Samstag, 29. Januar 2011

Jesu Traum von einer neuen Welt


Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg.
Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.(Mt 5,1-12)

Wer keine Visionen hat, vermag weder große Hoffnungen zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen. Wer keine Vision hat, der wird die Realität nicht bestehen. Wer keine Visionen, also keine Zukunftspläne, wir können auch sagen wer keine Träume mehr hat, landet sehr schnell auf dem Abstellgleis, ist schnell veraltet.

Firmen entwickeln Visionen bezüglich ihrer Produkte, die sie herstellen wollen. Sie versuchen herauszufinden, welche Bedürfnisse Menschen in fünf oder zehn Jahren haben. Neue Produkte, neue Ideen kommen auf den Markt. Nicht alle kommen sie beim Verbraucher an aber so manches Produkt entwickelt sich zum Kassenschlager. Aber nur so kann sich Neues entwickeln. Nur so können neue Wege ausprobiert werden.

Wer aufhört zu träumen, hat auch oft schon resigniert. Träumen von einer neuen Welt, Ideen über neue Wege entwickeln, das ist in jedem Alter erlaubt und sogar sehr wünschenswert. In seiner berühmten Rede beginnt Martin Luther King, der Bürgerrechtler in den USA, der wegen seines Einsatzes für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ermordet wurde, jeden Satz mit den Worten: "Ich habe einen Traum ..." Und das was er damals erträumt hat, ist inzwischen zum großen Teil Wirklichkeit geworden.

Besonders junge Menschen träumen. Sie haben Ideale und Wünsche. Sie träumen wie ihre Zukunft beruflich und familiär aussehen könnte und sie träumen von einer neuen Welt. Eine Welt ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne Korruption.

Auch Jesus hatte einen Traum. Er träumte von einer neuen Welt, von der Welt wie sie sich Gott gedacht hat. Doch Jesus hatte nicht nur einfach einen Traum. Sondern Jesus hat genau gesehen, wie diese Welt und das Leben der Menschen sein könnte. Er schenkt uns auf dem Berg der Seligpreisungen die Richtlinien dieser neuen Welt.

Man mag zuerst ein wenig zurückschrecken, sich überfordert fühlen. Man mag sie als Träumerei abtun, nur für bestimmte, besondere Christen umzusetzen. Es lohnt sich aber diese Seligpreisungen, die Gebote der neuen Welt einmal anzuschauen.

Jesus sagt: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich." Das ist keine Vertröstung der Armen auf später, auf „das Himmelreich“. Jesus rechtfertigt die Armut in der Welt nicht. Arm vor Gott sein heißt: ich bin einzig und allein auf Gott angewiesen. Mein Leben, alles, was ich im Leben erreiche und bekomme, ist Geschenk. Arm sein vor Gott ist der Zustand wenn man in Sorgen und Problemen ertrinkt, wenn man keine Perspektive im Leben mehr sieht. Wenn man erkennt, dass die eigene Kraft nicht ausreicht und man Gottes Hilfe benötigt, wenn man merkt, hier gibt es nur noch EINEN der helfen kann, dann ist man arm vor Gott. Jesus sagt zu diesen Menschen: „Ihr seid selig“. Und er gibt ihnen wieder eine Perspektive für ihr Leben: „Euch gehört das Himmelreich“.

Selig, die keine Gewalt anwenden: Der Glaube an Gott macht mich stark. Weil ich durch den Glauben an Gott stark bin, brauche ich mir nicht mit Gewalt Macht aneignen. Gewalt erzeugt immer neue Gewalt. In der neuen Welt, die Jesus aufbauen möchte, brauche ich keine Gewalt, ich brauche kein Recht um jeden Preis. Gott selber wird mir beistehen und mir zu meinem Recht verhelfen, denn Jesus sagt von den Gewaltlosen „Sie werden das Land erben“ womit Jesus sicher das Land meint in welches die Gerechten am Ende des Lebens einziehen, da, wo wir alle hin möchten in das Land, wo weder Geld noch Macht eine Rolle spielen, sondern wo jeder die gleichen Lebenschancen hat, weil dort die Liebe Gottes wohnt.

Selig die Barmherzigen: Wer sich selber auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen fühlt der wird hoffentlich auch seine Mitmenschen mit den Augen Gottes zu sehen. Wenn das der Fall ist erwächst daraus Barmherzigkeit. Dann verurteile ich einen Mitmenschen nicht, versuche in jedem ein Abbild Gottes zu sehen, in jedem armen und geringen Jesus zu entdecken, versuche zu verstehen, warum ein Mensch so und nicht anders geworden ist und überlasse das Urteil getrost und gelassen dem Hergott.

Dann spricht Jesus von denen, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen. Wer ist denn reinen Herzens? Antwort: wer aus Liebe handelt, wer seinem Gewissen folgt! Wer nicht beeinflussbar und käuflich ist. In einer oft schmutzigen Welt der Lüge, der Habgier, der Gewalt und der sexuellen Zügellosigkeit geht von einem Menschen, der ein lauteres, bescheidenes und reines Herz hat, eine durchdringende Kraft aus. Die Welt braucht diese Reinheit. Als Christen haben wir den Auftrag, in allem lauter zu sein und unsere Leidenschaften der ordnenden Kraft des Geistes zu unterstellen.

"Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden." Hier bezieht der Text sich wieder auf die Menschen mit reinem Herzen. Diese Personen sollen friedsam, geduldig und sanft gegen jeden sein; ein zorniges Herz kann nie rein sein, denn der Zorn entsteht stets aus Hochmut. Unsere Welt, in der Krieg und Gewalt, Ungerechtigkeit und Feindseligkeit allgegenwärtig sind, braucht Menschen, die als Boten der Frohen Botschaft Jesu mutige Schritte des Friedens gehen.

Wenn ich jetzt die letzten Gedanken Revue passieren lasse, dann spüre ich: Jesus hat uns hier in den Seligpreisungen eine neue Lebensmöglichkeit aufgezeichnet. Was er verheißt, das können wir bereits in diesem Leben erfahren. Denn überall wo diese Haltungen der Seligpreisungen eingeübt werden, beginnt ein Stück „Himmelreich“ auf Erden. Auf dem ersten Blick scheinen Menschen zu verlieren, aber wer mit Jesus lebt, der gewinnt, wer mit Jesus lebt ist auf der Gewinnerseite, denn: „Ihr Lohn im Himmel wird groß sein“.

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