Samstag, 4. Dezember 2010

Advent: Zeit der Erwartung und der Wahrnehmung

In vielen Kirchen lässt sich in den frühen Morgenstunden zur Adventszeit schon ein „geschäftiges Treiben“ beobachten. Kinder, Jugendliche und Berufstätige machen sich in dieser Zeit sehr früh am Morgen - vor den sonst oft angebotenen Gottesdienstzeiten - auf den Weg und gehen zu den Roratemessen. Manche Kirchen sind dabei - erstaunlicherweise - besser besucht als zu so manchem Sonntagsgottesdienst.

Was macht diesen frühmorgendlichen Gottesdienst eigentlich aus? Dunkelheit, Kälte auf der einen Seite; das Licht der Adventkerzen, Lieder, Texte in den Morgen, auf der anderen Seite. Es bedeutet für viele Gottesdienstbesucher mehr als eine willkommene Herausforderung, in den Wochen vor Weihnachten einfach „früher aufzustehen“. „Wachet auf, ruft uns die Stimme!“ - so heißt es in einem adventlichen Lied dazu: Es sagt aus, was Advent auch sein will. Nämlich - neben all dem geschäftigen Treiben und dem versüßt-kitschigen Christkindlmarkttrubel - eine Zeit der Erwartung, eine Zeit des „Wachseins“, eine Zeit des neuen „Bewusstwerdens“. „Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was will Gott mir sagen?“ - in seinem Kommen als schutzloses Kind zu Weihnachten, in seinem Kommen als Retter der Welt?

„Heute besuch ich mich - hoffentlich bin ich daheim“


Vom berühmten bayrischen Volksschauspieler Karl Valentin stammt der Satz: „Heute besuch“ ich mich - hoffentlich bin ich daheim.“ Ich denke, hinter diesem tiefsinnigen Satz steht etwas sehr wesentliches und auch für uns Christen immer wieder auch Nachdenkenswertes. Der Advent kann auch für mich wieder eine Zeit des „Besuches“ werden.
Ich besuche mich selbst: was und wen werde ich wohl antreffen? Einen Menschen mit Ängsten Einen Menschen mit unerfüllten Sehnsüchten? Einen zufriedenen, ausgeglichenen und hoffnungsfrohen Menschen? Oder treffe ich einen griesgrämigen, zynischen, überforderten Menschen oder einen trauernden, von Schmerzen gepeinigten Menschen oder einen frohen, einen ehrgeizigen oder einen lebenslustigen Menschen? Oder gar einen schuldbeladenen Menschen?

Was für eine Rolle spielt Gott dabei in meinem Leben - in meinem Alltag? Wo gibt es Nischen und Zeiten des Gesprächs, des Gebetes mit bzw. zu ihm? - „Im Advent besuch ich mich selbst; hoffentlich bin ich zu Hause und auch anzutreffen.“ Ich wünsche uns allen, dass dieser Besuch gelingen möge. Und damit vielleicht auch - wenn nötig - so manche Neupositionierung. Ich wünsche uns allen die Gelegenheit zum Wachen, zum bewussten Erwarten Gottes zu Weihnachten. Dabei kann uns auch eine frühmorgendliche Mitfeier einer Roratemesse helfen und ermuntern. Helfen kann uns auch die bewusste Mitfeier eines Bußgottesdienstes oder der Empfang des Sakramentes der Versöhnung; helfen kann uns auch das erneute Zugehen auf und Bemühen um uns entfremdete Bekannte oder sich in Not befindliche Personen.

Freitag, 3. Dezember 2010

Hoffnung für eine hoffnungslose Welt

Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.


Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.


An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig. (Jes 11,1-10)


Kaltes Wetter haben wir in diesen Tagen. Diese Kälte geht uns unter die Haut. Sicher, ein Wintertag kann schön sein. Die Sonne glitzert über Raureif und Schnee. Die Welt scheint ganz sauber und hell zu sein. Doch hinter dieser äußeren Schönheit verbirgt sich Kälte. Die in der Kälte erstarrte Natur kann ein Bild sein für die Art, wie Menschen miteinander umgehen, für eine kalte, gefühllose Welt. Die gefrorene Natur kann ein Bild sein für uns, die wir „cool“, kaltschnäuzig, überlegen, irgendwie ungerührt und unberührt sind.


In diese Welt hinein entwirft der Prophet Jesaja das Bild vom kommenden Messias. Am Anfang ist es nur ein kleiner Spross. Aber an diesem kleinen Spross wird sichtbar, was die Welt braucht:


Böses wird nicht mit Bösem vergolten, sondern mit Gutem.

Da wird eine Welt sein, wo Vertrauen statt Angst herrscht!


Eine einzige Einschränkung macht er: Das wird nur geschehen, wenn die Menschen bereit sind, Gott in ihre Mitte zu stellen und nach seiner Weisung, d. h. nach seinen Geboten zu leben. Dann wird es einen umfassenden Frieden geben. Aber der Prophet ist Realist. Er weiß, dass die Menschen das nicht aus eigener Kraft schaffen, darum sagt er einen Heilsbringer an, der von Gott kommt. Es wird kein König sein und auch kein Revolutionär, der gut mit Waffen umgehen kann. Jesaja sieht diesen Retter in seinen Visionen eher als etwas kleines, etwas zartes. Ein Reis wird aus einem Baumstumpf sprießen, sagt er.


Sicher haben schon manche von uns einen solchen Baumstumpf gesehen, an dessen Seite sich ein neuer Trieb, ein Zweig, entwickelt hat und nach oben strebt. Manchmal sind es auch mehrere. „Stockausschlag“ nennt man diese Triebe mit dem Fachbegriff. Sie können sogar wieder zu einem richtigen – mitunter mehr-stämmigen – großen Baum auswachsen.


Der Geist Gottes wird auf ihm ruhen.

Er ist mit großer Weisheit und Klugheit ausgestattet.

Er ist es, der dem Volk den Frieden schafft,

den sie selber nicht fertig bringen.


Er wird mitten unter seinem Volk wohnen, aber nur wenige werden ihn als den Gesandten Gottes erkennen. Und dann beschreibt Jesaja in bildreichen Worten, wie die Welt aussehen wird, wenn alle sich diesem Gesandten Gottes anschließen. Von wilden Tieren ist da die Rede, die friedlich miteinander umgehen und vom Kind, das vor dem Schlupfloch der Natter spielt, wobei ihm nichts geschieht.


Seien wir ehrlich: Geht es in diesem Text nicht um tiefe Sehnsüchte des Menschen, die auch im Herzen des Menschen des 21. Jahrhunderts verankert sind? Sind wir es nicht manchmal leid, in den Nachrichten nichts anders zu hören, als den ewigen Streit politischer Parteien? Nichts anders zu sehen als die blutigen Spuren des Bombenterrors, dem die Menschen widerstandslos ausgesetzt sind?


Die Sehnsucht nach Frieden ist groß!


Wenn man genau hinhört, ist die Kritik des Jesaja an den gesellschaftlichen Zuständen in Israel nicht zu überhören. Scheinbar erlebt der Prophet, dass Menschen allzu oft nach dem Augenschein beurteilt werden, dass keiner für das Recht der Hilflosen und der Armen eintritt und dass auf der anderen Seite Gewalttätige und Schuldige ungestraft davonkommen.


Jesaja könnte das auch für uns Leute von heute geschrieben haben! So wie er die Situation einschätzt, braucht es wohl etwas mehr als bloß einen neuen König. Der Prophet hofft auch, dass er das Volk zur Umkehr bewegen kann, denn wenn sie bereit sind Gott in ihre Mitte zu stellen werden sie den Frieden haben.


Sind das nicht schöne Worte, Träume, Utopien, die so nie Wirklichkeit werden? Ein indischer Priester überliefert uns folgendes: Ein Mensch habe mit Gott gehadert, warum er zulasse, dass so viele Menschen hungern und unter Ungerechtigkeit leiden. Da habe Gott lange geschwiegen und schließlich gesagt: „Ich habe schon etwas dagegen getan, ich habe doch Dich erschaffen“!


Lassen wir es zu, dass der Messias in unsere, in meine Welt kommt, damit er dort, bei uns, bei mir,bei dir sein Reich Wirklichkeit werden lassen kann.

Dienstag, 30. November 2010

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 1. Dezember 2010.

Die Heilung vieler Kranker


Jesus zog weiter und kam an den See von Galiläa. Er stieg auf einen Berg und setzte sich. Da kamen viele Menschen und brachten Lahme, Krüppel, Blinde, Stumme und viele andere Kranke zu ihm; sie legten sie vor ihn hin, und er heilte sie. Als die Menschen sahen, dass Stumme plötzlich redeten, Krüppel gesund wurden, Lahme gehen und Blinde sehen konnten, waren sie erstaunt und priesen den Gott Israels.


Die Speisung der Viertausend


Jesus rief seine Jünger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sonst brechen sie unterwegs zusammen. Da sagten die Jünger zu ihm: Wo sollen wir in dieser unbewohnten Gegend so viel Brot hernehmen, um so viele Menschen satt zu machen? Jesus sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben, und noch ein paar Fische. Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Und er nahm die sieben Brote und die Fische, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie den Jüngern und die Jünger verteilten sie an die Leute. Und alle aßen und wurden satt. Dann sammelte man die übrig gebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll. (Mt 15,29-37)


Zu einem großen Fest gehört auch ein gutes Essen. Diese menschliche Grundregel überträgt der Prophet Jesaja in der heutigen Lesung auf den Tag der Vollendung, den er als riesiges Festmahl schildert (vgl. Jes 25,6-10). Und auch für Jesus ist es wichtig, dass die Menschen satt werden - er speist seine Hörer im Überfluss. Dass alle satt werden, ist keine Schau ferner Zukunft oder Rückblick auf eine wundersame Begebenheit: Dieses Anliegen geht uns heute immer alle an.


Viele Spendenaufrufe dringen jetzt an unser Ohr. Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird uns die offene und die versteckte Not der Menschen so nahe gebracht wie in diesen Tagen vor dem Fest der Geburt des Herrn, dem ,,Fest der Liebe“. Bereiter als sonst sind auch die Menschen, dieser Not etwas abzuhelfen - und damit Jesu Handeln weiterzuführen. In seinem öffentlichen Wirken begegnete Jesus dem Elend der Menschen. Er sah die Not und war voller Mitleid. An seinem Verhalten wird für uns sichtbar: Gott selbst hat ein Herz für die Menschen. Das Elend der Menschen lässt ihn nicht unberührt. Er will und kann Hilfe gewähren. Über sein Wort hinaus schenkt er Heilung und Brot.


Jesus kann geben, was die Menschen brauchen. Aber er wollte es nicht tun ohne die Mithilfe der Jünger. Er richtet eine Brotausgabestelle ein: Durch die Jünger lässt er das Brot austeilen und macht aus den Vielen eine Mahlgemeinschaft. So wird aus der ,,Brotzeit“ eine ,,Mahl-Zeit“, und aus Konsumation eine Kommunikation. So sind auch wir in Pflicht genommen, das Unsere zu tun, damit heute Menschen in Not nicht nur eine fromme Spende und damit das Nötigste erhalten, sondern Gemeinschaft erfahren.

Montag, 29. November 2010

Pfarrbrief für den Monat Dezember

Mit dem neuen Kirchenjahr haben wir auch ein neues Lesejahr begonnen. Das „Lesejahr "A“. Nach der katholischen Leseordnung für die Sonntage werden die wichtigsten Textstellen der Bibel in einem dreijährigen Rhythmus vorgetragen. Die drei Jahreszyklen werden mit den Buchstaben A, B und C bezeichnet. Jedes Jahr ist einem der drei synoptischen Evangelisten Matthäus (Lesejahr A), Markus (Lesejahr B) und Lukas (Lesejahr C) gewidmet, d.h. es werden vorwiegend Evangelien dieses Evangelisten gelesen. Texte aus dem Johannes-Evangelium finden wir vor allem in den sogenannten "geprägten Zeiten" (Advent, Fasten- und Osterzeit) .

Mit dem neuen Kirchenjahr beginnt auch der Advent. Den Adventskranz und den Adventskalender als Symbole des Advents kennt jeder. Mit jedem Licht was wir entzünden, mit jedem Türchen das wir öffnen, kommt Weihnachten näher. Auf dem Weg nach Weihnachten begegnen uns ein paar wichtige Gedenktage, die ich kurz vorstellen möchte.



Heiliger Andreas


Da ist zunächst der Heilige Andreas, dessen Gedenktag wir am 30. November feiern. Der heilige Andreas war aus Bethsaida in der Provinz Galiläa gebürtig, ein leiblicher Bruder des heiligen Petrus und ein Jünger des heiligen Johannes des Täufers. Seines Handwerks war er ein Fischer, wie sein Vater Jonas.


Als er eines Tages bei Johannes am Jordan weilte, und diesen auf Jesus, den er Tags zuvor getauft hatte und der so eben vorüber ging, hindeuten sah mit den Worten: „Sehet das Lamm Gottes!” da verließ er unverzüglich seinen ersten Lehrer und ging dem Heiland mit noch einem Schüler nach. Jesus bemerkte sie, wandte sich um und fragte, was sie suchten? Sie antworteten, sie möchten wissen wo er wohne. Jesus erwiderte freundlich: „Kommt und sehet,” und nahm sie mit sich. Es war schon Abend, als sie das Glück hatten, den Heiland zu sehen und zu sprechen. Sie blieben daher die ganze Nacht bei ihm. Andreas entschloss sich, fortan bei Jesus zu bleiben und sein Jünger zu sein. Die Freude aber, den Heiland gefunden zu haben, konnte er nicht in seinem Herzen behalten. Früh morgens eilte er zu seinem Bruder Simon und rief ihm schon von weitem zu: „Wir haben den Messias gefunden,” und führte ihn zu Jesus, der ihn ebenfalls unter die Zahl seiner Jünger aufnahm und ihm den Namen "Petrus" gab...


Hl. Barbara


Am 4. Dezember gedenken wir der heiligen Barbara. Sie lebte am Ende des 3. Jahrhunderts und war heimlich Christin geworden. In einer Christenverfolgung erlitt sie den Märtyrertod. Häufig wir sie mit einem Turm dargestellt, in den ihr Vater sie eingesperrt haben soll. Bekannter als sie selbst sind wohl die Barbarazweige. Schneidet man am Barbaratag die Zweige eines Obstbaumes ab und stellt sie im warmen Zimmer in Wasser, blühen sie an Weihnachten.



Hl. Nikolaus


Am 6. Dezember feiert die Kirche das Fest des heiligen Nikolaus. Was hat eine falsch verstandene Pädagogik ihm nicht alles angetan: Erziehungshilfe und Geschenkeonkel. Dabei war Nikolaus am Anfang des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra (in der heutigen Türkei) und setzte sich vehement für die ihm anvertrauten Menschen, besonders für die Kinder ein. Er nahm am Konzil von Nicäa teil, auf dem ein wichtiges Glaubensbekenntnis verfasst wurde.


"Unbefleckte Empfängnis Mariens"


Am 8. Dezember feiert die Kirche ein Marienfest, das aus der Nähe zu Weihnachten oft missverstanden wird: das Fest der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“. Das Fest hat nichts mit der Frage der Jungfrauengeburt zu tun; sondern mit der Empfängnis Mariens durch ihre Mutter Anna und dass Gott Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins vor der Erbsünde bewahrte.


Weihnachten


Und dann wird es auch bald Weihnachten. Jedoch nicht schon am 24. Dezember. Auch wenn der heilige Abend heute der wichtigste Weihnachtstag zu sein scheint (und die allermeisten Adventskalender auch nur 24 Türchen haben) feiern wir die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes in einem kleinen Kind am 25. Dezember. Es wäre schön, die Geburt Jesu auch an seinem Geburtstag wieder „richtig“ zu feiern.


Zur Gottesdienstordnung vom Monat Dezember

Klicken Sie HIER

Sonntag, 28. November 2010

Die Bibel : Die Heilige Schrift der Christen

„Ohne Heilige Schrift gibt es kein Christentum (Erich Zenger)“. Ja, die Bibel hat für Christen eine unersetzliche Bedeutung, ist das Buch der Bücher. Sowohl für den persönlichen Glauben und sein Wachsen wie für die Gemeinschaft der Christen und ihren Gottesdienst ist die Bibel wichtig. Die christlichen Gemeinden haben im Gottesdienst von Anfang an biblische Texte als Gottes Wort vorgelesen und ausgelegt. Deshalb gibt es Bibelausgaben auch in großer Vielfalt und Bibeln in besonders wertvoller Gestaltung.


Zwei Teile: AT und NT

Die Bibel besteht aus den beiden Hauptteilen Altes und Neues Testament. Die Bibel besteht in jedem dieser Hauptteile aus verschiedenen und sehr unterschiedlichen Büchern.


Altes und Neues Testament oder Erstes und Zweites Testament? Das Wort Testament kennen wir im Zusammenhang mit Vermächtnis und Erbschaft. Im Blick auf die Bibel muss das Wort ‘Testament‘ eher als ‘Freundschaftsbund Gottes mit den Menschen‘ gedeutet werden. Die Bezeichnung Altes und Neues Testament ist aus christlicher Sicht entstanden und wird heute zusehends in Frage gestellt. Mit dem Begriff ‘alt‘ wird nämlich das Missverständnis von ‘überholt‘ oder ‘so nicht Iänger bedeutend‘ provoziert. Deshalb wird heute in der Bibelwissenschaft und zunehmend auch im schulischen oder gemeindlichen Bereich von Erstem und Zweitem Testament geredet. Da die herkömmlichen Bezeichnungen Altes (AT) und Neues Testament (NT) aber an vielen Stellen verwendet werden, müssen wir auch diese Namen kennen.


Ein Buch - viele Bücher: Innerhalb des Alten bzw. Neuen Testaments befinden sich verschiedene Bücher . Beim Alten Testament sind dies in katholischer Zählung (vgl. Einheitsübersetzung) 46 Schriften. Das Neue Testament hat 27 Schriften verschiedenster Iiterarischer Gestalt. Die Bibel ist also eigentlich eine ganze Bücherei aus verschiedenen größeren und kleineren Büchern, die über einen Zeitraum von 1.200 Jahren entstanden sind. Die meisten Richtungen von Juden- und Christentum lehren, dass Gott die biblische Überlieferung gelenkt und inspiriert hat, ihre Schreiber also vom Heiligen Geist bewegt und vor schwerwiegenden Fehlern bewahrt wurden.