Samstag, 18. Dezember 2010

Die vier Kerzen

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht.“ Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.


Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.“ Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.


Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie liebhaben sollen.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.


Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: „Aber aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!“ Und fast fing es an zu weinen. Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung.“ Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.


Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten, Bd.5, S. 12.


Worte

Worte können eine ungeheure Wirkkraft haben, sowohl an Positivem, wie auch an Negativem: Worte des Lobes und der Zuneigung lassen uns aufleben.
Worte des Spottes und oder einer schlechten Nachricht können uns verletzen und traurig machen.

Welche Worte haben wir in der vergangenen Adventwoche gehört, welche haben uns gut getan, welche uns verletzt? Welche Worte der Erbauung, des Trostes und der Liebe sind aus unserem Mund gekommen - und was blieb von uns alles ungesagt, was wir gerne sagen wollten oder müssten?

Wie ist es um unsere Kultur des Wortes bestellt?

Keine Kommentare: