Samstag, 24. Juli 2010

Wort Gottes für den Tag, Sonntag, 25. Juli 2010.


Es ist Ferienzeit, zumindest für die Kinder und nach und nach bekommen auch die Erwachsenen ihren Urlaub. Viele nutzen die „schönste Zeit des Jahres", um mit der Familie weg zu fahren.

In der Ferne soll dann nachgeholt werden, wofür zu Hause keine Zeit war: mit den Kindern ausgiebig spielen und toben, in Ruhe ein gutes Buch lesen oder auch wieder einmal die Hl. Messe ganz bewusst mitfeiern. Denn laut Umfragen entsteht in den Ferien bei manchen Menschen eine gewisse Sehnsucht nach dem Religiösen, nach Einkehr und Gebet. Sie scheinen in den Ferien nach etwas zu suchen, was ihnen während der übrigen Zeit des Jahres weniger von Bedeutung ist. Die Nähe zu Gott.

„Wer sucht, der findet", sagt Jesus im heutigen Evangelium. Er ermuntert uns, Gottes Nähe zu suchen, die Beziehung zu ihm zu vertiefen im Gebet.

Probleme mit dem Beten

Wenn es ums Beten geht, kennen wir gute, gelungene Erfahrungen, wir kennen aber auch Schwierigkeiten: z.B. “Ich kann mich nicht konzentrieren, ich bin so zerstreut, es ist alles so mühsam. Ich plappere nur dahin, ich fühle nichts und finde den heißen Draht zu Gott nicht. Ich habe den Eindruck, dass der Telefonhörer auf der anderen Seite aufgelegt ist.” Oder - manchmal meinen wir, beten heißt, viel, viel reden, viele Formeln sprechen und ein Pensum ableisten. Doch es befällt uns Unzufriedenheit, weil wir zwar viele Worte machen, aber unser Herz sich nicht richtig öffnet. Beten ist wirklich oft mühsam. Wie sollen wir mit diesem Problem umgehen?

Im heutigen Sonntagsevangelium hält uns der Evangelist Lukas eine beeindruckende und anschauliche Katechese über das Bittgebet. Wenn Jesus vom Gebet zu seinen Jüngern zurückkam oder sie ihn beim Beten erlebten, muss eine Ausstrahlung auf sie übergegangen sein, die sie so begeisterte und beeindruckte dass sie ihn bitten: “Herr, lehre uns beten” (Lk 11,1-4).


Die Antwort Jesu ist nicht der Vortrag eines Theologieprofessors über das Gebet, sondern er schenkt ihnen gleich eine Gebetsvorlage die sie gleich übernehmen können und die wir noch heute gebrauchen.

Jesus sagt: Wenn ihr betet, so sprecht wie ein Kind: “Vater”, oder noch besser “Papa”. Redet Gott an wie euren Vater, dem ihr vertraut, mit dem ihr ein inniges Verhältnis habt. Gott ist derjenige, der euch ins Leben gerufen hat, der euch kennt, schon seit ihr im Mutterleib herangewachsen seid.

Und Jesus führt weiter aus: Wenn ihr betet, so sprecht: „Vater, dein Name werde geheiligt”. Gottes Name, sein Wesen, soll groß aufscheinen inmitten der Welt. Es ist unser innigster Wunsch, dass Gott groß herauskommt. Darum loben wir ihn zuerst, wenn wir zu ihm beten.

Jesus sagt weiter: Wenn ihr betet, dann sprecht weiter: “Dein Reich komme”. Gottes liebende Herrschaft möge sich immer mehr durchsetzen. Eine Herrschaft, die geprägt ist von Gerechtigkeit und Frieden, wo alle Menschen genug zum Leben haben, wo es keine Ausbeutung der Natur gibt zu Gunsten von einigen wenigen Superreichen. Möge Gott doch überall das Sagen haben, ganz besonders in unserem eigenen Leben.

“Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen” sollen wir weiter beten. Brot steht für alles, was wir zu einem guten, Sinn-erfüllten Leben benötigen. Kein Überfluss, aber alles was uns Not tut, um wahrhaft menschlich zu leben. Aber wir neigen dazu, alles, was uns gefällt, und alles was uns die Werbung als nützlich präsentiert, gleich zu „brauchen". Davor warnt uns der Ausdruck „Brot": es geht um das, was wir wirklich brauchen, nicht um das, was uns nur die Schränke voll macht und uns in den Füßen herumsteht, weil wir es in Wirklichkeit nur meinten zu brauchen und das wir irgendwann zur Müllabfuhr geben.

Wir bitten darum, dass Gott uns dieses Brot täglich gibt. Wer sich ganz auf Gott verlässt, dem reicht es zu beten “gib uns heute”. Gott wird es täglich geben, jeden Tag neu für das Heute und morgen ist ein neuer Tag.

Es geht weiter im Gebet mit der Bitte: “Und erlass uns unsere Sünden denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.” Wenn wir bis hierher gekommen sind mit dem Beten und wenn wir uns und unser Leben ehrlich anschauen, haben wir vielleicht schon gemerkt, wie sündig wir oft sind. Wir brauchen die Vergebung. Aber Jesus sagt, diese Vergebung hat einen Maßstab: Gott wird uns vergeben, wie wir selbst vergeben haben.


Jesus beschließt sein Gebet mit der Bitte: “Und führe uns nicht in Versuchung.” Er weiß, wie leicht wir auf dem Glatteis des Lebens ausrutschen können. „Gelegenheit macht Diebe", sagt das Sprichwort. Wenn es keine Gelegenheit gibt, einen Fehler zu machen, dann sind die meisten Fehler schon vermieden. Diese Bitte macht uns noch einmal und drastisch unsere Schwachheit deutlich. Vielleicht bin ich nur deshalb kein Mörder, kein Dieb, kein Betrüger …, weil ich nicht in der entsprechenden Situation war, wie viele andere, die es wurden. Ist es wirklich meine ethische Überlegenheit, oder ist hier nicht viel mehr die Gnade Gottes im Spiel, der mich immer aus solch schwierigen Situationen herausgehalten hat? Darum die Bitte: Vater, lass es gar nicht so weit kommen, dass ich in eine Situation gerate, die meine Kräfte übersteigt und mich schuldig werden lässt.

Ist euch aufgefallen, was alles in diesen kurzen Sätzen des Vater unser steckt. Was man daraus machen kann, wenn man sich die nötige Zeit dazu nimmt und dieses Gebet meditiert?

Nicht nachlassen im beten

Liebe Christen, unser Gott ist pausenlos im Einsatz für uns, auch nachts. Wir dürfen ihn anrufen im Vertrauen eines Freundes, wir dürfen Gott gleichsam in den Ohren liegen, wir dürfen ihm, menschlich gesprochen, auf die Nerven gehen. Der Evangelist Lukas unterstreicht das Gleichnis sogar noch indem er uns auffordert: “Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.” Bei alle dem gilt es freilich zu bedenken: Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche und Sehnsüchte wie ein Automat, sondern er hat den Durchblick und den Überblick, was unser ganzes Leben betrifft, und weiß, was uns Not tut und Gut tut. Lassen wir deshalb aber nicht nach in unserem Beten. Erwarten wir weiterhin alles von Gott.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Wort Gottes für den Tag, Donnerstag, 22. Juli 2010.

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte:
Vom Boot aus spricht Jesus zu den vielen Menschen. Könnten wir uns vorstellen, darunter zu sein, zwischen diesen Leuten? Was mögen das für Menschen gewesen sein? Alte und Junge, Gesunde und auch Kranke, Menschen vom Land und auch aus den Städten, Landwirte und Handwerker, von nah und vielleicht auch von fern. Und zu ihnen allen spricht Jesus. Er spricht vom Reich Gottes, das er mit einem Acker vergleicht, wo Gott sein Wort aussät. Es kommt unterschiedlich bei den Menschen an, weil die Herzen der Menschen unterschiedlich bereit sind, sich diesem Wort zu öffnen. Aber es kommt an. Es bringt zum Teil reiche Frucht, wo es guten Boden vorfindet.


Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Natürlich haben wir Ohren, natürlich hören wir. Aber seien wir ehrlich: Haben wir wirklich hingehört? Wir teilen die Menschen um uns herum ganz schnell in Schubladen ein und sind fertig mit ihnen. Aber das Gleichnis schenkt uns eine ganz andere Sichtweise, wenn wir verstehen, wen Jesus mit dem Bauern meint: Sich selber. Jesus kümmert sich nicht ängstlich darum, ob sein Saatgut ausreicht, seine Botschaft ist unendlich, Jesus steckt bei den Menschen nicht sorgsam erst die Grenzen ab und prüft nicht, ob bei ihnen ausreichend Tiefe vorhanden ist, Jesus sät nicht in der Sorge, ob seine Saat aufgeht, Jesus sticht nicht erst die Disteln aus Herzen und Köpfen, sondern fängt an, sein reiches Saatgut zu säen, weil er weiß: Was er aussät, wird Frucht bringen.

Gott traut jedem Menschen etwas zu

Jesus teilt uns nicht in verschiedene Menschentypen ein, wie es die Bibelauslegung lange gemacht hat, sondern weiß darum, dass jede und jeder von seinen Zuhören damals am See Gennesaret wie auch heute in unserer Kirche einen Acker im Herzen hat, wie er ihn beschrieben hat: mit einem Rand, mit Felsen, mit Steinen, mit Disteln und Dornen, aber eben auch mit fruchtbarem Boden. Und Jesus freut sich unbändig darüber, dass auf diesem fruchtbarem Boden von diesem nur kleinem Teil des Saatgutes soviel aufgegangen ist. Das, was Jesus aussät, ist seine Botschaft von der Liebe Gottes. Der Erfolg hängt zum Teil von der Verantwortung des Menschen ab, aber auch vom Walten Gottes, der das einmal Begonnene vollenden wird und die entsprechende Ernte herbeiführen wird.