Samstag, 29. Mai 2010

Dreifaltigkeitssonntag

„Wie hältst du’s mit der Religion?“ Habt ihr schon mal jemanden das gefragt? Wahrscheinlich nicht. Denn die meisten von uns möchten selber nicht so befragt werden. Aber es wäre gut, wenn wir uns öfter gegenseitig diese Frage stellen würden. Wir würden feststellen, dass die Gottesvorstellung der Menschen voneinander abweicht, ohne dass wir deshalb sagen könnten, diese oder jene Gottesvorstellung ist total falsch.

Was bei diesem Experiment deutlich wird ist:

Wir können Gott nicht auf ein einziges Bild, auf eine einzige Vorstellung festlegen.

Aus meiner eigenen Erfahrung möchte ich empfehlen, immer wieder in der heiligen Schrift zu lesen. Was Bibellesen spannend macht, ist die Vielzahl der Gotteserfahrungen und Gottesbildern, die darin enthalten sind. Sie sind mit keiner Logik auf einen Nenner zu bringen. Jede Epoche und jeder Autor hat sich eigene Fragen bezüglich des Wirkens Gottes gestellt und ein jeweils eigenes Gottesbild entworfen. Alle Bücher der Bibel kreisen um das große Geheimnis Gottes. Das Nebeneinander der unterschiedlichen Gotteserfahrungen und Gottesvorstellungen ist natürlich sehr verwirrend. Manch einer hört nach ein paar Seiten kopfschüttelnd mit dem Lesen auf und wundert sich, wie diese Texte zur "Heiligen Schrift" werden konnten.

Gerade die Vielfalt der Gottes-
erfahrungen und -bilder finde ich inspirierend. Mose hatte den sehnlichen Wunsch, Gott schauen zu dürfen, wie er wirklich ist, in seiner ganzen Größe und Herrlichkeit. Entscheidend ist nun, dass schon Mose einen Gott erfahren hat, der den Menschen und der Welt ganz zugewandt ist: ein „barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue". Aber auch ein Gott, der im Verborgenen bleiben will, der sich dem Menschen niemals ganz zu erkennen gibt.

Du sollst dir kein Bildnis von Gott machen

Auf dem Sinai hat Gott seinem Volk verboten, sich von ihm ein Bild zu machen. Denn jedes Bild birgt die Gefahr in sich Gott auf meine eigene Vorstellung fest zu legen. Wir können jedoch kaum von Gott sprechen, ohne dass sich in unseren Köpfen bestimmte Vorstellungen von ihm aufbauen. Jedes dieser Bilder ist aber falsch, sobald wir uns auf eines festlegen.

Für mich ist die Lehre von dem einen Gott in drei Personen der Versuch vom großen und unfassbaren Geheimnis Gottes zu sprechen. Das Bild des dreieinigen Gottes beinhaltet für mich alle wesentliche Aspekte eines christlichen Gottesbildes: Gott ist Ursprung, Gott ist Liebe, Gott ist Energie. Besonders kostbar ist für mich, dass Gott Person ist: Ein Du, das mich anspricht, zu dem ich in einer Beziehung stehe. Ein du das ich ansprechen kann. Dass Gott jedoch Person ist und die Gemeinschaft mit dem Menschen sucht, ist die große Herausforderung des christlichen Gottesverständnisses.

Sicher können die Bilder und Gottesvorstellungen der hl. Schrift die Wirklichkeit Gottes nie zur ganz ausdrücken, aber es wäre umgekehrt ein großer Irrtum, auf sie zu verzichten.

Wenn wir uns die Erfahrung der Menschen aus der hl. Schrift zu Nutze machen dann mag uns auch das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit und Dreieinigkeit aufleuchten und einleuchten:

Gott ist als Vater der „Gott über uns“. Wir erkennen in ihm den Schöpfer von Welt und Menschen. Er ist ewig und unendlich. Und Gott ist im Sohn der „Gott vor uns und neben uns“. Wir dürfen in ihm unseren Erlöser sehen, der uns vorangeht und zugleich mit uns geht. In ihm hat sich Gott tatsächlich ein menschliches Gesicht und eine menschliche Stimme gegeben. Und Gott ist schließlich als Heiliger Geist der „Gott in uns“, der von innen her in uns wirkt und uns mit göttlichem Leben und göttlicher Kraft und göttlicher Liebe erfüllt.

Ich bin der "Ich-bin-da"

Am Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit verneigen wir uns vor dem großen Geheimnis Gottes und nehmen die Gewissheit mit, dass der Gott, der sich dem Mose als der "Ich-bin-da" zu erkennen gab, in unseren Alltag hinein wirkt, dass er mit uns geht und immer bei uns ist und zu uns spricht: “Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir” (Jer 1,8).

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