Donnerstag, 14. Januar 2010

Mit Kindern über den Tod reden

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Wie geht das, mit Kindern über den Tod zu reden? Wie viel darf man ihnen zumuten, welche Worte sollte man wählen? Wie ist das mit der Trauer, mit der eigenen und mit der der Kinder, die wir doch am liebsten fröhlich und unbeschwert sehen wollen? Eltern und Großeltern sollen das Thema Tod ehrlich anzugehen und behutsam zugleich. Halten wir die „kleinen Tode des Alltags“ bewusst aus um mit den Kindern trauern zu lernen.

Ein Gespräch mit Diplom-Psychologin Gertraud Finger, in : Pfarrbriefservce, Gestaltungshilfen, Materialien, Januar 2010.

„In der Zeit der Trauer gibt es keine richtigen oder falschen Gefühle. Trauer lässt sich nicht reglementieren. Und jede Aufforderung wie ‚Nicht weinen!’ oder ‚Nicht lachen!’ oder ‚Nicht wütend sein!’ behindert das Kind darin, seine eigenen Gefühle auszuleben. Trauer ist etwas ganz Persönliches. Und jedes Kind muss seinen Weg finden und tun, was für sein Temperament und seine Gefühlslage richtig ist“, sagt die Diplom-Psychologin Gertraud Finger.

Frage: Wann und wie sollten Eltern ihre Kinder mit dem Thema Tod vertraut machen?

Gertraud Finger: Gelegenheiten gibt es viele, etwa wenn die Kinder im Garten einen toten Vogel entdecken. Er ist vielleicht gegen die Fensterscheibe geflogen und hat sich beim Aufprall so schwer verletzt, dass er an seinen Verletzungen gestorben ist. Kinder brauchen solche Gelegenheiten zur „kleinen Trauer“. Eltern können ihnen dann erklären, dass der Tod manchmal unerwartet kommt. Sie könnten den toten Vogel gemeinsam anschauen. Dabei bekommen die Kinder mit, wie der Körper des toten Vogels ganz steif wird und dass er sich nicht mehr bewegt. Sie könnten ihn in eine kleine Schachtel legen und beerdigen.

Frage: Empfinden Kinder in solchen Augenblicken Trauer?

Gertraud Finger: Natürlich werden sie ein wenig traurig sein, wenn sie von dem toten Vogel erzählen. Vielleicht fließen auch ein paar Tränen. Aber dahinter verbirgt sich keine tiefe Trauer. Die Kinder haben den Vogel ja vorher nicht gekannt und damit keinen persönlichen Verlust erlitten. Anders sieht es aus, wenn das eigene Zwergkaninchen oder die Katze sterben. Eltern haben dann oft große Angst vor der Trauer ihres Kindes. Sie möchten es schützen und besorgen sofort ein neues Tier. Doch damit bringen sie ihr Kind um ein tiefes Erlebnis, das für sein weiteres Leben wichtig und sinnvoll sein kann. Beim Tod seines Kätzchens erlebt das Kind vielleicht zum ersten Mal einen persönlichen Verlust. Es muss Abschied nehmen von einem Tier, das es sehr geliebt hat. Es spürt ganz neue, bisher nicht gekannte Gefühle. Und es lernt, mit seiner Trauer zu leben.

Frage: Sie sprachen von der „kleinen Trauer“. Warum ist sie für Kinder so wichtig?

Gertraud Finger: Jedes Kind kann ganz plötzlich durch den Tod eines geliebten Menschen getroffen werden. Dieses Erlebnis ist umso schwerer zu verarbeiten, je weniger das Kind darauf vorbereitet ist. Deshalb schlagen Fachleute für Kinder eine so genannte psychologische Immunisierung vor. Der Begriff Immunisierung stammt aus der Medizin. Dem Körper werden beim Impfen geringe Dosen von Krankheitserregern zugeführt, die den Körper selbst nicht schädigen, ihn aber veranlassen, Antikörper zu bilden. Auch bei der psychologischen Immunisierung geht es um eine Vorbeugung – diesmal auf die Schwierigkeiten des Lebens. Durch das Erlebnis mit dem fremden toten Vogel oder dem eigenen Kätzchen ist das Kind dem Tod begegnet. Es war traurig und durfte erleben, dass es darüber sprechen kann. Es hat geweint und durfte erfahren, dass Weinen gut tut. Es hat auch gemerkt, dass es langsam wieder fröhlich wurde. Es ist um eine Erfahrung reicher geworden, und das kann ihm helfen, wenn es erleben muss, dass ein geliebter Mensch stirbt.

Frage: Wie sollen Eltern mit ihrem Kind umgehen, wenn ein Angehöriger todkrank ist und bald sterben muss?

Gertraud Finger: Zur psychologischen Immunisierung gehört auch die Vorbereitung auf einen Todesfall. Der nahende Tod eines Familienangehörigen sollte den Kindern nicht verschwiegen werden. Denn sie spüren ohnehin die Stimmung um sich herum. Sie fühlen sich dann einsam mitten unter Menschen, die gedrückt aussehen, seufzen und so tun, als ob nichts wäre. Erst wenn mit den Kindern darüber gesprochen wird, was die Erwachsenen augenblicklich so belastet, fühlen sie sich dazugehörig. Dann erhalten auch sie Gelegenheit zum Abschiednehmen. Das Traurigsein, das damit verbunden ist, kann auf die spätere Trauer vorbereiten und sie erträglicher machen.

Frage: Wie sollen Eltern über den Tod sprechen?

Gertraud Finger: Eltern sollten auf keinen Fall den Tod umschreiben. Denn Kinder, vor allem im Vorschulalter, nehmen das, was die Eltern sagen, oft wörtlich. Das kann zu falschen Vorstellungen führen. Wenn ein Kind zum Beispiel hört „Großvater ist eingeschlafen“, kann es erschrecken. Der schlafende Opa wird in einem Sarg in der Erde versenkt. Was passiert, wenn er wieder aufwacht? Dadurch können Ängste vor dem eigenen Einschlafen entstehen. Der Großvater ist auch nicht auf eine lange Reise gegangen. Dann glaubt das Kind vielleicht, der Opa sei ihm böse, weil er sich nicht mehr meldet. Die Familie hat den Großvater auch nicht verloren. Denn was man verloren hat, kann man wieder finden. Warum suchen Mama und Papa den Opa dann nicht einfach? Dem Wort „Tod“ sollte deshalb nie ausgewichen werden. Doch genauso wichtig ist es, die Endgültigkeit des Todes zu betonen und ausdrücklich zu sagen, dass der Tote nicht zurückkommt. Dies können kleine Kinder am besten durch Beispiele erfassen. Die Eltern könnten mit ihnen darüber sprechen, dass der Großvater nie mehr mit ihnen in den Zoo gehen wird, oder dass die Großmutter keine Apfelpfannkuchen mehr backen kann.

Frage: Wie können Eltern ihr Kind am besten trösten?

Gertraud Finger: Indem sie sich liebevoll und mit viel Fürsorge um ihr Kind kümmern. Darüber hinaus brauchen Kinder Eltern, die sie in ihrer Traurigkeit wahrnehmen und trösten. Wirkliche Trostworte sind nicht belehrend. Sie sagen nichts Banales und lenken nicht ab, sondern ermutigen das trauernde Kind, von seinem Kummer zu erzählen. Dazu helfen Worte wie „Erzähl mir von der Oma...“ oder „Es muss für dich ganz schlimm sein...“ oder „Willst du mir sagen, was dich so traurig macht?“ oder „Weißt du noch, damals...?“ Solche Worte laden das Kind zu einem Gespräch ein und zeigen ihm gleichzeitig, dass wir seinen Kummer ernst nehmen und ihm zuhören. Sie helfen dem Kind, sich an den Verstorbenen zu erinnern. Das kann manchmal schmerzlich sein, weil der Verlust dabei sehr deutlich wird. Doch davor können wir Erwachsenen Kinder nicht bewahren. Denn sie sind nur dann in der Lage, ihr Leid zu überwinden, wenn sie leiden dürfen. Wenn wir die Trauer der Kinder anerkennen, brauchen sie ihre Gefühle nicht zu leugnen. Und sie können ihren Weg durch die Trauer gehen. Dies fällt ihnen umso leichter, je einfühlsamer sie dabei begleitet werden.

Frage: Warum reagieren Kinder zuweilen mit Albernsein oder Aggressivität auf den Tod eines nahen Angehörigen?
Gertraud Finger: Manche Kinder lassen Trauer nicht zu. Sie wollen den Tod des lieben Angehörigen einfach nicht wahrhaben und lassen das, was geschah, noch nicht an sich herankommen. Bei jedem Todesfall werden Menschen mit tiefen Gefühlen konfrontiert. Kinder haben sie in dieser Form noch nicht kennen gelernt. Das macht ängstlich und unsicher. Die Trauerverweigerung ist wie eine Notbremse. Kinder bremsen die Not, in die sie geraten sind, ab, um nicht davon überrollt zu werden. Die Kleinen brauchen einfach noch Zeit, das Unfassbare zu verstehen. So kann es sein, dass sie ihre Umgebung schockieren, indem sie lachen und albern sind. Eltern sollten ihrem Kind keinesfalls Vorwürfe machen, sondern dessen Abwehr und Verweigerung zulassen. Aber sie dürfen nicht dabei stehen bleiben, sondern müssen gleichzeitig eine Tür öffnen, damit das Kind wieder aus der Abwehr herausfindet. Denn eine länger andauernde Trauerverweigerung kann sich sehr ungünstig auf die gesamte Entwicklung des Kindes auswirken. Eltern, Großeltern oder andere nahe stehende Menschen sollten deshalb mit dem Kind zum Friedhof gehen, Fotos anschauen und Geschichten aus dem Leben des Verstorbenen erzählen. Denn so zeigen sie ihm, dass man darüber sprechen kann und darf. Das Kind fühlt sich dann nicht mehr so allein und kann es wagen, seinen Kummer zuzulassen und ihm Ausdruck zu verleihen.



Zehn Verhaltenshilfen für Eltern im Umgang mit trauernden Kindern

1. Geben Sie Kindern die Chance zu lernen, wie man trauert.
Zeigen Sie Ihre Trauer. Überspielen Sie nichts. Geben Sie ihren Kindern die Möglichkeit, Trauer an anderen und die eigene Trauer zu erleben.

2. Lassen Sie Kinder auch über die kleinen Verluste im Leben trauern.
Die Katze stirbt, ein Freund zieht in eine andere Stadt, das Lieblingsstofftier ging verloren. Das sind Gelegenheiten für Kinder, das Abschiednehmen zu lernen.

3. Informieren Sie Kinder über Todesfälle im Umfeld.
Wenn Kinder nur die Verhaltensänderung der Erwachsenen wahrnehmen, aber keine Erklärung dafür bekommen, entwickeln sie eigene Fantasien.

4. Vermitteln Sie Kindern die Endgültigkeit des Todes.
Umschreibende, verharmlosende Bezeichnungen des Todes nähren nur Hoffnungen, die zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

5. Geben Sie Kindern Gelegenheit zum Abschied nehmen.
Kinder nehmen keinerlei Schaden, wenn sie den Toten/die Tote sehen, sie/ihn berühren, sich verabschieden, im Gegenteil: Kleine Kinder sind sehr unbefangen, für größere ist ebenso wichtig wie für Erwachsene, den Tod zu begreifen. Nehmen Sie die Kinder mit zu allen Trauerfeierlichkeiten, schließen Sie sie nicht aus.

6. Geben Sie dem Kind Gelegenheit, mit seinen Gefühlen umzugehen.
Vermitteln Sie dem Kind, dass es mit allen seinen Fragen kommen kann. Nehmen Sie sich Zeit, wenn es weint oder Angst hat. Sprechen, weinen, malen, lesen, basteln Sie mit ihm.

7. Geben Sie dem Kind die Sicherheit, dass Sie für Ihr Kind noch lange da sind.
Der Verlust einer geliebten Person weckt in Kindern die Angst, auch andere könnten plötzlich sterben. Versichern Sie, dass Sie noch lange leben werden - aber auch, dass alle Menschen irgendwann sterben müssen.

8. Kinder sollten wissen: Auch Kinder können sterben.
Aber machen Sie deutlich, dass das selten passiert: zum Beispiel bei sehr schweren Krankheiten oder bei Unfällen.

9. Ermuntern Sie Kinder, ihre Gefühle zu zeigen.
Kinder schonen ihre Eltern oft, weil sie nicht wollen, dass diese noch trauriger werden. Sie weinen heimlich oder nehmen vor der traurigen Stimmung zuhause Reißaus.

10. Seien Sie ehrlich.
Kinder brauchen die Sicherheit, dass ihre Fragen ehrlich beantwortet werden.

Norbert Kugler, aus: Wenn Kinder trauern. Werkblatt der Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands, 6/2003. www.werkblaetter.de



Mittwoch, 13. Januar 2010

Hilariusfest in Maspelt

Am kommenden Sonntag feiert die Kapelle von Maspelt ihren Kapellenpatron, den heiligen Hilarius. Hilarius, geboren um 315 in Poitiers, schlug zunächst die Laufbahn eines Juristen und Philosophen ein. Er heiratete und wurde Vater einer Tochter. Dann fand er zum christlichen Glauben, ähnlich wie Augustinus, durch seine Suche nach dem Sinn des Lebens.

Eine Antwort fand er in der Lektüre der Bibel. Besonders das Johannes- und das Matthäusevangelium begeisterten ihn so sehr, dass er sich schließlich taufen ließ und zu einem überzeugten Christen wurde. Er war außerdem ein begnadeter Rhetoriker, d. h. er konnte gut und überzeugend reden, so dass die Bewohner von Poitiers ihn schließlich zu ihrem Bischof wählten.

In zahlreichen Schriften verteidigte er den Glauben gegen die Arianer und schrieb die erste Gesamtdarstellung der Lehre der Heiligen Schrift über Gott und den Gottessohn. Östliche und westliche Theologie verband er miteinander und lehrte die Vereinbarkeit von Glauben und Vernunft. Aus dem gemeinsamen Leben des
Hilarius mit seinen Mitbrüdern entstanden die ersten klösterlichen Gemeinschaften Galliens. Hilarius gilt auch als der erste Hymnendichter der lateinischen Kirche.

Er starb Anfang des Jahres 367 und wurde nach alter Überlieferung am 13. Januar beigesetzt. Sein Grab befindet sich im Dom von Parma.1851 wurde er von Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer erhoben. Dargestellt wird er als Bischof, mit Schlangen oder Drachen.

Wie alle großen Heiligen, hat Hilarius von sich selbst weg, hingewiesen auf den, den er verkündigen sollte: Auf Jesus Christus den Sohn des ewigen Vaters, unseren Herrn und Meister.




Hilarius - ein von Gott Berufener

Am vergangenen Sonntag feierten wir das „Fest der Taufe des Herrn“. Johannes der Täufer predigt in der Nähe des Jordan. Er ruft die Menschen auf, sich taufen zu lassen um dann ihr Leben zu ändern und nach dem Willen Gottes zu leben, damit das Reich Gottes sich ausbreiten kann. Viele Menschen folgen dem Aufruf des Johannes. Jesus stellt sich zu diesen Menschen hinzu, um sich ebenfalls von Johannes taufen zu lassen. Auch er will ein neues Leben beginnen. Er will nicht länger als Zimmermann arbeiten, sondern jetzt umherziehen, um den Menschen von Gottes Liebe zu erzählen. Die Taufe ist für ihn Zeichen für einen Neubeginn. Mit seinem Wirken im Auftrag Gottes soll das Reich Gottes anfangen zu Werden und zu Wachsen.

Bei der Taufe Jesu geht es aber noch um etwas ganz anderes, was bei jeder Taufe deutlich wird. Gott spricht sein „Ja“ zu uns: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“. Dadurch wird deutlich, dass jeder Mensch von Gott angenommen ist, zugleich aber auch eine Berufung bekommen hat, und die gilt es auch wahrzunehmen.

Gott will, dass auch unseren Beitrag dazu leisten, dass diese Welt verwandelt wird in einen Ort des Friedens und der Gerechtigkeit. Wir sollen „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sein. Wir sollen und müssen uns nach Kräften einsetzen, dass diese Welt menschlicher, besser, gerechter wird. Gott nimmt uns diese Aufgabe nicht einfach aus der Hand. Im Gegenteil, er will uns deutlich machen: Ihr könnt einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass es heller und menschlicher wird in der Welt. Und zwar indem ihr das jeweils Notwendige tut.

Das jeweils Notwendige hat auch der hl. Hilarius getan, dessen Festtag die Kirche am 13. Januar begeht.

Mit der Taufe fängt alles an ...

Beim hl. Hilarius fällt auf, dass in seiner Lebensbeschreibung ausdrücklich von seiner Taufe berichtet wird. Er war Heide, verheiratet und hatte eine Tochter. In diesem Hilarius muss etwas passiert sein. Es wird ausdrücklich berichtet, dass er sich in die Liste der Taufbewerber einschreiben ließ, dann besuchte gewissenhaft den Taufunterricht und wurde in der Osternacht des Jahres 345 getauft.

Seine Taufe hat er aber nicht als ein frommes Ritual angesehen, sondern hat sie ernst genommen. Taufe war für ihn einerseits die Gewissheit zu Jesus Christus zu gehören, oder wie wir sagen ‘Kind Gottes‘ zu sein und Taufe war für ihn auch: Verantwortung übernehmen in der kleinen Christengemeinde von Poitiers (Frankreich). Dieser Verantwortung stellte er sich in besonderer Weise, als die Bevölkerung von Poitiers ihn drängte Priester zu werden.

Das ist eine etwas ungewöhnliche Art und Weise Priester zu werden, werdet ihr denken. Was war geschehen?

Hilarius lebte in einer Zeit, als der christliche Glaube in Gefahr war, von vielen Sekten-ähnlichen Gruppen und Gemeinschaften auseinander gepflückt zu werden. Vor allem die Gottheit Jesu Christi wurde in Frage gestellt von verschiedenen Bischöfen. Es war schlecht bestellt um die Kirche Jesu Christi und eine Spaltung schien fast unvermeidbar.

Scheinbar hat Hilarius den Durchblick behalten für das, was richtig und wichtig war und die Bevölkerung hat das gespürt. Außerdem war er in der Verwaltung ein einflussreicher Mann. Deshalb hat man ihn gedrängt Priester zu werden und dann Bischof, um so Einfluss zu nehmen und dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Dieser Herausforderung hat Hilarius sich gestellt, weil er getaufter Christ war. Er hat seinen Einfluss geltend gemacht, der bis nach Rom reichte. Er hat gekämpft für den wahren Glauben, aber nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Verstand und vernünftigen Argumenten. Zwar hat man ihn zwischenzeitlich in die Verbannung geschickt, aber zu guter letzt hat er sich zusammen mit anderen Bischöfen durchsetzen können.

Unsere Verantwortung wahrnehmen

Hilarius hat zuerst der Kirche fern gestanden. Dann hat er sich taufen lassen und hat genau begriffen, worum es in der Taufe geht und was bei jeder Kindstaufe passiert: dass wir mit einer unvergleichlichen Würde ausgestattet sind, zugleich aber auch eine große Verantwortung bekommen haben: Wir sind nun, gemeinsam mit Gott, verantwortlich dafür, dass diese Welt verändert wird, dass Gottes Reich sich entfalten kann. Wir können unsere Verantwortung nicht mehr bequem auf den lieben Gott abschieben nach dem Motto: Nun mach du mal! Nein, wir sind mitverantwortlich, dass sich etwas verändert. Dieser Verantwortung hat der heilige Hilarius sich in vorbildlicher Weise gestellt.

Dienstag, 12. Januar 2010

Wort Gottes für den Tag - Mittwoch, 13. Januar, 2010


Jesus in der Synagoge von Kafarnaum

Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. (Mk 1,21-22)

„Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet.“ – Für die Menschen damals war das Verhalten und das Reden Jesu etwas völlig Neues. Wir können uns vielleicht in sie hineindenken, wenn wir uns vorstellen, wie wir auf „völlig Neues“ reagieren.

Es ist ganz unterschiedlich, wie wir auf Neuerungen reagieren: Wenn sie für uns etwas Gutes bringen, nehmen wir Neues gerne an; wenn wir aber nicht ganz sicher sind, was auf uns zukommen wird und welche Veränderungen das Neue von uns fordert, haben wir damit unsere Probleme und wir lehnen das Neue ab ab.

Leider werden so auch wichtige Erneuerungen verhindert, weil wir sie gleich verwerfen, ohne überhaupt weiter darüber nachzudenken. Blicken wir aber viele Jahre später zurück, sehen wir oft ein, dass der Weg des Neuen doch der bessere gewesen wäre.

So ist es auch mit dem Glauben: Wir hängen zu sehr an alten Gewohnheiten und wollen keine Veränderung. So ähnlich ging es auch den Zuhörern Jesu: Er hat das bisherige völlig über den Haufen geworfen! Was bei ihm aber anders war: Das Neue hat Vorteile. Wer sich darauf einlässt, findet Heil und Glück, er findet Leben und Frieden.

Lassen wir sein Evangelium an uns heran und wir werden ganz schnell merken, dass dieses Neue viel besser ist als das Alte.

Montag, 11. Januar 2010

Wort Gottes für den Tag - Dienstag, 12. Januar, 2010

Nach der Taufe Jesu hören wir von der ersten Jüngerberufung. Jesus kam von Galiläa und seine ersten jünger lebten am See Gennesaret.


Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach. (Mk 1,14-20)



Kirche: Eine „Gemeinschaft mit dem Herrn“

Bestimmte Personen hatten im Umkreis Jesu von Anfang an eine bedeutende Rolle gespielt, wie die Brüderpaare Petrus und Andreas, Johannes und Jakobus. Wenn der Evangelist Lukas die
Berufung dieser Jünger deutlich hervorhebt will er sagen, dass sie von Anfang an bei ihm waren. Diese Gemeinschaft wird als der Anfang der sich bildenden Kirche verstanden. Das Wort ‘Kirche‘ ist griechischen Ursprungs und leitet sich von ‘Kyrios‘ ab, von Herr. Kirche bedeutet so Gemeinschaft mit dem Herrn, der Jesus Christus ist. Hinter den kurzen Berufungsgeschichten steht wahrscheinlich ein längerer Prozess. Der Evangelist weist aber nur auf das Wesentliche hin: es war Jesus, der die Initiative ergriff. Er beruft die Fischer während ihrer Arbeit, so dass sie sogar ihren Vater im Boot zurücklassen. Sie überlegen scheinbar nicht lange. Aus den Fischern am See Gennesaret sollten Menschenfischer werden, Fischer, die andere für die Botschaft jesu gewinnen sollten.

Es muss schon eine starke Faszination von seiner Person ausgegangen sein, wenn bodenständige Menschen ihre Heimat verlassen, um eine unsichere Aufgabe zu übernehmen. Aber nur wer wagt, gewinnt. Wer ständig überlegt und sich zu keinem Entschluss durchringen kann, kommt im Leben nicht vorwärts. So ist das auch mit unserem Glauben.


Kirche ist eine Gemeinschaft von Sündern

Es war ein Ruf in eine neue Welt hinein. In all dem spiegelt sich das Selbstverständnis der Urkirche wider: Was von Jesus her entstanden war, bleibt verpflichtend für die Gemeinschaft der Christen. Man wäre nicht auf den Gedanken gekommen, Glaube und Gemeinschaft mit Christus loszulösen von der konkreten Gemeinschaft der Gläubigen, nach dem Motto das heute so viele anführen: Jesus, Ja! Kirche, Nein! Es wäre kein Gegenargument gewesen, dass diese Gemeinschaft der Christen eine Gemeinschaft von schwachen, versagenden und sündigenden Menschen darstellt. Diese Erfahrung hat man schon damals machen müssen. Nicht die Vollkommenheit der Glieder, so sehr ein moralischer Anspruch besteht, ist der tragende Grund der Kirche, sondern die Person Jesu Christi mit ihrer Botschaft.


Kirche: Eine Gemeinschaft von Umkehr-bereiten Menschen

Wie eine Überschrift für das ganze Evangelium steht das Wort Jesu: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium. Evangelium heißt "frohe Botschaft", frohe Botschaft vom Reich Gottes. Damit ist nicht gemeint, dass es ab und zu froh machende Botschaften in unserem Leben gibt, sondern dass eine frohe Botschaft für unser ganzes Leben ausgesprochen wird. Nicht eine Botschaft, die alles Dunkle und Bedrohende aus dem Leben verbannen würde, sondern eine Botschaft, die trotz all dessen, was dem Leben entgegensteht, die Perspektive der Hoffnung eröffnet, bis in den Tod hinein. Frohe Botschaft als Lebenszusage von dem, der der Grund allen Lebens ist, Gott. Und Lebenszusage nicht nur für Bevorzugte, sondern für alle.

Das ist der eigentliche Kern der christlichen Umkehr: Umkehr zur Frohbotschaft, Umkehr aus der Gleichgültigkeit, aus Resignation, aus Hoffnungslosigkeit. Umkehr zur Verheißung von Leben, egal aus welcher Situation. Mit dieser Frohbotschaft will Christus die Mitte der Kirche und die Mitte seiner Glaubensgemeinschaft sein.

Sonntag, 10. Januar 2010

Sternsingeraktion 2010 erfolgreich abgeschlossen

Damit Kinder in Nyangezi, Gelegenheit bekommen eine Schule zu besuchen, waren am vergangenen Wochenende die Sternsinger in den Pfarren Reuland, Steffeshausen und Ouren unterwegs. Sie brachten den Segen Gottes in die Häuser und sammelten 2.140 €. Ein toller Erfolg. Ein herzliches Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben.

Selten waren in den ostbelgischen Straßen so viele königliche Hoheiten unterwegs wie am vergangenen Wochenende. Mit dem Beginn des neuen Jahres sah man die Sternsinger wieder überall in den Dörfern Ostbelgiens von Tür zu Tür ziehen. Traditionell zum Dreikönigsfest zogen sie in kleinen Gruppen durch die Straßen, um den Bewohnern den Segen des menschgewordenen Gottes für das Neue Jahr zu bringen. An die Haustüren oder Türbalken schrieben sie mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte 20+C+M+B+10. Dieser Segensspruch ist an vielen ostbelgischen Haustüren zu lesen. Ausgeschrieben bedeutet der Spruch „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“.

Nun war heute der Zeitpunkt gekommen Bilanz zu ziehen. In der Reuländer Kirche zogen die Majestäten festlich ein und versammelten sie sich zum Dankgottesdienst. Dabei erfuhren die anderen Kirchenbesucher so einiges aus dem Leben eines Sternsingers: Dass es Spaß macht sich einzusetzen für eine gerechtere Welt und dass die Sternsinger größtenteils sehr freundlich von den Leuten empfangen werden. Es gab auch schon mal kalte Hände bei der Sternsingertour, aber die waren wieder schnell vergessen, spätestens dann wenn sie an die Kinder in Nyangezi dachten, die durch ihre Aktion zu neuen Schulklassen kommen.

Den Kindern sei herzlich gedankt, ebenso den edlen Spendern und den Erwachsenen die die Kinder sowohl bei der Vorbereitung als auch heute begleiteten. Ihnen allen im Namen der Kinder von Nyangezi ein herzliches „Vergelt‘s Gott“.



Sehen Sie HIER eine sehr ausführliche Fotoserie
vom Dankgottesdienst der Sternsinger