Donnerstag, 27. Mai 2010

Wort Gottes für den Tag, Freitag, 28. Mai 2010.

Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg. (Mk 10,46-52)

Heute scheint irgendwas Besonderes los zu sein in der Stadt. Heute ist kein Tag wie jeder andere. Irgendetwas ist anders. Diese Unruhe hat auch Bartimäus erfasst. Jesus soll in der Stadt sein, so hat er es aus den Gesprächen der Vorbeihastenden aufgeschnappt.

Jesus – von dem man sich ja so viel erzählt. Wunderheiler, Prophet, Wanderprediger – aber auch Messias, der von Gott versprochene Retter der Welt, womöglich Gottes eigener Sohn. Gerüchte gibt es reichlich über diesen Jesus und für Bartimäus ist klar: Sollte der heute hier vorbeikommen, dann könnte der Tag ein paar Almosen mehr bringen als sonst. Das könnte sich auch für einen blinden Bettler wie ihn lohnen.

Aber ich glaube Bartimäus erhofft sich noch viel mehr als nur ein paar zusätzliche Almosen. Denn wie er merkt, dass die Menge und Jesus tatsächlich im Begriff ist, seinen Platz zu passieren, da packt er die Gelegenheit beim Schopf und beginnt zu schreien.

"Jesus, Du Sohn Davids, erbarm Dich meiner"

So schreit er seine ganze Not heraus. Seine ganze Hoffnung fasst er in diesem Satz zusammen "Jesus, Du Sohn Davids, erbarm Dich meiner" – "hab doch Mitleid mit mir." Doch es kommt wie es kommen muss: Die Reaktion der Leute ist ebenso prompt wie hart: "Viele fuhren ihn an, er solle still schweigen." Doch nichts und niemand – so scheint es – kann ihn von seinem Vorhaben abhalten, diesem Jesus jetzt und hier zu begegnen. Er ist nicht bereit, den Widerstand der Leute einfach so hinzunehmen. Nein, jetzt erst recht, denkt er sich und er schreit seine ganze Sehnsucht hinaus. So, dass er gar nicht ungehört bleiben kann.

Wie sieht es denn bei uns aus?

In welchen Situationen unseres Lebens lassen wir uns davon abbringen, nach Jesus zu rufen? Und hätten ihn doch gerade da so nötig. Wie oft sitze ich am Wegesrand meines Lebens und weiß eigentlich genau, dass Jesus ganz nahe an mir vorbeigeht und rufe ihn doch nicht, obwohl ich weiss, dass ich bei Jesus genau richtig mit meinen Problemen und Sorgen bin.

Welche Hindernisse halten mich davon ab, nach Jesus zu rufen?

- Mein Stolz, der mir sagt, dass ich mein Leben selbst in den Griff bekomme?
- Der Frust, die sich schon lange in mir ausgebreitet hat und mich resignieren lässt?
- Meine Bequemlichkeit, die mir sagt "Ach es läuft doch alles irgendwie."

Bartimäus war das in diesem Moment alles egal. Er hat genau das Richtige getan. Nämlich geschrieen. Um sein Leben geschrieen.

Und Jesus?

Jesus geht nicht an Bartimäus vorbei. Er hört sein Schreien. Jesus geht nicht an uns Menschen vorbei. Jesus geht nicht an mir vorbei. Jesus geht an keinem vorbei. Jesus hört unser Schreien. Jesus bleibt stehen. Vor Bartimäus. Aber auch vor mir. Vor jedem, der ihn ruft.

Am Bild dieses zerlumpten Bettlers zeigt uns der Evangelist Markus, was das Wunderbare an diesem Jesus ist. Es gibt nichts, was Jesus davon abhält, stehen zu bleiben und sich Zeit für Bartimäus zu nehmen. Und so gibt es auch nichts, was Jesus davon abhält, vor uns stehen zu bleiben und sich Zeit für uns zu nehmen, wenn wir ihn rufen. Ja, sogar dann wenn wir in Situationen nach ihm schreien, in der wir – menschlich gesehen – nichts zu melden haben.

Wo menschliches Interesse an uns schon lange aufhört, ist Jesus noch längst nicht am Ende. Wo unsere Situation aussichtslos scheint, wo sich mit uns keiner mehr abgeben will da bleibt Jesus stehen.

Dann geschieht das Wunder: In seiner Begegnung mit Jesus erfährt Bartimäus dann sein Heilungswunder.

Und wie passiert das?


Ganz einfach!

Dazu bedarf es nur einen Menschen wie Sie und mich, der nach Jesus ruft. Nach ihm ruft, und sich dabei von nichts beirren lässt.

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