Samstag, 3. Juli 2010

Familienglück im Vogelhaus

Alle Fotos: Ludwig Wirtzfeld











Freitag, 2. Juli 2010

Thomas der Zweifler: Identifikationsfigur des modernen Menschen

Der Evangelist Johannes stilisiert die einzelnen Jünger: Judas der Verräter, Johannes der Lieblingsjünger, Thomas der Zweifler. Thomas hat die Rolle, Fragen zu stellen, Einwände zu formulieren. So auch in Joh 14,4-6: "Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?"

Mit seiner skeptischen Zurückhaltung ist Thomas zu einer Identifikationsfigur des modernen Menschen geworden. Dieser glaubt nur, was er sieht und erfassen kann. Als die anderen Jünger ihm von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichten, entgegnet er: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (Joh 20, 25) Wer wollte ihm diesen Zweifel verdenken? Am wenigsten wohl die Kirche, deren bedeutendste Heilige die Anfechtung des Zweifels kennen lernten. Sie feiert heute, am 3. Juli, das Fest des „ungläubigen“ Thomas.

"Wenn ich nicht sehe, glaube ich nicht".

Die Zweifel des Thomas sind verständlich, aber nicht unproblematisch. Denn in seinem Zweifel steckt auch etwas Zwanghaftes. Thomas kann nicht über den Schatten seines Verstandes springen. Aber unserer Verstand ist nicht die Welt, sondern nur ein beschränktes Mittel, uns in ihr zurechtzufinden.

Thomas erhält auf seine zweifelnde Anfrage eine Antwort in gleicher Münze: eine sinnliche Erfahrung. Jesus sagt ihm: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20, 27). Thomas’ Glaube („Mein Herr und mein Gott!“, Joh 20, 28) ist Resultat dieser Erfahrung („Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du.“, Joh 20, 29).

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“


Wie groß ist unsere Sehnsucht nach solch einer Erfahrung, die alle Zweifel ein für alle mal beseitigt! Doch Jesus selbst erteilt ihr eine Absage: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20, 29). Was wäre das auch für ein „Glaube“, wenn ihm die gleiche epistemische Gewissheit innewohnte wie der Erkenntnis, dass Gras grün ist! Und: Wären wir wirklich einen Schritt weiter, wenn wir eine direkte sinnliche Erfahrung Gottes machten? Würden wir nicht eher an unserem Verstand zweifeln, als uns dadurch des Glaubens vergewissern zu können? Gotteserfahrung geht anders, sie ist mittelbar, verschleiert, schwer verständlich. Sie lässt Raum für Zweifel – und Glauben.

Die biblische Offenbarung kann eine Quelle dieser Erfahrung sein, die Kirche mit ihren Heiligen, aber auch der Mitmensch, durch den Gott uns anspricht. Dem „Thomas in uns“, der nach Gewissheit schreit, lässt sich sagen: Gott darf nicht bewiesen werden, selbst wenn dies leicht wäre. Gott muss bezeugt werden, auch wenn es schwer fällt. (Josef Bordat)

Mittwoch, 30. Juni 2010

30. Juni: Gedenktag der ersten Märtyrer Roms

Nachdem wir gestern der beiden bekannten Apostelfürsten Petrus und Paulus, gedacht haben die ihr Leben in der Nachfolge Jesu gegeben haben, erinnern wir uns heute der vielen namenlosen Urzeugen des jungen Christentums in Rom: Nach den Berichten des römischen Geschichts-
schreibers Tacitus lässt Kaiser Nero große Teile Roms anzünden und lässt – hasserfüllt und größenwahnsinnig – die Christengemeinde dafür öffentlich büssen. Tacitus: "Man machte aus ihrer Hinrichtung ein lustiges Fest: In Tierhäuten steckend, wurden sie entweder von Hunden zerfleischt oder ans Kreuz geschlagen oder angezündet, um nach Eintritt der Dunkelheit als Fackeln zu dienen. Nero hatte seine eigenen Parkanlagen für dieses Schauspiel hergegeben und verband es mit einer Zircusaufführung. In der Tracht der Wagenlenker trieb er sich unter dem Volk umher oder fuhr auf dem Rennwagen. So regte sich das Mitleid mit jenen Menschen. Obwohl sie schuldig waren und die härtesten Strafen verdient hatten, fielen sie ja doch nicht dem Allgemeinwohl, sondern der Grausamkeit eines einzigen zum Opfer." (Annalen 15, 44)

Durch diese grausamen geschehnisse wird deutlichh, dass die Nachfolge Jesu kein Sonntagsspaziergang ist. Das hat die Zeit der Kirchengeschichte von früh an gezeigt. Christ sein ist nicht ungefährlich. Es birgt die Gefahr in sich, dass man aneckt, sich querstellt, unbequeme Fragen stellt oder gestellt bekommt, dass Menschen sich einmischen in die Geschehnisse zwischen Himmel und Erde und nicht locker lassen. Und es ereignet sich immer wieder, dass sich mit Leib und Leben die Wucht des Evangeliums an und durch uns verwirklicht.

Haben wir keine Angst. Wer Gott als seinen Bündnispartner an seiner Seite glaubt, dem öffnen sich Tür und Tor, Mund und Herz, Mut und Kraft. Paulus weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Was kann uns je scheiden von der Liebe Christi?“

Montag, 28. Juni 2010

Geschichten zum Nachdenken

,,Der Mensch, der seine Mitte verlor.“

Es war einmal ein Mensch mit Wissen und Fertigkeiten, der sehr herzlich zu allen war. Deshalb wurde er beliebt und er war sehr geftagt. Abet er konnte keinem ,,Nein“ sagem. So kam es, dass sein Herz immer weniger dabei war. Schliesslich öffnete er nur noch seine ,,inneren Schubladen“, aus denen er verteilte. Natürlich wurde er sehr gut von den Menschen angesehen und gelobt. Aber je bekannter er wurde, um so mehr ,funktionierte er nur noch. Die Menschen sagten es ihm nicht, wenn sie etwas ohne Herz bekamen. Sie taten, als seien sie mit allem zufrieden.

Eines Tages war dieser Mensch so erschöpft, das er zusammenbrach. Traurig erkannte er: Ich habe meine Mitte verloren, weil ich glaubte, das alles leisten zu können. Ich wollte ja keinen enttäuuschen.

Und er war sehr, sehr traurig, dass er nicht mehr auf sein eigenes Herz gehört hatte. Er hatte sich ja nie Zeit genommen, auszuruhen, seine Mitte wieder mit Liebe, Güte und Herzlichkeit zu füllen.


Unglücklich

Du fühlst dich tief unglücklich
und weißt manchmal nicht einmal, warum
Du stellst dir vor, dass keiner dich mag,
und könntest stundenlang heulen.
Du bist dein eigener Gefangener.
Du sitzt mit deinen Gedanken, deiner ganzen Fantasie
hoffnungslos fest in deinem eigenen Elend.
Es gibt nur eine Lösung Verkriech dich nicht
in deinem Schneckenhaus! Komm heraus!

Sonntag, 27. Juni 2010

Wort Gottes für den Tag, Montag, 28. Juni 2010.

Vergiss nicht den, der dich geformt hat

Wir Menschen neigen dazu, Gott zu vergessen. Der christliche Glaube verdunstet, sagt man. Viele sind darauf angewiesen, dass sie an Gott, den Quell des Lebens, erinnert werden. Eine freundliche Einladung zu Gebet und Gottesdienst oder ein Gespräch über Fragen des Glaubens kann da hilfreich sein. Die Lesung aus dem Buch Jeremia ist ein Dokument der Gottvergessenheit. Der Prophet wirkte etwa 627 bis 587 v. Chr. in Jerusalem. Er predigte dem Volk Israel Bekehrung und Umkehr zu JHWH und prophezeite jahrelang den Untergang der Tempelstadt, der im Jahr 586 v. Chr. tatsächlich eintrat.

Das treulose Volk

Das Wort des Herrn erging an mich: Auf! Ruf Jerusalem laut ins Ohr: So spricht der Herr: Ich denke an deine Jugendtreue, an die Liebe deiner Brautzeit, wie du mir in der Wüste gefolgt bist, im Land ohne Aussaat. Ich brachte euch dann in das Gartenland, um euch seine Früchte und Güter genießen zu lassen. Aber kaum seid ihr dort gewesen, da habt ihr mein Land entweiht und mir mein Eigentum zum Abscheu gemacht.

Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr? Die Hüter des Gesetzes kannten mich nicht, die Hirten des Volkes wurden mir untreu. Die Propheten traten im Dienst des Baal auf und liefen unnützen Götzen nach.


Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, erschaudert gewaltig - Spruch des Herrn. Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten. (Jer2,1–3.7–8.12–13)

Das Gottesvolk hatte so viel Gutes von Jahwe erfahren. Er hatte es aus der Gewalt der Ägypter befreit und in das „Gartenland“ Kanaan geführt. Doch das war schnell vergessen. Das Volk mitsamt den Führern hatte sich den Lebens-
gewohnheiten der Umgebung angepasst. Jahwe hatte ihnen nichts mehr zu sagen. Sie dienten den Baalen, wie das alle taten.

Heute haben die Landesgottheiten andere Namen. Sie heißen Lebensstandard, Besitz, Abhängigkeiten vieler Art. Dabei vergessen die Menschen vor lauter Sorgen um das Irdische den Geber allen Lebens. Sehr oft sind sie sich dessen auch bewusst und sagen:

• Du hast ja recht, ich müsste mich eigentlich viel mehr um meinen Glauben kümmern, aber du weisst, ich habe keine Zeit, weil ich bin in so vielen Gremien und Vereinen und die verlangen sehr viel von mir. Da muss man proben und hat wichtige Auftritte und Verpflichtungen. Das verstehst du doch sicher, lieber Gott, oder?

Oder sie argumentieren so:

• Ja, ich weiss, eigentlich müsste ich mehr spenden für arme Leute, aber das Geld kommt sowieso nicht an.

Aber, aber, aber…

Wir alle kennen das aus unserem Leben leider nur allzu gut. Wie hatte es ein Spötter mal formuliert: Eigentlich bin ich ja ein guter Mensch, aber leider komme ich nicht dazu…!

Jeremia erhielt die Aufgabe, das Volk wachzurütteln. Es hat Gott, „den Quell des lebendigen Wassers verlassen, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten“. Wenn wir blind sind für Gott und taub, ihn vergessen, dem wir so viel verdanken, und ausschließlich andere Lebensquellen suchen, dann wird das Ende nicht gut sein. Lassen wir uns das neu gesagt sein!