Samstag, 10. April 2010

Gut, dass es den Apostel Thomas gibt

Am heutigen 2. Ostersonntag stellt uns die Kirche im Evangelium wieder den Apostel Thomas vor Augen (vgl. Joh 20,19-31). Dieses Evangelium wird heute, am “weissen Sonntag”, verlesen, dem Sonntag, an dem in vielen Kirchen die Kinder zur Erstkommunion gehen. Dieser Schritt im Leben junger Christen wird als Fest der Gemeinde und noch mehr als Fest der Familien begangen. Verwandte und Bekannte gehören zu den Gästen der Kinder. Sie kommen nicht nur zum Festessen, sondern begleiten die Kinder auch in die Kirche. Viele der Gäste zählen normalerweise nicht zu den regelmäßigen Teilnehmern des Gottesdienstes am Sonntag. Das gilt auch schon für die meisten Eltern und Geschwister der Erstkommunionkinder.

Thomas der Zweifler

Dieses Evangelium finde ich ausgesprochen passend für den Gottesdienst am Weißen Sonntag. Da ist nämlich die Rede drin von einem, der offenbar auch nicht regelmäßig zu der Versammlung der Christen gekommen war. Und trotzdem gehört er zum innersten Kreis. „Thomas, genannt Didymus - Zwilling - , einer der Zwölf“, so wird er uns vorgestellt. Er glänzte durch Abwesenheit, als die anderen eine Woche zuvor in der Gemeindeversammlung zum Glauben an den auferstandenen Christus gefunden hatten.

Thomas war nicht dabei gewesen. Er steht nun in gewisser Weise daneben. So, wie der Jüngerkreis zunächst auf die Nachricht der Frauen skeptisch reagiert hat, so reagiert auch Thomas hier skeptisch auf das, was seine Mitbrüder ihm sagen: ‚Wenn ich Jesus nicht selber sehe, wenn ich nicht selber meine Finger in seine Seite und in seine Nägel-Male legen kann, so will ich es nicht glauben.’ Ihr Zeugnis „Wir haben den Herrn gesehen.“ überzeugt ihn nicht. Er stellt für seinen Glauben an den Auferstandenen die Bedingung, dem Gekreuzigten persönlich genauso zu begegnen wie es seinen Kollegen gemeinschaftlich widerfahren war.
Was sollen wir tun mit Menschen wie Thomas? Was sollen wir tun mit Menschen, die Zweifel haben und diese Zweifel äußern? Oder was tun wir selber, wenn wir in Phasen unseres Lebens stecken, wo existentielle Zweifel sich melden

Der Glaubenszweifel der Menschen HEUTE

Wenn heutzutage die überwältigende Mehrheit der Getauften sonntags den Gottesdiensten fernbleibt, dann begründen das die meisten damit, dass sie die Kirche nicht überzeugt. Im Gespräch äußern sie oft eine hohe Wertschätzung für Jesus und seine Botschaft, aber sie können sich nicht mit der Kirche identifizieren. Und inzwischen gibt es immer mehr die sagen: Ist das überhaupt wahr mit Gott?Was die Kirche uns da erzählt, mit Jesus, der von den Toten auferstanden sein soll... Wie kann das denn sein? Ich kann das nicht glauben!

Es wäre dumm und unchristlich, wenn die regelmäßigen Gottesdienstbesucher denen, die nicht mehr kommen, ihre Mitgliedschaft bestreiten würden. Schließlich haben die Apostel dem Thomas auch nicht den Zutritt verwehrt, weil er zuvor am entscheidenden Tag nicht da war. Thomas wird wie selbstverständlich eingeladen zum nächsten Treffen, und er ist am folgenden Sonntag wieder mit dabei. Man könnte sagen, Thomas kommt trotz seiner Zweifel zum Treffen der Jünger. Wir würden heute sagen, Thomas kommt trotz seiner Zweifel in den Gottesdienst. Und die anderen Jünger lassen ihn in seinen Zweifeln gewähren, sie nehmen ihn in die Gemeinschaft auf. Sie haben Geduld mit dem, der nicht glauben kann oder will und der zweifelt. Wir wissen außerdem nicht, warum er nicht da war. Vielleicht hatte er zu Hause ein krankes Kind zu versorgen oder einen kranken Vater, oder war einfach irgendwie von jemandem aufgehalten worden, so dass er nicht zeitig zu der Versammlung kam. Wir wissen es nicht. Thomas hatte sein Christsein deshalb nicht aufgegeben, weil er nicht in der Versammlung dabei gewesen war.

Thomas zweifelt nicht nur, er sucht

Dennoch würde ich das Johannes-Evangelium verfälschen, wollte ich es dabei belassen, den Apostel Thomas zum Patron derer zu erklären, die nicht mehr regelmäßig an den Gottesdiensten teilnehmen. Denn die Geschichte geht ja weiter. Sein Wunsch, selbst dem gekreuzigten und auferstandenen Christus zu begegnen führt ihn hin zu den anderen Jüngern. Er bleibt nicht zu Hause, sondern Thomas kommt trotz seiner Zweifel zu den Jüngern, kommt in den Gottesdienst, weil das der Ort ist, wo Jesus lebt, wo man Jesus begegnet, und wo man die Zweifel überwinden kann. Da, wo Jünger sich versammeln, wo Gemeinde ist, wo Gottesdienst gefeiert wird, begegnet uns Jesus, und da werden Zweifel überwunden und nirgendwo anders.

Auch an diesem Abend, als die Jünger zusammen sind (Thomas ist dabei), tritt Jesus plötzlich mitten unter sie und sagt: „Friede sei mit euch.“ Er sagt nicht: Friede sei mit euch, außer mit Thomas, der hat ja keinen Frieden mit mir, also nur Frieden mit euch. Jesus grenzt Thomas nicht aus, sondern er sagt: Friede sei mit euch allen. Und dann geht Jesus unmittelbar auf Thomas zu und zeigt ihm seine offenen Handflächen, die Nägel-Male und seine Seite.

Jesus geht auf Thomas zu. Nicht Thomas geht auf Jesus zu, sondern Jesus geht auf Thomas zu. Jesus geht auf die Menschen zu, sucht sie. Jesus zeigt Thomas seine Hände und sagt: Sieh, und sei nicht ungläubig sondern gläubig!

Mein Herr und mein Gott

Ob Thomas wirklich die Nägelmale berührt hat, das ist völlig nebensächlich. Er ist auf einmal so ergriffen, so überwältigt von Jesu Entgegenkommen, dass er ganz beschämt ist von dieser Güte Jesu. Thomas merkt, dass Jesus ihm nicht von oben herab begegnet, sondern auf seiner Ebene. Jesus schenkt ihm das, was er, Thomas, vorher etwas keck formuliert eingefordert hat. Und Thomas glaubt: Mein Herr und mein Gott! Er glaubt im tiefsten Sinne des Wortes.

„Mein Herr und mein Gott.“ In dieser Antwort zeigt sich, was Glaube im tiefsten Grunde heißt, nämlich dass man sich selbst mit seinem ganzen Leben Jesus anvertraut: Du bist mein Herr und mein Gott. Mein Leben steht in deiner Hand, dir vertraue ich mich an. Ich will für dich und mit dir leben, ich will auf dich hören und dann auch gehorchen. Du sollst mein Herr sein, mein Herr und mein Gott. Du bist wirklich mein Ein und Alles. Auf dich kommt es an, im Leben wie im Sterben. Du bist mein Gott, der mir das Leben gibt und gönnt, und der es auch eines Tages beendet. Es gibt keinen anderen Gott außer dir, und deshalb vertraue ich mich dir an. – „Mein Herr und mein Gott.“ Thomas glaubt.

Jesus zeigt hier am Ende des Gespräches noch einmal seine großartige Güte, indem er nämlich zu Thomas spricht: Thomas, weil du mich gesehen hast, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

So sind wir am Ende der Osterwoche eingeladen zu beten für uns selbst oder für Menschen, die wir kennen, wenn wir in solchen zweifelnden Krisen sind. Lasst uns in der Erwartung beten: Herr, offenbare dich den Menschen, offenbare dich mir, wenn ich nicht weiter weiß. Wenn meine Zweifel mich erdrücken, dann gehe doch auf mich und auf die anderen zu, wie du auf Thomas zugegangen bist und zeige dich mir/ihnen. Sprich uns an, damit wir auf dein Wort antworten können.

Lasst uns gemeinsam, wie Thomas, wie die anderen Jünger, mit Jesus unterwegs bleiben. Denn, so sagt es Johannes hier als Fazit seines Evangeliums, Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes, und durch den Glauben an ihn, haben wir das Leben in seinem Namen. Diese Osterbotschaft soll mitgehen in den nächsten Tagen und Wochen.

Dienstag, 6. April 2010

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 07. April 2010

Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel hinauf. Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln. Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen. Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an! Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen. Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher! Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war. (Apg 3,1-11) Mit dem Wirken Jesu Christi hat das Heil in dieser Welt bereits begonnen und es wurde durch seinen Tod nicht beendet.

Im Namen des Auferstandenen heilt Petrus einen Gelähmten, in seinem Namen geschehen auch weiterhin Zeichen und Wunder, bis heute. Für uns heute etwas ungewöhnlich. Aber damit wird deutlich: Der Beistand Gottes hat die Apostel nach der Auferstehung und Himmelfahrt nicht verlassen. Er ist bei ihnen geblieben: Jetzt bei der Heiligung des Gelähmten im Tempel, vor allen gläubigen Juden, aber auch später – im über die Lesung hinausgehenden Abschnitt –, als Petrus deren Verwunderung über die Heilung aufgreift und erklärt, dass die Macht zu dieser Tat von Gott kommt.

In alle diesen Taten und Reden soll Jesus Christus verherrlicht und seine Macht bezeugt werden. Alle, die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen, sind gerufen, seinem Beispiel zu folgen. Sie dürfen aber darauf vertrauen, dass er ihnen dazu den Mut und die Kraft gibt, denn er lebt.

Sonntag, 4. April 2010

Osterwiese in Bracht erfreute nicht nur die jungen Kirchenbesucher

Seit einigen Jahren gestaltet die Küsterin in Bracht eine Osterwiese. Das ist nicht nur ein mit viel Phantasie arrangierter kleiner Garten, sondern sie gibt mit ihrer Symbolik Auskunft über die wichtigsten Glaubensaussagen.




Schon die Farben der verweendeten Tücher sagen uns, dass Ostern nicht ohne die Fastenzeit zu haben ist. Das violett symbolisiert Aschermittwoch, das rot den Karfreitag, das grün die Hoffnung am Karsamstag und das weiß erinnert an das Taufkleid von der Osternachtmesse. Gelb steht für die aufgehende Sonne (Christus), ebenso symbolisieren die beiden Osterkerzen (aus Bracht und Maspelt) die Gegenwart des auferstandenen Herrn in unserer Mitte.

Sehr symbolträchtig auch die weisse, gewundene Schleife. Sie verbindet die Osterkerzen mit dem Weihwasserkrug, sowie mit dem Grabstein und dem daneben liegenden Stein. Deutung: Wer auf Christus getauft ist der wird, wenn er stirbt, auch mit Christus auferstehen. So verdeutlicht dieses schöne Bild auf wenig Raum eine Kurzform unseres Glaubensbekenntnisses.


Dass unser Glaube sich nicht nur in der Kirche abspielt, sondern sich im Alltag der Menschen wieder findet, will die andere Seite der Osterwiese andeuten. Was wäre ein Osterfest ohne Osterhase und Ostereier. Die Symbolik ist einfach: Der Hase ist Sinnbild für Fruchtbarkeit und aus dem Ei erwächst neues Leben. Beide passen zur Osterzeit im Frühjahr, wo überall in der Natur das neue Leben erwacht. Abgerundet wird das Bild der Osterwiese durch Frühjahrsblühende Pflanzen wie die Forsythia oder Primeln.