Donnerstag, 27. Januar 2011

Thomas von Aquin - der wohl größte katholische Theologe aller Zeiten


Die Kirche gedenkt heute des heiligen Thomas von Aquin, der im 13. Jahrhundert unter anderem in Paris Theologie lehrte. Er hat das Denken späterer Jahrhunderte befruchtet wie kaum ein anderer Kirchenlehrer. „Doctor venerabilis“ und „Doctor angelicus“ – der bewundernswerte und engelgleiche Lehrer – sind seine Ehrennamen.

Aus seiner Feder stammen jedoch nicht nur hoch komplizierte theologische und philosophische Werke wie die „Summe der Theologie“, sondern auch Gebete und Lieder, die seine tiefe Frömmigkeit erahnen lassen. Thomas war ein großer Gelehrter, aber er wusste, dass wir Gott nie ergründen können; wenn wir ihn jedoch aufrichtig suchen, wenn wir uns öffnen und uns von ihm beschenken lassen, werden wir ihn finden.


Thomas, geboren als Spross des italienischen Grafengeschlechts derer von Aquino, kam mit fünf Jahren als Oblate - als gottgeweihtes Kind - zu den Benediktinern ins Kloster auf dem benachbarten Montecassino, wo sein Onkel Abt war, der ihn für eine große Karriere präparieren sollte. Mit 13 Jahren studierte Thomas in Neapel Grammatik, Logik und Naturwissenschaften und lernte dort den noch jungen Dominikanerorden kennen. Gegen den Willen der Eltern trat er 1244 in diesen Orden ein. Um ihn von dieser Entscheidung abzubringen, ließ seine Mutter ihn durch seine Brüder gefangen nehmen und hielt ihn über ein Jahr lang im eigenen Schlossturm gefangen. Mit Hilfe einiger verkleideter Ordensbrüder soll ihm schließlich die Flucht aus dem Familiengefängnis gelungen sein. Nach seiner Befreiung im Herbst 1245 folgten weitere Studien in Bologna, von wo ihn der Ordensmagister der Dominikaner nach Paris, zum Studium bei Albertus Magnus sandte; mit diesem ging er 1248 nach Köln. Dort wurde er dessen Assistent beim Aufbau des Studium generale und hielt erste Vorlesungen zu biblischen Themen. Mit philosophisch-theologischen Vorlesungen begann Thomas 1252 in Paris seine eigenverantwortliche Lehrtätigkeit. 1256 wurde er zum Magister der Theologie ernannt und 1257 - zugleich mit Johannes Bonaventura in den Magisterkreis aufgenommen.

Im Herbst 1259 kehrte Thomas nach Italien zurück, wohl erst nach Neapel, nun begann er an seiner Summa contra gentiles zu arbeiten, dem Lehrbuch gegen die (ungläubigen) Völker, in dem er sich tiefschürfend mit der arabischen Philosophie auseinandersetzte. 1261 beendete er diese Arbeit. Im Auftrag von Papst Urban IV. stellte er hier auch die Catena aurea, die goldene Kette zusammen, eine Sammlung von Kommentaren der Kirchenväter zu den Evangelium, die dann weite Verbreitung fand. 1265 wurde er nach Rom gerufen, um dort ein Studium für die Begabtesten der Studenten aufzubauen. Hier begann er nun sein bekannteste Werk, die bis heute wegweisende Summa theologiae, das Lehrbuch der Theologie.


Thomas bemühte sich in seinen Werken Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammen zu bringen.



Bis zu Thomas stand die Theologie unter dem Einfluss der von Plato beeinflussten Tradition des Augustinus; Thomas ließ sich vom wiederentdeckten Philosophen Aristoteles beeindrucken und versuchte, die christliche Lehre in seinen Denkkategorien auszudrücken. Thomas wurde so zum Meister der Scholastik, dem schulmäßigen und systematischen Ordnen der Lehre der Kirche in einem strengen System. Er war ein glasklarer Denker von höchster analytischer Intelligenz, zugleich aber auch ein frommer Beter und demütig Glaubender.




Sonne, Stern und Edelstein, mit denen er dargestellt wird, symbolisieren sein Geisteslicht, mit der er die Kirche erleuchtete; die Taube aus seinem Mund oder ihm ins Ohr flüsternd symbolisiert seine Weisheit.

In einer Eucharistiefeier wird Gott für Thomas zur lebendigen Erfahrung

Die Legende schreibt ihm einen kurzen Dialog unter einem Kreuz zu: Er habe die Stimme Jesu Christi gehört: Du hast gut von mir geschrieben; welchen Lohn verlangst Du? Darauf Thomas: Nur Dich allein, Herr. So kommt es, dass Thomas nach dieser Vision von seinem Lebenswerk nichts mehr wissen will. Ab dem Nikolaustag 1273 - der Überlieferung nach der Tag seines mystischen Erlebnisses - weigerte er sich, weiter zu schreiben: "Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Spreu, verglichen mit dem, was ich geschaut habe".

Auf dem Weg zum 2. Konzil von Lyon, wohin ihn der Papst als Berater geladen hatte, starb Thomas in der Zisterzienserabtei Fossanuova; legendäre Gerüchte sprechen von Vergiftung. Er selbst hatte alle Würden immer abgelehnt, nach seinem Tod wurde er aber zum Bischof von Umbrien erklärt. Thomas' Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt.

Keine Kommentare: