Mittwoch, 19. Mai 2010

Die drei Fragen des Königs

Nach Leo N. Tolstoi

Es dachte einmal ein König, er würde alles richtig machen, wenn er nur die rechte Zeit wüsste, in der er ein Werk zu beginnen habe; und wenn er immer wüsste, mit welchen Menschen er sich einlassen solle und mit welchen nicht; und wenn er immer den Überblick habe, welches von allen Werken das wichtigste sei.

Er rief die gelehrten Männer seines Landes zusammen, aber sie gaben ihm unterschiedliche Antworten, die ihn nicht befriedigten. Da beschloss er, einen Einsiedler zu befragen, dessen Weisheit in großem Rufe stand. Der Einsiedler grub gerade die Beete vor seiner Hütte um und machte einen erschöpften Eindruck. Darum nahm ihm der König den Spaten ab und grub Stunde um Stunde die Erde um, während sich der Einsiedler in Schweigen hüllte.

Gegen Abend kam aus dem Wald ein bärtiger Mann, der schwer verwundet war. Der Einsiedler und besonders der König pflegten ihn, so gut sie konnten. Darüber wurde es Abend. Schließlich war der König so ermüdet, dass er auf der Türschwelle einschlief.

Im Morgengrauen gestand ihm der bärtige Mann mit schwacher Stimme, er habe ihn wegen des Todesurteils an seinem Bruder töten wollen, aber jetzt habe er ihm das Leben gerettet; darum wolle er mit seinen Söhnen ihm ein Leben lang dienen. Der König verzieh ihm, versprach ihm, einen Arzt zu schicken, und suchte wieder den Einsiedler, um ihm seine drei Fragen vorzulegen.

„Du hast doch doch deine Antwort schon bekommen“, erwiderte der Einsiedler. „Hättest du mir gestern nicht die Arbeit abgenommen, hätte dieser Mann dich überfallen. Somit war die richtige Zeit jene, in der du meine Beete umgrubst, und ich war der wichtigste Mann, und das wichtigste Werk war, mir Gutes zu tun. Danach war die wichtigste Zeit, den verwundeten Mann zu pflegen sonst wäre er verblutet, ohne sich mit dir zu versöhnen. Da war er für dich der wichtigste Mensch und das, was du ihm getan hast, das wichtigste Werk. Merke dir also: Die wichtigste Zeit ist immer der Augenblick. Der wichtigste Mensch ist immer der, mit dem uns der Augenblick zusammenführt. Und das wichtigste Werk ist immer, ihm Gutes zu erweisen - nur dazu ward der Mensch ins Leben gesandt.“

Montag, 17. Mai 2010

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 18. Mai 2010.

Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt,
noch um euren Körper, wie ihr euch kleiden sollt.
Ist nicht das Leben mehr als Nahrung
und der Körper mehr als die Kleidung?
Beobachtet die Raben,
die weder sähen noch ernten noch in Scheunen sammeln
und Gott ernährt sie.
Seid ihr nicht wertvoller als die Vögel?
Aber wer von euch, die ihr euch sorgt,
vermag seine Lebensdauer auch nur um eine Elle zu verlängern?
Und was sorgt ihr euch um Bekleidung?
Beobachtet die Feldblumen, wie sie wachsen;
sie mühen sich nicht und sie spinnen nicht.
Aber ich sage euch, selbst Salomon in all seiner Herrlichkeit
war nicht so bekleidet wie eine von diesen.
Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet,
nicht viel mehr euch, Kleingläubige?
Sorgt euch deshalb nicht, indem ihr sagt: "Was sollen wir essen?"
oder: "Was sollen wir trinken?" oder: "wie sollen wir uns bekleiden?"
denn nach all dem trachten die Völker der Welt;
denn euer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Doch trachtet nach seinem Königreich
und all dies wird euch hinzugefügt.

(Vgl. Lukas Evangelium 12,22f / Matthäus Evangelium 6,25f)

Mitten im Alltag ein Stück Himmel
von Bärbel Wartenberg-Potter

In der weiteren Umgebung von Lübeck, an der ehemaligen Zonengrenze, gibt es Naturreservate von großer Einsamkeit und Unberührtheit. Schöne Feldwege führen zwischen Raps- und Maisfeldern hindurch, darüber der wolkenbewegte Himmel. Weites Feld mit Ginster und Feldblumen wechselt mit Wäldchen und Talsenken, in denen sich Seen gesammelt haben. An einer Stelle ist im Frühjahr und Sommer eine kleine Schar von Lerchen zugange, die sich von den warmen Feldern in die Luft schwingen und dort ihr Lied singen. Das ist es, was Jesus in der Bergpredigt sagt: „Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“

Disteln, gelbkräftiger Beifuß, Brombeerbüsche, Schlehen, in blausäuerlicher Beerenpracht säumen im Herbst den Weg. Kornblumen und Haselzweige, Marienkäfer, Mistkäfer und Schmetterlinge, sie bringen die Leichtigkeit ins Sein. „Seht die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.“ - Über all dem Zauber vergisst man die Sorgen des Tages, ist aufgehoben in der Sicherheit der Natur, die ihre Wechselnde Fülle und Weite gewährt und im Wandel der Jahreszeiten sich treu bleibt.

„Sorget euch nicht um euer Leben.“ Diese Worte fallen in die sorgengefüllten Tage, in das Sich-sorgen als Grundhaltung menschlichen Lebens, die Aufgabenfülle, die Verantwortung, die Zukunftsangst und die Unwägbarkeiten des flüchtichtigen Augenblicks. In dieser Hinsicht sind wir alle, zumindest zeitweise, absolute „Heiden“. Ungläubige, die ohne das tiefe Vertrauen in Gott leben. Incurvatus in se, in sich verkrümmt sind wir - der Blick geht nicht in die Weite, sieht nichts als das Nächstliegende, nicht die Kraft des Vertrauens, der Geduld, die Hilfsbereitschaft, das Gewogensein des Himmels. Da werden wir Antworten finden, da wird es Wege geben, da werden sich Fäden entwirren, da wird das Glück sich nicht verflüchtigen.

„Zähl die segensreichen Dinge in deinem Leben, nenne sie einzeln beim Namen, und du wirst sehen, was Gott alles für dich getan hat“, heißt es in einem englischen Lied, das in unserem Haus gesungen wird, wenn die Sorgen sich anhäufen. Dazu gehört für mich auch das Sich-erinnern an besondere Erfahrungen mit den Lilien, den Vögeln, an die Witzigkeit und burleske Fröhlichkeit der Tiere, das traurige Jaulen der Hunde im tropischen Kingston, die Eidechsen über meinem Bett und das Zirpen der Grillen in der tropischen Nacht, ihre fröhliche und auch lästige Nähe, die ich aus der Karibik kenne ja, die Vogel, die Lerchen, die Papageien, die Lilien, die Rosen, die Wolken, der blaue Himmel, das grüne Wasser, Gottes Schöpfungs-
gewand.

Das alles ist keine Aufforderung zur Verantwortungs-
losigkeit, sondern zum Vertrauen, nicht zu Leichtsinn, sondern zur Freude und zum Glauben an Wunder. Die Kraft des göttlichen Augenblicks lässt die Sorgen klein werden und beschert mehr Mut und Lebensfreude als viele andere Stunden des Lebens. Es ist das Glück der Überraschungen Gottes, das die Sorgenstruktur unseres Lebens durchkreuzt und sie beim Anblick der Vögel und dem Duft der Feldblumen in Gottvertrauen verwandelt. Gott in der Fülle des Schönen, das uns umgibt, ein Stück Himmel.

Bärbel Wartenberg-Potter, Mitten im Alltag ein Stück Himmel, in: Eine Stunde Glück für jeden Tag, Herder 2010.

Sonntag, 16. Mai 2010

Erstkommunionfeier in Burg-Reuland

Alle Fotos: Ludwig Wirtzfeld

Zwölf Kinder gingen an diesem Sonntag in Burg Reuland zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Seit Beginn der Fastenzeit hatten sie sich jede Woche mit Pfarrer Willi Kessel getroffen und auf diesen Tag vorbereitet.

Nun waren sie heute eingeladen, zum ersten Mal den Leib Christi zu empfangen. Das Kreuzchen, welches sie bisher bei der Austeilung der hl. Kommunion auf die Stirn gezeichnet bekamen, gehört jetzt der Vergangenheit an. Sie sind jetzt vollwertige Mitglieder der Pfarrgemeinde.


Thema des Gottesdienstes war der Weg. Ein Leben lang suchen wir den richtigen Weg, geraten auch schon mal in manche Sackgassen und müssen uns wieder neu orientieren. Auf allen Wegen die wir gehen begleitet Jesus uns. Er ist selbst das Brot, die Wegzehrung für unseren Lebensweg. Die Kinder zeigten Utensilien, die wichtig sind, wenn wir unterwegs sind: Die Landkarte, die Taschenlampe, der Spatzierstock, das Seil, die Trinkflasche und das Brot.




Am Nachmittag versammelten sich die Kinder zur Dankandacht. Sie hatten jedes eine Blume mitgebracht, die sie der Mutter Gottes schenkten. Anschließend segnete Pfarrer Kessel die Geschenke der Kinder: Rosenkränze, Kreutzchen, Kinderbibeln ... Er gab den Kindern zu bedenken, dass es nicht der finanzielle Wert ist, der diese Geschenke wertvoll macht, sondern die Erinnerung an den Tag ihrer Erstkommunion. Ganz sicher wird dieser schöne Tag ihnen in guter Erinnerung bleiben.


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