Dienstag, 18. Januar 2011

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 19. Januar 2011.


Die Heilung eines Mannes am Sabbat

Gesetze und Gebote sind da, um das Leben der Menschen in geordneten Bahnen laufen zu lassen. Sie sind da, damit Menschen gut und verantwortlich zusammenleben. Wenn Gesetze aber all zu kleinlich ausgelegt werden fehlt den Menschen bald die Luft zum atmen.

Solche Situation beschreibt uns das Evangelium. Jesus ist schon viermal mit den Gesetzeslehrern in Konflikt geraten. Weil er Sünden vergibt, weil er mit Sündern isst, weil er und seine Jünger nicht fasten und weil seine Jünger am Sabbat Ähren abreißen und essen. Das ist alles laut jüdischem Gesetz verboten.

Heute nun kommt es zu einem weiteren Konflikt: Als er ein andermal in eine Synagoge ging, saß dort ein Mann, dessen Hand verdorrt war. Und sie gaben Acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen. Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand war wieder gesund. Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen (Mk 3,1-6).

Jesus macht den Pharisäern klar: Gesetze sollen nicht knechten. Sie müssen immer auch Spielräume lassen, die besondere Situationen einschließen. Jesus wollte, dass von Menschen gemachte Gesetze auch menschlich bleiben. Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat. Denn in diesem Fall geht es nicht nur um die Heilung selbst, sondern darum, dass sie an einem Sabbat stattfand. Das ärztliche Tun wurde in der jüdischen Mentalität als Arbeit bewertet und durfte nach pharisäischer Anschauung am Sabbat nicht verrichtet werden, es sei denn bei Lebensgefahr.

In der Erzählung von dem Mann mit einer verdorrten Hand tritt noch etwas zum Vorschein: Die Spannung, die das Tun der jungen Kirche auslöst, weil sie sich im Gegennsatz zu den hergebrachten Bräuchen befindet. Diese Spannung wird stets spürbarer.

Die Aufmerksamkeit der Pharisäer richtet sich auf Jesus und auf sein Verhalten dem Behinderten gegenüber. Es herrscht eine gewisse feindselige Spannung: sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. Es ist gleichzeitig die Spannung, unter der die ersten Christen litten, die man ebenfalls argwöhnisch in ihrem Umgang mit Leidenden beobachtete. Die Christen richten sich nach dem, was ihnen Jesus vorgegeben hat: Er sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf and stell dich in die Mitte! Vermutlich hatte der behinderte Mann sich unauffällig im Hintergrund gehalten. Jesus ruft ihn aus der Unscheinbarkeit heraus und stellt ihn vor die Augen aller. Das ist eine eindrückliche Zeichenhandlung: der, der sich am Rande befand, wird in die Mitte gerückt. Aus der Sicht der christlichen Gemeinde ist damit ein neuer Anspruch gegeben: Die Leidenden stehen nicht am Rande, sondern im Zentrum, ein Anspruch, der bis heute seine Provokation nicht verloren hat.

Wir können diese Erzählung auch aus der Perspektive des Geheilten lesen. Er wird froh und dankbar für seine Wiederherstellung gewesen sein. Mit seiner Heilung verkörpert er gleichsam die Situation der Christen, die in irgendeiner Weise von Jesus geheilt wurden, nicht nur von Krankheiten oder unreinen Geistern, sondern innerlich in ihrer Seele von all dem, was ihr Leben bedrückte. Sie fühlten sich geheilt und befreit zu neuen Lebensperspektiven, zum Glauben an Gottes Güte und Verheißungen. In diesem Glauben liegt der letzte Grund für ihr Tun und für ihr Verständnis vom Sabbat, der das Leben nicht beschränken, sondern eröffnen soll.

Keine Kommentare: