Samstag, 20. November 2010

Christus König - Ein seltsamer König

Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.

Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.

Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!
Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. (Lk 23,33-43)

Der Verlierer hängt am Kreuz und ist disqualifiziert. Die so genannten Führer des Volkes stehen Schlange, um Spott und Hohn über Jesus auszugießen, einschließlich des einen mit Jesus zusammen gekreuzigten Verbrechers. Sie zerreißen sich die Mäuler und lästern: »Wenn du der erwählte Messias Gottes bist, der König der Juden, dann hilf dir doch selbst! Steig doch einfach schnurstracks vom Kreuz herab! Und einige Sätze weiter heißt es bei Lukas: „Alle seine Bekannten aber, wahrscheinlich auch seine Jünger, standen in einiger Entfernung vom Kreuz und schauten alles mit an.“


Bevor wir nun voller Entsetzen den Mund vollnehmen über das feige Verhalten seiner Freunde, sollten wir uns lieber fragen lassen: In welchem Abstand stehen denn wir in unserem Leben, in unserem Alltag, hier und heute, vom Kreuz Christi entfernt? Was empfinden wir dabei - bei diesem Kreuz, das z.B. in unseren Wohnungen hängt oder um unseren Hals als Schmuckstück baumelt, das übrigens in den islamischen Ländern strengstens verboten ist und das selbst bei uns - einem christlichen Abendland - aus den Klassenzimmern entfernt werden muss, wenn jemand durch den Anblick Christi Kreislaufstörungen bekommt.


Christen schauen tatenlos zu!


Angesichts der sich immer mehr ausbreitenden Anti-Kreuz-Seuche könnte man durchaus den vorhin zitierten Satz: „Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung vom Kreuz und schauten alles mit an“ sinngemäß so formulieren: „Das Volk Gottes, die Christen in Europa, stehen da und schauen zu!“ Sie stehen da und schauen zu, wie ein christlicher Wert nach dem andern dem Freidenkertum, dem Atheismus und vor allem dem Konsumdenken weichen muss. Sie schauen zu, wie eine Kirche nach der anderen schließen wird. Der Teufel schleicht wie ein brüllender Löwe über unsere Welt und freut sich über jeden Christen, den er dazu bewegen kann, Christus, den Herrn und König der Welt zu verleugnen. Denn wer möchte schon diesem König dienen und angehören, der da am Kreuz kläglich gescheitert ist. Da stehen wir doch lieber in einiger Entfernung und tun so, als ob der uns nichts angeht. Etwa beim Essen im Restaurant, da verzichten wir lieber aufs Kreuzzeichen, denn die am Nebentisch würden Gott weiß was von uns denken! Und soll der doch am Sonntag sein Kreuzesopfer gefälligst allein vor leeren Tribünen - sprich Kirchenbänken - feiern.


Bereits die Mehrzahl unserer getauften Landsleute denken und leben leider schon lange religiös so desinteressiert und lau, dass viele mit Glaube und Kirche nichts mehr anfangen können. Dieser Jesus interessiert sie nicht, schon gar nicht der Gekreuzigte. Sie wollen auch von seinem Evangelium, von seiner frohen, befreienden Botschaft nichts mehr hören.


Ein Einziger begreift ...


In dem kleinen Evangelienabschnitt (siehe oben) ist ein einziger, der beginnt das Geheimnis des Verlierers zu verstehen, kein Jünger Jesu, sondern ausgerechnet ein Verbrecher: „Jesus, denk an mich, wenn du mit deiner Königsmacht kommst.“ Und Jesus, der auf all die spöttischen Anspielungen des anderen Verurteilten kein Wort gesagt hatte, antwortet diesem reumütigen Sünder nun spontan „Amen, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“ Und mit einem Mal, so könnte man sagen, hat sich die Szene verändert und gewandelt: Das Entscheidende geschieht nun da oben - zwischen diesen beiden Verlierern am Kreuz. Da öffnet sich ein Mensch mit all seiner Schuld dem göttlichen Geheimnis der Liebe und erntet dafür unbewusst die ersten Früchte des Sühneopfers Jesu. Der Verbrecher erkennt in dem gekreuzigten Jesus den schuldlos hingerichteten, verborgenen König und Retter. Vor allen anderen Menschen die Jesus nachgefolgt sind erkennt dieser Verbrecher welch großes Glück, welche Gnade ihm da zuteil wird, welche Chance er da erhält. Er bekennt vor ihm seine eigene Schuld und bittet Jesus um Aufnahme ins Paradies. Der Nächste, der dies begreift, ist wiederum ein Außenseiter, ein Heide, der römische Hauptmann der nach dem Sterben Jesu bekennen wird: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“.


"Ich bin gekommen nicht die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder zur Umkehr“


Der Evangelist Lukas stellt uns hier, wie in seinem ganzen Evangelium, Jesus als den vor, als der er immer wieder kritisiert worden ist, als der „Freund der Zöllner und Dirnen“ (Lk 7,34). Der Grund, dass er immer wieder in schlechter Gesellschaft zu finden ist, besteht aber nicht darin, dass er zu weich ist gegenüber dem Bösen. Nein, er kennt genau die tödliche Macht der Sünde und damit die Notwendigkeit der Umkehr. Aber er weiß sich gesendet, „nicht die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder zur Umkehr“ (Lk 5,32).


„Ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein!“.


Wenn uns also die Kirche heute zur Christkönigsfeier einlädt, dann nicht am Kreuz vorbei. „Jesus, denk an mich“, bittet der Schächer. Jesus, denk an mich, sagen auch wir heute. Denk

an mich, wenn ich am Kreuz meiner persönlichen Schuld festgenagelt bin -Wenn Menschen nicht bereit sind zur Vergebung, wenn meine Mitmenschen mich disqualifiziert haben - Wenn ich dem Spott über meine religiöse Überzeugung ausgeliefert bin - Wenn ich der Dumme bin, weil ich mir wegen meiner Kinder (meiner großen Familie) nicht jeden Luxus leisten kann, oder wenn ich gehänselt werde, weil ich mich öffentlich zu Christus und seiner Kirche bekenne, wenn ich ausgelacht werde, weil ich Sonntags zur Kirche gehe, wenn ich enttäuscht werde, von meinen besten Freunden, die in den allgemeinen Sog des negativen Denkens über Gott und die Kirche hineingeraten sind und mich deshalb links liegen, dann gib auch mir zur Antwort: „Ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein!“.

Freitag, 19. November 2010

Wort Gottes für den Tag, Samstag, 20. November 2010.

Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Lk 21,8b


In einer Welt, in der es so stark um Autonomie und selbstbestimmte Freiheit geht wie noch nie und man manchen Führern, die sich als solche ausgeben, nicht mehr traut oder trauen kann, ist das Sich-führen-Lassen von einem anderen eine große Herausforderung. Allerdings spüren viele nicht, dass sie vor lauter vermeintlicher Autonomie und Selbstbestimmung ganz anderen Führern verfallen sind: Marktführern, religiösen Führern, die Bewusstseinserweiterung versprechen, Wortführern, Medienführern und eben den Verführern einer Konsumgesellschaft, deren Methoden nicht offen auf der Hand liegen. Von wem lassen wir uns führen, von wem oder was uns beeinflussen und bestimmen? Wer ganz ehrlich ist, wird viele Menschen und Dinge nennen können, die ihn zu sehr vereinnahmen.

Da lasse ich mich doch lieber von jemandem führen, der nicht etwas von mir will oder mich "verführen" und abhängig machen will, sondern ganz mich selbst meint mit meiner Freiheit, die durch die Bindung an ihn erst wirkliche Freiheit wird und nicht Bindungslosigkeit, Beliebigkeit, Gleichgültigkeit, Orientierungslosigkeit, Heimatlosigkeit ist.

Autor: Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück

Donnerstag, 18. November 2010

Hl. Elisabeth v. Thüringen

Lisa, Els, Lissi... Alle die auf den Namen Elisabeth getauft sind dürfen heute, am 19. November Namenstag feiern. Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, wurde 1207 in Ungarn geboren. Schon früh kam sie an den thüringischen Hof, um sich auf ihre Rolle als künftige Landgräfin vorzubereiten. Als Vierjährige wurde Elisabeth - unter Einfluss der politischen Interessen des Papstes Innozenz III. - mit dem damals elf Jahre alten Thüringer Landgrafensohn Hermann verlobt und zur Erziehung in deutscher Umgebung und durch ihre Schwiegermutter Sophie nach Thüringen geschickt. Doch Hermann starb 1216, ein Jahr darauf auch sein Vater, als Herrscher stand nun der jüngere Ludwig an, der, nachdem er volljährig geworden war, 1218 als Ludwig IV. Landgraf wurde. Inzwischen hatte sich Ludwig in Elisabeth verliebt, 1221 - wurde die Hochzeit gefeiert. Es kam zu einer glücklichen Ehe, aus der schnell drei Kinder hervorgingen.

Elisabeth war bekannt für ihre Freigebigkeit. Sie unterstützte die Armen, die an das Tor der Burg um Brot betteln kamen. Das brachte ihr Verleumdung am Hofe ein. Lediglich bei ihrem Mann fand sie Unterstützung. Am bekanntesten dürfte in diesem Zusammenhang das „Brotwunder“ sein. In dieser Überlieferung wird erzählt, dass Elisabeth unterwegs zum Burgtor war. Sie trug in ihre Schürze eingewickelt Brot, um es den Armen zu geben. Unterwegs begegnet sie ihrem Gatten. Er fordert sie auf, die Schürze zu öffnen. - Sie ist voller Rosen. Ihr Mann Ludwig trat dem Deutschen Orden bei und empfing von Konrad von Hildesheim das Kreuz, um am 5. Kreuzzug teilzunehmen. Er erkrankte dabei im italienischen Brindisi und starb dort an einer Seuche.

Nach dem Tod ihres Mannes wurde Elisabeth mit ihren drei Kindern von ihrem Schwager Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben mit der Begründung, sie verschwende öffentliche Gelder für Almosen. In Eisenach fand sie keine Unterkunft. Sie soll zunächst in einem Schweinestall gehaust haben, bis sie bei ihrem Onkel mütterlicherseits, dem Bischof von Bamberg, Aufnahme mit ihren drei Kinndern fand. Der Onkel wollte sie wieder vermählen, aber Elisabeth lehnte selbst die Werbung von Kaiser Friedrich ab.

Mit ihrem Witwenvermögen errichtete sie 1229 in Marburg ein Spital, benannte es nach dem heiligen Franziskus und arbeitete dort selbst als Pflegerin bis zu ihrem Tod.

Dienstag, 16. November 2010

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 17. November 2010.

Die Zukunft der Kirche in ihrer heutigen Situation ist weitgehend verdunkelt. Vielen Zeitgenossen ist sie fremd geworden; die Zahl der Kirchenaustritte ist groß der Gottesdienstbesuch nimmt ab; neben dem Priestermangel geht ihr auch das Geld aus. Hat das Ende des christlichen Abendlandes begonnen? In diese derzeitige Situation hinein wird der Kirche und jedem Einzelnen von uns das Evangelium von der Fahrt über den See verkündet: Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen? (Mk 4,35-41)


"Habt ihr noch keinen Glauben?" - Jesus fragt seine Jünger und uns tadelnd und durchaus provokant. Hören wir die Provokation, fühlen wir Verunsicherung, gar Erschrecken ob dieser Frage? Wir sind oft geneigt, auf andere (herab-) zu schauen, von denen wir wissen oder ahnen, dass sie keinen Glauben haben, Ungläubige eben oder Andersgläubige oder solche, von denen wir meinen, dass sie weniger im Glauben verwurzelt sind als wir. Aber Jesus fragt tatsächlich uns. "Habt ihr noch keinen Glauben?"


Gott schläft nicht und ist auch nicht “tot”. Jesus fordert uns auf, zusammen im Boot zu bleiben, auch wenn die Wellen sich türmen und das Meer schäumt. Er ist in Reichweite. Er ist da, mitten unter uns. Wenn wir unsere Seele entgiften wollen von der Angst, dann hilft uns nur dieser Glaube: der Glaube an die Anwesenheit Jesu in unserem Leben, der Glaube, dass Jesus nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott ist, und der Glaube, dass wir in Gottes Hand sind, was immer passiert. Haben wir diesen Glauben schon oder noch nicht oder noch zu wenig - das sind Fragen, die wir uns manchmal stellen sollten und wir können dankbar sein, dass uns das heutige Evangelium wieder einmal in voller Eindringlichkeit damit konfrontiert.

In Memoriam Hermann-Josef Kalpers

Alles beginnt mit einem Lächeln