Samstag, 31. Juli 2010

Wort Gottes für den Tag, Sonntag, 01. August 2010.

Wieviel Erde braucht der Mensch?

Die gleichnamige Geschichte des berühmten Schriftstellers Lew Tolstoi gibt Antwort darauf. Sie gehört zu den bekanntesten seiner Erzählungen. Sie handelt von einem Bauern, der nach Möglichkeiten sucht, sein Land zu vergrößern, um mehr anbauen zu können und so reicher zu werden. Er gelangt dabei durch Vermittlung eines Kaufmanns zu den Baschkiren, einem Volksstamm im Uralgebirge. Dort will man ihm soviel Land verkaufen, wie er an einem Tag selbst umschreiten kann. Das Land, das er an einem Tag umschreitet, kostet tausend Rubel, egal wie viel er an Kilometern „schafft“.

Der Bauer, Pachom ist sein Name, lässt sich darauf ein und beginnt loszulaufen. Am Morgen kommt er gut voran, doch mit der Dauer des Tages macht ihm die Hitze zu schaffen und das Laufen fällt ihm zunehmend schwer. Schon ist die Sonne dabei unter zu gehen. Aber er schafft noch das letzte Stück, wobei die Baschkiren Pachom anfeuern, das letzte Stück noch schnell hinter sich zu bringen. Er schafft es auch. „Gut gemacht!“ schreit der Älteste der Baschkiren. „Viel Land hast du gewonnen, für tausend Rubel!“ Doch Pachom fällt um und ist tot, Blut fließt aus seinem Mund. Der Knecht, der ihn begleitet hatte, kommt gelaufen, nimmt die Hacke und gräbt Pachom ein Grab, das genau so lang ist wie das Stück Erde, auf dem sein Körper liegt.

Auch der reiche Mann im Evangelium sieht sein Ziel im Besitz, in dem Vorrat an Getreide, der ihm für viele Jahre ein behagliches Leben sichern soll. Und genauso plötzlich wird er vom Tod überrascht: Jesus sagte zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Jesus weist die Leute im Gleichnis auf die Vergänglichkeit hin. Der große Abschied am Ende des Lebens wird es offenbaren. Da wird sich zeigen, welche Schätze wir gesammelt haben, zeitlich begrenzte oder doch auch unvergängliche. Jesus zeigt in diesem Gleichnis auf, welche dramatische Leere sich hinter der Ideologie des "Immer-besser", "Immer-mehr", "Immer-höher", "Immer-schneller" auftut. Wir konnten es selber letztes Jahr erleben, als die Gier nach immer mehr Geld die halbe Welt in eine Finanzkrise stürzen ließ und manchen Anleger um sein Erspartes brachte.

Schlussfrage: Was brauchen wir zum Leben? Die Geschichte des berühmten Schriftstellers Lew Tolstoi, und das Gleichnis von Jesus können Antwort darauf geben: Laden wir uns nicht mehr auf als wir tragen können und wirklich zum Leben brauchen, denn am Ende unseres Lebens brauchen wir nur ein Stückchen Erde, das genau so lang ist wie wie unser Körper groß ist. Und wenn wir uns verbrennen lassen brauchen wir noch weniger. Wenn wir gar unsere Asche ausstreuen lassen, braucht es noch weniger Platz. Achten wir darauf, dass wir zumindest auch einige Schätze im Himmel vorzuweisen haben, denn sonst war unser ganzes Leben nur Windhauch.

Schätze im Himmel sammeln
Jemand hat …
mir zugelächelt
mir Mut gemacht
mir zugehört
mich um Rat gefragt
Zeit für mich gehabt
mir liebevoll auf die Schulter geklopft
sich von mir führen lassen
mir Vertrauen geschenkt
mir die Hand gereicht
mir Blumen geschenkt
mir die Sterne gezeigt
mir über‘s Haar gestrichen
mich an sein Herz gedrückt
mich ernst genommen. ...
Jemand hat sich als Christ bewährt!
Dieser Mensch ist reich geworden vor Gott.
(Nach Martin Gutl)

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