Montag, 13. Dezember 2010

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 14. Dezember 2010.

Das Gleichnis von den ungleichen Söhnen


Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite.


Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mt 21,28-32)


Ein jüdischer Lehrer hat einmal gesagt: “Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht...; die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und sie nicht tut.“


Menschen, die umkehren, und um solche, die glauben, eine Änderung nicht nötig zu haben, begegnen uns im heutigen Evangelium. Mit dem Gleichnis von den zwei Söhnen will Jesus seinen Zuhörern in dieser ganz alltäglichen Geschichte ihr eigenes Verhalten verdeutlichen. Und sie fallen auch prompt auf seine simple Frage herein, welcher der beiden Söhne denn am ehesten den Willen des Vaters erfüllt hat. Die Frage ist so einfach, dass man sie im Kindergarten stellen könnte. Aber Jesus will mehr als eine Antwort, er will den Führern des Volkes Israel etwas deutlich machen und sie sollen mit Hilfe des Gleichnisses angeleitet werden, ihr eigenes Tun kritisch zu betrachten.


Ein alltägliche Ereignis macht Jesus zum Mittelpunkt seiner Erzählung. Er schildert eine Situation, die wir sicherlich auch schon ähnlich erlebt haben: Ein Mann hat zwei Söhne. Beiden gibt er den Auftrag, im Weinberg zu arbeiten. Der eine sagt zwar, dass er tun will, was ihm aufgetragen wurde; er geht dann aber doch nicht an die Arbeit. Der andere weigert sich zunächst, es vergeht etwas Zeit, er denkt nach. Seine Sturheit legt sich, der Machtkampf in seinem Innersten ist aus - er geht und tut, was ihm gesagt wurde.


Wer von uns erkennt sich da nicht wieder?


In den Schriftgelehrten und Ältesten der Juden. Sie sagen zwar wie der erste Sohn “ja“ zu dem, was die Gebote von ihnen verlangen, sie lehnen sie nicht direkt ab, den entscheidenden Schritt, nämlich die Änderung ihrer Herzen, aber tun sie nicht. Sie müssen sich durch das Gleichnis sagen lassen: Es kommt nicht auf das Ja-Sagen an, sondern auf das Ja-Tun. Sie sind also im ersten Sohn wiederzuerkennen der antwortete: “Ja, Herr, ging aber nicht.


Anders sind die als Sünder verachteten Zöllner und Dirnen. Sie sind diejenigen, die bei der Predigt des Johannes und bei der Botschaft Jesu aufhorchen, die bereit sind, ihr Leben zu ändern. Diese Gruppe findet sich im Bild des zweiten Sohnes wieder der zunächst “nein“ sagt, dann aber doch tut, um was der Vater ihn gebeten hat.


“Nun, wie steht es mit euch“? möchte Jesus sagen. “Habt ihr euch auch wiedererkannt in dem Spiegel“? Wahrscheinlich habt ihr etwas von beiden Söhnen in euch erkannt. Ist dieses, unser Ja-Sagen, gedeckt durch unser Ja Tun, im Alltag? Wir sagen als Christen immer wieder, dass wir nach Jesu Liebesgebot leben und handeln wollen, dass wir verzeihen und lieben, teilen und mitleiden wollen wie er. Und viele von uns versuchen es ja auch ernsthaft. Aber immer wieder müssen wir feststellen, dass wir doch nur nach unserem Kopf handeln, dass wir trotz unseres Wollens ein Nein leben.


Wenn wir diese Spannung zwischen Ja und Nein erleben und manchmal auch erleiden, dann liegt darin schon die Möglichkeit, wieder anzufangen, unser Nein zu bereuen und trotzdem zu gehen... Das Beispiel des zweiten Sohnes macht uns deutlich, dass eine Änderung unseres Verhaltens immer möglich ist. Umkehren können wir jeden Tag! Lassen wir uns durch das Beispiel des zweiten Sohnes zu einem Neuanfang ermutigen! Denn wie sagte der jüdische Lehrer: »Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht. Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.“

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