Donnerstag, 4. März 2010

Gedanken zur Fastenzeit



Früchte bringen

"Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen."
(Mt 17, 19; Mt 12, 33)

So haben es die Gärtner zurzeit Jesu getan,
denn vom Ertrag ihrer Bäume lebten sie.
Soll das nun auch für Menschen gelten?
Jesus denkt anders über den Menschen.
Zwar mahnt er uns zur Umkehr,
doch auch den Baum,
der schon jahrelang keine Früchte mehr bringt,
haut er nicht um.
Vielmehr meint er,
man müsse dem Boden gute Nahrung geben,
damit der Baum sie aufnehmen
und wieder Früchte bringen kann.
Das endgültige Urteil über den Menschen
steht allein Gott zu
am Ende unseres Lebens. (vgl. Lk 13, 6 - 9) Auch mich hat Gott gepflanzt,
damit ich gute Früchte bringe.
Was ist aus mir geworden?
Was habe ich aus mir gemacht?
Bringe ich die Früchte,
die Gott von mir erwartet?
Ich kann die Botschaft und die Taten Jesu
täglich lesen und in der Kirche hören.
Welche Wirkung zeitigt das bei mir?
Irgendwann - ich kann den Tag nicht wissen -
Ist meine Frist zu Ende in meiner Todesstunde.
Nutze ich die Zeit, die mir gegeben ist?
Aus: Werner Eizinger, Wie Weihrauch steige mein Gebet vor dir auf.
Meditative Gottesdienste mit Symbolen, Regensburg 2008.

Herr, hilf uns umkehren zu dir!

Herr, lehre uns, auf Entbehrliches zu verzichten,
und lass uns frei werden für dich.
Öffne unsere Herzen für unsere Mitmenschen,
und lass uns besonders den Schwachen helfend zur Seite stehen.
Lass die Zeit der Buße zu einer
Zeit der Versöhnung werden.

(Unbekannt)

Früchte und Früchtchen

Viele Früchte sind in Gottes Obstkorb.
Und eines dieser Früchtchen, das bin ich.

Manche sind wie Stachelbeeren: herb und sauer,
andere zuckersüß wie griechische Rosinen.
Manche sind wie hochgewachsene Stangenbohnen,
andre rund und mollig wie ein Kürbis.
Manche sind geröstet, braun wie Kaffeebohnen,
andre sind vornehm bleich wie Blumenkohl.

Manche, die sind scharf wie Paprika und Curry,
andere sind zart, verhalten im Aroma.
Manche, die sind spritzig, saftig wie ein Pfirsich,
andere sind trockenes Dörrobst, extra dry.
Manche, die sind kernig, knackig so wie Nüsse,
andre muss man schälen unter Tränen wie die Zwiebeln.

Manche, das sind Alltagsfrüchte wie Kartoffeln,
andre wollen was Besondres sein: wie Mangos oder Kiwis.
Manche jucken dich und kitzeln wie die Hagebutten,
andre hinterlassen bitteren Nachgeschmack.
Manche, die sind giftig, trotz der schönen Farben.
Andre sind wie Medizin: sie tun einfach gut.

Manche Früchte hängen hoch, schwer zu erreichen,
andre, da muss man unten suchen und sich bücken.
Manche gibt' s, die brauchen lange, um zu reifen.
Andre sind frühreif - oder werden niemals reif.
Manche, die werden faul schon auf den Bäumen,
oder sie sind hohl von innen: taube Nüsse.

Manche gibt' s im Sonderangebot sehr billig,
und andre sind mit Geld nicht zu bezahlen.
Manche sind wie "Aufgesetzter", wie ein Rumtopf:
Nur genießbar unter Alkohol.
Manche haben eine harte, raue Schale.
Doch darunter einen weichen süßen Kern.

Manche, die sind wirklich ungenießbar:
ganz geschmacklos - oder muffig - oder faul.
Manche sind das Hauptgericht in unserm Leben,
andre eher Nachtisch: wie Kompott flambiert.
Jede Frucht schmeckt anders: Du und ich.

Viele Früchte sind in Gottes Obstkorb.
Und eines dieser Früchtchen, das bin ich.
Aus: Hermann Josef Coenen, Meine Jakobsleiter, Düsseldorf 1986.

Vergib uns unsere Schuld



Vergib uns Herr, unsere Schuld.
Verzeih, wenn wir andere mit den Händen schlagen,
statt zu helfen;
wenn wir mit Worten verletzen,
statt zu trösten;
wenn wir den Verstand anstrengen,
um den anderen zu ärgern,
wenn wir den anderen auslachen
und ihn dadurch entmutigen,
statt ihm Mut zu machen.
Herr, so werden wir schuldig vor dir
und den anderen.
Vergib uns unsere Schuld.
Aus: Gebete für das ganze Leben, Leipzig 2004.

Dienstag, 2. März 2010


Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Lk 6,37

Dem anderen Menschen gegenüber auf eine innere Verurteilung zu verzichten, ihm vergeben können, das setzt menschliche Reife voraus. Das bedeutet sicher nicht, dass ich fehlerhaftes Verhalten nicht zur Sprache bringen darf und in einem guten Gespräch um Klärung bemüht sein sollte.

Jesus geht es um die Beziehung zum Andern. Den anderen innerlich richten, ablehnen, meiden, verurteilen, macht jedes gute Miteinander zunichte.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet ... Jesus will sagen: Jesus will sagen, wer unbarmherzig aburteilt, der wird auch immer unbarmherzige und ungnädige Richter in seinem Leben oder danach finden. Unsere Urteile über Menschen sollen vorläufige Urteile sein, weil wir nie alles über einen Menschen wissen. Wir kennen die Last nie ganz genau, die ein Mensch trägt. Informationsgewinne können uns helfen, unsere Urteile zu überdenken.

Wer Menschen mit einem harten Vorurteil begegnet, läuft immer auch Gefahr, sie in eine Rolle zu pressen. Ein unbarmherziges Verhalten ist spürbar und findet einen Resonanzraum. Geben wir deshalb den ungeliebten Mitmenschen immer wieder eine Chance, die Vorurteile abzubauen hilft, und die es uns gleichzeitig ermöglicht, hilfreiche Informationen zu gewinnen, um ein neues Bild zu erhalten!

Jesus sagt diesen Satz, weil er ständig dem Urteil der Leute um ihn herum ausgesetzt war. Die einen haben ihn mit dem Teufel, mit „Belzebul“ verglichen, weil er Wunderkräfte besass und Menschen heilte, die anderen lehnten ihn ab, weil er kein angepasstes und normales Leben führte und sich mit ausgestossenen, verlassenen und abgeschriebenen Menschen identifizierte, mit Zöllnern und Sündern.

Wir Menschen richten. Das war vor 2000 Jahren so, ist noch heute so und wird so bleiben, was an und für sich noch nichts Falsches bedeutet. Aber denken wir daran, dass unser Urteil immer ein provisorisches sein soll, kein endgültiges, immer ein vorläufiges, kein abschliessendes. Wir wissen einerseits immer nur um einen Teil des Ganzen, und lassen wir doch andererseits unseren Mitmenschen die Möglichkeit, sich zu verändern.