Montag, 18. Januar 2010

100 Jahre Gebetswoche für die Einheit der Christen


1910 - 2010 - Christinnen und Christen aller Länder und Konfessionen sind verbunden in dem Wunsch, der durch Trennungen, Ausgrenzungen und Hass verwundeten Welt das Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen. Daran erinnert das Motto der Gebetswoche 2010 ''Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen''

In Edinburgh, Schottland, trafen sich im Sommer 1910 Delegierte verschiedener Missionsgesellschaften zur ersten Weltmissionskonferenz. Sie gilt als der Anfang der ökumenischen Bewegung und jährt sich 2010 zum einhundertsten Mal.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen hat eine zentrale Bedeutung für die geistliche Verbundenheit der Kirchen. Sie wird jedes Jahr vom 18.-25. Januar begangen.

Die Gebetswoche ist sichtbarer Ausdruck weltweiter ökumenischer Verbundenheit. Über alle Grenzen hinweg verbindet sie Konfessionen und Kulturen. In der Gebetswoche wird erkennbar, dass die Kirchen jenseits aller Unterschiede eine spirituelle Mitte haben, die im gemeinsamen Beten und gottesdienstlichen Feiern erlebbar wird.

Seit 1968 werden die jährlichen Themen und Texte von einer gemeinsamen Kommission von Vertretern und Vertreterinnen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen erarbeitet. Als Vorlage dient ein Entwurf, der jedes Jahr aus einem anderen Land stammt und ein biblisches Leitthema in den Mittelpunkt stellt. Der Entwurf für den Gottesdienst und die Abende der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2010 wurde von den Kirchen Schottlands erarbeitet.

Das Thema für die Gebetswoche 2010 stammt aus dem 24. Kapitel des Lukasevangeliums: „Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen“ (Lk 24,48)


Viele Wege führen zum Ziel

Ja, die Wege führen zum Ziel. Ja, Christus kommt auf seine Art zu evangelischen und katholischen Christen. Aber wie geht das Miteinander – die Einheit der Christen, die „Ökumene“ genannt wird? Was können gemeinsame Ziele sein?

Der Theologe Heinrich Fries formulierte, auf welchen Wegen man auf der Suche nach Einheit in Sackgassen geraten kann: Ziel der Ökumene darf nicht sein, dass sich bestehende Kirchen einer anderen unterordnen müssten. Ziel darf auch nicht sein, dass man als „Einheit“ missversteht, was man an gegenseitigem Einverständnis schon erreicht hat – solange verschiedene Auffassungen voneinander trennen, ist keine Einheit erreicht. Ziel kann auch nicht sein, einfach eine neue Konfession zu „erfinden “, in der man scheinbar Gegensätze verbindet, aber nun neue Differenzen schafft.

Ein Grundsatz weist den Weg: „Einheit in Vielfalt“

Das wäre ein wünschenswertes Ziel. „Versöhnte Verschiedenheit“, in der man sich dem stellt, was voneinander trennt, ohne es zu leugnen.

Verschiedenheiten, mit denen sich die jetzt bestehenden Kirchen gegenseitig bereichern. Dieses Ziel darf nicht zum Sankt-Nimmerleins-Tag. vertagt werden. Es gibt eine „Straßenkarte“ dazu, es schon im unübersichtlichen Labyrinth miteinander zu versuchen – die so genannte Charta Oecumenica.

Sie benennt als gemeinsame Orientierungspunkte den Glauben an den dreifaltigen Gott und die eine Kirche, die Verkündigung des Evangeliums und die soziale Verantwortung für die Menschen.

Ein bisschen Kühnheit und Weitblick gehört dazu. So heißt es in der vierten These der Charta Oecumenica: „Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder größerer Zweckmäßigkeit dem entgegenstehen.“ Friedrich Weber, Landesbischof in Braunschweig, deutet das so: „Das heißt nichts anderes als: Das gemeinsame Handeln ist normal und das konfessionelle Eigenleben muss begründet werden!“

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