Sonntag, 12. Dezember 2010

13. Dezember: Festtag der heiligen Luzia

Die heilige Luzia (die Lichtvolle, von lat. lux = Licht) ist historisch belegt. Cirka 286 in Syrakus auf Sizilien geboren, starb sie etwa 304 als Märtyrerin unter Diokletian, weil sie keusch leben wollte und deshalb als Christin denunziert wurde. Mit einem Schwertstich in den Hals wurde sie getötet. Andere Quellen berichten, dass man ihr die Augen herausgerissen hat. Lucia wird in der Kunst dargestellt als Jungfrau (Palmzweig) mit Schwert, entweder in der Hand oder durch den Hals, oft trägt sie auf einem Tablett ein Augenpaar. Bestattet wurde sie in einer frühchristlichen Katakombe, über die sich seit byzantinischer Zeit eine Kirche, S. Lucia, heute in der Neustadt von Syrakus gelegen, erhebt. Wo ihre Gebeine heute ruhen, ist umstritten, vor allem zwischen S. Geremia e Lucia in Venedig und dem Vinzenzkloster zu Metz in Frankreich.

In Italien ist Lucia eine populäre Volksheilige, deren Lied „Santa Lucia” weit über Italien hinaus bekannt ist. Bis zur Gregorianischen Kalenderreform 1582 fiel der Festtag der hl. Lucia auf die Wintersonnwende, am 13. Dezember.

Immer den Herrn vor Augen ...

Der heutige Gedenktag der heiligen Luzia ist wie ein Markstein auf dem Weg zur weihnachtlichen Feier der Ankunft des Lichtes: Christus. Ihr Name, vom lateinischen Wort „lux – Licht“ abgeleitet, gibt vielfältig Anlass ihr Gedenken mit einer reichen Lichtsymbolik zu umgeben. So weist sie uns in dieser Adventszeit hin auf Christus, das Licht in den Dunkelheiten des Lebens. In den Verfolgungen des Kaisers Diokletian hat sie 304 den Märtyrertod erlitten. Durch ihr Zeugnis bestätigt sie das Wort der heutigen Lesung: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft“ (Jes 40,31).

„Martyrium“ ist ein dornenreicher Weg der „kleinen Nadelstiche“, der Repressalien, der Ausgrenzungen, der Missverständnisse, der Verleumdungen, der Verlusterfahrungen, der wachsenden Drohkulisse, des Selbstzweifels. Es ist aber auch ein Weg wachsender Gelassenheit, der Sicherheit über den eingeschlagenen Weg der Nachfolge, der Erfahrung seiner Nähe: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.“ In der Erfahrung des eigenen Leidens richtet sich wohl der Blick immer entschlossener auf den leidenden Herrn, der sich selbst unter das Joch des Leidens gestellt hat.

Brauchtum rund um den Lucia-Tag

Weil der Lucientag somit - zumindest über Jahrhunderte — in der dunkelsten Nacht begangen wurde, verband sich die Heiligengestalt — vor allen Dingen in den Alpenländern — mit vorchristlichen Dämonengestalten. Die grausige Lucia trat als hässliche Gestalt furchteinflößend auf, bedrohte schlampige Mägde und ungezogene Kinder. Wer nach dem abendlichen Angelus noch aus dem Haus ging, konnte ihr Opfer werden. Lügnern schnitt sie die Zunge ab. In der Luciennacht war es streng verboten, Brot zu backen, zu spinnen oder zu nähen. Wer es trotzdem tat, musste mit der Rache der grausamen Lucia rechnen.

In Schweden wird die Luciennacht als Mittwinternacht gefeiert. Dort ist Lucia zur lichtertragenden Gabenbringerin geworden. Das älteste Mädchen einer Familie tritt am Morgen des 13. Dezember, dem Lucienmorgen, in einem langen weißen Kleid auf, den Kopf mit einem Kranz aus Preiselbeeren geschmückt, in den brennende Kerzen gesteckt sind. Diese Lucia weckt alle Familienmitglieder und serviert ihnen das Frühstück ans Bett. In den Dörfern und Stadtteilen wird am Vorabend eine Lucienbraut gewählt.

Der Lucientag war früher mit Losbrauchtum und Wetterorakeln verbunden. Z. B. trennten Mädchen am Gedenktag ein Stück Rinde einer Weide ab, ritzten ein Kreuzzeichen in den Stamm und banden die Rinde wieder fest. Wenn sie am 1. Januar die Stelle wieder enthüllten, suchten sie aus den veränderten Zeichen die Zukunft zu deuten.

Vor allem im Burgenland säte man am 13. Dezember Weizen in einen mit Erde gefüllten Teller (Tellersaat, Luciaweizen, Lucienweizen). Wie Barbarazweige schneidet man am 13. Dezember Kirschzweige als Lucienzweige.
Der Festtag der Lucia war im Mittelalter zeitweise und in verschiedenen Gebieten Kinderbeschenktag für Mädchen. © nach Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln (gekürzt und leicht verändert)

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