Samstag, 22. Januar 2011

Berufen, das Reich Gottes zu verkünden

Der Beruf ist mehr als ein Job

Zur Identität eines Menschen gehört sein Beruf. Wir werden gelegentlich nach unserem Beruf gefragt, wenn offizielle Dokumente ausgefüllt werden müssen. Früher war der Beruf eines Menschen so wichtig, dass er zum Namen wurde. Heute noch heißen viele Müller, Bäcker, Zimmermann oder Schneider.
Das Wort Beruf kommt von Berufung. Der Beruf ist mehr als ein Job. Ein Job ist etwas was ich ausführe, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich identifiziere mich nicht notwendiger Weise mit meinem Job. Beim Beruf ist das anders. Ich übe diese Tätigkeit aus, weil ich mich zu dieser Tätigkeit mehr hingezogen fühle als zu einer anderen. Sie erfüllt mich ganz, ich habe Freude daran, diesem Beruf nachzugehen. Es ist meine Berufung, dass ich das tue und nichts anderes. Berufung ist etwas ähnliches. Wenn sich jemand für einen kirchlichen Beruf entscheidet steckt darin die Vorstellung, dass jemand, ihn oder sie zu einer bestimmten Beschäftigung in der Kirche ruft. Letztlich steckt Gott dahinter. Er beruft.

Gott ruft Menschen in seinen Dienst,
nicht weil sie besonders würdig sind, sondern weil er sie will

Bei Priestern und Ordensleuten haben wir immer von Berufungen gesprochen. Zurückzuführen ist dies auf die Berufungen die wir von der Bibel her kennen. Dort können wir viele Berufungsgeschichten nachlesen. Im alten Testament beruft Gott vor allem Propheten, wie Amos, Jesaja oder Jeremia. Im Neuen Testament ist es Jesus der seine Jünger beruft.
Sie haben sich nicht selbst dazu gemacht. Das Evangelium des heutigen Sonntags (Mt 4,12-23) zeigt, wie Jesus bei der Berufung seiner Jünger vorging: Als er am See von Galiläa entlang ging, sah er dort einige Fischer. Sie waren mit ihrem Handwerk beschäftigt und dachten an nichts Weiteres als an ihre Arbeit. Jesus rief sie einfach: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Und siehe da: Ohne Umschweife folgen ihm die Gerufenen.
Der Vorgang ist unglaublich. Hat der Evangelist die Zwischenstücke einfach ausgelassen? Gab es da nicht doch Bedenken und Zurückhaltung? Es gibt andere Stellen im Neuen Testament, wo von dem einen oder anderen Wenn und Aber die Rede ist. Einmal stand noch die Beerdigung des Vaters an oder wenigstens eine Verabschiedung von Verwandten und Freunden. Einmal konnte ein junger Mann wegen seines Reichtums nicht folgen. Davon lesen wir in der heutigen Bibelstelle nichts.
Interessant ist auch die Wahl seiner Berufungen. Er nimmt einfache Menschen aus dem Volk, Fischer und nicht die Gebildeten der damaligen Gesellschaft. Er hat wahrscheinlich geglaubt: Wer Fische fangen kann, der kann auch Menschen „fischen“, d. h. für das Reich Gottes gewinnen. Wichtig ist nur, dass sie seinen Ruf hören und ihm folgen. Den Rest besorgt Gott.

Berufungen gibt es viele, heute wie morgen.
Entscheident ist, dass Menschen den Ruf Gottes hören

Jesus brauchte nicht nur damals Menschen, die sich als Berufene in seinen Dienst nehmen ließen. Auch heute sind „Berufe“ wichtig. Wir nennen sie „Geistliche Berufe“ oder „Berufe der Kirche“. Die Art der Berufung ist heute nicht so viel anders als damals. Nur geht Jesus nicht mehr sichtbar am See von Galiläa entlang. Er geht auch nicht sichtbar durch die Straßen unseres Dorfes. Er ruft heute durch Menschen.

Da werden in einer Gemeinde Katecheten für die Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion oder der Firmung gesucht. In den meisten Fällen ist es der Pastor der fragt, oder Katecheten, die andere für diese Tätigkeit gewinnen wollen. Sie fragen dann, wer dazu bereit sei, eine Gruppe von Kindern zu begleiten. Das Gespräch verläuft dann oft so: „Ich habe an Dich gedacht!“ „An mich?“ erwidert der oder die Angesprochene. Es folgt das eine oder andere Wenn und Aber. Es werden auch triftige Argumente vorgebracht, die hinderlich sein können. Etwa: „Ich habe einen anstrengenden Beruf und wenig freie Zeit. Ich habe eine Familie, die meine Zeit und Kraft in Anspruch nimmt“. Oder: „Ich kann das nicht“. Doch manchmal folgt die Antwort: „In Ordnung. Ich bin bereit!“ Diese Menschen treten dann nicht in einen geistlichen Stand ein, aber sie haben teil an den geistlichen Berufen.

Auch in Zukunft wird Jesus Menschen in seinen Dienst rufen. Menschenfischer braucht er auch in Zukunft. Die Formen der Geistlichen Berufe können sich ändern, der Inhalt aber bleibt der gleiche. Wir leben in einer Zeit, in der die Zahl der Priester- und Ordensberufe stark zurückgegangen ist. Mindestens kann man das für Europa sagen. Es gibt diesbezüglich bereits viel Ratlosigkeit und guter Rat ist auch hier teuer, wir sollten hier die Hoffnung aber nicht aufgeben. Um so wichtiger ist es, dass alle in der Kirche offen sind für Wege, die der Heilige Geist aufzeigen wird. Es wird so sein, dass der Priesterberuf der Zukunft anders aussieht als der heutige.
Berufungen gibt es viele, heute wie morgen. Und es ist immer derselbe Herr, der die Berufung ausspricht. Wenn wir ein Klima schaffen, in dem der Ruf des Herrn gehört werden kann, wird es auch in Zukunft für das Reich Gottes Menschenfischer geben in ausreichender Zahl.

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