Mittwoch, 3. Februar 2010

Haiti - Wir wollen nicht nur zusehen und bedauern



Spendenaktion am Wochenende

In allen Kirchen des Pfarrverbands Reuland werden die Kollekten am kommenden Wochenende, 06. / 07. Februar, für die notleidende Bevölkerung in Haiti gehalten. Der Erlös dieser Spendenaktion kommt dem Hilfsprojekt „Gib einem Kind deine Hand“ das von Frau Hoffmann aus Born ins Leben gerufen wurde, zu Gute. Angelika Hoffmann ist schon seit Jahren in Haiti als Krankenschwester tätig.

Angelika Hoffmann aus Born plant auf Haiti ein Kinderheim
(von Norbert Meyers)

Seit Januar ist Angelika Hoffmann wieder in Haiti. Während andere jedoch um diese Jahreszeit zu Erholung und Entspannung in die karibischen Inselwelt jetten, investiert sich die Krankenpflegerin physisch und materiell im „Armenhaus der Karibik“. Bereits seit einigen Jahren arbeitet die Bornerin an der Verwirklichung ihres Traums, bringt sich ein für Kinder und Jugendliche in medizinischer und sozialer Not.


Gib einem Kind deine Hand

Drehen wir die Uhren einmal kurz zurück ins Jahr 1997, als Angelika Hoffmann zum ersten Mal einen Fuß auf die Insel setzte. Damals aber noch ohne tieferen Hintergrund oder längerfristige Absichten. Nur zehn Jahre später konnte die Eifelerin eine von ihre initiierte und finanzierte medizinische Pflegestation an einer Schule in Pétionville eröffnen.

Dazwischen lagen bewegte Jahre, nachdem sie 1998, also zwölf Monate nach ihrem ersten touristischen Aufenthalt auf Haiti, der spontanen Bitte eines Kollegen nachgekommen war, erneut mit ihm in die Karibik zu reisen, um kostenlos Operationen durchzuführen. Gesagt, getan! Und schon erfuhr ihr Leben eine entscheidende Wende. Ihre Arbeit an der „Charité Mère Thérèse“ prägte Angelika Hoffmann so einschneidend, dass sich die Krankenpflegerin in den nachfolgenden Jahren beständig mit dem Gedanken auseinandersetzte, wie sie auf der Insel Hilfe anbieten respektive umsetzen könne. Obwohl zwischenzeitlich auch in Afrika und Indien unterwegs, wusste sie bald definitiv, dass Haiti „für mich eine Herzensangelegenheit war, ist und bleibt“.

Im Jahre 2002 bot sich ihr die Gelegenheit, einen Jugendaustausch nach Haiti zu begleiten. Ein Engagement, das sie viermal wiederholte, ehe Salesianerpater Père Ducange sie im Sommer 2006 fragte, ob sie nicht länger auf Haiti bleiben wolle, um in der von ihm betreuten Schule zu unterrichten und zugleich eine Pflegestation aufzubauen. Ein Angebot, das „ich nicht ausschlagen konnte“. Die Folge: Im Januar 2007 flog Angelika Hoffmann für einen sechsmonatigen Aufenthalt ins „Armenhaus der Karibik“, unterrichtete Mathematik, Französisch und Sexualkunde (in einem Staat mit der höchsten Aids-Rate in der Karibik ein viel zu lange vernachlässigtes Lehrfach). Zugleich kümmerte sie sich um die medizinische Versorgung der Mädchen und Jungen.

Zurück nach Ostbelgien ließ sie der Gedanke nicht mehr los, auf Haiti etwas Bleibendes zu schaffen. „Ich spürte irgendwie, dass meine Mission nach sechs Monaten noch nicht beendet war. Vor allem fehlte eine richtige Pflegestation, wo kranken oder verletzten Kindern langfristig eine angemessene Versorgung garantiert war.“ Zuerst nur eine fixe Idee, kurze Zeit später aber bereits ein greifbares Projekt, für das Angelika Hoffmann nun begann, „eifrig die Werbetrommel zu rühren“. Schließlich waren ihre eigenen finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Nachdem sie aber gezielt in der Eifel über ihre Pläne informiert hatte, „war ich selbst am meisten erstaunt, wie viel Geld in nur wenigen Wochen zusammenkam“.

Pflegestation garantiert pro Tag bis zu fünfzig Kindern Erstversorgung

So reiste sie im Oktober 2007 erneut nach Haiti, wo sie mit Hilfe einiger aktiver Kräfte aus der Bevölkerung in Pétionville einen Raum in der Schule zur Pflegestation umrüstete. Ein Projekt, das Infrastrukturkosten von 2500,– Euro mit sich brachte, zuzüglich der jährlichen Vergütung für die Krankenschwester (4000,– Euro) sowie der Basisausstattung an Medikamenten (1500,- Euro). Unermüdlicher Partner vor Ort ist übrigens die VoG „Haiti Farnière pou ti moun yo“, auf die Angelika Hoffmann gleichfalls für die Begleitung ihres nächsten Projektes zählen kann. „Das Dossier für das geplante Kinderheim ist, nach weiteren konkreten Gesprächen in Haiti im November und nachfolgenden Anpassungen hier in Belgien, so weit klar, dass wir die Akte Ende Januar einreichen können.“ Angedacht ist eine Bleibe für ca. hundert Kinder, die in etwa drei Jahren bezugsfertig sein soll.

Veröffentlicht am 16.12.2009 in kirchenzeitung-aachen.de

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