Samstag, 23. Oktober 2010

Wort Gottes für den Tag, Sonntag, 24. Oktober 2010.


Ab und zu kommt man bei Stammtischrunden noch darauf zu sprechen, wie früher die Lehrer und Pastöre so streng waren, wie der Pfarrer in seiner Predigt mit wortgewaltiger Stimme von der Kanzel donnerte und schimpfte, bis hin zum verprügeln der Messdiener. Für manche Prediger soll Schimpfen und Drohen und moralistisches Fertigmachen das bestgekonnte Stilmittel ihrer seelsorglichen Tätigkeit gewesen sein, wie man hört. Da wurde die Gemeinde durch den Hirten auf den Pfad der Tugend gezwungen, da wurden die verirrten Schäfchen mit sanfter Gewalt in Reih und Glied gebracht, da war erniedrigende Zurechtweisung durch den Pfarrer an der Tagesordnung.

An die Stelle des prügelnden und wortgewaltigen Pastors ist inzwischen der resignierende Pastor getreten, der mühsam versucht seine Herden zusammenzuhalten und der versucht zu retten, was noch zu retten ist. Der sich immer mehr in Konkurrenz gestellt sieht zu vielen anderen Gruppen und Weltanschauungen. - ‘Katzenjammer‘ macht sich allgemein breit, nicht nur in der Kirche, auch sonst in der Gesellschaft, aber vor allem in der Kirche. Wie anders geht da der große Völkerapostel Paulus in seiner Gemeindepastoral vor:

Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken; unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn.

Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid. Denn wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern auch mit Macht und mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit; ihr wisst selbst, wie wir bei euch aufgetreten sind, um euch zu gewinnen.

Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn; ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. So wurdet ihr ein Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achaia. Von euch aus ist das Wort des Herrn aber nicht nur nach Mazedonien und Achaia gedrungen, sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir darüber nichts mehr zu sagen brauchen. Denn man erzählt sich überall, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, Jesus, den er von den Toten auferweckt hat und der uns dem kommenden Gericht Gottes entreißt. (1 Thess 1,2-10)

Paulus schimpft keineswegs mit seiner Gemeinde, sondern macht ihr Mut, bestärkt sie, baut sie auf, gibt ihr Selbstvertrauen und lobt sie. Er kommt in dieser Epistel zunächst auf seine eigene Vorbildfunktion zu sprechen. Er hat auf seinen Missionsreisen und bei seinen Gemeindegründungen nicht nur in schönen Worten geredet, mitreißende Theologie und Spekulation vorgetragen und theoretisch überzeugt, sondern er hat vor allem in Tat und Praxis den an Jesus von Nazaret orientierten neuen Glauben als Jude gelebt, Tag für Tag zu verwirklichen gesucht und in die konkrete Lebenspraxis umgesetzt. So ist das Leben des Apostels selbst - nicht nur sein Reden, sondern seine Taten und seine Haltung - zum Vorbild und Beispiel für die Gemeinden geworden.

Aber dann fängt er an, seine Gemeinde zu loben. Er erkennt an, dass diese kleine Gemeinde von Tessalonich durch ihr christliches Leben so überzeugend und mitreißend für andere geworden ist, dass durch ihr Zeugnis viele andere zum Glauben gekommen sind. Paulus nennt dann, spürbar begeistert und dankbar, einige solcher Grundhaltungen:

“Ihr seid dem Herrn nachgefolgt“ sagt er. Die Gemeinde von Tessalonich suchte also den Lebensstil des Herrn Jesus zu ihrem Lebensstil zu machen;

“Ihr habt das Wort Gottes trotz vieler Bedrängnis in der Freude des Heiligen Geistes aufgenommen“, sagt er weiter. Diese Gemeinde hört und bedenkt also das Wort Gottes und lebt danach;

“Ihr seid ein Vorbild für alle Gläubigen weit und breit geworden, von euch aus ist der Glaube in die Nachbargemeinden vorgedrungen und überall bekannt geworden“ lobt er sie weiter. Diese Gemeinde scheint also Freude und Hoffnung und tätige Liebe auszustrahlen und steckt die anderen damit an und ist so auch noch missionarisch tätig.

Wir verstehen also, warum Paulus von dieser Gemeinde so begeistert ist und wie er sagt, ,ohne Unterlass' Gott für diese Gemeinde dankt.

Ich glaube, aus diesem kleinen Textausschnitt können wir vieles lernen. Wir Priester, als auch die Christgläubigen. Zuerst einmal sollten wir mehr Freude ausstrahlen. Nicht immer nur das Negative sehen, uns über schwindende Kirchen-
besucherzahlen ärgern, sondern uns freuen mit denen, die da sind. Am Beispiel der Gemeinde von Tessalonich kann man aufzeigen: Es kommt nicht auf die Größe einer Gemeinde an, auf die zahlenmäßige Stärke, sondern auf die Art und Weise, wie eine christliche Gemeinde lebt. Und es kommt darauf an, ob sie anderen die sich nicht zur Gemeinde zählen, von der christlichen Lebensweise überzeugen kann.

Das Überleben des Christentums allgemein hängt meiner Ansicht nach davon ab. Auch hier bei uns. Es wird in Zukunft nicht mehr genügen, die Kinder Sonntags zum Gottesdienst mitzunehmen und zu glauben, dass sie nun gute Christen werden. Das gehört zwar dazu, ist aber nur ein Aspekt. Der andere Aspekt wird sein, sie davon zu überzeugen und ihnen vorzuleben, dass christlicher Glaube in unseren Werken, in unserem Tun sichtbar werden muss. Das machten sich zeitlebens die Missionare zu eigen. Sie haben schon früh erkannt, dass es nicht genügt, den Menschen vom lieben Gott zu erzählen, ihnen den Katechismus oder die Bibel in die Hand zu drücken, um sie dadurch von der Botschaft des Evangeliums zu überzeugen. Überzeugungsarbeit geschieht nicht durch Reden, sondern durch Tun.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Geh und handle genauso


Aufruf der deutschen Bischöfe
zum Sonntag der Weltmission 2010

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Am 24. Oktober feiert die Kirche den Sonntag der Weltmission. Zusammen mit den Katholiken in aller Welt lassen wir uns an diesem Tag an unsere gemeinsame Sendung erinnern. Wir sind berufen, allen Menschen die Botschaft des Glaubens zu bezeugen.

In diesem Jahr begeht die Kirche den 100. Geburtstag der seligen Mutter Teresa. Schon zu ihren Lebzeiten wurde sie aufgrund ihres unermüdlichen Einsatzes zugunsten der Armen hoch verehrt. Der diesjährige Sonntag der Weltmission knüpft an dieses Lebenszeugnis an und stellt das vielfältige pastorale Engagement indischer Ordensfrauen in den Mittelpunkt. Viele dieser von missio unterstützten Ordensschwestern setzen sich für Menschen ein, die in Indien aufgrund ihrer Kaste, ihrer Religion oder Rasse diskriminiert werden – ein selbstloser Dienst, mit dem ein glaubwürdiges Zeugnis für Jesus Christus abgelegt wird.

„Geh und handle genauso“ (Lk 10,37): Dieses biblische Wort gilt für die Ordensfrauen, die dem Vorbild Mutter Teresas in Indien folgen. Es richtet sich auch an uns. Wir Bischöfe bitten Sie, liebe Schwestern und Brüder, um Ihr Gebet und Ihre großherzige Spende für die Kirche in Afrika und Asien.
Würzburg, den 26. April 2010


Das Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner

Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.

Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Lk 18,9-14)


Zwei sehr unterschiedliche Menschen begegnen uns im Evangelium.

Der Überfromme hat sich seine eigene Welt geschaffen und sich darin eingerichtet: Er hat den Schmutz und Unrat der anderen Welt verlassen und sich ein Universum nach eigenem Geschmack aufgebaut. Nach seiner Vorstellung hat er nie etwas Böses getan. Er hat eine „weiße Weste“. Mehr noch, er blickt voller Stolz auf seine Leistung. Er tut sicherlich weit mehr, als irgendwelche Gesetze ihm vorschreiben: So fastet er zwei Mal in der Woche und zahlt den Zehnten von allem, was er erworben hat. In dieser, seiner Welt fühlt er sich wohl und hält er sich für moralisch einwandfrei. Für andere hat er nur Verachtung übrig. Die weniger Guten, weniger Frommen sind minderwertig.


Für Mitleid ist da kein Platz. Wenn Menschen leiden, kann das für ihn nur Gottes Wille sein. So kommt er selbst im Gebet, im Stehen vor Gott nicht aus dem von ihm selbst zusammen gezimmerten Rahmen heraus. Auch da ist seine Selbsteinschätzung wie zementiert: „Ich danke, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin.“ Was er im Gebet erwartet, ist nur die Bestätigung: toll, wie du bist.

Jesus sieht den von seiner eigenen Gerechtigkeit Überzeugten voll und ganz auf der falschen Bahn. Dabei geht es ihm in erster Linie nicht um eine ethische Würdigung der Person, sondern es geht vor allem um sein persönliches Verhältnis zu Gott. Und da hat der Zöllner dem Gesetzestreuen Einiges voraus, weil sein Wissen von Gott und dessen Freiheit größer ist. Deshalb tritt er nicht fordernd vor Gott. Er vertraut sich vielmehr seiner Barmherzigkeit an, bittet um seine Gnade.

Die gesunde Portion Demut des Mannes ist eine Tugend, die ihn davor bewahrt, sich selbst zum Maß aller Dinge zu machen. Sich selbst erkennen und zu sich selbst stehen im Bewusstsein, dass jeder und jede Stärken und Schwächen hat, dass wir aber in unserer Unvollkommenheit in Gottes Barmherzigkeit stehen und er uns seine Liebe schenkt, das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums an uns.

Ein Zweites kommt hinzu. Der Überfromme im heutigen Evangelium leistet etwas, um wieder etwas zu erhalten. Er gibt mehr als den geforderten Zehnten, weil er vor anderen und vor Gott gut dastehen will. Das, was mit dem Zehnten passiert, ist ihm eigentlich egal. Er hat die anderen nicht im Blick. Es geht ihm um ein Geschäft mit Gott auf Leistung und Gegenleistung, aber nicht um ein Tun aus Liebe.

Genau darauf zielt aber unser Glaube. Deshalb heißt es im ersten Johannesbrief: „Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben“ (1 Joh 4,10f). Gottes Liebe zu uns lässt sich nicht erkaufen oder durch eine Leistung erwerben. Sie ist vielmehr sein Geschenk an uns. Und weil wir von ihm so Großes empfangen haben, werden wir zu einer großherzigen Antwort herausgefordert. Und diese heißt interessanterweise im ersten Johannesbrief nicht, dass wir Gott lieben, sondern einander lieben.

Der heilige Augustinus begründet dies damit, dass „die Menschen bezüglich der Gottesliebe lügen können, bei der Nächstenliebe aber leichter überführt werden, sie nicht zu haben, wenn sie mit den Menschen schlecht umgehen“. Und sehr pointiert kommt er zu dem Schluss: „Du kannst mir zwar sagen: ,Ich habe Gott nicht gesehen!’ Kannst du mir etwa auch sagen: ,Ich habe den Menschen nicht gesehen!’? Liebe den Bruder! Denn wenn du den Bruder, den du siehst, liebst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe schauen, und in ihrem Innersten wohnt Gott” (In epistolam Iohannis ad Pathos tractatus decem 3,9).

Unsere Liebe zum Nächsten als sichtbare Antwort auf das Geschenk der Liebe Gottes für uns

Das wird uns am Sonntag der Weltmission ans Herz gelegt. In diesem Jahr werden wir dabei an das Beispiel Mutter Teresas erinnert, deren hundertster Geburtstag sich im August jährte. Sie hat in ihrer Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 ihren Zuhörern gesagt: „Lieben Sie die Armen und wenden Sie ihnen nicht den Rücken zu. Denn wenn Sie den Armen den Rücken zuwenden, so wenden Sie ihn Christus zu. Er hat sich selbst zum Hungrigen gemacht, zum Nackten, zum Heimatlosen, so dass Sie und ich Gelegenheit haben, ihn zu lieben. Wo ist Gott? Wie können wir ihn lieben? Es genügt nicht, zu sagen: Mein Gott, ich liebe dich. Wir lieben Gott, indem wir etwas aufgeben, etwas weggeben.“

Das Beispiel von Mutter Teresa wirkt weiter.

Tausende Ordensfrauen in Indien handeln genauso. Sie leben diese Botschaft der bedingungslosen, hingebungsvollen Liebe in einem Land, das trotz wirtschaftlicher und sozialer Fortschritte immer noch von sozialer Spannung und extremer Armut gekennzeichnet ist. Obwohl die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit durch die indische Verfassung seit 1949 verboten ist, werden in vielen Regionen Indiens weiterhin Menschen benachteiligt. Die überwiegende Mehrheit der Frauen wird leider nach wie vor als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt. Umso wichtiger ist es, dass die Ordensfrauen sich den gesellschaftlich Benachteiligten zuwenden. Sie engagieren sich in zahlreichen Projekten, um deren Situation zu verbessern.

„Geh und handle genauso“ (Lk 10,37).

Das Motto des Sonntags der Weltmission (24. Oktober) fordert uns auf, ihnen unsere Unterstützung in Gebet und materieller Hilfe zu gewähren. Folgen wir der Strategie Gottes, dass er sich uns Menschen erbarmt und uns seine Liebe schenkt. Wer dies akzeptiert, wer sich mit seiner ganzen Person, also auch mit seinen Begrenzungen, von Gott angenommen weiß, der wird selbst fähig zur Antwort der Liebe. (Nach einer Vorlage von Pater Eric Englert osa . missio-Präsident München)

Dienstag, 19. Oktober 2010

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 20. Oktober 2010.


Ihr kennt sicher auch Menschen, die euch tief beeindruckt haben, weil sie ihr Christ-Sein so konsequent leben. Ich meine damit Menschen, die aktiv die Gottesdienste mitfeiern, die in der Gemeinde mithelfen, wo Not am Mann ist, die viele gute Werke der Nächstenliebe vollbringen.

Ihr kennt wahrscheinlich auch Menschen die, äußerlich betrachtet, nicht viel von der Kirche halten, die ihr nie, oder fast nie, in den den Gottesdiensten oder sonstigen kirchlichen Veranstaltungen seht, die ihr Leben aber durchaus im Sinne Jesu gestalten. Sie sind sehr aktiv und einfallsreich wenn es um soziale und karitative gute Werke geht. Ihr kennt deren bestimmt und ich auch. Ich denke dann oft: Schade, dass sie nicht bei uns in der Christengemeinde mitmachen! - Von einer ähnlichen Situation hören wir im Evangelium:

Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. (Lk 9,38-43)

Es war für die Jünger Jesu nicht leicht einzusehen, dass auch außerhalb ihrer Gruppe viel Gutes geschieht, dass einer, der nicht zur sichtbaren Jesusgruppe gehört, im Namen Jesu Gutes tun kann. Jesus sagt: Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Der hl. Augustinus hat den Satz Jesu folgendermaßen kommentiert: „Viele sind drinnen, die draußen sind, und viele sind draußen, die drinnen sind. Das heißt: Es geht nicht nur um die Äußere Zugehörigkeit, sondern vor allem um die innere Einstellung. Das Kennzeichen dieser inneren Zugehörigkeit zu Jesus ist der liebende Einsatz für andere.

Passen wir also auf! Menschen, die keine Christen sind, oder Menschen die nicht zu uns in die Kirche kommen, leben deswegen nicht automatisch schon als Unmenschen. Im Gegenteil! Fromme Gläubige müssen immer wieder erkennen, dass Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, nicht selten auch ohne ausdrückliche kirchliche Bindung gedeihen kann - gelegentlich sogar anscheinend besser! Solche Menschen vermögen uns doch deutlich vor Augen zu führen, dass der Geist Gottes tatsächlich weht, wo er will.

Der heilige Geist wirkt nicht nur in den Christen und in den christlichen Kirchen, sondern auch in Nicht-Christen, in Menschen anderer Religionen. Er versteht es immer wieder Menschen zu interessieren für das, was wir Christen „Reich Gottes“ nennen. Legen wir diesen Menschen also keine Stolpersteine in den Weg, sondern versuchen wir mit ihnen zusammenzuarbeiten und an einem Strang zu ziehen, ganz im Sinne Jesu: “Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Der Evangelist Lukas: Zuverlässiger Zeuge der Frohen Botschaft


Am 18. Oktober feiern wir das Fest des Evangelisten Lukas. Er war bestrebt, wie er schreibt, „allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen“ um so ein zuverlässiger Zeuge der Frohen Botschaft zu sein. Mit seinen beiden Werken, dem Evangelium und der Apostelgeschichte, wurde er ein Zeuge der erbarmenden Liebe Gottes zu den Armen in Jesus Christus und zugleich Zeuge des Wirkens des Heiligen Geistes in der Welt und im Menschen.

Auf seine Weise ist Lukas dem Auftrag des Herrn nachgekommen: Seine „Erntearbeit“ bestand darin, durch seine Schriften die Menschen auf das nahe Reich Gottes hinzuweisen - bis zum heutigen Tag! Sicher ist er als Begleiter des Apostels Paulus auf dessen zweiter und dritter Missionsreise auch selber weit herumgekommen; einen noch weiteren Kreis aber erreicht er mit seinen beiden Werken, seinem Evangelium und der Apostelgeschichte. So können auch wir uns „von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen“, in der wir unterwiesen wurden (vgl. Lk 1,4).

Inhalt und Theologie des Lukasevangeliums

Die Kindheits-
geschichte

Lukas betreibt Theologie, indem er erzählt, statt zu spekulieren. Er beginnt seine Erzählung vom Geheimnis der Gottessohnschaft mit einer Beschreibung der Geburt Jesu. Gerade in der Kindheitsgeschichte zeigt sich, wie außerordentlich gut Lukas erzählen konnte. Seine Quellen sind kunstvoll geordnet, so hat Lukas die Geburtsgeschichte des Johannes mit der von Jesus verzahnt und so angeordnet, dass Johannes ganz auf Jesus ausgerichtet ist und auf ihn hinweist. Es geht klar hervor, dass Jesus Johannes überflügelt. Johannes predigt das Gericht und ruft zur Umkehr auf, während Jesus die gute Nachricht von der Gnade Gottes verkündet.

Krankheit und Heilung bei Lukas
Lukas wurde auch als Arzt gesehen, weil er die ärztliche Sprache beherrscht. In keinem anderen Evangelium kommen so häufig die Wörter heilen und gesundmachen vor wie bei Lukas. Christus ist der Mensch, der Heil und Heilung bringt. Heilung bedeutet für Lukas die Herstellung der menschlichen Würde und Harmonie. Dies wird insbesondere deutlich, wenn man sich nur gerade die Heilungsgeschichten anschaut, die nur Lukas beschreibt: die des Wassersüchtigen und die der gekrümmten Frau. Beide dieser Heilungen finden am Sabbat statt, dem Tag, an dem sich Gott eigentlich von der Schöpfung ausruht. Jesus stellt also hier bildlich durch die Heilung wieder die Schöpfung her und vollendet das Werk des Vaters.

Gleichnisse Jesu
Lukas beherrscht nicht nur die Kunst, das therapeutische Wirken Jesu weiterzugeben; ebenso phänomenal beschreibt Lukas die Gleichnisse Jesu Christi. Lukas verdanken wir verschiedene wertvolle Überlieferungen, die sich in den anderen Evangelien nicht finden, darunter die Gleichnisse vom barmherzigen Samariter, vom verlorenen Sohn, vom klugen Verwalter, vom Pharisäer und Zöllner. Hier wird vor allem auffällig, wie schön und malerisch Lukas Jesus während des Erzählens der Gleichnisse beschreibt und wie Jesus sich in den Gleichnissen selbst portraitiert. Ebenso sind im Lukasevangelium auch Gleichnisse für die Frauenwelt zu finden. So gibt es neben dem Gleichnis vom verlorenen Schaf auch das Gleichnis von der verlorenen Drachme.

Jesus - Vorbild des Beters
Lukas hat Jesus auch wie kein anderer als Betenden beschrieben. Er betet immer wieder vor wichtigen Entscheidungen und zieht sich immer wieder an stille Orte zurück, um zum Vater zu beten. Man nimmt an, dass Lukas hier auch den Gläubigen den Weg und die Wichtigkeit des Betens nahebringen will. Lukas zeigt verschiedene Varianten des Gebetes, z. B. Jesu Gebet vor der Taufe (Lk 3,21), Jesu Gebet nach der Heilung der Aussätzigen (Lk 5,16) und das Gebet vor der Wahl seiner Jünger (Lk 6,23).

Auferstehungs-
geschichten

Als einziger Evangelist berichtet Lukas nicht nur von der Auferstehung, sondern auch von der Himmelfahrt Jesu Christi. Jesus ist vom Himmel herabgestiegen, um mit den Menschen zu wandern und mit uns unsere Wege zu gehen. In seinem Tod und seiner Himmelfahrt kehrt er nun wieder in den Himmel zurück, wo er zur Rechten des Vaters sitzt und für die Gläubigen eintritt. Es sind zwei Botschaften, die uns Lukas wohl darlegen will. Er möchte uns zeigen, dass Jesus nicht im Tod hat bleiben können, da er von Gott erfüllt und dessen Sohn ist. Zum andern wird durch die Himmelfahrt die Kontinuität des Wirkens Jesu zum Ausdruck gebracht. Jesus sendet den Menschen vom Himmel aus seinen Geist, der die Jünger antreibt, die Botschaft des Heils zu verkünden und den Menschen den Weg zum Leben zu zeigen.