Freitag, 14. Mai 2010

Bittet,...

»Bittet, dann wird euch gegeben;!

Sucht, dann werdet ihr finden!

Klopft an, dann wird euch geöffnet!

Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet;

und wer anklopft, dem wird geöffnet..“ (Mt 7,7-8)

Manchmal warten wir lange, manchmal gar vergeblich darauf, dass unsere Bitten erhört und erfüllt werden. Aber schon das gemeinsame Bitten, das Gebet miteinander und füreinander kann zur Kraft werden, die uns aufhilft aus unseren Sorgen, die uns neue Wege gehen lässt in der Hoffnung, dass diese Wege an ein gutes Ziel führen.

Wenn wir vertrauensvoll bitten, dann drückt das dreierlei aus:

1. Unsere Bitte drückt Vertrauen aus
Wer bittet, der glaubt daran, dass Gott die Bitte auch erfüllen kann. Und nichts ist Gott wichtiger, als dass wir ihm vertrauen. Dieses kindliche Vertrauen wünscht Gott sich von uns.

2. Die Bitte ehrt Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt.
Wer bittet, der glaubt, dass Gott es machen kann. Der glaubt an Gottes Allmacht, an Gottes schöpferische Kraft, die alles neu machen kann.

3. Die Bitte schützt uns vor der Gefahr, alles zu selbstverständlich zu nehmen. Wer bittet, der weiß, dass wir nicht alles einfach nur ungefragt geschenkt bekommen. Gott ist kein Erfüllungsautomat. Wenn Gott uns einfach alles nur schenken würde, dann würden wir in unserer Sattheit bald Gott vergessen. Gott aber möchte, dass wir mit ihm in Kontakt bleiben und immer wieder den Kontakt suchen.

Gott erhört unsere Bitten. Aber erhört sie auf seine Weise. Er hat einen Überblick über unseren ganzen Lebensweg. Und er weiß besser was uns gut tut. Darum erhört Gott unsere Bitten manchmal anders als wir uns das gedacht haben. Und wir machen dann trotzdem die Erfahrung, dass es so gut war. Manchmal erst lange im Nachhinein.


Herr, hilf, dass ich verstehe

die Wege im Dunkeln,

die oftmals ich gehe,

so einsam und enge,

so steil und beschwerlich,

verwirrt und verborgen,

und oft so gefährlich.

Und taste ich vorwärts

mit bebenden Händen,

so frage ich bange:

wie werden sie enden?

Darum flehe ich herzlich:

Lass mich doch erfahren

in all meiner Mühe

Dein gnädig Bewahren,

lass mich um verlorene

Wünsche nicht klagen,

verleihe mir Gnade,

die Lasten zu tragen;

lass niemals mir schwinden

das feste Vertrauen,

zuletzt einen herrlichen

Ausgang zu schauen,

da alle die Rätsel

sich lichten und lösen,

weil alles zu meinem

Heil nur gewesen.
Pfarrer Anton Scheible

Mittwoch, 12. Mai 2010

Wort Gottes für den Tag, Christi Himmelfahrt, 2010.

Aus dem Evangelium: Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Lk 24,46-48

Mit diesem Auftrag verabschiedet sich Jesus von seinen Jüngern, bevor er in den Himmel aufgenommen wurde. Dieser Auftrag zeigt: Christi Himmelfahrt ist beides: Abschluss des irdischen Wirkens Jesu und Anfang der Zeit der Kirche, deren Aufgabe es ist, die Botschaft Jesu hinauszutragen in alle Welt, hinein in alle Bereiche unseres Lebens und so die Herrschaft Jesu allen Geschöpfen zu verkünden. [...]

Dieser Auftrag war zu keiner Zeit leicht; er begegnet nicht erst heute, sondern von allem Anfang an Schwierigkeiten. Die Briefe des Völker-apostels Paulus geben uns eindrucksvolles Zeugnis von den Gefahren, Entbehrungen, Verfolgungen, teilweisen Misserfolgen und Rückschlägen. Das ernsthafteste Hindernis waren schon in apostolischer Zeit die Spaltungen, die Uneinigkeit und der Streit unter den Christen. Deshalb hat Jesus am Abend vor seinem Sterben gebetet: "Dass alle eins seien, damit die Welt glaube" (Joh 17,21). Nach Jesu Abschiedsgebet gehören Weltmission und Sorge für die Einheit der Kirche zusammen; sie verhalten sich wie Zwillinge. Walter Kardinal Kasper, Rom


Kalenderblatt


Dienstag, 11. Mai 2010

„Bittet, so wird euch gegeben.“

Im Vertrauen auf dieses Wort versammeln sich die Gläubigen an den drei Tagen vor Christi-Hilmmelfahrt zur Bittprozession, um für eine menschen-
würdige Arbeit und ein Auskommen für jeden
zu beten. Damit einher geht die Bitte um Segen für die Feldfrüchte. Mit der Bitte um Frieden schließt sich der Reigen der Flurprozessionen.

Heiligung der menschlichen Arbeit

Ein Christ, so sagt die hl. Schrift, ist nicht von dieser Welt, aber er lebt in dieser Welt. Deshalb haben wir Christen unsere Verantwortung für die Welt und in der Welt ernst zu nehmen. Wir müssen Welt und Arbeit ernst nehmen, gleichzeitig aber auch erkennen, wie gefährlich das alles werden kann, wenn wir nur noch Diesseits-Menschen sein wollen.

Eine kleine Geschichte kann uns die richtige Einstellung zur Arbeit klar machen : Beim Bau einer Kathedrale fragte jemand die Arbeiter : "Was macht ihr hier ?" Einer antwortete mürrisch : Ich plage mich ab ftir ein paar Kröten, um mich durchzuschlagen. Ein zweiter sagte : Ich arbeite, um meine Familie zu ernähren. Ein dritter schließlich gab als Antwort : Ich arbeite, um ein schönes Gotteshaus zu errichten und so Gott durch meine gute Arbeit zu ehren.

Ohne Einkommen können Menschen ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten. Das hat zur Folge, dass viele Menschen gegen ihren Willen arbeiten. Sie tun Arbeit, die sie lieber nicht tun würden, weil sie nicht zu ihren Fähigkeiten, ihrer Motivation oder ihren Ideen passt oder weil die Arbeitsbedingungen oder die Bezahlung schlecht sind.

Wir leben heute in einer Gesellschaft mit politischer Freiheit und Demokratie, aber mit einer Wirtschaft, die uns alle in eine Zwangsjacke steckt. Das sozialökonomische Denken geht von der Notwendigkeit eines möglichst großen Wirtschaftswachstums aus. Das Streben nach maximalem wirtschaftlichem Wachstum und Vollbeschäftigung ist aber immer weniger mit den Grenzen von Natur und Umwelt zu vereinbaren. Wir werden in vielen Bereichen des täglichen Lebens umdenken müssen, wenn wir die Welt als lebenswerten Planeten an die kommende Generation übergeben wollen.

Bitte um Segen für die Feldfrüchte

In früheren Zeiten waren die weitaus meisten Menschen an der landwirt-
schaftlichen Arbeit beteiligt. Das ist längst nicht mehr so. Dennoch bleibt die bäuerliche Arbeit eine wesentliche Grundlage unserer irdischen Existenz. Ohne Nahrung vermag der Mensch nicht zu leben. Die Nahrung nimmt er aus der Natur. Es besteht zwar in unseren Ländern kaum noch die Gefahr einer Hungersnot. Trotzdem bleiben wir Menschen in vielen Dingen von der Natur abhängig. Meist denken wir nicht daran. Wir bilden uns ein, alles zu können. Ein Vulkanausbruch in Island hat uns vor wenigen Wochen allerdings sehr schmerzhaft unsere Grenzen aufgezeigt.

Die Landwirtschaft muss einen regelrechten Spagat herstellen, einerseits zwischen den Anforderungen der Verbraucher, die jederzeit hochwertige Lebensmittel in ausreichendem Maße verlangen, andererseits zwischen den berechtigten Forderungen derjenigen, die auf die Gefahren einer modernen Landwirtschaft hinweisen: Überdüngung, genetisch veränderte Nutzpflanzen, monotone Landschaft durch einseitigen Anbau von nur wenigen Kulturpflanzen nebeneinander. Das Bienensterben, welches dieses Frühjahr in der ganzen Welt zu beobachten ist, muss als Warnung verstanden werden. Die Biene ist das erste Opfer einer übertriebenen Kultivierung unserer Landschaftlichen Nutzflächen, in der kaum noch frei wachsende Gehölze oder Wildpflanzen eine Chance haben. Die Artenvielfalt muss der Monokultur weichen, damit in der Landwirtschaft angeblich wirtschaftlich gearbeitet werden kann.

Bitte um Frieden

Unsere Welt ist gezeichnet von Krieg und Unfrieden.
Krieg und Unfrieden sind aber nicht das Werk Gottes
Auf der Welt kann kein Friede sein, wenn der Mensch nicht mehr auf Gott hört und sich über Gottes Gebot hinwegsetzt.

Zum Aufbau des Friedens müssen vor allem die Ursachen der Zwietracht in der Welt beseitigt werden, an erster Stelle die Ungerechtigkeiten. Andere entstehen aus Herrschsucht und Verachtung des Mitmenschen, aus Neid Misstrauen und Hochmut.

Der Apostel Jakobus schreibt an die Christengemeinden folgende Worte: „Woher kommen eigentlich eure Kriege und Streitigkeiten? Woher anders als aus eurer Selbstsucht, die euch nicht zur Ruhe kommen lässt! Ihr möchtet unbedingt etwas haben und bekommt es doch nicht; ihr seid neidisch und eifersiichtig und kommt doch keinen Schritt voran; ihr kämpft und führt Kriege und erreicht doch nicht euer Ziel. Selbst Wenn ihr um etwas betet,habt ihr keinen Erfolg, weil ihr nur an euren Vorteil denkt. Wo Misstrauen und Streit herrschen, gerät alles aus den Fugen und das Böse macht sich breit. Wo jedoch Gottes Weisheit das Leben bestimmt, geht es ehrlich und gerade zu, Iiebt man den Frieden, ist man freundlich und nachgiebig, mitfühlend und gutwillig, frei von menschlicher Rücksicht und allem falschen Schein.“ (Jak 4,1ff)

Montag, 10. Mai 2010

Was ist der Mensch, dass Gott sich seiner annimmt?

Eine Begegnung, die Geschichte machte. Eine Begegnung, die die Welt veränderte. Eine Begegnung, die bis heute nachwirkt. Als der Engel zu Maria kam, berührten einander Himmel und Erde: Der Himmel neigte sich herab und zog den Menschen zu sich herauf. Den die Himmel nicht fassen, er nahm Wohnung in der Jungfrau Maria. Wie soll das geschehen?, fragte das Mädchen Maria. Wie kann Gottes Sohn aus mir geboren werden? Wer bin ich, dass mein Gott mich auserwählt?

Was ist der Mensch, dass Gott sich seiner annimmt? Immer wieder haben Menschen sich das gefragt, sie haben gezweifelt, wenn sie von Gott berufen wurden. Sie hielten sich für unwürdig, in Gottes Dienst zu treten. Doch Gott sieht auf das Kleine. Er nimmt sich der Schwachen an. Er hat ein Auge für die, die scheinbar am Rande stehen, und macht sie groß. Maria steht für uns alle, die Gott anschaut, obwohl wir ihm nicht viel zu bieten haben. Er will uns, wenn wir unser Ja zu ihm sagen, groß machen, einen Namen geben und eine Zukunft bei sich.


Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. (Lk 1,26-32)

  • ,,Sei gegrüßt, Jungfrau Maria, Mutter unseres Erlösers, Mutter der Kirche und unsere Mutter!“

Maria zu grüßen in Verehrung und Dankbarkeit, wie Ungezählte es Tag für Tag tun, wenn sie mit der Kirche das ,,Gegrüßet seist du, Maria“ beten, ist ein durch und durch biblisches Geschehen. Das erste, was wir über Maria im Evangelium gehört haben, ist ja, dass sie gegrüßt wird: gegrüßt von Gott. Wo dieser Gott einen Menschen anspricht, geschieht es liebevoll und behutsam. Nicht ein Befehl, nicht ein ,,Du musst“ oder ,,Du darfst nicht", was manche Zeitgenossen anführen, wenn sie auf Gott zu sprechen kommen, steht am Anfang, sondern ein frohmachender Gruß: ausgesprochen durch einen himmlischen Boten, den Engel Gabriel.

  • „Du Begnadete“

,Sei gegrüßt, du Begnadete“, sagt der Engel. Er nennt die Jungfrau von Nazaret so, als ob dies ihr wahrer Name sei: nicht ,,Maria“, wie sie bei den Menschen heißt, die sie kennen, sondem ,,Begnadete“, so, wie Gott sie kennt.

Wo Gott einen Menschen in seinen besonderen Dienst beruft, da gibt er ihm einen neuen Namen. Das gilt auch von Maria. Die Würde Marias liegt nicht in ihrer Person, nicht in dem, was sie selbst aus ihrem Leben gemacht hat. Ihre Würde ist ihre Berufung. Und diese hat ihren Ursprung allein in Gottes schenkender Liebe.


  • Gott ist ein Gott der kleinen Leute.

Gott sucht die Menschen, die ein einfaches Herz haben. „Selig“ nennt Jesus diejenigen, die arm sind, die trauern, die keine Macht haben und keine Gewalt anwenden, die am Rande bleiben und verlacht, verfolgt, ja sogar getötet werden. Ihnen ist Gott nahe. Wir dürfen ihn nicht dort suchen, wo die Macht zuhause ist. Und wo man ihn mit Macht und Herrlichkeit umkleidet, da ist er vielleicht fehl am Platz. Das Reich Gottes folgt anderen Gesetzmäßigkeiten, als unsere Welt dies tut. Maria ist ein Bild für dieses Wohnen Gottes unter uns. Sie, das kleine Mädchen aus dem unscheinbaren Ort, über deren Woher wir nichts wissen und deren Leben weitgehend im Dunkeln bleibt, auch wenn der Glaube mehr sieht: Maria steht für uns alle, die Gott anschaut, obwohl wir ihm nicht viel zu bieten haben. Er will uns, wenn wir unser Ja zu ihm sagen, groß machen, einen Namen geben und eine Zukunft bei sich.