Dienstag, 11. Mai 2010

„Bittet, so wird euch gegeben.“

Im Vertrauen auf dieses Wort versammeln sich die Gläubigen an den drei Tagen vor Christi-Hilmmelfahrt zur Bittprozession, um für eine menschen-
würdige Arbeit und ein Auskommen für jeden
zu beten. Damit einher geht die Bitte um Segen für die Feldfrüchte. Mit der Bitte um Frieden schließt sich der Reigen der Flurprozessionen.

Heiligung der menschlichen Arbeit

Ein Christ, so sagt die hl. Schrift, ist nicht von dieser Welt, aber er lebt in dieser Welt. Deshalb haben wir Christen unsere Verantwortung für die Welt und in der Welt ernst zu nehmen. Wir müssen Welt und Arbeit ernst nehmen, gleichzeitig aber auch erkennen, wie gefährlich das alles werden kann, wenn wir nur noch Diesseits-Menschen sein wollen.

Eine kleine Geschichte kann uns die richtige Einstellung zur Arbeit klar machen : Beim Bau einer Kathedrale fragte jemand die Arbeiter : "Was macht ihr hier ?" Einer antwortete mürrisch : Ich plage mich ab ftir ein paar Kröten, um mich durchzuschlagen. Ein zweiter sagte : Ich arbeite, um meine Familie zu ernähren. Ein dritter schließlich gab als Antwort : Ich arbeite, um ein schönes Gotteshaus zu errichten und so Gott durch meine gute Arbeit zu ehren.

Ohne Einkommen können Menschen ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten. Das hat zur Folge, dass viele Menschen gegen ihren Willen arbeiten. Sie tun Arbeit, die sie lieber nicht tun würden, weil sie nicht zu ihren Fähigkeiten, ihrer Motivation oder ihren Ideen passt oder weil die Arbeitsbedingungen oder die Bezahlung schlecht sind.

Wir leben heute in einer Gesellschaft mit politischer Freiheit und Demokratie, aber mit einer Wirtschaft, die uns alle in eine Zwangsjacke steckt. Das sozialökonomische Denken geht von der Notwendigkeit eines möglichst großen Wirtschaftswachstums aus. Das Streben nach maximalem wirtschaftlichem Wachstum und Vollbeschäftigung ist aber immer weniger mit den Grenzen von Natur und Umwelt zu vereinbaren. Wir werden in vielen Bereichen des täglichen Lebens umdenken müssen, wenn wir die Welt als lebenswerten Planeten an die kommende Generation übergeben wollen.

Bitte um Segen für die Feldfrüchte

In früheren Zeiten waren die weitaus meisten Menschen an der landwirt-
schaftlichen Arbeit beteiligt. Das ist längst nicht mehr so. Dennoch bleibt die bäuerliche Arbeit eine wesentliche Grundlage unserer irdischen Existenz. Ohne Nahrung vermag der Mensch nicht zu leben. Die Nahrung nimmt er aus der Natur. Es besteht zwar in unseren Ländern kaum noch die Gefahr einer Hungersnot. Trotzdem bleiben wir Menschen in vielen Dingen von der Natur abhängig. Meist denken wir nicht daran. Wir bilden uns ein, alles zu können. Ein Vulkanausbruch in Island hat uns vor wenigen Wochen allerdings sehr schmerzhaft unsere Grenzen aufgezeigt.

Die Landwirtschaft muss einen regelrechten Spagat herstellen, einerseits zwischen den Anforderungen der Verbraucher, die jederzeit hochwertige Lebensmittel in ausreichendem Maße verlangen, andererseits zwischen den berechtigten Forderungen derjenigen, die auf die Gefahren einer modernen Landwirtschaft hinweisen: Überdüngung, genetisch veränderte Nutzpflanzen, monotone Landschaft durch einseitigen Anbau von nur wenigen Kulturpflanzen nebeneinander. Das Bienensterben, welches dieses Frühjahr in der ganzen Welt zu beobachten ist, muss als Warnung verstanden werden. Die Biene ist das erste Opfer einer übertriebenen Kultivierung unserer Landschaftlichen Nutzflächen, in der kaum noch frei wachsende Gehölze oder Wildpflanzen eine Chance haben. Die Artenvielfalt muss der Monokultur weichen, damit in der Landwirtschaft angeblich wirtschaftlich gearbeitet werden kann.

Bitte um Frieden

Unsere Welt ist gezeichnet von Krieg und Unfrieden.
Krieg und Unfrieden sind aber nicht das Werk Gottes
Auf der Welt kann kein Friede sein, wenn der Mensch nicht mehr auf Gott hört und sich über Gottes Gebot hinwegsetzt.

Zum Aufbau des Friedens müssen vor allem die Ursachen der Zwietracht in der Welt beseitigt werden, an erster Stelle die Ungerechtigkeiten. Andere entstehen aus Herrschsucht und Verachtung des Mitmenschen, aus Neid Misstrauen und Hochmut.

Der Apostel Jakobus schreibt an die Christengemeinden folgende Worte: „Woher kommen eigentlich eure Kriege und Streitigkeiten? Woher anders als aus eurer Selbstsucht, die euch nicht zur Ruhe kommen lässt! Ihr möchtet unbedingt etwas haben und bekommt es doch nicht; ihr seid neidisch und eifersiichtig und kommt doch keinen Schritt voran; ihr kämpft und führt Kriege und erreicht doch nicht euer Ziel. Selbst Wenn ihr um etwas betet,habt ihr keinen Erfolg, weil ihr nur an euren Vorteil denkt. Wo Misstrauen und Streit herrschen, gerät alles aus den Fugen und das Böse macht sich breit. Wo jedoch Gottes Weisheit das Leben bestimmt, geht es ehrlich und gerade zu, Iiebt man den Frieden, ist man freundlich und nachgiebig, mitfühlend und gutwillig, frei von menschlicher Rücksicht und allem falschen Schein.“ (Jak 4,1ff)

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