Samstag, 11. Dezember 2010

Eine Frau in Erwartung

Von Christine Bauer

Es ist eine Erfahrung, die fast alle schwangeren Frauen machen: Ich stehe mit Freunden, Kollegen, Geschwistern zusammen, man redet ein bisschen, und bevor mein Gesprächspartner geht, streicht er ganz schnell einmal über den dicken Bauch der schwangeren Mama. Mir ist das mit meinen beiden Kindern oft passiert, und im Geburtsvorbereitungskurs haben sich viele werdende Mütter darüber aufgeregt: Einfach so angefasst zu werden!


Mich hat das nie gestört. Im Gegenteil – ich fand es rührend, wer da so alles einmal streicheln musste: Harte Kerle, unnahbare Kolleginnen, einmal sogar eine sehr alte, fremde Frau. Oft auch Kinderlose. Und es war ja klar: Das Streicheln galt nicht mir. Es meinte das Kleine in meinem Bauch, das Kommende. Die Verheißung auf Leben, auf Zukunft, ein Kind, das ganz neue Herausforderungen bringen wird.


Das Leben geht weiter, so signalisiert das Kind in meinem Bauch den Freunden, den Kollegen, der Familie. Es lohnt sich, sich einzusetzen für eine bessere Zukunft, für Gerechtigkeit, für menschenwürdige Arbeitsumstände. Zukünftige Generationen profitieren von meinem Fleiß, meinem Engagement. Die danken mir für das, was ich getan habe oder eben auch nicht. Wir spüren die Verantwortung für die Zukunft, wenn wir ein Kind wachsen sehen.


Vielleicht ist der Wunsch nach Berühren des Ungeborenen auch etwas, was in unseren Genen ganz tief angelegt ist: Die Gemeinschaft, in die das Kind geboren wird, heißt es willkommen. Sie nimmt es an und auf – als eines der Ihren.


Es gibt nur wenige Darstellungen von Maria mit Babybauch. Meist malen die Künstler auf das voluminöse Kleid eines zierlichen Mädchens nur einen kleinen Stern; die Ikonenschreiber zeigen einen thronenden Christus in einer Mandorla auf Marias Brust. Schade eigentlich. Denn der schwere Leib der Muttergottes zeigt uns: Hier wächst die Zukunft heran. Hier kommt Leben zur Welt, welches das Leben aller verändern wird.


Wenn ich solche Figuren gesehen habe, lockte es mich immer, auch einmal über den Bauch zu streichen, genau wie die vielen Menschen, die meine Tochter und meinen Sohn berühren wollten. Handgreiflich zu spüren: Da kommt etwas. Etwas Geheimnisvolles, Großes, was uns als kleines Kind in die Hände fällt. Das Kind Mariens kommt für uns zur Welt, es bringt eine Botschaft von Gott: Liebt einander! Setzt euch ein für die Armen, für die gebeutelte Schöpfung, für das Reich Gottes. Es lohnt sich!


Die hochschwangere Maria im Advent ist eine Frau in Erwartung. Eine Frau, die viel gibt, damit ihr Baby wachsen kann. Mütter wissen, wovon ich spreche. Und alle Eltern wissen: Wenn das Kind erst mal geboren ist, fangen die Sorgen erst an: Wie kann ich dem Kind gut sein? Wie kann ich es trösten? Und bald auch: Was wird aus dem Kind einmal werden? Wird es stark werden, selbstbewusst, glücklich und vielleicht auch gläubig? Ein Kind zu erwarten und Kinder zu haben bringt zahllose Angriffe auf die Seelenruhe, für viele Eltern sind es Schwerter.


Auch das kennt diese Frau der Erwartung, die unseren Advent begleitet: Das Leben ist kein Puppenhaus, und das Kind in der Krippe endet als Aufrührer am Kreuz. Und doch: Die schwangere Maria trägt ein Lächeln im Gesicht, das nicht aufgemalt wirkt, sondern von innen kommt. Sie weiß: Was immer kommt, es kommt von Gott, auch wenn es Mühe und Schmerzen bereitet. Der Engel hat es ihr versprochen, bevor ihr Weg mit Jesus begann: Der Herr ist mit dir. Darauf hat sie vertraut. Darauf dürfen auch wir vertrauen. Und darum feiern wir Advent. Alle Jahre wieder.

Freitag, 10. Dezember 2010

Lichtblicke, die Menschen weiterbringen - Adventsaktion von "Miteinander Teilen" an diesem Wochenende

Am Wochenende 11. und 12. Dezember (3. Adventssonntag) steht in den Kirchen in Ostbelgien wieder die jährliche Kollekte für „Miteinander Teilen“ an. Diese Organisation unterstützt hiesige soziale Projekte und ruft uns zur Solidarität auf.


Dieses Jahr wurden von der Miteinander Teilen Kommission vier Projekte aus der DG ausgesucht, die unterstützt werden : Animationszentrum Ephata, Viertelhaus Cardijn, Werkstatt Cardijn und die Mietergemeinschaft von Wohnraum für Alle.

Sei es durch Hausaufgabenhilfe, Sprachkurse, kreative Arbeit oder gemeinsame Projekte; die von der Adventsaktion unterstützten Vereinigungen bringen Menschen zusammen und weiter ... in der
Schule, in der Ausbildung, bei Gruppenerfahrung und in der gesellschaftlichen Integration. Sie brechen die Isolation, schaffen Orte der Begegnung zwischen Generationen und Kulturen, bieten neue Chance für Kinder, Jugendliche sowie Senioren und setzen sich für ein menschenwürdiges Leben für Einkommensschwache ein.


Die gesammelten Spenden kommen den oben genannten hiesigen Projekten zugute. Zudem können Spenden auch auf das Konto von Miteinander Teilen überwiesen werden : 068-2000009-90 IBAN : BE34 0682 0000 0990 / BIC : GKCCBEBB mit dem Vermerk “5434 Adventsaktion 2010 Miteinander Teilen Ostbelgien”.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Wort Gottes für den Tag, Freitag, 10. Dezember 2010.


Mt 11,16-19: Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und anderen Kindern zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen.


Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!


Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.


Das Gleichnis von den spielenden Kindern


Kinder versuchen, andere Kinder in ihr Spiel einzubeziehen, einmal so, einmal anders, aber sie rufen keinerlei Reaktion hervor. Weder die Einladung zu einem fröhlichen Spiel (Hochzeitsfeier) noch die Einladung zu einem traurigen Spiel (Totenklage) wird erwidert. Die Eingeladenen bleiben gleichgültig und passiv.


Eine solche Erfahrung wiederholt sich ungezählte Male in jedem Menschenleben: keine Resonanz auf noch so freundliche Anstrengungen hin, Agieren ins Leere. So etwas ist enttäuschend.


Sie hören weder auf Johannes noch auf den Menschensohn


Die Situation wird auf Johannes den Täufer und auf Jesus bezogen. Beide haben versucht, die Menschen ihrer Zeit zu bewegen, aber ihre Wirksamkeit ging ins Leere. Nun waren zwar beide, Johannes wie Jesus, nicht ohne Wirkung und nicht ohne Anhänger geblieben, aber wirklich ernst genommen wurde keiner.


Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Das Thema ist auch hier, wie bei den spielenden Kindern, Gleichgültigkeit und Passivität. Gott kann machen, was er will, er macht es den Menschen nie recht. Die Mehrzahl der Menschen lässt sich nicht beeindrucken, weder durch Johannes noch durch Jesus. Der Grund dieser Gleichgültigkeit und Passivität dürfte sein, dass die Menschen sich nicht aus ihrer selbst gemachten und scheinbar sicheren Welt herausbringen lassen. Die Stimme Gottes wird diffamiert und einfach überhört. Wollen wir uns da selbst ausschließen?


Und doch hat die Weisheit (= Jesus) durch die Taten, die sie bewirkt hat Recht bekommen. Gemeint sind die Taten Jesu. Trotz der ablehnenden Haltung dieser Generation hat sich der Glaube an Jesus rasch entwickelt und ist in der jungen Kirche zu einer unerwarteten und erstaunlichen Wirkung gekommen. Die Wirkkraft Gottes findet ihren Weg, auch bei noch so viel menschlichem Unwillen. Diese Textstelle erinnert an das Wort des Propheten Jesaja: 55, 10 - 11 So spricht der Herr: Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Die Alte die auf Gott wartete - Eine Geschichte zum Advent

Es War einmal eine alte Frau, der hatte der liebe Gott versprochen, sie heute zu besuchen. Darauf war sie nun natürlich nicht wenig stolz. Sie scheuerte und putzte, buk und tischte auf. Und dann fing sie an, auf den lieben Gott zu warten.


Auf einmal klopfte es an die Tür. Geschwind öffnete die Alte, aber als sie sah, dass draußen nur ein armer Bettler stand, sagte sie: „Nein, in Gottes Namen, geh heute deiner Wege! Ich warte eben gerade auf den lieben Gott, ich kann dich nicht aufnehmen!“ Und damit ließ sie den Bettler gehen und warf die Tür hinter ihm zu.


Nach einer Weile klopfte es von neuem. Die Alte öffnete diesmal noch geschwinder als beim ersten Mal. Aber wen sah sie draußen stehen? Nur einen alten Mann aus dem Nachbarshaus. Er kam immer wieder zu ihr weil er, seit dem Tod seiner Frau, einsam war. „Ich warte heute auf den lieben Gott. Wahrhaftig, ich kann mich nicht um dich kümmern“. Sprach’s und machte dem Alten die Tür vor der Nase zu.


Abermals, eine Weile später, klopfte es von neuem an die Tür. Doch als die Alte öffnete - wer stand da? Wenn nicht schon wieder ein zerlumpter und hungriger Bettler, der sie inständig um ein wenig Brot und um ein Dach über dem Kopf für die Nacht bat. „Ach, lass mich in Ruhe! Ich warte auf den lieben Gott! Ich kann dich nicht bei mir aufnehmen“. Und der Bettler musste weiterwandern, und die Alte fing auf’s neue an zu warten.


Die Zeit ging hin, Stunde um Stunde. Es ging schon auf den Abend zu, und immer noch war der liebe Gott nicht zu sehen. Die Alte wurde immer bekümmerter. Wo mochte der liebe Gott geblieben sein? Zu guter Letzt musste sie betrübt zu Bett gehen. Bald schlief sie ein. Im Traum aber erschien ihr der liebe Gott. Er sprach zu ihr: „Dreimal habe ich dich aufgesucht, und dreimal hast du mich hinausgewiesen“. Von diesem Tage an nehmen alle, die von dieser Geschichte erfahren haben, alle auf, die zu ihnen kommen. Denn wie wollen sie wissen, wer es ist, der zu ihnen kommt? Wer wollte denn gern den lieben Gott von sich weisen?


Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten, Band 1, S. 15.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Hochfest der der Unbefleckten Empfängnis

Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. (Gen 3,9-15.20)


Die Erzählung vom verlorenen Paradies die wir heute am Festtag der Unbefleckten Empfängnis hören, ist die Ursünde des Menschen von Anfang an: Der Mensch, Gottes Geschöpf, dem die Erde anvertraut ist, dass er sie nutze und fruchtbar mache, will immer noch mehr. Er gibt sich nicht zufrieden mit dem, was ihm geschenkt ist. Die Gier nach der Allmacht führt letztendlich zum Verlust des Paradieses.


Der Mensch will sein wie Gott - das ist die Ursünde, das ist die Erbsünde, das ist die große Verführung auch heute. Wir lassen uns nicht mehr einfach etwas schenken, wir wollen alles haben, wir wollen diese unsere Welt beherrschen, bis hinein in die kleinsten Zusammenhänge. Und dabei geraten wir in Gefahr, Gott aus den Augen zu verlieren und abzustürzen.


Um das Vertrauen zwischen Gott und Mensch wieder herzustellen, kam Jesus Christus in die Welt. Er konnte kommen, weil eine Frau, Maria, sich in aller Freiheit für das Gute entschieden hat: Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. (Lk 1,26-38)


Wenig wissen wir von der historischen Gestalt des Mädchens von Nazaret. Was wir als Glaubende von Maria heute bekennen, sind weitgehend Idealbildungen. Das heißt nicht, dass nicht wahr sei, was wir von Maria sagen und bekennen. Im Gegenteil: Alle Aussagen über Maria – und damit auch die Mariendogmen wie jenes, das wir heute feiern – sind Aussagen über Grund-Wahrheiten unseres Glaubens, die festgemacht sind an einem konkreten Menschen - Maria.


Gott tritt unerwartet in das Leben eines Menschen ein


Maria wird uns als ganz normale junge Frau vorgestellt, die ihre Lebenspläne schmiedet und sich gerade auf die Hochzeit mit ihrem Verlobten Josef vorbereitet. Das ist der erste entscheidende Punkt: Ein Mensch wird mit einer Erfahrung konfrontiert mit der er nicht rechnen und auf die er sich schon gar nicht vorbereiten konnte. Nicht eigenes Planen und Können ist offensichtlich gefragt, weder auf das Machen noch auf das Leisten kommt es jetzt an, sondern genau auf das Gegenteil: still zu werden, hinhorchen zu lernen, fähig zu werden zu empfangen. Maria empfängt. Das Leben wird in ihr heranwachsen, ganz anders allerdings, als sie sich das als Frau, als Mutter erhofft hatte; aber: Maria lässt sich darauf ein, sie sagt Ja zu dem völlig Neuen und Undenkbaren, das da in ihr Leben einbricht.


Die Erbsünde bricht durch


Das Leben des Menschen wird fruchtbar nur dann, wenn er empfangen kann. Das ist eine biologische Binsenweisheit. Doch in uns und um uns herum ist viel lebendiger jener Adam, an den die Lesung aus dem Buch Genesis erinnert. Die „Versuchung des Adam“, die Versuchung, sich selbst zu erlösen, sich selbst das Glück, das Heil schaffen zu können: sie steckt tief in uns. Diese Versuchung, diesen Hochmut haben wir uns nicht selbst eingebrockt, wir haben sie sozusagen „ererbt“ von unseren Eltern, unseren Vorfahren, unserer Gesellschaft. Das ist mit dem so missverständlichen Wort „Erb-Schuld“ gemeint: Es geht um jene Grund- Unfähigkeit, das Wirken Gottes im eigenen Leben wahrzunehmen, sich nicht mehr von Gott anrühren, ja geschweige denn verändern zu lassen ja: sich überhaupt mit der Frage nach Gott zu beschäftigen.


Maria entscheidet sich (anders als Eva) für das Gute


In dieser Welt den Weg Mariens zu gehen, heißt: anzuerkennen, dass ich das Leben empfangen, es mir schenken lassen muss. Das ist wahrlich nicht leicht. Aber: Auch Maria konnte es nur, weil sie von Gott dazu befähigt wurde. Gott hat in Maria auf einzigartige Weise den Boden bereitet, auf dem sie dann in diesem entscheidenden Moment ihres Lebens Ja sagen konnte – nicht nur mit den Lippen, sondern mit allen Fasern ihres Wesens. Dann erst konnte Gott so buchstäblich, so leibhaftig in Marias Leben hineintreten, wie er es getan hat: in Jesus Christus, seinem eigenen Sohn. Genau das feiern wir am heutigen Hochfest – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Montag, 6. Dezember 2010

Heiliger Ambosius von Mailand: Gelehrter, Bischof und Patron der Imker




Wir gedenken heute, am 7. Dezember, des heiligen Ambrosius, des großen Bischofs aus Mailand, der im 4. Jahrhundert lebte. Einen großen Mann macht es aus, dass er bei aller Größe noch bescheiden bleiben kann. Dieser Satz könnte wohl am besten das Wesen des heiligen Ambrosius charakterisieren. Denn obgleich er ein exzellenter Theologe, Prediger und Schrift-Gelehrter war, blieb er dennoch zeitlebens ein für alle Menschen zugänglicher Mann.

Das war es wohl auch, was die Menschen damals bewegte, ihn als Bischof von Mailand vorzuschlagen. Besonders die Auslegung des Wortes Gottes lag ihm am Herzen. Als Bischof war es seine Aufgabe zu predigen. Seine Predigt und seine Auslegung der heiligen Schrift war keine „blutleere“ Wissenschaft, sondern diente dem Zweck der Belehrung und Erbauung seiner Gemeinde. Es wird gesagt, dass seine Reden süß wie Honig waren. Er gilt als Seelentröster und hilft, in der Not die richtigen Worte zu finden.

Vita

Ambrosius war seitens seiner christlichen Eltern für die Beamtenlaufbahn bestimmt.
Nach seinem Jurastudium , etwa 372 / 73, wurde er mit der Präfektur der Provinz Aemilia-Liguria (Ämilien und Ligurien) betraut. Der Sitz der Provinz war Mailand, das damals auch als eine Kaiserresidenz diente.

Das Bistum Mailand war, wie die übrige damalige Kirche, tief zerstritten zwischen Trinitariern und Arianern. Als 374 (nach dem Tode des Arianers Auxentius) eine Bischofswahl anstand, ging der allseits beliebte und geachtete Präfekt persönlich in die Basilika, wo die Wahl stattfinden sollte, um in dieser Krisensituation einen wahrscheinlichen Aufruhr zu verhindern. Seine Ansprache wurde der Überlieferung nach durch den Zwischenruf eines Kindes Ambrosius episcopus! („Ambrosius soll Bischof werden!“) unterbrochen, woraufhin er einstimmig zum Bischof gewählt wurde.

Ambrosius wirkte in dieser Lage als geeigneter Kandidat, weil er den Trinitariern als ihr Sympathisant bekannt war, aber auch den Arianern wegen seiner theologischen Neutralität als Politiker akzeptabel erschien. Er selbst stimmte jedoch energisch gegen seine Wahl, da er sich in keiner Weise auf ein solches Amt vorbereitet sah: Er
war als Katechumene noch in der Vorbereitung auf die Taufe. Erst auf kaiserliche Intervention hin gab Ambrosius nach. Innerhalb einer Woche empfing er die Sakramente der Taufe und der Ordination zum Diakon und zum Priester, so dass seiner Bischofsweihe nichts mehr im Weg stand.

Ambrosius engagierte sich nicht nur in kirchenrechtlichen Angelegenheiten, sondern war durch seine herausgehobene Stellung als Bischof der Residenz Mailand auch politisch gefordert. Ambrosius starb nach einem Episkopat von 23 Jahren am Vorabend von Ostern 397. Sein Nachfolger im Bischofsamt wurde Simplicianus. Er selbst wurde in der nach ihm benannten Basilika Sant'Ambrogio bestattet und verehrt.

Schutzpatron der Imker und der Wachszieher

Eine Legende erzählt: Als der spätere Kirchenmann noch ein Kind war, soll sich ein Bienenschwarm auf seinem Gesicht niedergelassen haben. Die Bienen seien sogar in den Mund des Kindes gekrochen und hätten es mit Honig genährt. All dies wurde als ein Zeichen Gottes und ein Hinweis auf die große Zukunft des Kindes gedeutet.

Ambrosius wird meist mit einem Bienenkorb dargestellt, was seinen Fleiß und seine Gelehrsamkeit symbolisieren soll. Diesen Fleiß sagt man ja auch dem Bienenvolk nach. Dieser Fleiß beschert uns Imkern eine reiche Ernte. Natürlich gehören auch der Fleiß und die Überlegungen des Imkers dazu, denn ganz ohne das Mitwirken des Imkers geht’s auch nicht. Die reiche Ernte verdanken wir aber vor allem dem Fleiß der Bienen.




Sonntag, 5. Dezember 2010