägen. Eines Tages wird das alles nicht mehr sein. Himmel und Erde werden vergehen. Mit ihnen alle unsere Errungenschaften, Wünsche, Geschichten, Erinnerungen.

Aber das ist kein Grund, trübsinnig zu werden. Bei aller berechtigten Trauer um die geliebten Menschen, die wir verloren haben müssen wir nicht in Schwermut versinken. Jesus spricht von guten Aussichten! Was kommt, ist nicht erschreckend, sondern sehr tröstlich! Jesus wird wiederkommen! In allem Werden und Vergehen gibt es eine Sache, die fest steht: das ist das Wort Gottes, das Wort Jesu. Jesus bleibt. Er sagt: Es gibt trotz allem Vergehen eine Zukunft für dich! Das Ende ist kein großes es schwarzes Loch! Das Ende ist der Anfang für etwas völlig Neues! Bis dahin geschieht noch vieles und auch mancher Sturm wird noch über uns und diese Erde wehen. Aber nach Stürmen ist das Licht immer besonders schön! So wird es am Ende der Zeit auch sein. Die Stürme werden kommen. Aber am Ende steht das Licht, steht Jesus. Das sind gute Aussichten.

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „ Lasst euch vom Feigenbaum eine Lehre geben: Wenn der Saft in die Zweige schießt und der Baum Blätter treibt, dann wisst ihr, dass der Sommer bald da ist. So ist es auch, wenn ihr dies alles geschehen seht: Dann wisst ihr, dass das Ende unmittelbar bevorsteht. Ich versichere euch: Diese Generation wird das alles noch erleben. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig. Doch den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel nicht einmal der Sohn. Nur der Vater kennt sie. Seht zu, dass ihr wach bleibt! Denn ihr wisst nicht, wann der Zeitpunkt da ist.

Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Er verlässt sein Haus und überträgt seinen Dienern die Verantwortung. Jedem weist er seine Aufgabe zu, und dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein. So sollt auch ihr wach bleiben, weil ihr nicht wisst, wann der Hausherr kommen wird: am Abend, um Mitternacht, beim ersten Hahnenschrei oder wenn die Sonne aufgeht. Wenn er kommt, soll er euch nicht im Schlaf überraschen! Was ich euch Jüngern hier sage, das gilt für alle: Bleibt wach! (Mk 13,28-37)

Gute Aussichten

Dass Himmel und Erde sterben, hat auch eine bekannte deutsche Zeitung erkennen müssen. Die hat im Februar dieses Jahres schon getitelt: „Unser Planet stirbt.“ In gewohnter Manier wurde dann die heraufziehende Katastrophe in allen Farben ausgemalt. Die Zeitung rief ihre Leser sogar zur Umkehr! Aber nicht nur diese Zeitung! Wir hören in den letzten Monaten viel über die Klimaveränderungen. Es ist manchmal gar nicht so einfach zu unterscheiden, was davon wirklich dramatisch ist und was nur Hysterie. Aber letztlich hat die Bildzeitung recht: Diese Erde wird sterben. Das Ende der Erde ist bei Gott beschlossene Sache. Das bedeutet aber nicht das Ende der Welt sondern Vollendung.


Woran erkennt man, was die Stunde geschlagen hat?

Wie ist das denn eigentlich? Sind wir schon mitten im Sturm? Oder steht der noch aus? Sind wir erst ganz am Anfang oder schon nahe am Ende? Was hat die Stunde geschlagen? Welche Zeichen gibt es, die uns helfen, die Zeit zu deuten? Wie sind die Zeichen der Zeit? Jesus spricht von der Zerstörung des Tempels, von Leuten, die behaupten, Christus zu sein, von der Verfolgung der Gemeinde und von einer Schreckenszeit.

Nichts von dem, was Jesus nennt ist wirklich etwas Neues. Das alles kennen wir bereits. Der Tempel ist längst zerstört. Kriege hat es immer gegeben und wird es immer geben. Erdbeben, Hungersnöte und andere Katastrophen sind seit jeher geschehen, wenn auch nicht in dem Ausmaß . Es hat immer schon Verführer gegeben, die sich als Heiland der Welt ausgegeben haben. Wenn also irgendwo ein Krieg ausbricht oder ein Erdbeben stattfindet, muss das nicht heißen, dass Jesus schon vor der Tür steht.

Es gibt keine eindeutigen Zeichen, die tatsächlich darauf hindeuten, dass wir uns tatsächlich am Ende der Zeiten befinden. Letztlich muss man sagen: Es ist immer Endzeit. Wir stecken zu jeder Zeit mittendrin. Wir müssen nicht darauf warten. Was würde es uns auch nützen, zu wissen, ob es schon so weit ist. Wüssten wir, die letzten Tage haben begonnen, dann gerieten wir schnell in Panik. Letztlich werden wir sowieso den Tag nicht berechnen können. Nur der Vater weiß , wann Himmel und Erde zu ihrem Ende kommen.


Seid wachsam!

Jesus geht einen ganz anderen Weg. Er zeigt seinen Jüngern, worauf es ankommt. Er hat das an mehreren Stellen deutlich gemacht. So auch hier. Die Botschaft lautet schlicht: Seid wachsam! Seid jederzeit bereit! Es kann in jedem Augenblick geschehen, dass ER wiederkommt. Darum sei heute wachsam! Verpass deine Zukunft nicht! Denn die entscheidet sich heute und nicht erst morgen!

Jesus zeigt uns, was uns erwartet: Das ist er selbst. Und er zeigt uns auch wie wir unser Leben bis dahin gestalten sollen. Es ist noch etwas zu tun. Jesus weist uns den Weg zum Leben.

Montag, 21. Dezember 2009

Ein Lichtträger aus Ostbelgien auf dem Petersplatz

Von Lothar Klinges

Auf dem Petersplatz im Vatikan wurde am späten Freitag-
nachmittag der in diesem Jahr aus der Wallonie stammende Christbaum feierlich illuminiert. Der Baum aus den im Krieg heftig umkämpften Ardennen möge ein Signal des Friedens sein, betonte aus diesem Anlass Kardinal Giovanni Lajolo, seit 2006 Präsident des Governatorates (= Ministerpräsident) der Vatikanstadt, der sich für das Geschenk der Wallonischen Region bedankte.


Die offizielle „Übergabe“ der Fichte aus Spa erfolgte durch den wallonischen Wirtschaftsminister Jean-Claude Marcourt und Bischof Aloys Jousten, der unterstrich, dass der wallonische Weihnachtsbaum im Vatikan eine Premiere sei. Während der Weihnachtstage, wo alle Welt in TV-Übertragungen auf den Papst und den Vatikan schaue, werde keiner die Lichter aus Spa übersehen. Der Baum sei nicht nur ein Geschenk für den Papst, sondern für die ganze Welt, betonte der Lütticher Bischof.

Die rund 30 Meter hohe und 14 Tonnen schwere Fichte mit einem Stammumfang von 2,65 Meter stammt aus dem Staatswald der Thermen-Stadt Spa und wird auf 90 Jahre geschätzt. Am 24. November trat der prächtige Baum die Reise nach Rom an, wo er am 4. Dezember im Vatikan auf dem Petersplatz der Ewigen Stadt in der Nähe des ägyptischen Obelisken aufgerichtet wurde.

In einer feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz wurde am Freitag die Beleuchtung des Weihnachtsbaumes in Betrieb genommen. Zum Schluss genügte nur ein kurzer Knopfdruck: Zwei Kinder aus der Heimat der Fichte verwandelten den mit mehreren hundert grünen und weißen Lichtern geschmückten Christbaum in ein adventliches Lichtermeer.

Die etwa 90 Jahre alte Fichte hat einen Weg von mehr als 1.500 Kilometer hinter sich. Das 14 Tonnen schwere Gewächs wurde am 23. November bei Wind und Regen von Patrice Ber-Monserrat (51) aus Ferrières gefällt. Als der Baum nach mehrtägiger Reise, vorrangig nachts, im Schneckentempo schließlich am Barbarafest, dem 4. Dezember, auf einem Tieflader in Rom ankam, konnte das italienische Transportunternehmen Eucotrans, für den der Sondertransport eine echte Herausforderung war, vermelden: „Tutto bene – es ist alles glatt gelaufen.“

Trotzdem konnte man der Fracht an den abgeknickten Zweigen und dem braunen Geäst die Strapazen der langen Reise noch deutlich ansehen. In den vergangenen zwei Wochen taten mehrere Dutzend vatikanische Gärtner und Elektriker jedoch ihr Bestes, um dem schweren Koloss aus den Ardennen zum gewohnten weihnachtlichen Hochglanz zu verhelfen.

Audienz beim Papst

Zur Mittagszeit hatte sich der Papst in einer Audienz für das Geschenk des Weihnachtsbaumes wie auch für die weiteren 50 zwei bis sieben Meter hohe Fichten und Nordmann-Tannen der Vereinigung der Baumschulen in den Ardennen bedankt, die dazu beitragen, in den verschiedenen Räumen des Vatikans eine weihnachtliche Stimmung zu schaffen. Unter der Vielzahl der Bäume sei eine „majestätische Fichte“ ausgewählt worden, die mit Lichterketten, silbernem Lametta und goldenen Christbaumkugeln geschmückt wurde, sagte Papst Benedikt XVI., der dies mit den „guten Früchten“ verglich, die wir Menschen tragen sollen, um der Welt die Ankunft des Gottessohnes nahe zu bringen. Möge der Weihnachtsbaum ein Zeichen für das Licht sein, das von der Geburt Jesu in Bethlehem ausgeht, so der Papst. Mit dem Baum werde ebenfalls die Verbundenheit mit den christlichen Gemeinschaften Walloniens ausgedrückt. Er hofft, dass sie dem Licht des Glaubens treu bleiben, seien doch damals Menschen aufgebrochen, um in den Wäldern und Tälern der Ardennen das Evangelium zu verkünden. Danach seien viele unter ihnen als Missionare in alle Welt aufgebrochen. „Möge die Kirche in Belgien und besonders im Bistum Lüttich ein fruchtbarer Boden sein, aus dem der Samen des Reiches Gottes wächst, den Christus in die Erde gelegt hat.“

In deutscher Sprache fügte der Papst hinzu: „Wir freuen uns, dass ein belgischer Baum hier in St. Peter in die Welt hinein leuchtet. Ich wünsche Ihnen allen, dass das Licht dieses Baumes Ihnen auch Freude ins Herz bringt und dass Sie mit großer innerer Freude Weihnachten feiern dürfen.“

Zuvor hatte Bischof Aloys Jousten in seiner Ansprache vor Papst Benedikt darauf hingewiesen, dass der Weihnachtsbaum aus einer Gegend stamme, der zwei Weltkriege gekannt habe, insbesondere die Ardennenschlacht. Der Baum sei „ein stiller Zeuge“ der verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Vor 65 Jahren, im Dezember 1944, eröffneten deutsche Panzerverbände in den Ardennen, also jenem Mittelgebirge, aus dem der Weihnachtsbaum des Papstes stammt, die letzte Großoffensive des Zweiten Weltkriegs.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Josef, der Mann im Hintergrund

Ich möchte heute einen Mann vorstellen, dem in dieser Adventszeit und ebenso in der Weihnachtszeit zwar eine große Bedeutung zukommt, der aber kaum beachtet wird: Josef von Nazaret, Mann der Maria und Pflegevater von Jesus.

Er soll selber zu Wort kommen,um über wichtige Etappen seines Lebens zu berichten. Josef hatte Pläne für sein Leben geschmiedet (wer tut das nicht), aber dann kam alles ganz anders. Josef: “Ihr wisst ja, ich bin ein einfacher Mann. Ich bin keiner, der verrückte Träume hat. Ich träumte nie vom großen Glück. Meine Pläne waren bescheiden. Natürlich wollte ich heiraten und eine Familie gründen. Ich wollte Kinder haben, viele Kinder, wie es bei uns so Brauch ist. Ein Haus ohne Kinderlachen ist ein trauriges Haus. Ich wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Vater. Ich wollte nie auffallen, nie zum Gesprächsthema der anderen werden. Ich wäre selig geworden mit meinem kleinen Glück. Aber dann ist plötzlich alles ganz anders gekommen, anders als ich es mir je geträumt habe.“

Also nun mal ehrlich: Geht es uns nicht manchmal genau so? Wir haben Wünsche, Träume ... Und plötzlich kommt es anders. Josef: “Eigentlich lief alles wie am Schnürchen. Ich lernte Maria kennen. Sie lebte auch bei uns in Nazaret. Zuerst hatte ich gar keinen Blick für sie. Sie war eine von vielen. Aber dann, eines Tages, ich weiß bis heute noch nicht wie es geschah, da spürte ich: Maria, das ist die Frau für mich. Mit Maria konnte ich mir vorstellen, alt zu werden. Und was das Schönste daran war, auch Maria begann sich für mich zu interessieren. Sie erwiderte meine Zuneigung. Als wir uns sicher waren, da verlobten wir uns. Wir wollten heiraten, eine gemeinsame Zukunft bauen. Doch plötzlich sagte Maria mir, dass sie ein Kind erwartet - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Wie konnte sie ein Kind erwarten, wo wir doch noch nicht beieinander waren? Wer war der Vater des Kindes, wenn ich es nicht war? Was meinte sie mit den Worten "durch das Wirken des Heiligen Geistes"? Tag und Nacht konnte ich an nichts anderes mehr denken. Mit einem Schlag waren alle meine Träume geplatzt.“

Jeden Tag passiert das: Träume platzen. Alles läuft so gut in meinem Leben, auf einmal, von heute auf morgen verliere ich meine Arbeitsstelle, habe plötzlich weniger Einkommen oder eine Krankheit stellt sich ein. Mit all dem hatte ich nicht gerechnet. Lassen wir Josef weiter erzählen: „Als ich von Maria erfahren habe, dass sie ein Kind erwartet, war mir klar: Ich will Maria und ihrem Kind nicht im Weg stehen. Sie bloßstellen, sie in aller Öffentlichkeit vorführen, ihr Geheimnis an die große Glocke hängen, wollte ich nicht. Natürlich spürte ich in meinem Herzen auch andere Gedanken aufsteigen und sich einschleichen. Das lasse ich mir nicht gefallen! Der Sache gehe ich nach bis auf den Grund! Das will ich genau wissen! Das klären wir vor Gericht! Ich fordere Gerechtigkeit! So schnell gibt ein Mann aus dem Hause Davids nicht nach! Nicht mit mir, dem Zimmermann!
Von ähnlichen Fällen wusste ich, dass es Gesetze und Verordnungen gab, die auf meiner Seite waren. Eine Frau, die verlobt war und ein Kind erwartete, ohne dass sie mit ihrem Mann zusammenlebte, konnte jederzeit verstoßen werden. Im schlimmsten Fall drohte ihr die Todesstrafe durch Steinigung.
Aber ich liebte Maria und ich vertraute ihr. Ich war mir sicher, das alles seine Richtigkeit hatte. Ich wusste, sie macht mir nichts vor und betrügt mich nicht. Sie war durch und durch aufrichtig. Wenn sie sagt, dass sie das Kind durch das Wirken des Heiligen Geistes bekommen hat, dann war das so. Auch wenn ich, Josef von Nazaret, einfacher Zimmermann, dieses Wirken des Heiligen Geistes in diesem Augenblick nicht verstehen konnte. Später wurde mir manches klarer. Aber damals war es für mich unbegreiflich. Vielleicht versteht ihr mich jetzt besser. Maria an den Pranger stellen, mich an Maria rächen, Maria mit Schimpf und Schande in der Öffentlichkeit bloßstellen - das alles kam für mich nicht in Frage. Das einzige, was in Frage kam, war. - Wie kann ich ihr am Besten helfen? Deshalb und nur deshalb habe ich überlegt, mich in aller Stille von ihr zu trennen.“

Wir Menschen reden viel den lieben langen Tag. Ob das immer notwendig ist? Es wäre sicher manchmal besser, wir würden uns Schweigen auferlegen, wie Josef, besonders wenn es um persönliche Dinge anderer Menschen geht. Josefs Entschluss stand fest. Er wollte sich von Maria trennen. Da geschah etwas Ungewöhnliches. Josef: „Ich habe also beschlossen, mich von Maria zu trennen. Ich habe mir die nötigen Worte zurecht gelegt. Lange habe ich hin und her überlegt. Was will ich ihr sagen? Wie will ich es ihr sagen? Immer wieder habe ich mir die Sache durch den Kopfgehen lassen. Auch an jenem Abend, als mir auf einmal vor Müdigkeit die Augen zufielen und ich einschlief Ich träumte, ein Engel Gottes war plötzlich bei mir und sagte : ‘ Josef Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.‘ Und wie wenn der Engel mich und meine Begriffsstutzigkeit kennen würde, begann er, mir mit Zitaten aus der Heiligen Schrift seine Botschaft zu belegen. ‘Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.‘ Ich kannte diese Stelle aus dem Buch Jesaja. Oft schon hatte ich sie in der Synagoge gehört.

Auf einmal war ich wach, hellwach. Ich wusste plötzlich, was ich zu tun hatte. Meine Zweifel waren weggewischt.
Ohne große Worte tat ich, was der Engel des Herrn mir befohlen hatte. Ich nahm Maria zu mir und sorgte zuerst für sie und dann auch für das Kind. Meine ganze Kraft, meine ganze Seele und mein ganzes Herz, alles was eigentlich unserem Gott vorbehalten ist, galt von jetzt ab Maria und dem Kind, das sie erwartete.

Ob ich noch öfters Träume hatte? Ja, sicher hatte ich noch oft Träume - ganz gewöhnliche!
Allerdings hatte ich dazwischen auch noch einige besondere Träume. Wenn ich es mir genau überlege, dann waren es noch zwei Träume, in denen der Engel Gottes für mich eine Botschaft hatte. Als die Sterndeuter, die dem Kind und seiner Mutter ihre Aufwartung machten, wieder gegangen waren, und als Herodes alles daransetzte das Kind zu töten, da befahl mir der Engel, das Kind und Maria in Ägypten in Sicherheit zu bringen. Als Herodes gestorben war, erschien mir der Engel ein letztes Mal und führte uns zurück in das Land Israel.“

„Träume sind Schäume!“ sagen manche Menschen ganz verächtlich. „Du Träumer!“ Dieser Vorwurf klingt fast schlimmer als ein Schimpfwort. Dabei sind Träume etwas ganz Wichtiges. Träume öffnen uns die Augen des Herzens. Sie bringen an die Oberfläche, was wir in unserem Unterbewusstsein ahnen. Natürlich ist nicht jeder Traum bedeutend. Daher brauche ich mir auch nicht über jeden Traum den Kopf zu zerbrechen. Und trotzdem sollten wir auf unsere Träume achten. Vielleicht enthalten sie ja eine Botschaft für uns, die uns in unserem Leben weiterhilft.

Noch einmal wollen wir Josef zu Wort kommen lassen: „Habt ihr bei euch zu Hause auch eine Krippe? Zum Weihnachtsfest werden in vielen Häusern Krippen aufgestellt. Liebevoll wird die Geburt von Jesus nachgestellt. Mal sind es Figuren aus Holz, mal aus Wachs, mal aus Stoff die das Geschehen von damals nachstellen. Ich freue mich darüber, denn das Geheimnis der Weihnacht lässt sich nicht nur über den Verstand begreifen. Weihnachten muss man riechen und fühlen, hören und sehen. Weihnachten muss man mit allen Sinnen empfinden.

Manchmal bin ich jedoch auch ein wenig traurig über die Rolle, die mir, dem Josef zugedacht ist. Nicht selten stehe ich etwas gebückt, auf meinen Stab gestützt, untätig ein wenig Abseits. Es scheint so, als ginge mich das Ganze nichts an. Wenn ich aber an die erste Heilige Nacht zurückdenke, dann hatte ich alles andere als Zeit zum Nichtstun. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie das bei der Geburt von Jesus auf und zu ging. Der Evangelist Lukas deutet es in seiner Erzählung nur an. Zuerst die Aufregung: Von einem Haus zum anderen sind wir in Betlehm gegangen. Eine Absage nach der anderen haben wir uns eingeholt. Immer wieder flammte ein wenig Hoffnung auf. ‘Du, Maria, da könnten wir auch noch anklopfen, die lassen uns bestimmt nicht im Stich.‘ Und dann wieder eine Absage. Für mich, einen Mann aus dem Hause Davids, waren das harte Stunden. Wir wurden ausgestoßen von den eigenen Stammes-
genossen. Und es blieb doch nicht mehr viel Zeit. Maria hatte doch schon ihre ersten Wehen. Das Kind drängte zur Welt.
Und dann der Stall. Wenigstens hatten wir ein Dach über dem Kopf. Es war dank der Tiere warm. Mit Stroh und Heu schüttete ich für Maria eine Art Bett auf damit sie wenigstens gut liegen konnte. Aber für eine Geburt fehlten die notwendigsten Dinge. Ich musste schauen, wo ich frisches Wasser herbekam. Ich benötigte eine kleine Feuerstelle, um das Wasser abkochen zu können. Ich musste schauen, dass die Tiere Maria in Ruhe ließen. Ich hätte sechs und mehr Hände in diesen Stunden gebraucht. Und immer wieder nach Maria schauen, sie in den Arm nehmen, ihr beistehen in ihren Schmerzen, ihr Wärme und Geborgenheit schenken, ihr den Schweiß von der Stirn trocknen, ihr einen Becher mit Wasser reichen, einen Schluck Milch zu Stärkung.
Dass ich überfordert war, das durfte ich nicht zeigen. Kinderkriegen ist Frauensache. Wie das so abläuft, davon hatte ich ja keine Ahnung. Ich hatte Angst, ob alles gut wird. Ich zitterte um das Leben von Maria. Ich bangte um das Leben des Kindes. Und dann war plötzlich alles vorbei. Der erste Schrei. Es lebt! Oh ja! Alles ist gut! Und als das Kind dann zum ersten mal in den Armen seiner Mutter lag, da spürte ich, wie meine Kräfte plötzlich am Ende waren. Ich weiß nicht, wie lange ich erschöpft mit Maria und dem Kind einfach so da lag, ohne Kraft, aber glücklich und dankbar, dass Gott uns auf seine Weise nicht im Stich gelassen hat. Könnt ihr jetzt verstehen, warum ich manchmal traurig bin, wenn ich in so mancher Krippe unnütz im Hintergrund stehe? (Text und Idee sind entnommen aus: „Unser Weg durch die Adventszeit 2001“, Kath. Landvolkbewegung Bayern (Hrsg.).