Donnerstag, 10. Februar 2011

Das verlorene Paradies


Am Mittwoch hörten wir in der Lesung wie Gott den ersten Menschen erschuf, Adam. Gestern wurden wir dann Zeuge wie Adam allem Getier des Feldes, des Himmels und des Meeres einen Namen gab, aber „eine Hilfe die dem Menschen entsprach fand er nicht (Gen 2,20). So kommt es, dass Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf über den Menschen fallen ließ, dieser einschlief, Gott entnahm ihm eine Rippe und formte daraus die Frau (vgl. Gen 2,21f).

Die Grundaussage dieser Erzählung ist: der Mensch ist ganz Geschöpf Gottes! Er ist sogar sein bevorzugtes Geschöpf, auch wenn er als letztes von allen Lebewesen erschaffen wird. Und noch etwas: Beide, Mann und Frau stehen in Bezug zueinander. Gott hat sie von Anfang an füreinander geschaffen. „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch“. (Gen 2,24)

Der Verlust des Paradieses

Adam und Eva lebten glücklich und erfüllt lange Zeit im Paradies. Doch dann werden die Menschen anmaßend. Sie wollen selbst göttlich sein, Herr über Gut und Böse: Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. (Gen 3,1-8)

Im Rahmen dieser Erzählung ist die Schlange zunächst nichts anders als die Person gewordene Versuchung. Sie sät Zweifel und Misstrauen bei den Menschen aus und zieht sich dann leise zurück. Die Saat wird aufgehen.

Worin bestand die Sünde? Im Essen der verbotenen Frucht. Aber welches war die verbotene Frucht? Ob es ein Apfel oder eine Feige war – die Bibel sagt weder das eine noch das andere – ist unwichtig. Wesentlich ist, dass der Mensch Gott misstraute, ihm den Gehorsam verweigerte und die Frucht an sich riss, von der er die Erkenntnis von Gut und Böse erhoffte: Wissen Macht, Fülle des Lebens. Die Folgen werden kurz angedeutet: Die Menschen schämen sich voreinander und vor Gott.

Trennung, Angst, Spaltung: das ist seither die Welt. Denn die Sünde geschah nicht nur einmal, sie geschieht immer wieder, ja sie wächst mit den Möglichkeiten, die dem Menschen im Lauf der Jahrtausende zuwachsen.

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