Montag, 29. März 2010

Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt

Die Tage zwischen der gestrigen Feier des Einzugs Jesu in Jerusalem und dem österlichen Triduum markieren eine ungewöhnliche und sehr eigene Zeit des Nachdenkens und der Stille. In besonderer Weise begegnet uns der Erlöser Jesus Christus in seinem Leiden und Sterben zu Beginn der Heiligen Woche.

Die Texte des heutigen Tages stellen uns wieder einmal mehr vor Augen, dass Gott anders ist, als wir Menschen uns einen Erlöser oft ersehnen. Die Einen wünschen sich einen gewaltigen Richter, der für Recht und Ordnung sorgt, indem er „kurzen Prozess“ mit allem Störenden und Quälenden macht; die anderen ersehnen einen wortgewaltigen Volkstribun und Revolutionär, der die Staatsmacht in ihre Grenzen weist oder niederwirft.

Gott ist anders. „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.“ Lesen wir was der Prophet Jesaja ankündigt:

So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien. (Jes 42,5.1-7)

Wir Christen sehen in diesem Knecht Jesus Christus, den Sohn Gottes. Denn in ihm erleben wir die Erfüllung dieser alten Verheißung. Jesus war der, der den Schwachen nicht hat fallen lassen, sondern aufgerichtet hat. Er war der, der den leeren Seelen wieder neue Nahrung gegeben hat, eine neue Hoffnung für das Leben.

„Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.“ Auch das ist eine Erfahrung, die wir immer wieder machen. Darüber wird nicht gesprochen. Weder in den Medien noch in privaten Gesprächen wird über ihn gesprochen, er steht nicht im Mittelpunkt unseres Redens und damit auch nicht unseres Denkens. Dabei ist er es, der den Geist Gottes unter den Menschen lebendig macht und wir erkennen können, wie Gott mit uns umgeht.

Er ist das Bild der Hoffnung für uns, die wir geknickt sind, die wir neue Stärke fürs Leben suchen, die wir Nahrung suchen, um das Feuer des Lebens neu in uns zu entflammen. Er ist der, der auf uns wartet, der uns aus unseren Abhängigkeiten befreien will, der unsere „Fesseln lösen“ will. Sind wir bereit, ihn in unser Leben hinein zu lassen?

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