Samstag, 24. April 2010

Hirtenbrief unseres Bischofs

Anlässlich des 150. Todestages des hl. Pfarrers von Ars hat Papst Benedikt XVI. ein Jahr des Priesters ausgerufen. Unser Bischof Aloys Jousten hat zum Thema "Priester" ein Hirtenbrief verfasst, welcher am heutigen Weltgebetstag um Priester- und Ordensberufein den Kirchen des Bistums zu verlesen ist. Ich gebe ihn hier in gekürzter Form wieder.

Liebe Schwestern und Brüder
Für uns Katholiken ist eine Kirche ohne Priester undenkbar. Tatsache ist aber, dass heutzutage viele Menschen auf Abstand zum Glauben und besonders zur Kirche und zur religiösen Praxis gegangen sind. Die Anzahl der Priester und auch der Christen schrumpft, Pfarren werden zusammengelegt. Ernsthafte und auch unbequeme Fragen hinsichtlich des Priesters stellen sich. Ich möchte deshalb einfach die Stellung des Priesters innerhalb unserer Bistumskirche beleuchten und an das Wesentliche des Priestertums erinnern.

Erst aber möchte ich Euch einladen, kurz über unsere Erwartungen an die Priester nachzudenken. Könnten diese Erwartungen junge Erwachsene begeistern und ermutigen, sich in den Dienst einer Gemeinde oder der Kirche zu stellen?

Im Evangelium nach Markus steht: ,,Jesus... rief die zu sich, die er erwählt hatte Und er setzte die Zwölf ein, die er bei sich haben und später aussenden wollte, damit sie predigten.“ Heute noch beruft Christus in der Kirche und durch die Kirche Priester, um bei ihm zu sein und um gesandt zu werden. Inmitten der Christen stellen sie Christus, den wahren Hirten seines Volkes dar. Das macht sie keineswegs zu Herren, sondern vielmehr zu Dienern. Ihr Dienst: Sorge tragen für die Verkündigung des Evangeliums, die Feier der Sakramente, das Gebet, die geschwisterliche Liebe sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Armen... Diesen Dienst üben die Priester in den Pfarren und an vielen anderen Orten aus: in Schulen, Kliniken, Gefängnissen, Bewegungen oder Gruppen.

Bei der Feier der Eucharistie ist der Priester in besonderer Weise Diener Christi und Diener Seines Volkes. Im Namen der versammelten Gemeinde bittet er den Herrn, dass sie durch den Heiligen Geist eins werde und zu einem Ort der Wahrheit und Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens. Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt im Leben des Priesters und der Christen.

Durch Gottes Wort und die Sakramente gestärkt gehen Christen und Priester zu den Mitmenschen, um ihnen den Glauben an Christus zu bezeugen und anzubieten - ohne Anmaßung und ohne Scheu, aber mit Überzeugung und Entschiedenheit. Durch Glauben und Hoffnung, durch Liebe und Einsatz woIIen sie bezeugen, dass Gott alle Menschen Iiebt.

AII das führt zu der Erkenntnis, dass selbst in der Pfarre die Aufgabe des Priesters sich nicht auf die Feier von Gottesdiensten beschränken kann. Er trägt ja Ietzten Endes die Verantwortung nicht allein für den Gottesdienst, sondern auch für die Verkündigung und für die Dienste der Nächstenliebe. Natürlich soll und kann der Pfarrer nicht alles selber tun, aber er wird darauf achten und dazu anregen und ermutigen, den ganzen Auftrag der Kirche auf den Weg zu bringen.

Durch Taufe und Firmung wohnt der Heilige Geist, der Geist der Liebe in unseren Herzen. Er will durch uns hineinwirken in Familie und Beruf, in Vereine und Gruppen, in Gesellschaft und Politik. Vielen Menschen ist bewusst geworden, dass sie als Getaufte eingeladen sind, entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten Lebendige Mitglieder des Leibes Christi, der Kirche zu sein. Häufig darf ich Zeuge des großartigen ehrenamtlichen Einsatzes vieler Christen in Gruppen, Vereinigungen, Schulen, Pfarrverbänden und so mancher Dienste sein. Diese ehrenamtlichen Mitarbeiter ersetzen nicht die Priester und sind auch nicht deren Lückenbüßer. Sogar Diakone, Pfarrassistenten, Pfarrassistentinnen und hauptberufliche Mitarbeiter können die Priester nicht ersetzen. Alle diese verschiedenen Dienste sollen sich gegenseitig ergänzen und als Bereicherung anerkennen.

Unsere gemeinsame Aufgabe besteht darin, dass wir alle uns entsprechend unserer Möglichkeiten und unserer Berufung in den Auftrag der Kirche einbringen. So wird, wie der hl. Paulus im Epheserbrief schreibt, der Leib Christi wachsen und in Liebe aufgebaut.

Priester sind und bleiben Menschen. Sie leben in derselben Welt wie alle Menschen, werden von ihr beeinflusst und müssen sich ihr stellen. Wie alle anderen Christen sind sie Getaufte und Gefirmte, Glieder des Volkes Gottes und mit ihm auf dem Weg. Auch sie müssen im Glauben und im Christsein wachsen. Wie jeder Mensch haben auch sie ein Bedürfnis nach echten, ehrlichen und bereichernden Beziehungen zu den Mitmenschen, denn im Zölibat leben bedeutet ja keineswegs ausgeschlossen und verschroben zu sein.

Ihr, liebe Schwestern und Bruder wünscht ja sicher auch, dass eure Priester frohe und Gläubige Menschen sind, echte Glaubenszeugen in Wort und Tat. lhr wünscht euch Hirten, die helfen, das Evangelium zu leben, Seelsorger, die von Christus ergriffen sind. Die Verwurzelung im Herrn ist die Quelle, aus der die Priester täglich Schöpfen, sonst laufen sie Gefahr, auszutrocknen, auszubrennen. Wer in Christus bleibt, und in wem Christus bleibt, der bringt viele Frucht. Christus selbst hat uns den Weg dieser Fruchtbarkeit gezeigt, einen ganz anderen Weg als den greifbarer Erfolge und sichtbarer Resultate. Sein Tod am Kreuz war gewiss kein Beweis menschlichen Erfolges. Aber ,,Gott hat ihn Über alle erhöht. Er ist der Herr.“

Mit dem Bischof bilden die Priester eine Gemeinschaft, das Presbyterium oder PriesterkolIegium. ln der guten Eintracht der Priester mit dem Bischof und der Priester untereinander sehe ich ein Zeichen für die Lebendigkeit unserer Bistumskirche und für Euch, liebe Schwestern und Brüder, ist dieses gute Miteinander gewiss eine Ermutigung. Wir alle zusammen sitzen im gleichen Boot, wir alle zusammen sind die Kirche Gottes in Lüttich. Lasst uns daher für unser Bistum, für unsere Priester und für Priesterberufungen beten.

Gegeben zu Lüttich am Gründonnerstag 2010

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