Samstag, 18. Dezember 2010

Die vier Kerzen

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht.“ Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.


Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.“ Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.


Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie liebhaben sollen.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.


Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: „Aber aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!“ Und fast fing es an zu weinen. Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung.“ Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.


Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten, Bd.5, S. 12.


Worte

Worte können eine ungeheure Wirkkraft haben, sowohl an Positivem, wie auch an Negativem: Worte des Lobes und der Zuneigung lassen uns aufleben.
Worte des Spottes und oder einer schlechten Nachricht können uns verletzen und traurig machen.

Welche Worte haben wir in der vergangenen Adventwoche gehört, welche haben uns gut getan, welche uns verletzt? Welche Worte der Erbauung, des Trostes und der Liebe sind aus unserem Mund gekommen - und was blieb von uns alles ungesagt, was wir gerne sagen wollten oder müssten?

Wie ist es um unsere Kultur des Wortes bestellt?

Freitag, 17. Dezember 2010

über die Liebe

Und wenn wir die tollsten Methoden hätten ...

... und wenn wir die interessantesten Gespräche führen würden,

wo jeder beteiligt ist, wo etwas geschieht und vorwärts geht,

wo Probleme erkannt und Bedürfnisse geäußert werden,

wo man sich aufregt über Unrecht und Manipulation,

wo sich Konsequenzen ergeben und Veränderungen in die Wege geleitet werden,

wenn wir solche Gespräche hätten,

HÄTTEN ABER DIE LIEBE NICHT, so wäre das NICHTS!


... und wenn wir Führungskräfte hätten,

die sich bestens auskennen in Psychologie, Gruppendynamik,

in der pfarrlichen Arbeit und Gesprächsführung,

die genau wissen, wie eine Gruppe auf bestimmtes Provozieren reagiert,

die so gezielt fragen können, dass dem anderen manches bewusst wird,

die so richtig aufrütteln und zum Nachdenken bringen können,

die den Leuten ihre Situation bewusst machen können,

wenn wir also perfekte Leute hätten,

HÄTTEN ABER DIE LIEBE NICHT, so wäre das NICHTS!


... und wenn wir noch so schöne Gottesdienste gestalteten

mit viel Vorbereitung und Organisation,

wenn keiner am Sonntag in unserer Kirche fehlte,

wenn wir sogar selber predigen würden,

und viele religiöse Gespräche führen würden,

die uns wesentliche Erkenntnisse für unser Leben bringen,

wenn wir also beste religiöse Praxis hätten,

HÄTTEN ABER DIE LIEBE NICHT, so wäre das NICHTS!


DIE LIEBE ist langsam im Urteilen und verurteilt nicht,

bejaht den anderen nicht nur um seiner Leistung willen,

wünscht dem anderen das Beste,

kann auch andere Meinungen gelten lassen, ist unendlich geduldig,

nörgelt nicht, wo es dem anderen nichts hilft,

kritisiert nicht hinter dem Rücken, sagt ein offenes Wort, wo es sein muss,

taktiert nicht um des eigenen Vorteils willen.

DIE LIEBE glaubt alles - hofft alles – die LIEBE hört niemals auf!

(frei nach 1 Kor 13)

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Annas Advent - Eine Geschichte über das Warten

Kennt ihr Anna?
Nein? Dann will ich euch von ihr erzählen:
Anna ist 16 Jahre alt. Aber als sie ihren ganz besonderen Advent erlebte, da war sie 6. „Mama, ich wünsch´ mir eine Puppe. Lena hat eine neue Puppe und ich will auch eine!“ Und weil Anna gerade ‚große Schwester’ geworden war, und weil sie darum bestimmt gut mit Mama zusammen Babys wickeln konnte und Kinderwagen fahren und so, und weil außerdem bald Weihnachten war, wegen all dem fand Mama das einen wirklich guten Wunsch.

Und dann fand Mama, dass Anna sich die Puppe selber aussuchen sollte, denn schließlich sollte es ja Annas Baby sein. Also fuhren sie eines Samstags morgen im Advent zum Spielzeugladen.


„Die da!“, sagte Anna nach kurzem Blick in die Auslage, „die ist es, das ist Kevin.“ Die Verkäuferin nahm eine wirklich süße kleine Jungenpuppe aus dem Regal: mit weichen braunen Haaren, mit braunen Augen, die ein winziges bisschen schielten, und mit einem kleinen Marienkäfer auf der linken Hand. „Da hat ihre Tochter aber einen wirklich guten Geschmack. Nicht ganz preiswert, diese Puppe. Es ist ein Künstlerstück. Wollen Sie denn so viel anlegen?“ Mit einem kritisch-mitleidigen Blick schaute die Verkäuferin auf Mama, die mit ihren Kindern im Schlepptau wirklich nicht aussah wie eine, die sich das leisten konnte. Die Puppe gab sie darum vorsichtshalber gar nicht erst aus der Hand.


„Hm, da muss ich aber schlucken“, sagte Mama, nahm die Puppe ehrfurchtsvoll aus der Hand der Verkäuferin. „Schau doch einmal die anderen an, dieses Schlummerle hier, oder diese, die Baby Born.“ Mit Rücksicht auf das Geld der Mama versuchte die Verkäuferin, Anna auf andere Puppen aufmerksam zu machen. Es kam, wie´s kommen sollte: obwohl noch zwei andere Spielwarengeschäfte angeschaut wurden, und obwohl auch Oma und Opa und Omi ‚mitschenken’ müssten, und obwohl Anna bestimmt zu Weihnachten nichts anderes als diese Puppe bekommen würde: Anna wollte nur ihn, ihren Kevin.


Warten, warten, warten ...


Und dann begann das, was ich ‚Annas Advent’ nenne: noch nämlich war die erste Adventwoche. Und Kevin sollte ja ein Weihnachtsgeschenk sein. Also musste er bis Weihnachten noch weggepackt werden. Anna musste schon schwer gegen die Tränen ankämpfen, als sie mit Mama zusammen einen ‚Brutkasten’ für Kevin baute: mit Kissen aus dem Puppenwagen, mit einem Schnuller – ausgeborgt vom Babybruder und mit einem langen dicken Kuss für Kevin, bis Mama ihn in Verwahr nahm.


Einmal in der Woche durfte Anna ihren Kevin nun für fünf Minuten besuchen. Und sie hat allen schon von ihrem Kevin erzählt, an den sie ganz viel denkt und für den sie schon manches vorbereitet, der schon da ist, aber nicht so ganz, und den sie einmal in der Woche besucht. Und der nun bald ganz bei ihr sein und bei ihr bleiben wird. Übrigens war Kevin dann wirklich Annas einziges Weihnachtsgeschenk. Aber Mama hatte noch Kleider genäht und Oma Strampler gestrickt, die Omi ein Puppenfläschchen besorgt und der Papa ein Bett gebaut.


Kevin ist heute noch bei Anna. Sie spielt natürlich nicht mehr mit ihm Mutter und Kind. Aber er ist in ihrem Zimmer. Bei den Hausaufgaben hockt er auf dem Schreibtisch und beim Flöten lauscht er unterm Notenständer. Er ist und bleibt etwas Besonderes, nicht, weil er so teuer und wertvoll war, sondern, weil er so ersehnt wurde und so geliebt wird. Und Anna sagt, damals, das war ihr schönster Advent und ihr schönstes Weihnachtsfest.


Damals hat Anna eine Menge über die Bedeutung des Advent erfahren:


- So wie Anna drei Wochen lang auf ihren Kevin gewartet hat, so warten wir Christen auf das Wiederkommen Jesu Christi.

- So wie Anna wusste: Kevin ist schon da, aber noch nicht so ganz, so denken wir Christen im Advent daran, dass Jesus schon einmal unter den Menschen gelebt hat und eines Tages wiederkommen wird.

- So wie Anna sich auf ihren Kevin und für ihn vorbereitet hat, so gibt uns der Advent Zeit und Gelegenheit, uns auf diese neue Menschwerdung Gottes vorzubereiten.

- So wie Anna auf viele weitere Geschenke verzichten konnte, weil ihr der Kevin so wichtig war, so erinnern wir Christen uns im Advent daran, darüber nachzudenken, was uns im Leben wirklich wichtig sein sollte.

Efi Goebel, www.familien234.de

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wort Gottes für den Tag, Donnerstag, 16. Dezember 2010.

Wir reden oft vom gerechten Gott. Und wir meinen damit, dass er entsprechend unserem Denken handeln muss. Im heutigen Evangelium kündet uns Jesus Gott als den der so handelt, dass es für alle recht wird. Seine Sorge ist, dass wir Menschen leben und das tägliche Brot auf unseren Tisch bringen können. Und es scheint ihm am Herzen zu liegen, dass Menschen sich nicht überflüssig und ungebraucht vorkommen müssen.

Mit dieser Güte, die Gott schenkt, tun wir uns manchmal schwer, wir nehmen Ärgernis daran, weil wir meinen, dass andere mehr haben, dass sie es leichter im Leben haben und von Gott bevorzugt werden. Zu dieser Problematik erzählte Jesus den Menschen folgendes Gleichnis, er sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!


Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten. Mt 20,1-16

Auf der einen Seite finde ich das Handeln des Weinbergbesitzers ungerecht, der allen trotz unterschiedlicher Arbeitsleistung den gleichen Tageslohn auszahlt. Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass die armen Kerle, die nur eine Stunde arbeiten konnten, auch das bekommen was sie und ihre Familien zum Leben brauchen. Und als nächstes fällt mir der Satz des Jesaja ein: "Meine Wege, sind nicht eure Wege, und meine Gedanken sind nicht eure Gedanken" (Jes 55,8). Und mit diesem Satz komme ich der Sache wohl am nächsten.

Diese Geschichte, die Jesus seinen Zuhörern da erzählt, ist ein Gleichnis, will keine Anleitung für richtige Tarifpolitik geben, sondern will über das Handeln Gottes erzählen. Der Ärger, der eventuell aufkommt, wenn wir sie hören entsteht, weil diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet haben, mitbekommen, welchen Lohn die zuletzt Gekommenen erhalten. Hätten sie es nicht gesehen, dass diese auch einen Denar erhalten, wären alle zufrieden gewesen. Jesus wollte diesen Ärger provozieren, weil er ein tief in uns verwurzeltes Verhalten aufdeckt und eine Angst, die genauso tief sitzt: Es ist die Angst, zu kurz zu kommen. Es ist die Angst, dass andere mehr haben als wir. Es ist der sogenannte ‘Futterneid‘, den man manchmal bei Tieren beobachten kann.

Wir vergleichen uns mit den anderen. Und wehe, sie haben genau so viel wie wir oder gar mehr, ohne sich genauso geplagt zu haben. Dann sind wir nicht nur unzufrieden, sondern schreien: "Das ist ungerecht!" und verstecken doch nur unseren Neid hinter dem Ruf nach Gerechtigkeit. "Guckst du deswegen so böse, weil ich gütig bin?" fragt der Weinbergbesitzer den protestierenden Arbeiter, und wir wissen von uns selbst, die Antwort heißt: "Ja! Genau deswegen. Mag er ruhig den einen Denar bekommen, für die kurze Zeit, die er gearbeitet hat wenn, ja wenn wir dann entsprechend mehr bekommen als er!" Und weil wir wissen, dass Gier und Neid hässlich ist, argumentieren wir mit dem Mäntelchen der Gerechtigkeit.

Was Jesus uns vermitteln will, geht nicht so leicht in unseren Kopf. Er will uns sagen: Gott ist frei mit seinen Gaben. Er kann damit tun, was er will. Wir meinen, er würde nach Leistung bezahlen. Demjenigen, der brav und anständig gelebt hat, wird ein höheres Alter geschenkt, gehört nach unserem Leistungsdenken mehr Liebe, mehr Zuwendung Gottes. Es mag sein, dass es uns manchmal so vorkommt, aber seien wir nicht enttäuscht, wenn wir auch das Gegenteil erleben. Das Leben mit seinen Gaben bleibt letztlich ungereimt, so, wie im Gleichnis sich der Lohn nicht auf geleistete Arbeit reimt.

Fragen wir deshalb nicht: “Warum geht es anderen besser als mir, warum muss ich mehr Krankheit und Unglück ertragen als andere. Warum bleiben die ‘Schlechten‘ davon verschont“? Diese Fragen sind deshalb falsch, weil sie aus der falschen Perspektive gestellt werden. Sie werden aus dem Blickwinkel der Ungunst und des Neids gestellt. Richtiger wäre es, sie aus dem Sicht der Güte zu stellen, etwa so: “ Warum habe ich so viele Jahre schon leben dürfen, warum habe ich Arbeit, eine Familie, gesunde Kinder, ein Heim, wo ich mich zu Hause fühle; warum habe ich jeden Tag genug zu essen ...?“ Betrachten wir einmal alles als von Gott geschenkt, dann verlieren alle anderen Fragen an Bedeutung.

Das ist die Botschaft des Evangeliums: Bevor du auf den neben dir schaust, sagt Christus, schaue auf das was du hast. Ist es das, was du zum Leben brauchst? Wenn du jetzt ‘Ja‘ sagen kannst, oder sogar feststellst: es ist sogar noch mehr, dann freue dich daran. Dann bist du ein Gewinner, denn du hast ja was du zum Leben brauchst und sogar mehr. Und hör auf zu fragen, wer mehr hat als du und mit welchem Recht. Diese Frage vergiftet dich und hält dich davon ab, dich an deinem Glück zu erfreuen.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Adventskonzert in der Kirche von Burg-Reuland













Am Samstag Abend fand in der St. Stepanus-Kirche in Burg-Reuland das alle Jahre im Advent organisierte Adventskonzert statt, zu dem sich der Kgl. Kirchenchor St. Stephanus Burg-Reuland, die Kirchenchöre Grosskampen und Lützkampen und der Singkreis Leidenborn zu einer Chorgemeinschaft unter der Leitung von Simone und Toni Kandels zusammenschließen. Mit dabei war auch der Kgl. Musikverein Burgecho Reuland Lascheid unter der Leitung von Daniel Hilligsmann.

Insgesamt 21 Musikstücke brachten die Sänger und Musiker zu Gehör. Der Musikverein spielte Werke von Georg Friedrich Händel, J. Williams und Johnnie Vinson, während die Chorgemeinschaft, unter anderen, Werke von Manfred Bühler (Licht in der Nacht) oder Otto Groll (Jingle Bells) vortrugen, wobei sie dem recht zahlreich erschienenen Publikum zu gefallen wussten. (Alle Fotos: Ludwig Wirtzfeld)

Montag, 13. Dezember 2010

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 14. Dezember 2010.

Das Gleichnis von den ungleichen Söhnen


Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite.


Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mt 21,28-32)


Ein jüdischer Lehrer hat einmal gesagt: “Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht...; die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und sie nicht tut.“


Menschen, die umkehren, und um solche, die glauben, eine Änderung nicht nötig zu haben, begegnen uns im heutigen Evangelium. Mit dem Gleichnis von den zwei Söhnen will Jesus seinen Zuhörern in dieser ganz alltäglichen Geschichte ihr eigenes Verhalten verdeutlichen. Und sie fallen auch prompt auf seine simple Frage herein, welcher der beiden Söhne denn am ehesten den Willen des Vaters erfüllt hat. Die Frage ist so einfach, dass man sie im Kindergarten stellen könnte. Aber Jesus will mehr als eine Antwort, er will den Führern des Volkes Israel etwas deutlich machen und sie sollen mit Hilfe des Gleichnisses angeleitet werden, ihr eigenes Tun kritisch zu betrachten.


Ein alltägliche Ereignis macht Jesus zum Mittelpunkt seiner Erzählung. Er schildert eine Situation, die wir sicherlich auch schon ähnlich erlebt haben: Ein Mann hat zwei Söhne. Beiden gibt er den Auftrag, im Weinberg zu arbeiten. Der eine sagt zwar, dass er tun will, was ihm aufgetragen wurde; er geht dann aber doch nicht an die Arbeit. Der andere weigert sich zunächst, es vergeht etwas Zeit, er denkt nach. Seine Sturheit legt sich, der Machtkampf in seinem Innersten ist aus - er geht und tut, was ihm gesagt wurde.


Wer von uns erkennt sich da nicht wieder?


In den Schriftgelehrten und Ältesten der Juden. Sie sagen zwar wie der erste Sohn “ja“ zu dem, was die Gebote von ihnen verlangen, sie lehnen sie nicht direkt ab, den entscheidenden Schritt, nämlich die Änderung ihrer Herzen, aber tun sie nicht. Sie müssen sich durch das Gleichnis sagen lassen: Es kommt nicht auf das Ja-Sagen an, sondern auf das Ja-Tun. Sie sind also im ersten Sohn wiederzuerkennen der antwortete: “Ja, Herr, ging aber nicht.


Anders sind die als Sünder verachteten Zöllner und Dirnen. Sie sind diejenigen, die bei der Predigt des Johannes und bei der Botschaft Jesu aufhorchen, die bereit sind, ihr Leben zu ändern. Diese Gruppe findet sich im Bild des zweiten Sohnes wieder der zunächst “nein“ sagt, dann aber doch tut, um was der Vater ihn gebeten hat.


“Nun, wie steht es mit euch“? möchte Jesus sagen. “Habt ihr euch auch wiedererkannt in dem Spiegel“? Wahrscheinlich habt ihr etwas von beiden Söhnen in euch erkannt. Ist dieses, unser Ja-Sagen, gedeckt durch unser Ja Tun, im Alltag? Wir sagen als Christen immer wieder, dass wir nach Jesu Liebesgebot leben und handeln wollen, dass wir verzeihen und lieben, teilen und mitleiden wollen wie er. Und viele von uns versuchen es ja auch ernsthaft. Aber immer wieder müssen wir feststellen, dass wir doch nur nach unserem Kopf handeln, dass wir trotz unseres Wollens ein Nein leben.


Wenn wir diese Spannung zwischen Ja und Nein erleben und manchmal auch erleiden, dann liegt darin schon die Möglichkeit, wieder anzufangen, unser Nein zu bereuen und trotzdem zu gehen... Das Beispiel des zweiten Sohnes macht uns deutlich, dass eine Änderung unseres Verhaltens immer möglich ist. Umkehren können wir jeden Tag! Lassen wir uns durch das Beispiel des zweiten Sohnes zu einem Neuanfang ermutigen! Denn wie sagte der jüdische Lehrer: »Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht. Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.“

Sonntag, 12. Dezember 2010

13. Dezember: Festtag der heiligen Luzia

Die heilige Luzia (die Lichtvolle, von lat. lux = Licht) ist historisch belegt. Cirka 286 in Syrakus auf Sizilien geboren, starb sie etwa 304 als Märtyrerin unter Diokletian, weil sie keusch leben wollte und deshalb als Christin denunziert wurde. Mit einem Schwertstich in den Hals wurde sie getötet. Andere Quellen berichten, dass man ihr die Augen herausgerissen hat. Lucia wird in der Kunst dargestellt als Jungfrau (Palmzweig) mit Schwert, entweder in der Hand oder durch den Hals, oft trägt sie auf einem Tablett ein Augenpaar. Bestattet wurde sie in einer frühchristlichen Katakombe, über die sich seit byzantinischer Zeit eine Kirche, S. Lucia, heute in der Neustadt von Syrakus gelegen, erhebt. Wo ihre Gebeine heute ruhen, ist umstritten, vor allem zwischen S. Geremia e Lucia in Venedig und dem Vinzenzkloster zu Metz in Frankreich.

In Italien ist Lucia eine populäre Volksheilige, deren Lied „Santa Lucia” weit über Italien hinaus bekannt ist. Bis zur Gregorianischen Kalenderreform 1582 fiel der Festtag der hl. Lucia auf die Wintersonnwende, am 13. Dezember.

Immer den Herrn vor Augen ...

Der heutige Gedenktag der heiligen Luzia ist wie ein Markstein auf dem Weg zur weihnachtlichen Feier der Ankunft des Lichtes: Christus. Ihr Name, vom lateinischen Wort „lux – Licht“ abgeleitet, gibt vielfältig Anlass ihr Gedenken mit einer reichen Lichtsymbolik zu umgeben. So weist sie uns in dieser Adventszeit hin auf Christus, das Licht in den Dunkelheiten des Lebens. In den Verfolgungen des Kaisers Diokletian hat sie 304 den Märtyrertod erlitten. Durch ihr Zeugnis bestätigt sie das Wort der heutigen Lesung: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft“ (Jes 40,31).

„Martyrium“ ist ein dornenreicher Weg der „kleinen Nadelstiche“, der Repressalien, der Ausgrenzungen, der Missverständnisse, der Verleumdungen, der Verlusterfahrungen, der wachsenden Drohkulisse, des Selbstzweifels. Es ist aber auch ein Weg wachsender Gelassenheit, der Sicherheit über den eingeschlagenen Weg der Nachfolge, der Erfahrung seiner Nähe: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.“ In der Erfahrung des eigenen Leidens richtet sich wohl der Blick immer entschlossener auf den leidenden Herrn, der sich selbst unter das Joch des Leidens gestellt hat.

Brauchtum rund um den Lucia-Tag

Weil der Lucientag somit - zumindest über Jahrhunderte — in der dunkelsten Nacht begangen wurde, verband sich die Heiligengestalt — vor allen Dingen in den Alpenländern — mit vorchristlichen Dämonengestalten. Die grausige Lucia trat als hässliche Gestalt furchteinflößend auf, bedrohte schlampige Mägde und ungezogene Kinder. Wer nach dem abendlichen Angelus noch aus dem Haus ging, konnte ihr Opfer werden. Lügnern schnitt sie die Zunge ab. In der Luciennacht war es streng verboten, Brot zu backen, zu spinnen oder zu nähen. Wer es trotzdem tat, musste mit der Rache der grausamen Lucia rechnen.

In Schweden wird die Luciennacht als Mittwinternacht gefeiert. Dort ist Lucia zur lichtertragenden Gabenbringerin geworden. Das älteste Mädchen einer Familie tritt am Morgen des 13. Dezember, dem Lucienmorgen, in einem langen weißen Kleid auf, den Kopf mit einem Kranz aus Preiselbeeren geschmückt, in den brennende Kerzen gesteckt sind. Diese Lucia weckt alle Familienmitglieder und serviert ihnen das Frühstück ans Bett. In den Dörfern und Stadtteilen wird am Vorabend eine Lucienbraut gewählt.

Der Lucientag war früher mit Losbrauchtum und Wetterorakeln verbunden. Z. B. trennten Mädchen am Gedenktag ein Stück Rinde einer Weide ab, ritzten ein Kreuzzeichen in den Stamm und banden die Rinde wieder fest. Wenn sie am 1. Januar die Stelle wieder enthüllten, suchten sie aus den veränderten Zeichen die Zukunft zu deuten.

Vor allem im Burgenland säte man am 13. Dezember Weizen in einen mit Erde gefüllten Teller (Tellersaat, Luciaweizen, Lucienweizen). Wie Barbarazweige schneidet man am 13. Dezember Kirschzweige als Lucienzweige.
Der Festtag der Lucia war im Mittelalter zeitweise und in verschiedenen Gebieten Kinderbeschenktag für Mädchen. © nach Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln (gekürzt und leicht verändert)